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Rücksicht auf den preußischen Landtag erst am Montag eine Sitzung zu halten, abgelehnt worden. An der ferneren Debatte beteiligten sich noch die Abgg. Rickert, Windthorst, v. Minnigerode, Richter, Lasker und v. Bennigsen.
Bom Reichstag.
Berlin, den 5. Mai.
In seiner heutigen 2. Sitzung ehrt der Reichstag .«nächst daö Andenken des verstorbenen Abg. Abt durch Erheben von den Sitzen. Abg. v. Franckenstein erklärt, daß er die auf ihn gefallene Wahl zum Vizepräsidenten annehme. Bei der hierauf folgenden ersten Beratung der Gewerbeordnungs-Novelle erkennt Abg. Lasker eine gewisse Mäßigung in der Vorlage an und hofft, dieselbe werde dem ewigen Anstürme auf die Gewerbeordnung endlich ein Ziel setzen. Sachlich hat derselbe erhebliche Bedenken. ES sei ein Rückschritt für einzelne Gewerbe, btt Pflicht einzuführen, die Fähigkeit zum Gewerbebetrieb durch Zeugnisse darzuthun. Eine Beschränkung im Gewerbebetriebe habe unter Umständen eine politisch bedenkliche Seite; bei den letzten Wahlen hätten Gasthauöbesitzer sich geweigert, für liberale Versammlungen ihre Lokale herzu- geben aus Furcht vor polizeilichen Scherereien. Das 5arusiergewcrbe sei wirtschaftlich unentbehrlich und verdiene die Vorwürfe nicht, mit welchen es in der Vorlage, wie im Publikum bedacht werde. Die Latitude der vorgeschlagenen Bestimmungen sei so groß, daß einem Hausierer der Gewerbeschein entzogen werden könne oder müffe, der wegen Beleidigung deS Fürsten Bismarck angeklagt sei. Die Mängel der Vorlage bedürften einer eingehenden Prüfung, wozu er die Verweisung derselben an eine Kommission beantrage. t c
Abg. Hartmann begrüßt die Vorlage mit Freuden und stellt sich im wesentlichen auf deren Boden. Hebet die Einzelheiten derselben lasse sich eine Verständigung in der Kommission erzielen. Abg. Büchtemann bezweifelt, ob nach der bisherigen Haltung der konservativen Partei eine annehmbare Verständigung mit derselben erzielbar sei; er bekämpft die obligatorische Einführung von Arbeitsbüchern und die Etablierung v:n Polizeiwiükür im Sinne der Vorlage. BundeSkommiffar Bödiker bestreitet, daß die Bestimmungen des Entwurfs eine Bresche in die Gewerbeordnung legen würden. Man könne die Kalamität auf dem Gebiete des HausterwefenS nicht abstreiten. Der Reichstag habe schon oft Klagen darüber gehört. Das sei auch von den Handelskammern und anderen Korporationen anerkannt, die einer liberalen Richtung angehörten. Wie mit dem Haustergewerbe verhalte eS sich mit den projektierten Beschränkitngen, betreffend die Kolportage, sowie mit dem Betriebe einzelner Gewerbe, wo die Aenderungen nach dem Petitum (selbst liberaler) Korporationen nicht weit genug gingen. UebrigenS werde voraussichtlich die Beratung in der Kommission Gelegenheit bieten, die Einwände näher zu prüfen. Die nächste Sitzung findet am Sonnabend statt. Nach einer längeren Debatte zur Geschäftsordnung war der Antrag des Abg. Rickert, mit
Zur Gotthardbahu-Eröffirrmg.
Entstehungsgeschichte der Bahn.
Der Gedanke, den Norden mit dem Süden Europa'» aus dem direktesten Wege durch einen Schienenweg zu verbinden, war schon frühe als Bedürfnis erkannt. Die Schwierigkeiten der Ausführung eines solchen Projeks erschienen aber so unüberwindlich, daß die ernstliche Anhand- nahme länger als ein Menschenalter sich verzögerte. Der erste Techniker, der den Bau einer Alpenbahn und zwar über den Lukmanier anregte, war Oberst La Nicca in Chur. Mr den Bau dieser Linie bildete flck in Turin im Jahre 1845 eine Gesellschaft, allein ihr Vorgehen erfreute sich keines günstigen Erfolges. An Stelle dieser ersten Gesellschaft trat eine andere (1853), welche sich zur Aufgabe gesetzt hatte, zunächst die Linien Rorschach - Chur - Weesen - Rappersweil ouSzuführen und dann Hand an den Lukmanier zu legen. Die erwähnten Strecken wurden im Jahr 1862 vollendet, der angestrebte Alpenübergang aber verblieb auch jetzt im Stadium der Hntersuchung und kam nicht zu stände. Als im Jahr 1862 und 1863 die Lukmanier- freunde sich um Wiedererlangung der verlorenen Kon- zefsionen bemühten, verweigerte der Canton Tessin die seinige und behielt sich über die Wahl des geeignetsten Alpenüberganges freie Hand vor. _ . , Qrm
Nach Erlaß eines ExpropriattonSgefetze» (Mat lö5U), womit die Hindernisse beseitigt wurden, welche btS dahin in der Schweiz dem Eisenbahnbau entgegen standen, wurde der schweizerische Bundesrat beauftragt, ein Gutachten von Sachverständigen über die Entwicklung eine» schweizerischen Eisenbahnnetzes einzuholen. Er berief die Engländer Steffenson und Swinburue und stellte ihnen u. A. auch
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von®. L.Daube u.6e. in Frankfurt a. Ai.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
die kgl. Eisenbahn-Direktionen ausspricht, die Bewilligung von Remunerationen für außergewöhnliche Mühewaltungen und Anstrengungen schon im Laufe deS Jahres, sobald die Veranlassung dazu vorliegt, sofort eintreten zu lasten. Im Nebligen findet der Minister nichts dagegen zu erinnern, daß Remunerationen, welche mit Rücksicht auf fortdauernd gute dienstliche Leistungen und treue Pflichterfüllung gewährt werden sollen, wie bisher zu bestimmten Zeitabschnitten, in welchen den Beamten eine finanzielle Beihilfe besonders erwünscht zu sein pflegt, in größerem Umfange gleichzeitig erfolgen. Bisher ist als ein für dergleichen Bewilligungen besonders geeigneter Zeitpunkt das Weihnachtsfest, welches früher nahezu mit dem Abschluß deS Rechnungsjahres zusammenfiel, angesehen worden. Nachdem hierin inzwischen durch die Verlegung deS Rechnungjahres eine Aenderung eingetreten ist, bedarf eS der Erwägung, ob mit der Bewilligung von Remunerationen der gedachten Art nicht ziveckmäßiger zu einem anderen Zeitpunkt, etwa beim Beginn des Winters vorzugehen fein möchte.
Berlin, 5. Mai. Der Kaiser ließ sich heute Vormittag int Beisein des Kriegsministers, mehrerer Generäle und RegimentS-Kommandeure vier berittene Mannschaften der Gardes du Corps und der Garde-Cuirasstere im innern Hofe des PalaiS vorstellen, um die neue Fußbekleidung in Augenschein zu nehmen, mit welcher diese Regimenter versehen werden sollen. Nachmittags folgte der Kaifer einer Einladung deS Prinzen Alexander von Preußen zur Tafel. — Der „Germania" erscheint „die kirchenpolitische Debatte im Herrenhause" als ein weiterer kleiner Fortschritt zum kirchlichen Frieden. „Von den zwei Aenderungen, welche das Herrenhaus an der im Abgeordnetenhause vereinbarten Fassung vorgenommen, ist die eine betreffs der Seminare, sagt sie, bloß redaktioneller Natur, die andere verlängert die Geltung deS § 1 um ein Jahr, bis zum 1. April 1884." Das Blatt lobt dann in Uebereinstimmung mit der „N. P. Z." den tief sittlichen Ernst der DiSknfsion und fleht darin eine Bürgschaft mehr, daß die Vorlage einen weiteren Schritt auf der Bahn des Friedens bilden werde. Als störendes Element in der Diskussion bezeichnet die „Germ." die Professoren. Auf den preußischen Universitäten, sagt sie, wären die positiv christlichen Elemente durchgehends in der Minorität. DaS „Nein" der Professoren bei der in Rede stehenden Abstimmung könne also kaum befremden. Mehr auffallen müsse aber die Thatsache, daß die Vertreter der „Wissenschaft", manchmal selbst solche, welche in der Wissenschaft wirklich etwas bedeuteten, im öffentlichen Leben bald gar wenig sittlichen Gehalt, bald gar geringes Gefchick bewiesen und oft auch die Künste der Klopffechter und Phrasenmacher nicht scheuten. Das Blatt geht darauf zum Belege dieser Auffassung ausführlicher auf die Auslassungen des Herrn Professor Dove in der bezüglichen Debatte ein und giebt dabei seiner Verwunderung darüber
Bundesregierung und protestierten gegen jede Bevorzugung deS Gotthard.
Dem ungeachtet wurden nunmehr von der Gotthard- Vereinigung weitere Untersuchungen in technischer und kommerzieller Beziehung geflogen. DaS Resultat derselben waren das Exportenprojekt und technische Gutachten der Herren Bekh und Gerwig, sowie das kommerzielle Gutachten und die Rentabilitätsberechnung von Koller, Schmidlin und Stoll *), über welche Arbeiten man auch nur eine Stimme der Anerkennung vernommen hatte.
In Italien arbeitete gleichzeitig eine große durch den Baumeister Jacini eingesetzte Alpenbahnkommisston, die nach Prüfung aller vorliegenden Alpenbahnprojekte mit 11 gegen 3 Stimmen dem Gotthardprojekte den Vorzug gab. Hinwieder fehlte es nicht an Anstrengungen, um auch Snb- sidien zu beschaffen und das preußische Ministerium für die Gotthardbahn zu gewinnen, das fchließlich auch für dieselbe sich erklärte (März 1869).
Nachdem der Norddeutsche Bund im Verein mit Italien sich definitiv und ausschließlich für den Gotthard entschieden hatten, trat am 15. September 1869 in Bern eine Konferenz von Vertretern der beteiligte» Staaten zusammen. Auf gründ ihrer Beschlüsse kam der Staatsvertrag vom 15. Oktober 1869 zwischen Italien und der Schweiz zu stände, dem im Jahr 1871 auch das deutsche Reich bel
li Bergt, da« im Jahr 1880 im Vertag vonK I. Wyß in Bern erschienene Werk von Dr. Wanner, Archivar der Gotthardbahn, „Geschichte der Begründung des Gotthard-Unternehmens", S. 88 u. ff.
Dem Buche ist eine prachtvolle Uebersichtskarte des ganzen Bahngebietes von Zug bis Como und Prno, int Maßstabe von 1 : 100,000, als Separatbeilage beigegeben. Preis Mk. 9.
«meinen nimmt entgegen: ^ Expedition d. Blattes, sowie d.Ännoncen.Bureaux ' z-h. Dietrich u. Co- tn n,[ und Hannover; Th.
D^ttich in Frankfurt a-M.; emafenftein u. Vogler tn Gurt . Berlin. E Köln ic.; Rudolf Rfi ___
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Buchdruaeret) oezogen %^ebition >u „theilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Psg. berechnet-
Deutsches Reich.
•• Berlin, 5. Mai. Unter Aufhebung des 8 4 der allgemeinen Verfügung vom 27. August 1879 und der denselben ergänzenden und abändernden Vorschriften haben die Minister deS Innern und der Justiz in einer gemeinsamen Verfügung neuerdings Folgendes bestimmt: Das Protokollbuch des SchiedSmanneS ist nach näherer Bestimmung des Landgerichtspräsidenten durch ein Mitglied des Landgerichts oder einen Amtsrichter von Zelt zu Zeit einer Prüfung zu unterziehen und dem ernannten Kommisfar auf dessen Ersuchen von dem SchledSmanne zu übersenden. Die Rückgabe des Protokollbuchs ist zu beschleunigen. Die über daS Ergebnis der Revision aufgenommene Verhandlung wird in Urschrift dem Präsidenten deS Landgerichts überreicht und von diesem unter Beifügung der etwa erforderlichen Bemerkungen in Abschrift dem SchiedSmanne zur Kenntnisnahme mitgeteilt. Der Präsident deS Landgerichts kann, wenn sich nach feinem Ermeffen eine befon» dere Veranlassung dazu ergiebt, die gesamte Amtsverwaltung eines SchiedSmanneS in Person oder durch einen Kommissar der Revision unterziehen. Die Reisekosten und Tagegelder der richterlichen Beamten trägt in solchen Fällen der Justlz- fondS. Der Schiedsmann hat dem Amtsrichter.des Bezirks eine summarische Nachweisung über die Geschäfte deS Vorjahre« bis zum i. Februar jeden Jahres zu überfenden. Diese Nachweisung muß enthalten: 1) Die Zahl der Anträge in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten und die Zahl ter davon durch Vergleich erledigten Fälle; 2) die Zahl der Sühneverhandlungen über Beleidigungen und Körperverletzungen und die Zahl der davon durch Sühneversuche mit Erfolg erledigten Fälle. Die Ergebnisse der Nachweisungen werden in eine Uebersicht ausgenommen. Der Landgerichtsprästdent und der Oberlandesgerichtspräsident lassen für ihren Bezirk die Ueberstchten in gleicher Weise zusammenstellen. Die den Oberlandesgerichtsbezirk umfassende Zusammenstellung ist dem Justizminister bis zum 1. Mai jeden Jahres einzureichen. — Die unter Angabetitel 8 deS Betriebs-Etats der StaatSeisenbahn- Verwaltung vorgesehenen Mittel sind, soweit sie nicht zur Unterstützung bedürftiger Beamten in Anspruch genommen werden, vorzugsweise dazu bestimmt, tüchtigen Beamten, welche sich bei guter Führung durch hervorragende dienstliche Leistungen auSzeichne», eine Anerkennung zu gewähren. Dieser Zweckbestimmung entspricht es, wie ver Minister der öffentlichen Arbeiten in einer Verfügung an die Aufgabe, daS Lukmanier - Projekt näher zu prüfen (7. Juni 1850). Nicht nur mit Sardinien, sondern auch mit Preußen fanden um diese Zeit Verhandlungen statt über die Ausführung einer Alpenbahn. In dem bezüglichen Epezialbericht der Vertreter Preußen'«, Sardinien's und der Schweiz zieht Herr Ingenieur G. Koller auch den Gotthard in Berechnung und wir begegnen hier zum erstenmal der Idee einer Alpenbahn über den Gotthard.
Dieser von Herrn Koller angeregte Gedanke faßte in Basel und in der Zentralfchweiz rasch Wurzel und eS erregte ein nicht geringes Aufsehen, als am 19. Aug. 1853 in Luzern eine erste Konferenz stattfand, welche von acht Cantonen in der Absicht besucht war, sich zu einer gemeinsamen Unterstützung für Ueberschienung deS Gotthardpasses zu vereinigen. Eine zweite größere Konferenz trat am 15. September 1860 zusammen, setzte ein Aktionskomitee ein und war fest entfchlossen, alles einzusetzeu, um den Gotthardgedanken zu verwirklichen.
DaS Jahr 1863 fah diefe Verbindung sich erweitern. Am 28. September 1863 halten sich 15 Cantone, fowie die schwelzerlfche Zentral- und Nordostbahn zu einer Ueber- einkunft vereinigt für Anstrebung einer Gotthardbahn. Dir Ueberelnlunft wurde auch dem BundeSrate mit dem Ansinnen vorgelegt, die Regierungen von Italien, Baden, Württemberg, Bayern und England davon zu unterrichten, und die süddeutschen Staaten und Italien zu Unterhand, lungen für eine Gottbardbahn einzuladen.
Gegenüber der Gotthardvereinigung fanden sich alsbald zwei andere CantonSgruppen in oppositionellem Geiste zusammen: die Lukmanierkantone Bünden, St. Gallen, Appenzell, Glarus und die Slplonkantone Walli«, Waadt und Genf. Sie verlangten vollstänoige Neutralität von der