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einen nimmt entgegen: ? Expedition d. Blattes, . ^-d.Annoncen-Bureaux

Lb Dietrich u. Co. in cknffel und Hannover; Th. Kch in Frankfurt a.M.; -«afcnftetn u. Vogler tn Ctfurt a. M-, Berlin Kg, Köln ic.; Rudolf We in Berlin, Frank- äBon furt a. M- 2C.

Marburg, Freitag, 12. Mai 1882

xvii Jahrgang

Obchesslschc Aifmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Don ®. L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M-; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtrs EountagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2*A Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Der Hausierhaudel.

Es ist die schwierige, aber unabweisbare Aufgabe der synservativen Partei, aus der Gesetzgebung, mit welcher liberale Aera unS beglückt, jetzt tie schlimmsten und verderblichsten Dinge auSzumerzen. In diesem Sinne hat die konservative Partei namentlich in betreff einer Reform

Gewerbeordnung die lebhaftesten Anregungen gegeben, anb es ist, diesen Anregungen folgend, dem Reichstage eine Gesetznovelle vorgelegt, worin unter anderen Uebelständen auch die Wanderlager und der Hausierhandel bett notwen- hjgen Beschränkungen unterworfen werben sollen. Daß dies notwendig, darüber ist eigentlich kein Verständiger zweifelhaft; wie soll denn die ehrliche, solide Arbeit deS sMischeu Gewerbes noch bestehen, wenn daS Land mit dem Warenschund der Wanderlager überschwemmt wird und der Hausierhandel mit allen Erzeugnissen deS Gewerbes überhand nimmt? Run erleben wir bei der Verhandlung dieses Gesetzes im Reichstage daS merkwürdige Schauspiel, daß der Abg. LaSker mit einer großen Rede gegen die Beschränkung des Hausierhandels zu Felde zieht und dieselbe als eine Schädigung der besten, tüch­tigsten und edelsten Kräfte der Nation bezeichnet. Der edle Verteidiger des Hausierhandels wurde bei den obigen Worten mit schallendem Gelächter begrüßt, aber ter kleine Mann erzürnte sich darob und fuhr fort:In Wahrheit sind die besten und tüchtigsten Kräfte zum Hausier- gcmerbe notwendig, eS sind arbeitsame Leute, die sich die größte Mühe geben, die besten Waren in daS Haus zu bringen", als diese Behauptungen eine sehr berechtigte Heiterkeit im Reichstage hervorriefen, sagte er:Sie haben keine Kenntnis von den Dingen, sonst würden Sie nicht gelacht haben." Herr Lasker foroerte dann das Haus auf, den Urteilen aus Norddeutschland gegenüber doch einmal Süddeutschland zu fragen.

Wir wollen ein Urteil auS Süddeutschland entgegen­halten: Die Handelskammer zu Frankfurt a. M. sagt in ihrem Jahresberichte pro 1881 über den Hausierhandel: Der Hausierhandel gewinnt auch hierorts an Ausdehnung gegen früher und nimmt mehr und mehr die Form der Bettelei an zur unerträglichen Belästigung für die Konsumenten. Die mindestwertigen und zweifelhaftesten Qualitäten werden von diesem vielfach unredlichen Vertrieb zum Scha­den der reellen Ladengeschäfte auSboten. Auf dem Lande wurde die alte Gewohnheit der Barzahlung durch den Hausierhandel untergraben, welcher heutzutage den Landleuten auf wöchentliche Abschlagszahlung verkauft und sich nötigenfalls LandeSprodukte in Zahlung geben liißt. Ein noch schärferes Vorgehen gegen diese Landplage wird vielseitig gefordert."

Wir denken, die Handelskammer in Frankfurt weiß uichr von der Sache, wie der kleine Mann, der den Hau­

sierhandel doch nur verteidigt, weil viele seiner Glaubens­genossen sich damit beschäftigen.

Dem deutschen Volke, dem Bürger- und Bauern­stände werden aber bei solchen Dingen die Augen auf- gehen und wird erkennen, ob diese liberalen Verteidiger der Wanderlagcr und deS Hausierhandels oder die kon­servativen Bekämpfen dieses Schwindels seinem Jntereffe mehr dienen.

Reichstag.

Berlin, den 10. Mai.

In der heutigen (7.) Plenarsitzung des Reichstags wurde zunächst der Konsularvertrag mit Brasilien in dritter Beratung definitiv genehmigt. Darauf leitete vor mäßig besetztem Hause die erste Beratung des Gesetzentwurfs, be­treffend da» ReichS-TabakSmonopol, ein:

Staatssekretär int ReichSschatzamt Scholz. Derselbe entschuldigt zunächst die Abwesenheit deS Fürsten Reichs­kanzlers, der ihn beauftragt habe, dem Reichstage sein Be­dauern darüber auszudrücken, daß er durch erneutes Un­wohlsein verhindert sei, den heutigen Verhandlungen beizuwohnen. Wenn eS der Redner sich demgemäß gestatte, die Beratungen mit einigen Worten einzuleiten, so werde er allerdings dem Hause mit Rücksicht auf die vielseitige öffentliche Behandlung, die der in Rede stehende Gegenstand bereits erfahren, dem Hause nicht viel Neues sagen. Es könne indes nur von dieser Stelle auS der Standpunkt der Regierung gegnerischen Angriffen gegenüber sowohl wie auch gegenüber manchen zwar wohlwollend gemeinten Unter­stützungen, von denen man aber wohl daS Wort anwenden könne:Gott beschütze mich vor meinen Freunden rc.", be­stimmt und klar bezeichnet werden. Der Herr Schatz- fekretär legte dann de« Näheren dar, wie und warum daS Ziel der Steuerreform bisher nicht erreicht fei, daß noch erhebliche Mittel nötig feien, um die Aufgaben deS Reichs, sowie die finanzielle Erleichterung der Einzelstaaten und der Kommunen zu erreichen. Die Angriffe, welche neulich im preußischen Abgeordnetenhause dagegen gerichtet, daß die bewilligten Mittel schließlich nicht zu den bestimmten Zwecken verwendet würden, wären ungerechtfertigt, wären zudem überhaupt eine Verurteilung parlamentarischer Bewilligung solcher Verwendung. Die weitere Durchführung der Steuer­reform sei als ein unabweisbares Bedürfnis der verbünd- deten Regierungen anetkannt. Sie schlagen deshalb die Einführung des Tabaksmonopols vor, und das unter möglichster Schonung aller einschlägigen Interessen. Denn die mit dem Tabaksmonopol verbundenen Vorteile würden von den verbündeten Regierungen alr so erheblich erachtet, daß sie vor den Uebelständen zurücklreten müßten. Unter den letzteren wäre allerdings ein großer Teil indes in Wirklichkeit gar nicht vorhanden. Dies gelte zunächst von der politischen Gefahr, welche das Monopol vorgeblich mit

sich bringen solle. Dies Wahlrecht würde aber in allen bestehenden Staatsbetrieben auch jetzt ungestört ausgeübt. Jedenfalls liegt eine derartige politische Tendenz der Vorlage durchaus fern. Die Arbeiter der Tabaksindustrie würden, wenn sie tüchtig seien, nach wie vor in den Staatsbetrieben beschäftigt werden, und dann besser versorgt sein, als es in der Privatindustrie jetzt der Fall. WaS daS Interesse der Tabaksbauer betreffe, so gehe dasselbe mit dem staatlichen so sehr Hand in Hand, daß dasselbe schon deshalb nicht als gefährdet erscheinen könnte. Der bedenklichste Einwand, daß der erhoffte Ertrag deS Tabaksmonopols nicht werde erreicht werden, sei hinfällig; die Annahmen der Vorlage beruhen auf zuverlässigen Ermittelungen; der Ertrag werde nach wenigen Jahren des Ueberganges jedenfalls die volle angenommene Höhe erreichen. WaS dann die begründeten Bedenken gegen die Vorlage betreffe, so trete zunächst her­vor die notwendige Beseitigung der Privatthätigkeit. Aber hier sei geboten, gesetzmäßige Ausgleichung zu finden, wenn sie allerdings auch schwer sein werde. Im großen und ganzen glauben die verbündeten Regierungen aber mit ihren Vorschlägen, betreffend die Entschädigungen, Vergü­tungen und Unterstützungen, daS Richtige getroffen zu haben. Allerdings kämen nun auch in betracht die indirekt Betroffenen, bereit Berechnungen ins Ungeheuere gehen möchten. Aber beut stehe ber Vorteil bes Ganzen gegenüber, und deshalb würde auch die Entschädigung der indirekt Betroffenen abzulehnen sein. Eine einträglichere Reform ber Tabakssteuer lasse sich in einer onberen Weise als durch daS Monopol nicht erreichen. Bewillige man dasselbe jetzt und dieser Regierung nicht, so werde man es später einer andern Negierung (Links: Niemals I) doch gewähren müssen! In der Voraussetzung, daß die Vorlage einer Kommission zur Prüfung werde überwiesen werden, sage er jedwede bereitwillige Unterstützung der Negierung zu. Diejenigen, welche der Vorlage sine Studio gegenüberstehen, bitte er, ihr auch sine ira gegenübertrcten zu wollen. Alle wollten ja doch nur das Wohl des Vaterlandes. (Beifall rechts.)

(Die am Beginn der Sitzung ebenfalls nur mäßig be­setzten Zuhörertribünen hatten sich inzwischen mehr gefüllt )

Abg. Sandtmann begründet dann allerdings unter stark geteilter Aufmerksamkeit des Hauses den von fortschrittlicher Seite cingcbrachten Antrag, wel­cher im wesentlichen besagt, daß jede neue Störung der Tabakdindustrie nach dem Gesetz vom 16. Juli 1879 auSzuschließeu sei, zumal die schon vorhan­denen Einnahmen bei angemessener Sparsamkeit die Mittel darbieten würden, um tie in ber Steuer- und Zollgesetzgebung vorhanbenen Härten und Ungerechtig­keiten zu beseitigen. Dabei suchte ber Rebner zugleich im einzelnen die Ausführungen des Herrn Schatzsekretärs zu widerlegen. Die Aufstellungen der Vorlage beruhten ledig­lich auf den Erfahrungen der Straßburger Manufaktur.

Gisela.

Novelle von A. H o r st. (Fortsetzung)

Der glänzende Brautzug nahte. Die Blicke der an- wesenden Damenwelt fielen mit sichtbarer Neugier und fast durchbohrender Ausforschung auf die kleine, unansehnliche Braut, die, wenn auch kein häßliche«, doch auch nicht ent­fernt ein schöne« Gesicht zeigte und mit einer gewissen Ängstlichkeit am Arme de« Bräutigam« hing. Da« milde Licht der von den Kirchensenstern gedämpften Nachmittags- sonne glitzerte jetzt auf den schweren Falten de« herrlichen, lveißen Atlasgewandes der Braut; dann funkelte e« magisch in den Diamanten des kostbaren HaarschmuckeS und bildete tinen reizenden Kontrast mit den goldblonden Flechten, in die der am höchsten geschätzte Brautschmuck, der Myrten­kranz, befestigt war. Gisela Nepomuck hatte noch kurz vor Beginn der TrauungSceremonie ihre braunen, vorher sitt­sam schüchtern niedergeschlagenen Augen, die indeffen weit wehr Geist und Seele zeigten, als die sonstige Erscheinung der Brant vermuten ließ, noch einigemale nach dem Antlitz ihres Bräutigam« erhoben, welche« schrecklich bleich, wie in Marmor gehauen und von tadelloser Schönheit erschien, gleichzeitig aber auch den Adel der Geburt und die stolze Vornehmheit des Stande« zeigte, dem Baron Curt ange- hörte. Im übrigen repräsentierte der Baron einen hoch« gewachsenen stattlichen Offizier in der österreichischen Land­wehruniform, welche auch einige Orden, die auf eine Be- «ligung an den letzten Feldzügen Oesterreichs schließen «, auszuweisen hatte, und während man trotz der körper­lichen Elastizität in dem Baron einen Mann, nahezu °^ßig Jahre alt, erkennen konnte, schien die Braut wegen

ihrer zierlichen Gestalt kaum den Kinderschuhen entwachsen zu sein, obwohl sie bereits das zwanzigste Lebensjahr Über­schritten hatte.

Die Gruppe, welche das Brautpaar am Altäre umgab, war eine glänzende Gesellschaft. Reiche Uniformen, tadel­lose schwarze Frack«, herrliche Frauengewänder, reizende Spitzengewebe, Juwelen und Blumen wogten im prächtigen Schimmer durcheinander, daß die nächsten Verwandten und Freunde de« Brautpaares dem Geburts- und Geldadel an­gehörten, nur war der letztere, wie man leicht an den Ge­sichtern sehen konnte, zahlreicher vertreten als ber erstere. Auch sah man deutlich, daß die anwesenden Mitglieder deS GeburtSadelS, zumal mehrere Offiziere, sich etwas abge­sondert von den HochzeitSgästen auS der Geldaristokratie hielten und daß sich unter ihnen ein älterer, stolzer Herr befand, der mit sichtbarer Unruhe die Trauung vor sich gehen sah und wie schützend ober ermahnend dem Bräutigam zur Seite stand.

Ganz da« Gegenteil von dieser Erscheinung erblickte man zur Linken der Braut. Dort erglänzten in Freude und Genugthuung zwei graue, listige Augen, die sich wie herausfordernd nach allen Seiten wandten, aber nur nicht den eisigen Blicken des älteren Offiziers zu widerstehen wagten. Die TrauungSceremonie war jetzt an dem Punkte angelangt, wo von dem Brautpaare die feierliche Bestätigung de« ehelichen Bunde« verlangt wird. Fast wie ein Blitz durchzuckte eS dabei die Hochzeitsgruppe, als dem Munde deS in kräftiger Gestalt prangenden Bräutigams daSJa" wie ein Ton auS unterirdischer GrabeSgruft so tot und hohl entquoll. Auf die Braut machte dies ersichtlich einen erschreckenden Eindruck, denn sie fing urplötzlich am ganzen Körper zu zittern an, sammelte sich jedoch in wenigen

Augenblicken durch eine fast krampfhafte Anstrengung wieder, um alsbald das einsilbigeJa" fast wie in zwei schweren Seufzern her vorzustoßen.

Der Herr mit den grauen blitzenden Augen schien nun­mehr, obwohl ihn die letzte peinliche Szene sichtlich be­klemmt hatte, sein herausforderndes Selbstbewußtsein wieder- gefunden zu haben, und war Erste, der nach beendigter Trauung das neuvermählte Paar beglückwünschend um­armte, denn der Herr war der Vater der Braut, der Bankier Carl Nepomuck. Der ältere Offizier hatte sich währenddesseu, einen unanssprechlichetr wie nach Vergebung ringenden Blick in den Augen, dem Bräutigam in die Arme geworfen und drückte diesem einen zärtlichen Kuß auf die Stirn; cs war der Vaterkuß, denn derjenige, der ihn spendete, war ber Baron Andrea«, Ritter v. Swaboda und Vater des Baron Curt. Auch an die Braut trat jetzt der Schwiegervater heran, um sie als Schwiegertochter zu umarmen, doch war dies kaum mehr als eine leere Förm­lichkeit. Bald darauf hatte das neuvermählte Paar die Glückwünsche der Hochzeitsgäste empfangen und nach dem Verlassen der Kirche in einer eleganten Equipage Platz genommen, welche dasselbe in das hochzeitliche HauS deS Bankiers Nepomuck im schnellen und leichten Fluge der feurigen Renner entführte. Dort versammelte sich auch wenige Minuten später die zahlreiche und glänzende Fest­gesellschaft zum prunkenden HochzeitSmahle. Uebcrglücklich war bei demselben der Bankier Carl Nepomuck. Er hatte es sich auch rasende Summen kosten lassen, um seiner neuen Verwandtschaft, der Familie deS Barons v. Swoboda, unb -bett sehr zahlreichen Gästen aus der Aristokratie zu imponieren. (Fortsetzung folgt.)