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xvn Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 18. Mai 1882.

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(Fortsetzung folgt.)

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zu stände komme und wenn auch die Sommerfrische durch die Arbeit verhindert würde. Er ist ein Anhänger der Zwangsversicherung, aber ein Gegner jeder Staatsindustrie, also auch der Staats- oder Reichsversicherung. Hierauf wird die Debatte geschlossen. Die beiden Entwürfe werden einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung am 6. Ium. _______

Abg. Petersen betont, daß das Hauptbestreben darauf gerichtet sein müsse, die Arbeiter gegen alle Unfälle zu sichern, und zwar in einer einfachen und billigen Weise, wobei Prozesse vermieden und der soziale Frieden gefördert würde. Das genossenschaftliche Prinzip der Vorlage könne man im allgemeinen wohl billigen, indes ständen demselben, so wie cS formuliert, doch erhebliche Bedenken entgegen. Ob die Beiträge zu der Krankenkasse (zweidrittel Arbeiter, eindrittel Arbeitgeber) richtig abgemessen, werde die Kom­mission zu prüfen haben. Der Redner erklärte sich dann namentlich gegen das Umlageverfahren und gegen den Reichszuschuß, da eS nicht gerechtfertigt sei, die Industrie zu entlasten auf Kosten anderer Steuerzahler. Mit dem Interesse der Gemeinden lasse sich der Staatszuschuß auch nicht rechtfertigen. Jedenfalls könne die Industrie beim Umlageverfahren in der ersten Zeit die Last sehr leicht tragen. Es ist im Gesetze auszusprechen wie der Vorredner gewollt, daß, wenn die Industrie im Laufe der Zeit die Lasten nicht sollte tragen können, daS Reich einen Beitrag übernehmen werde, halte er nicht für zu­lässig. Die bestehenden Versicherungsgesellschaften auf Gegen­seitigkeit und auch die Aktiengesellschaften will er nicht ohne Not beseitigen. Natürlich müßten sie Normativbestim­mungen unterworfen werden. Seine naticnalliberalen Freunde wünschten übrigens lebhaft, daß die Unfallver­sicherung in dieser Session geregelt werde.

Abg. Grad verlas eine längere Erklärung, woraus hcrvorgcht, daß er mit dem Prinzip- der Krankenver- flcherungSvorlage im allgemeinen einverstanden ist und daß er die Unfallversicherung, wie im vorigen Jahre, ohne RetchSzufchuß, wie ohne Beiträge der Arbeiter will.

Abg. Lasker hat erhebliche Bedenken gegen die Vorlagen, besonders gegen das System des Unfallgesetzes. Die Vorlage betreffs der Unterstützung der Kranken habe zwei Hauptschwächen. Zunächst könne sie nicht lösen, was sie verspreche: die Kranken vor dem Ruin zu schützen. Weiter aber verquicke sie irrationeller Weise zwei heterogene Dinge: die Krankenpflege und die Haftpflicht. Die letztere lege sie in ungerechter Weise zum teil dem Arbeiter selbst auf. Der bureaukratische Organismus der Versicherung sei zu kompliziert; die Beteiligung an der Selbstverwal­tung fei ungenügend gesichert, vielmehr überall der Ver­waltungsbehörde daS entscheidende Wort gelassen. Redner ist gegen den Reichszuschuß. Das Krankengesetz könnte al« wirtschaftliche Reform bald zustande gebracht werden. Da« Unfallgesetz dagegen sei noch nicht spruchreif. Der Bevollmächtigte deS Bundesrates Lohmann tritt diesen Angriffen entgegen, spricht sich dem Vorredner gegenüber für beide Vorlagen auS und weist mit Entschiedenheit namentlich den Vorwurf zurück, als ob das Unsallgesctz noch nicht genügend vorbereitet und durchgearbeitet sei.

Abg Lenzmann wünscht, daß etwa« Gedeihliches

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Novelle von 81. Horst.

(Fortsetzung)

In einem eleganten Stadtteile Wien« lag da« präch­tige, im Stile einer Villa erbaute Wohnhau« deS Bankiers Nepomuk Ein Geldmann wird immer gesucht, wenn man ihn braucht, deshalb hatte Nepomuck auch in den untern Räumlichkeiten seine« Wohnung«gebäuoeS sein Geschäft placiert. Mehr als ein halbes Dutzend aneinander stoßender Zimmer gaben genügenden Raum zu Comptoir«, Kaffen- zimmern und EmpfangSräumlichkciten und in der ersten Etage des Gebäude« hatte der Bankier Nepomuck eine reizende, mit allem Komfort der Neuzeit auSgestattete Wohnung, die weit mehr Räumlichkeiten darbot, al« Nepomuck eigentlich bedurfte, denn vor zehn Jahren hatte er durch den Tod feine Gattin verloren und von jener Seit ab bis in die jüngste Gegenwart hatte feine Familie nur aus seiner Person, seiner Tochter Gisela und einer älteren Verwandten der Familie, welche seit dem Tode der Gattin Nepomuck« die Funktionen der Hausfrau über- nonimen hatte, bestanden. Noch vereinsamter als früher sah es jetzt in den WohnungSräumen Nepomuck« aus, denn seine Tochter war seit zvs'i Tagen mit dem Baron Eurt von Swoboda vermählt und die wenigen Mitglieder der Familie noch um eine Person verringert; desto mehr waren die untern Räume deS Hause«, die Geschäftslokalitäten, mit Insassen versehen. Wohl 10 Comptoiristen und andere kaufmännische Gehülsen befanden sich im Dienste Nepomuck«; außerdem standen an der Spitze seine« Geschäfts noch zwei Vertrauenspersonen, ein Disponent und ein Kassierer, zu­dem entfaltete Nepomuck auch noch eine große geschäftliche

Reichst«,.

Berlin, den 16. Mai.

In der heutigen (11.) Plenarsitzung des Reichstags erhielt bei Fortsetzung der ersten Beratung der Gesetz­entwürfe betr. die Unfallversicherung und die Krankenver- Merung der Arbeiter zuerst da« Wort

Abg. Frhr. von Maltzahn-Gültz: Derselbe kon­statierte als den au« dem Charakter der bisherigen Beratungen hervorgehenden Eindruck, daß alle großen Parteien eine Verständigung auf dem vorliegenden Gebiete nicht nur für wünschenswert, sondern auch für möglich halten. Die Konservativen ließen stch nicht abhalten, für das ihnen zweckmäßig Scheinende einzutrrten, wenn man ihnen auch falsche Motive unterlege ober sie mit dem Sozialstaate zu schrecken suche. Inzwischen seien die sozialen Aufgaben, die zu erledigen feien, so neu und so schwierig, daß man sich genügen lassen müsse mit einem schrittweisen Vorgehen auf diesem Gebiete, und nicht ausschließe, daß es als zweckmäßig zu erachten sei, daß die Krankenver­sicherung jetzt gleich mit in Angriff genommen sei. Da« Prinzip der Genoffenschaften, welche« der Unfallentwurf enthalte, fei im allgemeinen wohl zu billigen; im großen und ganzen halte er überhaupt den Gedanken, auf dem die Vorlage beruhe, für richtig. Um etwa« Vollkommene« zu schaffen, fehlen überhaupt die nötigen Erfahrungen. Die gestrige Bemängelung der in der Vorlage vorgesehenen Zentralstelle seitens de« Abg. Sonnemann kann daher Redner nicht für begründet halten. Nicht unbedenklich ist ihm aber, daß der Arbeiter in der gegenwärtigen Vorlage in der ersten Zeit eint« Unfall« höher belastet sei, al« in der des Vorjahre«, andererseits sei e« aber sehr wichtig, daß die Arbeiter vor der eigentlichen Armenpflege bewahrt blieben. Ob das Verhältnis zwischen den Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeiler richtig getroffen, laste er dahin gestellt. Ein innerer Grund für Ausschluß der Arbeiter in der Land- und Forstwirtschaft von dem Gesetze bestehe nicht; auch liege darin eine gewiste Unbilligkeit, die um so mehr hervortreten werde, wenn in einem Orte Industrie und Landwirtschaft neben einander existieren. Dieser Miß­stand trete auch noch greller hervor, wenn man den Reichs­zuschuß in betracht ziehe. Inder halte er doch, und zwar lediglich aus praktischen Gründen, für jetzt den Ausschluß der Landwirtschaft geboten. I» der Landwirtschaft kämen ganz verschiedene Kategorien in Betracht, und das schon in Gegenden, wo, wie in Neu-Vorpommern, die Verhältnisse an sich sehr einfach liegen. E» würde daher der Kom- Mission unmöglich werden, jene Kategorien gegenwärtig schon in der Vorlage einzusügen. Daß die Reichs-Post- verwaltung mit ihrem Betriebskapital zur Ausführung de« Gesetzes herangezogen werde, erscheint ihm unbedenklich, anders steht er dem ReichSzuschuste gegenüber, bezüglich desten er auf die oft geäußerten Bedenken zurückkommt.

Zur egyptischen Krifis.

In dem eigentümlichen Drama, welches sich zur Zeit in Kairo, der Hauptstadt Egyptens, abspielt und das augenblicklich die allgemeine politische Lage vollständig be­herrscht, folgt sich der Dekorationswechsel sehr rasch. Noch vor wenigen Tagen wurde die Entthronung deS egyptischen Schattenkönigs, Tewsik Pascha, durch sein eigenes Mini­sterium, dessen Serie der Kriegsminister, der bekannte Arabi Pascha, der Führer dernationalen", d. h. arabischen Partei in Egypten, ist, für unmittelbar bevorstehend ge­halten und dieses Ereignis hätte gerade nicht sehr über­raschen können, da ja schon seit längerer Zeit zwischen den Mächten Unterhandlungen über die Absetzung Tewsik Paschas stattfanden. Nach neueren Mitteilungen aus Kairo hat sich indesten die dortige politische Szenerie wesentlich zu gunsten des VizekönigS verändert und zwar infolge der Weigerung der vom Kabinett Mahmud Barondi Pascha einberufenen Notabeln, in die Absetzung des egyptischen Herrschers zu willigen. Der Premier Mahmud Pascha hat deshalb seine Entlastung genommen, Mustapha Pascha, der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, wird wahr­scheinlich seine Stelle einnehmen, die übrigen Minister ver­bleiben einstweilen auf ihren Posten und somit hat die Kristö im Pharaonenlande anscheinend ihr Ende erreicht. Arabi Pascha, der eigentliche Urheber der Krisis, hat also den von ihm geplanten Staatsstreich, als desten Zweck die Absetzung Tewsik Pascha« und seine Ersetzung durch einen von den fremden Mächten möglichst unabhängigen Mann, in diesem Falle Arabi Pascha selbst, wieder aufgeben müssen. Zum Teil mag ihn hierzu die überraschende feste Haltung der egyptischen Volksvertretung, deren Mitglieder man bis jetzt nur als Marionetten in den Händen des Ministeriums betrachtete, sowie die nicht minder energische Haltung Tewsik Paschas gegenüber dem Ministerium be­wogen haben; aber auch der Umstand, daß Arabi Pascha sich auf die Armee nicht unbedingt verlassen konnte, mag ihn zu seiner plötzlichen Nachgiebigkeit bestimmt haben.

Hierzu kommt aber noch ein Drittes: Die entschiedene Stellung der Westmächte gegen das egyptische Ministerium und speziell gegen die Partei Arabi Pascha«, und diesen Gegern mochte sich der Führer der arabischen Partei, trotz seiner Prahlerei, daß auf einen Wink von ihm 60000 Beduinen zu feinen Befehlen ständen, doch nicht gewachfen fühlen. WaS aber die Mächte veranlaßt, Arabi Pafcha

ganze Liebe zuwandte."

zügen und gut gewachsener hoher Gestalt, antwortete darauf ziemlich erregt:

Nun, das sage ich Ihnen, Hellberg, wenn es mir hier zu bunt wird, so gehe ich bei Z iten."

Aber mein bester Herr Seytried," entgegnete darauf mit einem verschmitzten Lächeln der um zirka zehn Jahre ältere Hellberg,erhitzen Sie sich doch nicht allzusehr über diese Angelegenheit, der Schwiegerpapa des Herrn Baron, unser Herr Prinzipal, hat auch noch Verstand im Kopfe und wird dem lieben Schwiegersohn die Zügel nicht allzu­sehr schießen lassen und dann habe ich auch noch einige Hoffnungen auf die Einwirkungen unserer braven Gisela auf ihren Herrn Ehegemahl gesetzt, freilich, Sic, Herr Seyfried, stehen der ganzen Affaire nicht mit ungetrübten Augen gegenüber."

Ich habe Ihre Anspülungen nun aber gerade satt, Herr Hcllbcrg," rief jetzt in fast barschem Tone der Kassierer des Hause« Nepomuck,und ich muß Ihnen nun eine bündige Erklärung abgeben. Ja, ich habe cs gewagt, Fräulein Gisela, in welcher ich das Muster eines weib­lichen Charakters verehre, zu lieben, gab mir doch auch Herr Nepomuck alle mögliche Gelegenheit dazu. Als ich im Hause Nepomuk meine Lehrzeit, während welcher er mich mehr wie einen Sohn, als wie einen Fremden be­handelte, beendigt hatte, verschafften mir seine Einladungen häufigen Zutritt zu seiner Familie, und wenn ich dann nun in Gisela, dem für die Meisten so unscheinbaren Wesen, alle« da« schätzen und ehren lernte, wa« man überhaupt unter den weiblichen Tugenden versteht, so ver­mochte ich e« auch nicht zu verhindern, daß ich ihr meine

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«meiden nimmt entgegen: Spebttion d. Blattes. l»«ied.Annoneen-Bureauk

Dietrich u. So. tn s-ffel und Hannover; Th. Kch in Frankfurt a.M.; Lfenftein u-Vogler m imntfurt a- M-, Berlin, ö, Köln ic.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank- *" furt a. -vl- K.

Thätigkeit und cS stand mindesten« so viel fest, daß er die ganze GeschäftSleitung inspirierte.

Auch an diesem Vormittage saß er emsig beschäftigt in seinem Arbeitszimmer, welches durch ein besonderes Kassen­zimmer, zu welchem er sich im Allgemeinen allein den Zu­tritt Vorbehalten hatte, von den andern GeschäftSlokalitäten getrennt war. Mit sichtbarem Jntereste las Nepomuck eingegangene Briefe, studierle KourSzettel, machte sich No­tizen und rechnete, wobei zuweilen ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht glitt. Nepomuck konnte auch recht zu­frieden sein, denn sein Vermögen wurde auf einige Millionen Gulden geschätzt und sein Kredit erreichte gewiß den doppelten Betrag, weil da« Ansehen seine« Geschäfts noch niemals durch die geringsten Zahlungsstockungeii beeinträch­tigt worden war. Sein Glück schien auch »och einen weiteren Zuwachs soeben erhalten zu haben, denn seine Tochter hatte sich ja mit dem Baron von Swoboda ver­mählt und auf diese Weise ihrem Reichtume auch noc^, einen erlauchten Namen mit den dazu gehörigen Ehren und Würden hinzugesügt. Wie freilich die Welt über diese Vermählung urteilte, wußte und ahnte Nepomuck in seiner Verblendung nebst seiner Tochter nicht, und ging die Verwunderung über diese Ehe so weit, daß selbst Viele, welche in die Verhältniffe NepomuckS eingeweiht waren, bedenklich den Kopf dazu schüttelten.

Diese neue Verwandtschaft wird für uns den Zweck haben, daß unsinnige Summen auf Nimmerwiedersehen in die Taschen der adeligen Anverwandtschaft verschwinden werden," sagte der Disponent des Hause« Nepomuck zu dem mit ihm in einem Zimmer beschäftigten Kassierer. Dieser, ein junger Mann von sehr angenehmen GestchtS-

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentl.chen BettageJllustrkrteS So««tagSblatt" durch die Expedition (Kochfche Buchdruckerei) bezogen !/♦ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebithr.) - JnsertionsgebUhr für bie gespaltene Zette 10 Pf«. ® W Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

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