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xvii Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 6. Mai 1882

Mr. 106.

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Zeitraum des Vorjahres versteuert

mit dem gleichen

Schluß 1 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend vor­mittags 10 Uhr (zweite Beratung des Verwendungsgesetzes und dritte Beratung der Hundesteuer-Vorlage).

6276944000 kg (gegen 6319 323800 kg), eingeführt vom Zollauslande 1559961 kg (gegen 1605021 kg) raffinierter Zucker, 1162681 kg (gegen 1023691 kg) Rohzucker und 4 364031 kg (gegen 8 241809 kg) Melasse; ausgesührt wurden 39463301 kg (gegen 45 244286 kg) raffinierter Zucker, 215 681663 kg (gegen 194681722 kg) Rohzucker und 15958244 kg (gegen 10520557 kg) Melasse.

Berlin, 4. Mai. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Verhalten der Führer des Zentrums und der Fort­schrittspartei bei der ersten Beratung des Verwendungs»

streben werde, daß sie die Zerbröckelung der Maigrsetze nicht fördern, sondern dem deutschen Volke die Segnungen der Reformation erhalten wolle. (Beifall links.)

Abg. W i n d t h o r st kann nicht wohl annehmen, daß der Vorredner seine Schlußausführungen im Namen sämt- licher Nationalliberalen gemacht; aus die persönliche An­schauungen des Vorredners will er nicht weiter eingehen. Die Aenderu gen des Herrenhauses acceptiere die Zentrums­fraktion, wenn sie dieselben auch bedaure. Die Fristver­längerung im Art. 1 hätte seiner Partei allerdings ernste Sorge gemacht, indes werde das Prinzip selbst doch nicht geändert. Es fei zu hoffen, daß ein fest geregeltes, befrie­digendes Verhältnis zwischen beiden Teilen durch die Initiative der Regierung demnächst werde erreicht werden; sollte man sich in dieser Erwartung jedoch täuschen, so werde das Zentrum cs an der Initiative auch ferner nicht fehlen lasten und nicht ruhen, bis das endliche Ziel erreicht sei. Die Aenderungen des Artikel III. beachte er lediglich als formelle Aenderung. Der Redner schloß mit dem Danke an die Staatsregierung und namentlich den Herrn Kultusminister, sowie an die Parteien, mit deren Hülfe das heutige Friedenswerk zu Stande gekommen.

Kultusminister v. G o ß l e r wies dem Abgeordneten Götting nach, daß seine Behauptung, daß die Maigesetz, gebnng bis auf die Anzeigepflicht ausgegeben fei, den That- fachen wiedcrfpreche. Die Beteiligung des Zentrums an der positiven Aenderung deS Artikel III, sei doch unzweifel­haft ein erheblicher G winn. Auch er bedaure noch heute, daß Artikel IV. der Vorlage nicht angenommen sei, aber eS sei eben nicht mehr zu erreichen gewesen, als der Ent­wurf jetzt biete. Wenn die Staatsregierung einen gesetz­geberischen Gedanken zur Durchführung bringen wolle, könne sie nicht davon Abstand nehmen, weil einzelne Par­teien damit nicht einverstanden. Die Regierung werde un­entwegt an ihrem Prinzip festhalten, unter Aufrechthaltung der StaatSautorität die Herstellung deS kirchlichen Friedens zu erstreben.

Abg. Graf zu LimburgStirum erklärte, daß die Konservativen die vom Herrenhause vorgenommencn Aenderungen nicht für so bedeutend halten, daß sie deshalb die Vorlage für unannehmbar hielten. Mit dem Abg. Windthorst hoffe auch er, daß dieses Gesetz den vollen Frieden anbahnen werde und durch das fernere Zusammen­gehen der Parteien eS möglich werde, auf religiöser Grund­lage die großen sozialen Aufgaben zu lösen.

Darnt schloß die Generaldebatte; die einzelnen Artikel veranlaßten eine Diskussion nicht. Darauf wurde daS ganze Gesetz mit der früheren Majorität definitiv ange­nommen.

Demnächst wurde die zweite Beratung der Hundesteuer- Vorlage wieder ausgenommen und ohne erhebliche Debatte die letzten 88 613 erledigt.

vom Landtag.

Berlin, den 4. Mai.

In der heutigen (17.) Plenarsitzung des Herrenhauses, welche der Präsident Herzog v. Ratibor um IVt Uhr eröffnete, wurde zunächst der Gesetzentwurf, betreffend die unentgeltliche Uebereignung eines Abschnitts vom großen Tiergarten in Berlin an das Reich nach unerheblicher Debatte genehmigt. Demnächst wurden ohne Debatte Rech­nungssachen (Rechnungen der Kasse der Oberrechnungs­kommission für daS Etatsjahr vom 1. April 1880/81 und die allgemeine Rechnung über den Staatshaushaltsetat deS Etatsjahres 1878/79) erledigt, dann dem Anträge der Budgetkommisston, die Petitionen verschiedener Lehrer in Ostpreußen, welche beantragen, dahin zu wirken, daß alle Gemeindeleistungen an den Lehrer auf den Staat über­gehen, zur Erörterung im Plenum nicht für geeignet und daher ohne Diskussion für erledigt zu erachten, ohne Dis­kussion beigetreten. Nachdem darauf auch die Ueberstcht von den Staatseinnahmen und Ausgaben der Jahres vom 1. April 1880/81 ohne Diskussion erledigt war, wurde schließlich auf Antrag der Kommission für kommunale Angelegenheiten beschlosten, die Position des Magistrats zu Grabow mit dem Anträge, die Aufhebung des 2. Absatzes im 8 8 des Gesetzes vom 11. Juli 1882, betreffend die Kommunalsteuer der Beamten, zu bewirken der Staats- regierung als Material zu überweisen. Schluß der Sitzung 2 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr. (Interpellation des Grafen v. Schlieben, Denkschrift, betr. die Ausführung des oberschlesifchen Notstandsgesetzes, Peti­tionen, Eisenbahnräte.)

In der heutigen (59.) Plenarsitzung deS Abgtortzs «etenhauses trat dasselbe in die Beratung des vom Herrcnhause in der veränderten Fastung bekanntlich zurück­gelangten Gesetzentwurfs, betr. Abänderung kirchenpolitischer Gesetze.

Abg. Götting sprach in der Generaldebatte gegen den Entwurf und suchte in einem Rückblick auf den Gang der Gesetzgebung den Nachweis zu führen, daß von der Mai­gesetzgebung so vieles geopfert sei, daß relativ nichts mehr davon übrig bleibe, und daß die Regierung auch die Zügel der Führung gar nicht mehr in Händen habe. Die Re­gierung sei aus ihrer bisherigen Stellung herausgeschlagen und rühme sich nur noch des Sieges über das Zentrum. Die preußische Regierung habe sich freiwillig auf den Weg nach Kanoffa begeben in der Person ihres besonderen Ge­sandten bei der Kurie. Die jetzige Lage fei auch nur herbeizuführen gewesen durch eine Koalition des Zentrums, der Konservativen und der Polen. Im Namen der national- liberalen Partei könne er erklären, daß dieselbe dem Wege, den die Regierung eingeschlagen, einmütig und fest wider-

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Mai. Bei verschiedenen Kaiserlichen Disziplinarkammern waren Stellen von Mitgliedern zur Erledigung gelangt. Der Bundesrat hat jetzt für die er­ledigte Stelle in Königsberg i. Pr. den preußischen Ober- regierungSrat Koch daselbst, für Danzig den preußischen Militär-Jntcndantur-Astesior Stein daselbst, für Bromberg den preußischen Amtsgerichtsrat Bekker daselbst, für Liegnltz den preußischen Militär - Intendantur - Assessor Hummel daselbst und für Breslau den preußischen Militär - Inten­dantur-Assessor Dr. Dittrich daselbst erwählt. Nach den in der Presse mehrfach laut gewordenen Stimmen zu urteilen, ist die Befürchtung verbreitet, daß durch die Ein­richtung, nach welcher auf den deutschen Bahnen der Sommerfahrplan erst mit dem 1. Juni und nicht wie bisher schon mit dem 15. Mai in traft tritt, das Interesse des reifenden Publikums beeinträchtigt werde. Dem gegen­über wird von kompetenter Stelle daraus aufmerksam ge­macht, daß dies nicht der Fall, vielmehr Fürsorge getroffen ist, daß, soweit zur ordnungsmäßigen Bewältigung des Personenverkehrs und namentlich im Interesse des nach den Bädern reisenden Publikums ein Bedürfnis dazu an­zuerkennen ist, die entsprechenden Züge schon vom 15. Mai ab gefahren werden. Nach der amtlichen Ueberstcht über die von den Rübenzucker - Fabrikanten des deutschen Zoll­gebiets versteuerten Rübenmengen, sowie über die Einfuhr und Ausfuhr von Zucker im Monat März 1882 standen zur Zeit überhaupt 12 Fabriken im Betriebe (in der Provinz Schlesien 4 und in der Provinz Sachsen 8). Die­selben versteuerten 12080800 kg Rüben. Eingeführt wurden vom ZvllauSlande 131484 kg raffinierter Zucker, 27950 kg Rohzucker und 287465 kg Melasse; ausge­führt wurden 4 639 329 kg raff. Zucker, 16800339 kg Rohzucker und 2 402 580 kg Melasse. In dem Zeitraum vom August 1881 bis März 1882 wurden im Vergleich

jede Schuld getilgt, und alles übrige ist nutzbringend für ihn angelegt. So findet et ein ausreichendes Kapital ein eigene« Heim zu gründen, wo er immer mag."

Und Fräulein Werner?"

Als Clara Werner, MistreS Fürst ober Frau von Fürstenau, soll sie uns gleich willkommen fein! Du schweigst, Mama? Kannst Du ihr vergessen, wie viel sie für unS gethan hat? Willst Du ihr als Vorwurf an­rechnen, daß sie in ehrenhafter Weise selbst ihr Brod er­warb? Mama, das habe ich auch gethan und war dankbar, wenn ich nut Schülerinnen fand."

Auch Du?--Und daS alles hast Du mir geheim

gehalten?" Deinen Stolz zu schonen, der unsere Armut nicht ertragen hätte. Nur die bitterste Not hat mich ge­zwungen, Deine wie meine Arbeit zu verwerten, und wenn ich auf etwas stolz bin, fo ist es, daß ich dazu den Mut gehabt. Sieh, Mutter, ohne meine englischen Stunden hätten wir weder Eva noch Clara kennen gelernt; vielleicht wäre auch Kurt unS nie zurückgegeben; in dürftiger Ver­einsamung wäre unser Leben dahingeflossen. Aber nicht dies allein, Mama, auch unsere Anschauungen sind weitere geworden, und ich habe verstehen gelernt, daß rechtschaffene Ar­beit, die den Mann ehrt, auch die Frau nicht erniedrigen kann l"

Und so willst Du unter angenommenem falschen Namen weiter und weitet schaffen?"

Eines falschen NamenS bedarf eS für mich nicht mehr! Mama, Du weißt, wie lieb mit Arthur ist, und daß ich nun hoffen darf, auch feinet Mutter als Tochter willkommen zu fein; da ziehst Du zu uns, und ich bleibe Dein heimlicher Sekretär, das ist mit Schriftstelleret gnug, der Professor hat Recht, wenn er sagt, daß eine schriftstellernde Frau eine gute Mutter und Tochter, aber

schwerlich eine mustergiltige Gattin sein mag; und da denke ich denn an SchillersGelehrte Frau" und habe Arthur viel zu lieb, ihm eine solche zu wünschen.Miß Anybody" wär ich für Jedermann; für Menschen, die uns nicht kennen, ist eS genug, daß dieserJrgend-Jemand," dessen Schriften sie lesen, einen Namen habe; meines Gatten Name aber ist der meine, und ihm, der mir feinen Namen flieht, will ich nichts fein, als nur ich selbst!"

Du hast Recht! der wahre Wert der Frau liegt in ihr selber! Mir ist's als ob ich Eva wiederhole, daß wie der Name nicht den Mann, der Beruf, den sie erwähle, auch den Wert der Frau nicht bedinge."

Und dennoch, Mama, könntest Du den einzigen Sohn Dir aufs neue entfremden, wenn Du in Clara, die et Dir als Tochter zuzuführen kommt, nut die Lehrerin sähest, die thatkräftig in die Welt hinauszog, sich ehrlich ihr Brod zu suchen? Vergiß nicht, Mama, daß siekein Mütterlein mehr hatte," laß sie in Dir eins finden!"

Sie soll eS, Kind! Die Liebe hat den alten Stolz bezwungen; Frau von Fürstenau hat die Tochter liebevoll an sich gezogen, wie es ihr selten zuvor geschehen.

Es ist ein Tag beglückten Wiedersehens, als die Er­warteten endlich eintreffen, und im Zollernfchen Hause ein doppeltes Familienfest gefeiert wird; nur die alte Tante Line ist trotz aller Bitten nicht zu bewegen, dran teilzunehmen.

Ich wünsche ihnen allen Gottes reichste» Segen" sagt sie,nur hätte ich meinem Professor es just so gegönnt," und sie trägt, während draußen hell die Kirchenglocken klingen, den Strauß, den Annchen selber ihr dazu gebunden, hinaus auf Evas stille, duftige Ruhestatt.

Unter falschem Name«.

Von Ellen Lucia.

(Schluß.)

Als Beide gegangen und Frau von Fürstenau allrnäh- lig ruhiger geworden, beginnt Anna ihren ausführlichen Be­richt; auch aus den Briefen liest sie die geeigneten Stellen.

O Gott!" sagt Frau v. Fürstenau,ich wußte nicht, daß wir auch Anderen so leicht Gutes thun mögen, ohne unser Wissen!"

Gutes, wie Leides, Mama; nut sollten wir wissend Anderen nur Liebes ihnn wollen." Sie denkt Clara Werners, und welcher Empfang ihr von der Mutter werden magnrwettit;.Äurt sie als Tochter ihr zuzuführen komme, bet alte Stolz scheint noch immer allzu wach.

Und ohne Namen hast Du meine kleinen Arbeiten in die Welt gesandt, und Dir selber unter Anderem schon einen Rus erworben?" sie streicht liebevoll die Hand der Tochter,während Kurt . . ."

Gleich uns unter neuem Namen auch den alten zu Ehren gebracht."

Des Vaters alter ehrenwerter Name klingt eS in leiser Klage von bet Blinden Lippen zurück.

Mutter, wir leben in einer neuen Zelt. Der Name thut es nicht mehr; der Träger ist eS, bet seinem Namen ben Wert giebt l" Ich weiß nicht, Mama, ob man drüben einen Herrn von Fürstenau mehr ehren möchte, als Mr. Fürst! Hier wird Kurt nicht bleiben wollen; er fühlt sich drüben glücklicher und Clara auch 1 Nichts hindert ihn mehr hier wie dort den alten Namen wieder anzunehmen, und ich denke, er wird eS thun. Die 'Summen, die Kurt selber herüber gesandt, haben längst

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