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wage, die Milizvcrfassung im deutschen Reichstage zu empfehlen. Daß der Abg. Mayer, obwohl mit den württem- bergischen Finanzvcrhältnissen bekannt, Mehreinnahmen deS Reich« nicht für nötig halte, verstehe er nicht. Die ganze Krage, um welche cS sich hier handle, werden jedenfalls nicht eher zur Ruhe kommen, bis der Tabak zu der ihm gebührenden erhöhten Besteuerung herangezogen sein würde.
Abg. Frhr. v. G ö l e r (13. badensche Wahlkreis, konservativ) ist gegen daS Monopol auö volkswirtschaftlichen und sozialen Gründen und weil dasselbe eine ungleiche Besteuerung enthalte. Die finanzielle Selbstständigkeit deS Reiches wolle auch er; aber zur Erreichung der allerdings notwendigen Vermehrung der RetchSeinnahmen, behufs Erleichterung der Einzelstaaten und Kommunen hält er
Der Reichstag beschloß in namentlicher Abstimmung mit 162 gegen 121 Stimmen die Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern.
Nächste Sitzung Montag. Zur Beratung steht die Vorlage betreffs der Unfallversicherung.
das Monopol/
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- 8. Daube u. So. in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendan! in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.
Der Brand der Hyglelne-Ausstellnng in Berlin.*)
Ueber die ungeheueren Verluste, welche mit der Vernichtung de« Ausstellun.Sgebäude» am Freitag Abend entstanden find, sei nur annähernd hier folgendes erwähnt, und der geneigte Leser wird hieraus ein Bild erhalten von dem Umfang und der Bedeutung der Ausstellung sowohl, als von der Größe der Verluste überhaupt.
Da waren Apparate zur Untersuchung deS Grund und Bodens und der atmosphärischen Luft, Ausstellung von Pflanzen, deren Anbau geeignet ist, den Boden auSzn- lrvcknen, da warens Darstellungen der Methode zur Be- ststigung von Straßen und Wegen, Apparate zur Etraßen- uinigung und zur Reinigung von Flußläufen und Kanälen, iu Kanalisations-Anlagen gehörige Maschinen und Apparate, Bvrrichtungen zur Abfuhr der AbgangSstoffr, öffentliche Abort-Anlagen. Da waren Waflerproben nebst Analyse, Apparate zur Untersuchung deS Wassers, da war eine Gruppe der öffentlichen Beleuchtung, eine solche der Versorgung größerer Städte mit Lebensmitteln, die Modelle d°n Markthallen, Viehhöfen, Schlachthäusern, Mühlen und Bäckereien, Trinkhallen für Milch, Mineralwasser rc., Dransportvorrichtnngen für Vieh, Fleisch, Fische, Geflügel, -lliilch, Gemüse rc., sowohl auf Eisenbahnen, wie auf Land« und Wasserstraßen, Apparate zur Konservierung von ^vensmitteln. Da war die Gruppe der öffentlichen Wasch- und Trocken-Anstalten, der öffentlichen Badeanstalten, die der öffentlichen UnterrichtS-Anstalten. Da _°at ferner eine „Gruppe 10*, „Das Wohnhaus* betitelt.
.*) Wegen Mangel an Raum müssen wir auch heute unser ^"toeton. um diesen Artikel nicht veralten zu lassen, nochmals Mssallen lassen.
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Nach Ablehnung eines Schlußantrages plaidiert Frhr. v. Hammerstein aus wirtschaftlichen Gründen für daS Monopol, dessen Nutzen in der Debatte durch nichts widerlegt worden sei.
Nach dem Schluffe der allgemeinen Debatte bemerkt Abg. Richter als Mitantragsteller des Antrages Ausfeld, der sozialistische Gedanke komme in der Vorlage prägnant zum Ausdrucke. Das Monopol trete mit der Behauptung auf, der Staat könne ebenso gut und ebenso billig fabrizieren, wie die Privatindustrie und die letztere stecke einen ungerechten Gewinn von 180 Mill. Mark in die Tasche. Genau dasselbe sage die Sozialdemokratie. Die Vorlage bringe der Sozialdemokratie mehr Vorteil, als des Sozialistengesetz ihr Abbruch thue. D erjenige sei nicht glücklich zu preisen, der einstmals die Erfolge dieses Regierungssystems zu übernehmen habe. Redner wiederholt die Vermutung, das Monopol bezwecke nur nach dem Ablaufe des Sep- tennatS reichliche Mittel für das Militär zu schaffen. Durch die Erklärung Windthorsts sei eine große Mehrheit gegen das Monopol gesichert, auch gegen die Steuererhöhung dieser Session. Die württembergische Regierung, welche das Monopol zehn Jahre lang hegte und pflegte, werde dafür sorgen, daß das Monopol verschwinde. Richter spricht sich weiter gegen die Kommisstonsveralung aus, wodurch die Session unnötig verlängert werde, da die Ablehnung der Vorlage im voraus feststehe. Der Fortschritt werde zwar Mitglieder zur Kommission entsenden, aber nach der Ablehnung des § 1 nicht weiter teilnehmen. „An der Monopolfrage muß sich der Wille des Reichskanzlers brechen. Darum entscheiden wir hierbei über vieles mehr,
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Deutsches Reich.
Berlin, 13. Mai. Der „Reichsanzeiger* schreibt: „Sr. Majestät dem Kaiser und Könige sind anläßlich der Geburt des prinzlichen Urenkels aus allen Landesteilen von Privaten und Korporationen die herzlichsten Glückwünsche zugegangen; u. a. telegraphische Gratulationen des Provinziallandtags der Provinz Ostpreußen, der Kommunal- landstände oeS Regierungsbezirks Kassel, sowie der Städte Köln und Kassel. Dieselben berührten als ein erneuter Beweis der Teilnahme, welche daS preußische Volk an allen das erhabene Herrscherhaus betreffenden Ereigniffen stets zu bethätigen gewohnt ist, daS landeSväterliche Herz Sr. Majestät des Kaisers unb. Königs auf das freudigste.* — Die Aufräumungsarbeiten auf dem Brandplatze dauerten
Schiffe und des Verkehrs auf den Eisenbahnen, das Signalwesen, die Ausrüstung der Eisenbahnzüge zur Hilfeleistung aus dem Schlachtfelde, die Ausrüstung für Lotsen- und Rettungsbote — mit einem Wort alles, was zum Schutze des Lebens, der Arbeit, des Verkehrs notwendig erschien, war in der Ausstellung durch Modelle vertreten. Eine Gruppe war der Hilfeleistung der Verunglückten und Verletzten gewidmet, eine andere der Hilfeleistung der Verwundeten und Kranken im Kriege. Hier waren Ausrüstungen der SanitätSkorps, Tragestühle (für den Gebirgskrieg), Feldküchen, Hebe- und Transport-Verrichtungen für Verwundete auf Schiffen und was unter dem Zeichen des „roten Kreuzes* von Genf steht, ausgestellt. Ambulanten, Feldlazarette, Wundspritzen, künstliche Gliedmaßen, Krücken, alles, was geeignet sein konnte, die traurigen Leiden deS Krieges zu lindern und zu mindern.
. Nie war eine Ausstellung dieser Art von ähnlicher Größe bisher in der Welt dagewesen und daS alles hat daS Feuer in einer Stunoe vernichtet. Da waren Dinge ausgestellt, wie man sie bisher noch nicht gesehen, zumal aber noch nicht beisammen gesehen hatte. DaS „Normalwohnhaus* bot ein glänzende« Bild eines Hauses, wie eS vom sanitären Standpunkte auS sein sollte; den SiemenSschen Leichenver- brennungö-Ofen sollte man beobachten, wie er Tierkadaver verbrennen würde — zwar ist er vor dem Brande gerettet, aber nun steht er nutzlos da, weil es eben keine Hygiene- Ausstellung vorerst giebt. Zu einem „Normal-Theater* versehen mit allen Vorrichtungen für gute Ventilation und' Erleuchtung und zugleich für Sicherheitsmatzregeln für den Zuschauerraum im Falle der Feuersgefahr, waren die Pläne eingeliefert. Der beste sollte mit achttausend Mark prämiiert werden und all diese Früchte emsigen Nachdenkens
Berlin, den 13. Mal.
% der heutigen (9.) Plenarsitzung des Reichstags die erste Beratung der TabakSmcnopol-Dorlage fort« liefet — DaS Haus war, wenigsten« anfangs, sehr mäßig ” auch die Tribünen viel weniger gefüllt al« gestern.
Abg Sander (nationalliberal, Chef der Firma Ge- ^üder Lotzbeck in Lahr) stützte seine Ausführungen gegen L Vorlage wesentlich auf seine fachmännischen Kenntnisse, 4 186 f n0 aber im Hause für seine eingehenden Darlegungen nur eine sehr geteilte Aufmerksamkeit. Er kam zu dem Schluffe, daß die Vorlage vollständig unannehmbar und ' auch eine Kommissionsberatung nutzlos sei.
Abg. Frhr. v. Wöllwarth betonte dagegen, daß die dringende Notwendigkeit das Monopol mit der Zeit doch bringen muffe; und daß es gerade auch diese Erkenntnis fti welche den großen Sturm gegen die Vorlage Hervorrufe von deren derzeitiger Ablehnung die Gegner doch ohnehin überzeugt seien. Ec selbst hätte allerdings gewünscht, daß die Vorlage in dieser Sturm« und Drang- »eriode noch nicht eingebracht wäre, aber berechtigt und nohventig sei sie In jedem Falle. Der Redner führte darauf aus, daß die Einnahmen deS Reich« notwendig erhöht werden müßten, daß sich die Mehreinnahmen aber nur aus dem Tabak erzielen ließen. Wenn da« Monopol den -en Ich föderalistischen Charakter des Reich« verletzen könnte, würde zllcd! die württembergische Regierung ihm sicher nicht zugestimmt ji haben. Was die Vorlage an sich betreffe, so gehe sie ihm allerdings nicht weit genug; namentlich aber feien die Preise nicht hoch genug. Und was die Entschädigung be« treffe, so sei eS richtiger, 50 Mill, zu viel als 1 Million zu wenig zu zahlen. WaS die Einwendungen gegen den Eingriff in das Privateigentum angehe, so frage er, wie viele solche Eingriffe in diesem Jahrhundert durch die Ge- setzgebunz gemacht seien I Die Tabaksbauer würden sich elklatz! unter dem Monopol besser stehen, al« jetzt. Daß sein Spezialkollege Mayr den Militärstaat angreife, habe ihn nicht überrascht, aber befremden muffe es doch, daß er eß
daö Monopol nicht für daS geeignete Mittel. Die Tabaksbauer wären zumeist deshalb demselben zugeneigt, weil sie jetzt von den Plackereien der Händler zu leiden hätten, aber thatsächlich würden ihre Interessen unter dem Monopol beeinträchtigt werden müssen, indem unter dem Monopol notwendig, der Kontrolle wegen, der Tabaksbau eingeschränkt werden müsse. NamenS der sächsischen Mitglieder der konservativen Fraktion sei er zugleich beauftragt, zu erklären, daß eß diesen mit Rücksicht auf die in ihrem Helmatlande blühende Tabaksindustrie vollständig unmöglich sei, für baß Monopol zu stimmen. Mit dem letzteren würde man eine große soziale Frage für daß Vaterland heraufbeschwören; und namentlich würde seine engere Heimat besonders leiden. In Württemberg lägen die Verhältnisse allerdings anders. Die Bedürfnisse beß Reiches brauche man ja nicht auß einem einzigen Objekte zu nehmen versuchen. Abgesehen bavon, daß die Tabakssteuer In der näher von dem Redner bezeichneten Weise noch eiwaß erhöht werden könnte, empfehle er seinen Freunden auf der Rechten die Erhöhung der Branntweinsteuer — über deren Form man sich ja verständigen könne — und der Linken die Börsensteuer I Bei jeder Steuerreform aber, welche man auch immer vornehmen möge, sollte man sich hüten, die Interessen der arbeitenden Bevölkerungsklassen zu beeinträchtigen l
Abg. Dr. B arth bemängelte die Zuverlässigkeit der thatsächlichen Grundlagen, auf welcher zum teil die neulichen Angaben des Unterstaatssekretairs v. Mayr, sowie die vorliegende Denkschrift beruhen und brachte einige Daten über die 1875 in Frankreich stattgehabte Tabaksenquete bei, welche keineswegs zu gunsten deS Monopol« sprechen. Daß in der Vorlage die niedrigen Preise in Aussicht genommen seien, spreche am besten dafür, daß man es mit einer unhaltbaren Theorie zu thun habe. Der § 71, (welcher die Anwendung be« Gesetzes auf die Zollaus- schüsfe einem besonderen Gesetze vorbehält) zeuge von keinem Wohlwollen für diese Ausschüsse. Obwohl die Kommisstons« beratung an sich unnötig, würden seine politischen Freunde sich doch, wenn dieselbe beschlossen würde, eif.igst an derselben beteiligen
UnterstaalSsekretär Mayr: Was die bei ihm vermißte Loyalität anlange, so sei ein typographischer Irrtum in den Abdruck seiner Rede eingeschlichen; er habe schon anfangs der heutigen Sitzung vessen Berichtigung veranlaßt. Redner legt nochmal« dar, daß die Folgerungen unzutreffend seien, die aus den französischen Monopolverhältnissen gegen das deutsche Monopol gezogen worden seien, und daß baß Monopol in keiner Weise eine besondere Belastung de« kleinen MaimeS bedeute. Die Ablehnung de« Monopols könne die TadakSindustrie nicht beruhigen, denn die jetzige niedrige Tabakssteuer könne auf die Dauer nicht aufrecht erhalten werden.
In ihr waren Schutzmittel geaen Grundwasfer und gegen Feuchtigkeit der Wände, Schwamm rc. — Apparate zur Ventilation, Heizung, Wasserversorgung und Entwässerung, sowie der Beleuchtung, Hattsfilter, HauStelegraphie und Sprachrohre, Koch- und Wasserküchen-Anlagen, Bäder und Abort-Einrichtungen, Apparate zur Aufsammlung und Entfernung der täglichen Abgänge und beß Kehrichts, Betten für Erwachsene unb Kinder, Kinderstühle und Wagen, Apparate zur Zimmergymnastik ausgestellt. Da war die Gruppe der Gasthöfe, Restaurants, Kaffeehäuser rc., da war eine Gruppe, welche Gesundheits-Vorrichtungen für Fabriken, Hüttenwerke, für Arbeiter-Wohnhäuser unb -Kolo- nlecn enthielt; da waren landwirtschaftliche Anlagen in den Modellen anschaulich ausgestellt, Apparate für Heizung und Luftwechsel; da war eine Gruppe, in welcher die ge- sundheitsgemäße Einrichtung der Eisenbahnwagen, Pferdebahnwagen und der Wagen für die elektrische Bahn durch Modelle veranschaulicht wurde; da waren Modelle von zweckmäßigen Stationsgebäuden, Modelle für Einrichtungen von Kajüten für Lnstdampfer und Seedampfer; da waren Apparate zur Hautpflege, Jsolierhäufer für mit ansteckenden Krankheiten behaftete Patienten, da waren Modelle von HofpitLlern, von Krankenbetten, von Kliniken, von GebLranstalten, von Irrenhäusern, da waren Fuhrwerke zum Leichentransport, Beerdigungs-Apparate, Särge, welche das Verwesen der Leichen auf lange verhindern, Mittel zur Desinfizierung von Schlachtfeldern ausgestellt; da war eine Gruppe für baß Veterlnärwefen; da waren wertvolle Werke und Zeichnungen zur Schau außzestellt, Mittel zum Schutz gegen die Gefahr beß Blitze«, alle Apparate beß Feuerlöschwesens, alle«, was auf den Schutz gegen Explosionsgefahr bezug hat, alle Mittel zum Schutz ber
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