xvii Jahrgang
atöurg, Donnerstag, 4. Mai 1882
TW
OhrchMkAW
ei, it
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureanx von G- 8. Daube u. Eo- in Frankfurt a. 3)1.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
„ nimmt entgegen: Motion d.Blattes. sk»i7°Ännonc-n-Bureaur f^Th Dietrich u. So. in « ff,i und Hannover; Th. LKch in Frankfurt °.M.; ® e r»nftein u- Vogler in
__________
--ZfAHnt täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker-i) bezogen SV. Mark, durch di- Postämter des D-utsch-n R-ich-S S Mark 50 Pfg. (excl. B-st-llz°bühr.) - ^nsertronsgebühr für die g-sp°lten- Sette 10 Psg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.
niet, >ofr.
ick
«tri
parbe
Mrthe! ligen $ sie gn
urg.
isport
ux
ken
Ib
abrika
V HA!
jel’s eschi
afeM
Der ju
»llce 9i
»ergey let, j» Roses
rr Gs na nn
1. J>»
ggr Für die Monate Mai und Juni werden noch Bestellungen auf die
Oberhesfische Zeitung
n„d deren Gratisbeilage
Illustriertes GormtagSblatt von allen Post - Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.
vom Landtag.
Berlin, den 2. Mai.
In der heutigen (16.) Sitzung de« Herrenhauses bildete den ersten Gegenstand der Tagisvrdnung die Schlußberatung über den Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der Verbote gegen daS sogenannte Schäfervorvieh und der besonderen Kündigungsfristen und Umzugstermine für Schäfer und deren Gesinde. Der Referent Herr von Woyrfch empfahl, den Gesetzentwurf in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung anzunehmen, und da» Haus trat dem Anträge debattelo« bei.
Zweiter Gegenstand der Tagesordnung ist die Fortsetzung der Beratung des Bericht« der 10. Kommission über den Gesetzentwurf, betreffend Abänderung der kirchen- politischen Gesetze. Die Debatte wird bei S 3 wieder ausgenommen, welchen die Kommission in folgender Faffung zur Annahme empfiehlt: „Von Ablegung der im Z 4 de» Gesetzes vom 11. Mai 1873 vorgeschriebenen wissenschaftlichen Staatsprüfung find diejenigen Kandidaten befreit, welche durch Vorlegung von Zeugniffen den Nachweis führen, daß sie die Entlassungsprüfung auf einem deutschen Gymnasium abgelegt, sowie ein dreijährige« theologische« Studium auf einer deutschen Universität oder auf einem in Preußen bestehenden kirchlichen Seminare, hinsichtlich dessen die gesetzlichen Voraussetzungen für den Ersatz des Universität«studium« durch das Studium auf diesem Seminar erfüllt sind, zurückgelegt und während diese« Studiums Vorlegungen au« dem Gebiete der Philosophie, Geschichte und deutschen Litteratur mit Fleiß gehört haben." (Die gesperrt gedruckten Stellen sind die von der Kommission vorgenommene Aenderung der Regierungsvorlage.) Hierzu beantragt vr. B e s e l e r vor „Universität" da« Wort „Staats" hinzuzufügen.
Der Referent Graf zur Lippe befürwortete die Annahme des Kommissionsantrages, erklärte sich aber gegen den Antrag Beseler, den rr für überflüssig hielt. — vr. Beseler empfahl dagegen die Annahme seine« Antrages, welcher dem Artikel eine präzisere Faffung gebe, die dringend geboten sei. — Hr. AdamS hält diesen Art. 3
enhaus er mit . vertu« U. (
Mag erst, i
veg ac
Kami
Mai «
adt 36
'S- r Hieß«
Col§ ng. he«, ander« Zohaiv es i« ______[ Wohnd Kami vertust , «f»
Unter falschem Warnen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung)
„Hier gab e« für mich nur einen: härteste, ausdauerndste Arbeit. —Ja, Miß Werner, hätte ich unter die Goldgräber gehen, in den Urwäldern umherstreifend, in täglicher Gefahr mein Leben fristen können, mir wäre e« erträglicher gewesen; aber so unter zivilisierten Menschen, mit allen Ansprüchen an den Komfort de» Leben« erzogen, die geringste der Arbeiten verrichten zu müffen, ohne ein auf- munternde« Wort, ohne ein menschliche« Wesen, da« um ihn sorgte,— Miß Werner, da« kennen Sie nichtI Mögen Sie es nie erfahren."
„Ich kannte e« wohl und sagte e« ihm: „Für manche« beut Ersatz die Welt, für Liebe beut sie nicht«."
„Er nickte und drückte mir die Hand. „Und doch," fuhr ich mutiger fort, „haben Sie den Ihrigen, die sich so schmerzlich um Sie sorgten, nicht rin einzige« Mal Kunde von sich geben mögen?' . .
„Nein," sagte er mit dem alten Trohe, „meine Mutter hatte nicht einmal meinen Namen mehr hören wollen, den Namen des Sohne«, der einst ihr Ein und Alle« war. Ja, wenn mein Vater noch gelebt hätte, ihm war ich Rechenschaft schuldig —*
„Und der Mutter nicht? — Ich hatte bisher gedacht, die Liebe einer Mutter wäre durch nichts zu ersetzen! Sie bliebe un« immer unerworben und unverdient, wie sie uns gekommen. Wir dürfen sie nicht mit gleichem Maße weffen, wie anderer Menschen Liebe."
„WaS hätte ich schreiben sollen?" fragte er nach einer Welle, als fühle er sich selber der Entschuldigung bedürftig.
für den wichtigsten Artikel de« Gesetze« und empfahl die Annahme der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung mit dem Amendement Beseler. Der große Mangel an geeigneten Geistlichen gebiet-, daß man derartige Einrichtungen treffe, welche eine größere Zahl befähigter Geistlicher schaffe. DaS Beselersche Amendement empfahl er deshalb, weil eS geeignet sei, in den jungen Geistlichen die Vaterlandsliebe zu fördern, die nicht auf allen Universitäten, sondern nur auf deutschen Staatsuniversitäten gelehrt und gefördert werde. Die Weglassung deS Wortes „Staats" bringe leicht die Gefahr, daß man Universitäten gründe, auf denen in deutscher Sprache gelehrt, aber die Vaterlandsliebe nicht gepflegt werde.
Graf Brühl weist die Beschuldigungen de« Vorredners zurück, daß die katholische Geistlichkeit Mangel an Vaterlandsliebe habe. Daß dies nicht der Fall sei, haben die Erfahrungen der Kriegsjahre und des Jahres 1848 in hinreichender Weise bewiesen. Ausnahmen kommen überall vor, auch in der katholischen Geistlichkeit. Aber den ganzen Stand könne man doch deshalb nicht in einer solchen Weife beschuldigen; er bitte, den Antrag Beseler abzulehnen.
Hr. A d a m « repliziert, daß es ihm gar nicht eingefallen sei, eine derartige Beschuldigung gegen die gesamte Geistlichkeit au«zusprechen und auch vr. B e s e l e r erklärt, daß eine solche Beschuldigung von ihm nichtjauSgesprochen sei.
vr. Dove richtet an den Kultusminister die Anfrage, welche Deutung die Regierung dem Worte „Deutsche Universität" beilege.
Der Kultusminister v. G o ß l e r erwidert, daß damit dasselbe gesagt werden solle, waS in dem Gesetz vom 11. Mai 1873 von den preußischen Universitäten gemeint sei. Als eine deutsche Universität könne die Regierung nur eine solche Universität erachten, welche innerhalb deS Deutschen Reiches unter staatlicher Aufsicht bestehe. Der Regierung sei eS übrigens gleichgültig, ob der Antrag Beseler angenommen werde oder nicht.
Frhr. v. Maltzahn erklärt, er werde für den Art. 3 timmen, nicht etwa, weil er denselben für so gut halte, ondern weil er Vertrauen habe zur Staatsregierung, daß le aus dem Artikel nicht« anderes herleite, als waS damit gesagt werden solle. DaS Vertrauen basiere namentlich auf dem jetzigen Kultusminister und seinem Vorgänger. Er wünsche, daß daS Bestreben der Staatsregierung den besten Fortgang nehme, und daß darauf namentlich hingearbeitet werde, für daS Verhältnis zwischen Staat und Kurie einen guten modus vivendi zu finden.
Fürst Ferdinand Radziwill erklärt sich gegen den Antrag Beseler, ebenso Graf Schwerin, der darauf hin- wrist, daß dann auch in betreff der deutschen Gymnasien eine ähnliche Erklärung abgegeben werden müsse.
Herr v. K l e i st - R e tz o w hält es für völlig gleichgültig, ob das Wort „Staats-" in diesem Artikel stehe
„Alles, was ich von den Meinen weiß, Miß Werner, weiß ich durch Sie! Erst heute hat meine Mutter zum erstenmale wieder zu mir gesprochen durch daS schlichte alte Märchen au« meiner Kinderzeit — seltsame Sprache, in der nur eine Mutter zu un« reden kann! — Sie sind zur treuen Vermittlerin zwischen mir und den Meinen geworden, bleiben Sie — wenn Sie können, nach dem, wie Sie mich nun erkannt — mir auch ferner eine solche!"
„Ob ich konnte? Sie wiffen Mißchen, ich lebe der Zukunft; mit der Vergangenheit rechne ich nicht!
»„Ich sagte e« ihm; und doch fah er mich traurig an, al« fürchte er, eS müsse der Freundschaft Eintrag thun, wenn man vom neuen Freunde Nachsicht erbitten müsse, für alte Vergehen. Fast mit den Worten eine« meiner LieblingLfchriftstellcr sagte ich ihm die«: „Gerade, daß die Menschen unter einander etwa« zu vergeben haben, da« bringt sie einander näher, al« alle« Andere."
„Wie e« kam, weiß ich nicht; ich weiß nur, daß e« mich seltsam durchzitterte, al« er mich an sich zog und stürmisch bat: „So wollen Sie meine treueste Freundin bleiben immerdar? O, sagen Sie e« mir?"
„Ganz recht war e« wohl nicht, daß ich feine Liebkosungen litt; aber wir waren beide zu bewegt und ich weiß nicht einmal, ob von Schmerz oder Freude.
„Erst da« Heranstürmen der Kinder schreckte mich. Der Vater folgte ihnen, um sie am Eintreten zu hindern. Schnell gefaßt gingen wir zu ihnen hinan«.
„Papa! Papa!" hörte ick da« älteste der Mädchen fragen. „Hast Du gesehen? Mr. Fürst hat Miß Werner geküßt!"
„Dann wird er sie unter dem Mitslotoe (Mistelzweig)
oder nicht, glaubt aber in Betreff des Zustandekommen« des Gesetzes anraten zu sollen, diesen Antrag abzulehnen.
Die Debatte wird geschloffen und nach einem Schlußworte deS Referenten Grafen zur Lippe wird der Antrag Beseler abgelehnt und Artikel 3 nach dem Anträge der Kommission mit großer Majorität angenommen.
Ohne Debatte wird dann Artikel 4 des Gesetzes nach den Beschlüssen der Kommission in der von dem Abgeord- neteuhause beschlossenen Fassung angenommen, ebenso auch der Schlußsatz und Titel und Ueberschrift des Gesetzes. Ueber das ganze Gesetz erfolgt Namensaufruf und wird dasselbe mit 87 gegen 32 Stimmen angenommen.
ES folgt die einmalige Schlußberatung über den Gesetzentwurf, betreffend die Ausdehnung der Wirksamkeit deS nassauischen evangelischen Zentralkirchenfonds und der nassauischen evangelischen Pfarr-, Witwen- und Waisenkasse auf die vormals hessischen Teile deS KonststorlalbezirkS Wiesbaden. — Der Berichterstatter, Herr Eggeling, beantragt, dem Gesetzentwurf in der vom Abgeordnetenhaufe beschlossenen Faffung die verfassungsmäßige Zustimmung zu erteilen. DaS HauS genehmigt den Artikel 1 debattelos. Dem Artikel 2 hat daS Abgeordnetenhaus folgende Fassung gegeben: „Für die Aufnahme der im Artikel 1 bezeichneten vormals hessischen Gemeinden in den Zentral- kirchenfonds und die Pfarrwitwen- und Waisenkasse wird dem nassauifchen evangelischen Zentralkirchenfonds eine Rente von jährlich „Siebentausend Mark" gewährt, von welchen zweitausend Mark zu gunsten der vorbezeichneten hessischen Gemeinden auf die dem Zentralkirchenfonds gegenüber zu übernehmenden Lasten zu verrechnen sind."
Der Referent bittet dieser Fassung zuzustimmen. Der RegierungSkommiffar Geh. Rat L e h n e r d t erklärt, daß der Schlußsatz, in welchem es sich um die Zweitausend Mark handelt, von dem Abgeordnetenhause dem Paragraphen zugefügt fei. Die Regierung sei jedoch trotz der geringen Höhe der Summe nicht in der Lage, diesem Beschlüsse zuzustimmen, und müsse bei ihrer ursprünglichen Vorlage aus prinzipiellen Gründen bestehen bleiben, vr. Dern- burg bittet um Annahme des Beschlusses des Abgeordnetenhauses, da eö sich hier um einen armen Landesteil handelt.
Bei der Abstimmung wird der $ 2 in der vom Abgeordnetenhaus!! beschlossenen Fassung mit sehr großer Majorität angenommen und schließlich die ganze Vorlage.
Es folgt der mündliche Bericht der Kommission für Handel und Gewerbe über den Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung einer neuen fiskalischen PackhofSanlage in Berlin. Der Referent, Herr von der Osten, beantragt namens der Kommission die unveränderte Annahme der Vorlage, und daS Haus tritt diesem Anträge debatteloS bei.
ES folgt als letzter Gegenstand der Tagesordnung der mündliche Bericht der 9. Kommission über den Gesetzent-
getroffen haben, und eS ist, wie Du weißt, sein Recht, wie das jede« andern Herrn, nach alt englischer Sitte —"
„Aber hier kein Mistelzweig; und Mr. Fürst ist ein Deutscher —"
„Nun, dann geschah eS unter dem Tannenbaum; — daS dürfte dasselbe sein."
„Der gute Konsul I Wie freundlich er allezeit bemüht bleibt. unS aus jeglicher Verlegenheit zu helfen!
„Am Abend, als der Tannenbaum brannte und die Kinder ihn singend umtanzten und Jeder seiner Geschenke sich freute, da entdeckte auch Mr. Fürst die kleine Gabe, die ich für ihn in den grünen Zweigen versteckt hatte. Zürnen Sie nicht, Mißchen, eS war Ihr und Ihrer Mutter Bild, das Sie mir beim Abschiede gaben. Ich merkte wohl, daß ich ihm nichts Lieberes hätte schenken können; er beschaute daS Bild lange und dann verbarg er eS auf feiner Brust.
„Der Konsul reichte mir seine Gabe selber. Ich öffnete daS zierliche Täschchen. Mancherlei Banknoten waren darin, und auf dem Umschläge, der sie zusammeuhielt, laS ich von seiner Hand: ,Znr versprochenen freien Heimreise nach Deutschland?
„O, daS ist zu viel, viel zu viel!" Ich konnte mich nicht erwehren, ihm dieS mit meinem Danke zu sagen.
i „Zu viel, Miß Werner? Ich denke, Sie werden die weite Reise nicht allein machen wollen, wie?" und er winkt mit den Augen nach Mr. Fürst hinüber, der, froh wie ein Kind, mit dm Kindern scherzt.
„Mißchen, ich habe Ihnen ehrlich und ausführlich berichtet, wie ich versprochen, auf frischer That auch, damit ich von dem reichen Stoffe nichts vergesse."
(Fortsetzung folgt.)