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Marburg, Freitag, 5. Mai 1882

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versöhnt und ihnen viel mehr Rechte und auch sichere Ge­legenheit gegeben werden, zufriedener zu werden. Gladstone schwebt daher jetzt vollständig mit seiner Politik zwischen zwei Stühlen und läuft Gefahr, die alten Stützen zu ver­lieren und neue niemals gewinnen zu können. Deshalb hat er sich zu dem Entschlüsse emporgerafft, entgegen der öffentlichen Meinung Englands dennoch neue Versöhnungs­schritte mit den Irländern zu unternehmen und möglichst mit den Häuptern der irischen Landliga nach einem Aus­gleiche zu suchen. DaS Ziel ist groß und erhaben, der Einsatz, Gladstones ganzer politischer Ruhm, aber auch, und man darf auf die neueste Phase in Englands innerer Politik gespannt sein.

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Wich ächt.

Die irische Frage und daS Herannaheu einer Krisis in England.

Alle Schuld rächt sich auf Erden", im Sinne dieses Dichterwortes, welches zumal für das Leben der Völker die größten Wahrheiten enthält, muß die irische Frage beur­teilt werden, und in diesem Sinne wird sie auch ihren AuStrag finden, daran wird die Parteipolitik der Whigs oder Tories in England, eines Gladstone oder Salisbury nichts ändern.

Die öffentliche Meinung in England ist zwar zur Zeit einer Verschärfung der Maßregeln zur Unterdrückung der Unruhen und Agrarverbrechen ziemlich günstig gesinnt, denn was man auch sonst von der englischen Kultur Großes halten mag, hinsichtlich der Erreichung seiner Ziele ist der Engländer kalt und hartherzig, und da zwischen den Voll­blutengländern und den Irländern seit vielen Jahrhunderten ein scharfer Gegensatz besteht, der die Engländer als die Herren, die Irländer aber als die Untergebenen, ja, die Unterworfenen, auch noch heute erscheinen läßt, so ginge es schließlich nach dem Willen des englischen Volke», wenn den Iren das mit Feuer und Schwert vergolten würde, was sie an den Pächtern und Gutsbesitzern gesündigt haben.

Indessen haben aber die Verhältniffe und vielleicht auch die politischen Gesetze dafür gesorgt, daß sich auf daS arme Irland der Zorn Englands nicht ausschütten wird. Denn gerade gegen die Anwendung der alten Gewaltmittel, die zwar die Irländer beugten, aber noch lange nicht zu guten Unterthanen machten, hat der jetzige englische Premierminister Gladstone und seine Partei ein Veto eingelegt und zwar nicht nur allein vor dem Sturze der Torypartei in der Theorie, sondern auch seit Gladstones Regierungszeit in der Praxis, die jetzige englische Regierung kann also, wenn sie sich keine schwere Niederlage zuziehen will, gar nicht ihre Hand zu Gewaltmitteln bieten, um des Aufstandes in Irland Herr zu werden. Gladstone und seine Parteigänger haben hundertmal verkündet, daß man an den bedrückten Irländern ein altes Unrecht gut machen, sie versöhnen, sie zu zufriedenen Menschen machen müsse. Durch seine Land­bill ist nun Gladstone den Irländern entgegen gekommen und trotzdem die Landbill alS unzulänglich von den Ir­ländern verworfen und mit neuen Agrarverbrechcn beant-

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Unter falschem Kamen.

Bon Ellen Lucia.

(Fortsetzung)

Wenn ich Ihnen nun auch schonungsvoll die volle Wahrheit berichtete, was Ihr lieber Bruder mir gebeichtet, obgleich Ihnen daS Wichtigste nicht unbekannt sein konnte, so geschah eS allein in der festen Zuversicht, daß solch ein ehrliches Bekenntnis auch den Sohn der Mutter näher bringen muß.

»Ich laste den Brief noch einige Tage ruhen, vielleicht vermag ich Mr. Fürst zu bewegen,^daß er mit eigener Hand einige Zeilen hinzufügt.

P. 8. Einige Tage später.

Ihr lieber Bruder hat mir soeben Herrn v. Zollern« Schreiben gebracht. Welche Trauer«, welche Freudenbotschaft können wenige Zeilen vereinen!

Mißchen, Ihres Glücke» freue ich mich au» treustem Herzen; Evas Verlust hat mich zu schmerzlich getroffen, daß ich Ihnen meine Glückwünsche in aller Form au«- Iprechcn könnte.

Mr. Fürst will nicht selber schreiben; er sagt: Wir weisen nun selber! Mir ist eS recht; ich sehne mich mehr, denn je, den alten Freunden, die mir geblieben in Leid und Freude nahe zu sein."

.So froh die Kunde von de» Bruder» Wiederkehr ^auletn von Fürstenau erregt, so schwer bedrückt sie, .dtz sie nicht weiß, wie die Mutter am schonendsten vorzu- drreiten.

Wie sie auch mit Arthur und dem Profestor, vor dem Egst kein Geheimnis mehr hat, überlegt, bei Frau von

Fürstenaus leidender Gesundheit scheint jeder Mensch gleich gefährlich. Der Profestor hat seit kurzem jeden Versuch, Frau v. Fürstenau zu einer möglichen Operation zu über­reden, aufgegeben; doch hat er durch seine treuen Be­mühungen ihr eine Art Lichtschein wiederzugeben vermocht, der sie wie sagt, für ihr stilles Leben vollständig ausreiche, sie weniger hülfloS zu machen.Bei meinem Alter", tröstet sie ihn,bedarf ich keines helleren Augenlichtes mehr; von denen, die mir lieb gewesen sind, würde ich doch die Meisten nicht mehr schauen. Nein, meine Blindheit ist mir lieb geworden, und trotz ihrer habe ich meine Zeit nützen ge­lernt!"

So fang doch einmal von Euren Schreibereien an," rät drum die alte Dörthe; viel Zeit bleibt wirklich nicht mehr, sonst kommen uns die Amerikaner ins Land, und dann, na, dann ist'« zu spät! Guck, Fräul'n Anning, e» wäre ein ganz hübscher Anfang, wenn Du der Mama erzähltest, wie Du auS Not ihre und Deine Schreibereien zu Geld gemacht, und ihr nun auch den Kurt zurück ge­wonnen hast;" und als ihr Fräulein Anning noch immer nicht den Mut finden kann, platzt sie selber einmal zu guter Stunde, al« sie sich durch Herrn v. Zollerns und des Profestor« Anwesenheit gedeckt glaubt, mit allerlei An­deutungen heraus.

Mit Bestürzung sieht Anna, wie die Mutter noch jetzt de» alten Stolzes nicht vergesten kann.

Und ohne mein Wissen," klagt sie,hast Du meine kleinen Arbeiten verwertet? Für die Ehre und zu ihrer Zerstreuung, sich selbst ihre Blindheit vergesten zu machen, durst selbst eine Frau v. Fürstenau wohl schreiben, doch für klingenden Lohn!?" Sie hat, wie vor innerer Beschämung, dir Hände über die Augen gebreitet.

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Deutsches Reich.

»erlitt, 3. Mai. Durch die Ernennung des Regie- ru"gSbaurats Fr. Lange in Kassel und des Landbauin- spektorS L. v. Tiedemann zu technischen Attaches bei den diplomatischen Vertretungen Deutschlands in Washington und Paris ist eine Frage, welche die Fachwelt in gerechter Spannung erhielt, zu einem erfreulichen Ende geführt worden. Stellen, welche in solcher Weise völlig neu ge« schaffen werden müssen, sind keineswegs leicht zu besetzen, da ja die Anschauungen über die Aufgaben eines techni­schen Attaches an und für sich die verschiedenartigsten ge­wesen sind. Mit der Wahl der obengenannten Persön­lichkeiten hat die Staatsregierung bekundet, daß keineswegs lediglich ein Studienposten im Auslande oder eine ausge­dehntere Vertretung geschaffen werden sollte, sondern daß tüchtige erprobte Kräfte in geschickter Vereinigung aller Er­fordernisse eines solchen Amtes der deutschen Technik auf schwierigem Gebiete den Weg zu ebenen die Aufgabe haben. Die nunmehr getroffene Wahl hat in den Fachkreisen eine große Befriedigung hervorgerufen, denn sie ist auf Männer gefallen, die wegen ihrer Leitungen geschätzt und wegen ihrer persönlichen Eigenschaften allgemein beliebt sind. Herr Regierungsbaurat Lange, früher Vorsitzender des Architekten- vereins in Kassel, hat teils litterarisch, teil« praktisch in fast allen Zweigen des Bauwesens sich hervorgethan. Nachdem er vom Friedrich Werderschen Gymnasium in Berlin ab­gegangen, war er zunächst bei dem Bau der Köln-Mindener Bahn mit Geometer-Arbeiten beschäftigt. Im Jahre 1848 bestand er das Geometer-, zwei Jahre später das Bau­führer-Examen, worauf er einige Jahre bei Chauffeebauten sowie bei dem Lau der Aachen-Düsseldorfer Bahn thätig war. Nach abgelegtem Baumeister-Examen führte ihn nach wenigen Jahren seine amtliche Stellung abermals an den Rhein, und zwar als Kreisbaumeister nach Crefeld, wo­selbst er 1862 einen Plan zu einer schiffbaren Verbindung der Städte Gladbach, Rheydt, Viersen, Süchteln und Cre­feld mit dem Rhein auSarbeitete. Als Bau-Inspektor und

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Anzeigen nimmt entgegen: hie erpebitton d. Blattes, löwied.Ännoncen-Bureaur _ xh. Dietrich u. Co. in Gaffel und Hannover; Th. Dietrich in »rankfurt a.M.; ßaafenftein u- Vogler >n Srantfurt a. M-, Berlin gjintig, Köln rc.; Rudolf Stoffe «n Berlin, Frank- * furt a. Al. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

später al« RegierungSbaurat waren ihm verschiedene grö­ßere Ausführungen übertragen bezw. unterstellt, und zwar im Landbau ebensowohl wie im Wasterbau. Seine lang­jährigen Bemühungen um die Correction der Weser mach­ten ihn mit den schwierigen Verhältnisten vertraut, welche bei seinem letzten großen Entwürfe, der Canalistrung der Fnlda, zu berücksichtigen waren. Ein gleichmäßiges Jn- tereste für die Kunst sowohl wie für, die Wissenschaft, viel­fache Reisen und eine Reihe kleinerer Arbeiten über eng­lische und amerikanische Verhältnisse in Erbkams Zeitschrift für Bauwesen lasten ihn zu der ihm nunmehr übertragenen Stellung außerordentlich berufen erscheinen. Herr Land- bau-Jnspektor v. Tiedemann ist erst vor sechs Jahren end­gültig in den Staatsdienst getreten, nachdem er vorher im Eisenbahnbau sowohl wie bei Hochbau-Ausführungen prak­tisch thätig gewesen. Wie früher an der technischen Hoch­schule in Berlin, so liest er jetzt an der Universität Halle über landwirtschaftliche Baukunde, ein von ihm besonders gepflegtes Feld, wie sein verdienstvolles Buch beweist, welches unter dem TitelDa« landwirtschaftliche Bauwesen" erst Ende vorigen Jahre« erschienen ist. Sein Hauptverdienst aber, das ihn zu der neuen ehrenvollen Stelle berechtigt, ist die Ausführung der Universitätsbibliothek und der sehr gelungenen und außerordentlich ausgedehnten Anlage der dortigen klinischen Institute. Wenngleich die französische Fachpresse jetzt schon mit einem gewissen Neiv unsere techni­schen Attaches betrachtet, wird Herr v. Tiedemann durch sein Wesen sich doch sehr leicht einführen, sodaß Paris und New-Aork demnächst mehr als bisher für deutsche Techniker einen Zielpunkt ihrer Studienreisen werden abgeben können.

Berlitt, 3. Mai. Nach dem Programm, welche« der Minister des Innern am Schlüsse der gestrigen Sitzung de« Abgeordnetenhauses darlegte, ist die Ordnung der Dinge, welche man dieser Tage auf gründ der FriedrichS- ruher Entscheidung annahm, wieder nach Puttkamer« Wunsch abgeändert. Die Kanalvorlage, der nützlichste aller schwebenden Entwürfe, soll in einer Lesung beigesetzt wer­den; daS Verwendungsgesetz soll wenigstens mit zwei Lesungen beehrt werden, aber auf die hannoversche und lauenburgische Kreisordnung, die beiden auf Lager zu arbeitenden Gesetze, wirft die Negierung ihre ganze Pres­sion. Das hannoversche Gesetz muß bekanntlich auf eine konservativ-liberale Mehrheit spekulieren. Inzwischen haben aber die Nationalliberalen sich in Sachen des Verwen­dungsgesetzes nicht sehr dienstbereit erwiesen. Im Laufe des Sommers soll hier ein internationaler Kongreß von Gegnern des Impfzwanges stattfinden, für welchen sich schon jetzt ein Lokalkomitee gebildet hat.

Osnabrück, 3. Mai. Die Konsekration und Inthroni­sation des Bischofs von Osnabrück ist heute vollzogen worden. Der Oberpräsident und die Landdrosten von Os­nabrück und Aurich, die Spitzen der Militär- und Gerichts-

Leise zieht Anna sie ihr fort:Jeder Arbeiter, Mama, ist seines Lohnes wert, und Dir ist doppelter Lohn ge­worden !" und sie erzählt, so schonend sie vermag, von Evas und Fräulein Werners freundlicher Vermittlung; allmälig, sie kann es nicht hindern, klingt auch Kurts Name in den Bericht hinein.

Kurt, Kurt!" tönt eS in schneidender Klage durch den kleinen Raum; es ist das erstemal, daß des Sohne« Name in Annas Beisein von der Mutter Lippen kommt, und sie steht voll tiefsten Mitleids, wie schwer und unruhig sich der Mutter Brust hebt und senkt.Ja, Mama," sagt sie durch Winters ermutigenden Blick beruhigt,Dir ist für Deine Arbeiten der schönste Lohn geworden; durch sie hast Du Dir den @or zurückgewonnen und durch ihren Ertrag auch mithelfen oürfen, seine Zukunft sicher zu stellen."

Mein Sohn, mein Sohn! Und doch werde ich ihn nimmer, nimmer Wiedersehen!" sie hat laut aufschluchzend da« Gesicht in beide Hände vergraben.

Da« lange Schweigen, daS alle beunruhigt zu brechen, ist Zollern zum Klaviere getreten; ehe Anna ihn hindem mag, gleiten seine Hände über die Tasten und entlocken ihnen die alte Melodie die weit drüben über dem Meere auch den Sohn so tief ergriffen.Ein Wanderbursch mit dem Stab in der Hand kommt wieder heim aus fremdem Land, Und ob ihn sonst auch niemand erkannt, das Mutteraug' hat ihn dennoch erkannt!" singt er leise und läßt sanft die Töne ausklingen.

Laß nur!" flüstert er Annchen zu,hier wie drüben muß daS Eis erst schmelzen," und er hält tröstend seinen Arm um sie geschlungen.

Alles ist still im Zimmer; nur der kleine Wachtelhund,

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SometagSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckeret) bezogen 2*/t Wart, bmd) bie Postämter bes Deutschen Reiche« 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionszebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pfa.

güt tn ber Expebttwn zu ertheilende Auskunft unb Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. '

gj | wertet wurde, hält Gladstone der Konsequenz halber doch noch an der versöhnlichen Politik fest und will die Dinge tiidK in Irland nicht zum äußersten getrieben wissen. Dabei ist Gladstone aber dennoch in ein kritisches Stadium mit seiner Politik geraten, denn mehr als man in der irischen Land­bill gewährte, wollen die Hauptstützen der Gladstone'schen Politik den Iren nicht geben, fast lieber will man nun mit bem Schwerte drein schlagen. Die Gegner Gladstone« sind dagegen plötzlich mit der früher von ihnen nicht vertretenen Behauptung aufgetreten, die Irländer müßten vollständig