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Marburg, Sonnabend, 13. Mai 1882

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(Fortsetzung folgt.)

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DaS goldige Sonnenlicht beleuchtete am Abend des glänzenden JunitageS, an welchem die Hochzeit des BaronS von Swoboda, mit Gisela Nepomuck stattgefunden hatte, eine reizende Landschaft, die ungefähr drei bi» vier Meilen von den Thoren der Hauptstadt Wien entfernt gelegen war. ES gab da sanft sich erhebende Hügelketten, bedeckt mit dunkel- und hellgrün schattiertem Laub- und Nadelge- Hölz, sowie prachtvoll von der purpurnen Abendsonne er­leuchtete Thäler, an deren südlichen und südwestlichen Wänden sich halbversteckte Weinberge zeigten, und weiter unten in den Thalgründen und den sich da und dort auS- breitenden Ebenen wechselten bunte Getreide- und Kleefelder mit einander ab, und durch den tiefsten Thalgrund ^schlän­gelten sich auch die schimmernden Gewässer eine» FlüßchenS wie ein Silberfaden, gewoben in den buntfarbenen Teppich der Natur, dahin.

In dieser paradiesischen Gegend hatte der Bankier Carl Nepomuck wenige Monate vor der Hochzeit seiner Tochter einen prächtigen Landsitz erworben und augenscheinlich hatte diesen seiner Tochter als erste Mitgift bewilligt, denn

die Administration des Gutes hatte vor kurzem die An­zeige erhalten, daß das junge Paar noch am Abende des Hochzeitstages auf dem Landsitze, den wir hier Neudegg nennen wollen, zu längerem Aufenthalte eintreffen werde.

Man konnte sich über die Wahl dieses Aufenthalts­ortes für das junge Ehepaar einigermaßen wundern, da es in der feinen Welt ja eine allgemein verbreitete Sitte ist, die jungen Paare wenige Stunde nach der ehelichen Verbindung eine längere Hochzeitsreise in ferne romantische Gegenden und Länder antreten zu lassen, und wenn in dieser Jahreszeit auch die Glut der italienischen Sonne von einer Reise in das Land, wo die Citronen blühen, ab­halten konnte, so hätte man doch nach den kühlen Alpen­landschaften oder nach den Küsten des an Naturschönheiten so reichen Schwedens und Norwegens, wo die sommerliche Glut für die Bewohner unserer Breitengrade ganz erträglich ist, eine Hochzeitsreise unternehmen können. Genug, dies war nicht geschehen; auf ganz besonderen Wunsch von Gisela Nepomuck, der nunmehrigen Baroneß Swoboda, begab sich da« junge Paar nach dem Landsitze Neudegg, wogegen der junge Ehegemahl auch nicht das Geringste einwendrte, wie er sich denn seit der Verlobung mit Gisela Nepomuck bis an den Hochzeitstag in allen seine eheliche Verbindung betreffenden Angelegenheiten wie eine Drahtpuppe bewegt hatte.

Eben al» man die Abendsonne ihre letzten Strahlen über die herrliche Landschaft dahinblitzen sah, sprengte auf schaumbedecktem Roffe ein Reiter auf den weiten Hof deS Landsitzes Neudegg und verkündete dem Oberinspektor, daß in einer Viertelstunde daS junge Paar, welches auch die künftige Gutsherrschaft repräsentieren sollte, in Neudegg eintreffen werde.

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vom Landtag.

Berlin, den 11. Mai.

In der heutigen (61.) Plenarsitzung deS Abgtvrdmttv- ha«ses machte der Präsident v. Köller zunächst Mit­teilung davon, daß auS Anlaß des neuesten glücklichen Kamilieuereignisses in unserem KönigShause daS Präsidium von Sr. Majestät oem Kaiser, Sr. kaiserl. königl. Hoheit dem Kronprinzen und Sr. königl. Hoheit dem Prinz n Wilhelm empfangen sei, daß die Glückwünsche huldvollst entgegengenommen seien und daS Präsidium beauftragt sei, dem Hause den herzlichsten Dank für besten Teilnahme auszusprechen. Vom Ministerium de« Innern sind Mitteilungen, betreffs der vom Hause beanstandeten Wahlen der Abgg. Dr. Kropatscheck und Kleist von Bornstedt ein­gegangen. Abz. Freiherr v. Huene spricht sein Bedauern darüber aus, daß diese Mitteilungen erst am letzten Tage der letzten Session dem Hause zugehen, so daß die Wahl- prüfungSkommisston gar nicht mehr in der Lage sei, die Sache zu erledigen.

Auf der Tagesordnung steht die Beratung de» vom Herrenhause in veränderter Fassung zurückgelangten Gesetz­entwurfs, betreffend die Vertretung deS Lauenburgischen Landes-KommunalverbandeS.

Regicrungskommiffar Geh. Rat Haase bittet den Beschlüssen des anderen HauseS beizutreten, dagegen spricht Abg. Berling für Ablehnung, bleibt aber im Zusammen- hange in seinen Ausführungen unverständlich.

Abg. Frhr. v. Huene hebt indes hervor, daß daS Haus heute in einer anderen Lage sei, als bei seinen srühkren Beratungen. Wenn die Beschlüste des Herren­hauses abgclchnt würden, stände man am 1. Oktober d. I. notwendig vor einem Vacuum. Die Aenderungen, welche daS andere Haus vorgenommen, wären wchl geeignet, die srühcren Bedenken zu beseitigen. Er setze übrigens voraus, daß die Regierung der Austastung beitrete, daß die Vor­lage nur bis zur Emanierung der Kreisordnung für Schleswig-Holstein in kraft bleibe. Ein größerer Teil der Zentrumöfraktion würde demnach den Beschlüssen des andern Hauses zustimmen.

Der Vizepräsident deS Staatsministeriums Minister de» Innern v. P u t t k a m e r erklärt, daß die Bcschlüste des anderen HauseS dem von der Regierung selbst schon früher ausgesprochenen Gedanken, daß die Vorlage nichts anderes bezwecke, als eine provisorische Regelung bi» zu der Zeit, daß die Kreisordnung für die Provinz Schleswig-Holstein in kraft trete, nur einen bestimmteren Ausdruck gebe.

Abg. LangerhanS kann nicht finden, weshalb daS Haus den Beschlüssen deS Herrenhauses beitrcten und im letzten Augenblick seine eigenen Beschlüsse aufgeben sollte. Die Verhütung eines Vacuum« sei Sache der Regierung gewesen. Den Entwurf anzunehmen, liege auch um so

Gisela.

Novelle von A. H o r st.

(Fortsetzung)

Mit sichtlichem Wohlgefallen hörte Nepomuck auch von der jungen Baroneß Gisela, seiner leibhaftigen Tochter, sprechen und wenn vielleicht sein ehrgeiziges Herz noch nicht vom höchsten Glücke voll und ganz erfüllt war, so geschah dies nur deshalb, weil eS ihm jedenfalls noch an­genehmer gewesen wäre, seine Tochter mit einem Fürsten, als mit dem Baron von Swoboda vermählt zu sehen.

Vor dem wie ein Schloß erbauten herrschaftlichen Wohnhause in Neudegg, das eine prächtige Fatzade, moderne Spiegelfenster und schöne EingangSthüren zeigte, waren von den Gutsbewohnern auch bereits entsprechende Anord­nungen zu dem festlichen Empfange des jungen PaareS getroffen worden. Eine künstliche Allee von grünen Tannen, untermischt von herrlichen Treibhauspflanzen, durch welche eine Anzahl mit bunten Bändern geschmückter Guirlanden gewunden waren, bildeten eine Art Ehrenpforte bis zu den Stufen der HauSthür deö herrschaftlichen Wohn­hauses, und die Stufen selbst waren mit kostbaren Blumen und Teppichen bedeckt, unter denen auch die duftigen Rosen, die seit wenigen Tagen erst in ihrem herrlichen Blüten­schmucke sich zeigten, nicht fehlten. Die rechts und link» an der Ehrenpforte in ihren besten Kleidern versammelten Beamten und Bediensteten des Landsitzes Neudegg standen wie an den Pforten des Paradieses, welches sich hier für zwei glückliche Sterbliche öffnen sollte.

Ein kräftigesHurrah" erscholl jetzt aus den Reihen der festlichen Versammlung, ein Zeichen, daß der Wagen, welcher das junge Paar brachte, in Neudegg angelangt war. Der Oberinspektor begrüßte in tiefer Ehrerbietung die Neuvermählten im Namen deS gesamten Gutspersonals und ein hübsches Mädchen vom Lande überreichte der Baroneß mit zierlicher Verbeugung einen prächtigen Blumen­strauß, den diese lächelnd dankend entgegcnnahm, und bald darauf schritt der Baron von Swoboda, der seiner jungen Gemahlin galant aus dem Wagen geholfen hatte, mit dieser am Arm durch die Ehrenpforte, an deren Seite die Be­amten und Bediensteten der Gutsherrschaft freundlich und

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weniger Veranlassung vor, als die Bevölkerung mit der gegenwärtigen Einrichtung vollständig zufrieden sei.

Abg. von Rauchhaupt spricht feine Befriedigung darüber aus, daß das Zentrum im Hinblick auf die Be­schlüsse des anderen HauseS jetzt seine Stellung geändert habe. Sehr befremden müsse es dagegen, daß die Fort­schrittspartei c« sei, welche die exzeptionellen Verhältniffe in Lauenburg den Prinzipien der Selbstverwaltung gegen­über aufrecht erhalten wolle. Die Beschlüsse der Herren­hauses hätten alle etwaige Bedenken gegen die Regierungs­vorlage beseitigt. Was in Lauenburg geschaffen werden solle, sei nichts anderes, als was alle anderen Provinzen hätten; Lauenburg dürfe doch die Fiktion eines besonderen Provinzialverbandes nicht aufstellen.

Nachdem der Abg. B e r l i n g noch einmal für seine Auffassung eingetreten, wird die Generaldebatte geschlossen. Abg. Berling beantragt, die früheren Beschlüsse wieder herzustellen. Der Antrag wird abgelehnt, und darauf auf Antrag desselben Abgeordneten über den Artikel 1 der Herrenhaus - Beschlüsse namentlich abgesttmmt. Das Re­sultat der Abstimmung ist folgendes: Mit Ja haben ge­stimmt 139, mit Nein 72 Mitglieder; 1 Abgeordneter enthielt sich der Abstimmung. Das HauS ist also nicht beschlußfähig. (Zur Beschlußfähigkeit ist die Anwesenheit von 217 Mitglieder erforderlich ) Demnach ist eine weitere Beratung geschäftsordnung-mäßig ausgeschlossen.

Präsident v. Köller gab nunmehr die übliche Über­sicht über die GeschäftSthätigkeit des HauseS in der ver­flossenen Session.

Abg. v. Bockum-Dolffs sprach darauf dem Präsi­denten für die umsichtige und unparteiische Geschäftsführung, ebenso den Vizepräsidenten und Schriftführern den Dank für ihre Mühewaltung auS; zum Zeichen ihrer Ueberein- stimmung erhoben sich die Mitglieder von ihren Sitzen.

Präsident v. Köller dankte für das Wohlwollen, welches das Haus ihm in diesem Augenblicke, so im Laufe der ganzen Session bewiesen, und für die Unterstützung, die er auf allen Seiten deS HauseS gefunden, welche Unterstützung ihm die Führung seines Amtes leicht gemacht habe. Er dankte dann noch befonderS seinen beioen Kol­legen im Präsidium, den Herren Quästoren und Schrift- führern und forderte schließlich das Haus auf, einzu­stimmen in den Ruf der Treue und Ehrerbietung, der bei Beginn wie Schluß der Session dieses Hauses hergebracht: Unser Kaiser und König Wilhelm lebe hoch! Das Hau« stimmte dreimal in voller Begeisterung in diesen Ruf ein I

Schluß der Sitzung 123/< Uhr.

Die vereinigte Sitzung beider Häuser deS Landtages wurde vom Präsidenten des Herren­hauses, Herzog v. Ratibor, um 1 Uhr im Sitzungs­saale des Abgeordnetenhauses eröffnet. Derselbe berief zu

Schriftführern die Herren v. Osten, Theune, und die Abgg. v. Quast und Sachse. Am Mtnistertische erschienen der Vizepräsident des Staatsministeriums v. Puttkamer, die Staatsminister v. Kameke, Bitter, Lucius, Friedberg, v. Bötticher und v. Goßler. Sofort erhielt das Wort:

Vizepräsident des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer: Meine Herren! Das Staats­ministerium hat bei Sr. Majestät dem Könige die Geneh­migung dazu nachgesucht, daß die gegenwärtigen Sitzungen des Landtags geschlossen werden. Wenn in dieser Legis­laturperiode in vielen Zweigen der Staatsverwaltung und auf den verschiedensten Gebieten der Gesetzgebung große und wichtige Erfolge zum Besten des Landes erzielt wor­den sind, so ist dies doch in der laufenden Session nicht in dem Umfange gelungen, in welchem eS bei Beginn der Session erhofft worden war. DaS Staatsministerium hält an der Ueberzeugung fest, daß die Erledigung der sämt­lichen mit königlicher Genehmigung dem Abgeordnetenhause gemachten Vorlagen zur Förderung des Landeswohlö bei­getragen haben würde. Nachdem jedoch im Besonderen der Gesetzentwurf betreffend die Verwendung der aus neuen Neichssteuern an Preußen zu überweisenden Geldsummen in seinen Einzelbcstimmungen in dem Hause der Abgeord­neten nicht eine so eingehende Beratung gefunden hat, wie die» zur allseitigen Klarstellung der Ziele der StaatS- regierung gewünscht werden mußte, so konnte sich das Staatsministerium von der längeren Dauer der Beratungen einen Erfolg nicht mehr versprechen. Bei dieser Sachlage glaubt die Staatsregierung den Schluß der gegenwärtigen Sitzungen nicht weiter hinausschieben zu sollen.

Demgemäß beehre ich mich, Ihnen folgende Allerhöchste Botschaft mitzuteilen (die Mitglieder des Landtags erheben sich). Dieselbe lautet:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen, haben auf Grund des Artikels 77 der Ver­fassung Unseren Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Minister des Innern von Puttkamer, beauftragt, die gegenwärtigen Sitzungen beider Häuser des Landtags Unserer Monarchie in Unserem Namen am 11. Mat d. Js. zu schließen.

Urkundlich unter Unserer Allerhöchsteigenen Unter­schrift und beigedrucktem Königlichen Jnsiegel.

Gegeben Berlin, den 10. Mai 1882.

Wilhelm.

gegengcz. v. Puttkamer."

Im Namen Sr. Majestät deö Königs-erkläre ich hiev- mit die Session deö Landtags der Monarchie für geschlossen.

Präsident Herzog v. Ratibor: Se. Majestät der Kaiser, unser Allergnädigstcr König und Herr Lebe hoch, Lebe hoch, Lebe hoch! Die Versammlung stimmte lebhaft in den Ruf ein. Schluß der Sitzung 1 Uhr 10 Minuten.

'Urg, 4.

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«»»eigen nimmt entgegen: »ebition d. Blattes, könne d.Ännoncen.Bureaur > Tb- Dietrich u. Co. in bs»V und Hannover; Tb. ftaafenftein u. Vogler in Gurt a. M., Berlin, K Köln Rudolf Moile i» Berlin, Frank- " furt a. M. -c.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen.Bureaux von G 8. Daube u. C«. in Frankfurt a. M.; Jägerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

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