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Marburg, Sonnabend, 29. April 1882

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die Einführung eines unbedingten Zwanges zur Versicherung gegen die wirtschaftlichen Folgen von Krankheitsfällen für alle Arbeiter vorgeschlagen werden, für welche die Durch­führung dieser Maßregel möglich erscheint.

Seit Jahren ist in allen Teilen des Reiches mit stei­gender Dringlichkeit das Bedürfnis nach einer Revision der über den Gewerbebetrieb im Umherziehen geltenden Vorschriften der Gewerbeordnung hervorgetrcten. Die ver­bündeten Regierungen haben beschlossen, Ihnen einen Ge­setzentwurf vorzulegen, durch welchen die Gewerbeordnung in dem Sinne geändert wird, daß den mit dem Gewerbe­betriebe im Umherziehen auf dem Gebiete der öffentlichen Sicherheit, Ordnung und Sittlichkeit verknüpften Gefahren wirksamer als bisher begegnet werden kann.

Auf dem Gebiete der Steuer-Reform hat die Aller­höchste Botschaft vom 17. November v. I. die Abschaffung drückender direkter Landessteuern und der Zuschläge in aussicht genommen, durch welche Gemeinden und andere Kommunalverbände bisher genötigt sind, den harten und ungleich wirkenden Druck dieser Steuern zu verstärken. Diese wohlmeinende Absicht zu verwirklichen, kann nur da­durch ermöglicht werden, daß das Reich durch Erhöhung der seiner Gesetzgebung vorbehaltenen indirekten Steuern sich in die Lage bringt, auf Matrikularbeiträge zu ver­zichten, oder die bisher dazu erforderlichen und eventuell auch höhere Beträge den einzelnen Staaten herauszuzahlen, damit sie zur Verminderung der Landes- und Kommunal­steuern verfügbar werden. Wenn ein Bedürfnis hierzu bei den Einzelstaaten und ihren Kommunalverbänden nicht empfunden würde, so läge auch kein Anlaß vor, eine Er­höhung der indirekten RcichSeinnahmen zu erstreben. Ist ein solches Bedürfnis aber vorhanden, so kann es nur durch größere Ergiebigkeit der indirekten Einnahmequellen des Reichs befriedigt werden. Die verbündeten Regierungen sind von dem Vorhandensein deS Bedürfnisses überzeugt und beantragen Erhöhung der Reichseinnahmen, um ihren Unterthanen Steuererleichterungen gewähren zu können.

Unter den zur Versteuerung durch das Reich geeigneten Gegenständen steht der Tabak in erster Linie; nicht hier­über, sondern nur über die Form, in welcher eine höhere Besteuerung dieses Genußmittels herbcizuführen sei, gehen die Meinungen im Reich auseinander und wird eine Ent­scheidung durch die Gesetzgebung hcrbeizuführen sein. Die Mehrheit der verbündeten Regierungen hält die Form deS Monopols für diejenige, welche die Jntereffen der Konsu­menten und der Tabakbauer am meisten schont und dabei an Ergiebigkeit alle anderen Formen der Besteuerung über­trifft. Sie würde daher zu anderen Vorschlägen erst über­gehen, wenn sic die Aussicht auf Zustimmung der Volks­vertretung zum Monopol aufzugeben genötigt wäre.

Wenn die Reichsregierung weder in der einen noch in der anderen Form Aussicht auf di.' Bewilligung höherer

lichte Gestalt an sich vorüberziehn und weiß, daß es der Christengel ist, von dem die Mutter ihm erzählt hat. Der Engel redet liebevoll und vertraulich zu ihm, und er darf zuschauen, wie jener den Wald schmückt, glitzernde Krystalle an die kahlen Bäume hängt und über den grauen Erd­boden eine schneeweiße Decke breitet, damit auch er zum Feste geschmückt sei. Das Tannenbäumchen aber schmückt er mit besonderer Liebe und Sorgfalt, weil eS, wie er sagt, der einzige Baum des WaldeS sei, der sich treu und be­ständig bewiesen in geduldigem Hoffen und AuSharren, und weil er es mitnehmcn wolle in die Wohnungen der Men­schen. Da wird es auch dem Knaben weit und weich umS Herz, und sein Trotz beginnt zu schmelzen; und als der Engel ihn verkästen will, da klammert er sich an ihn und fleht ihn an, ihn doch in der Einsamkeit und Fremde nicht allein zu lassen; er wolle ja nichts zum Christfest, als daß er ihn mitnehme und zurückbringe in sein Elternhaus; es sei gar so schrecklich Heimzukommen und kein Mütterlein mehr zu finden.

.Die Verfasterin der kleinen Erzählung war nicht ge­nannt, aber ich denke, Mißchen, Sie werden sie vielleicht kennen.

„Als Mr. Fürst schwieg, hatte ich meine Gedanken schon bei anderen Dingen, während die Kinder noch mit Fragen auf uns eindrängten. Sie kennen den Schnee kaum, und die rechte deutsche Sinnigkeit, der fromme, gläubige Sinn geht ihnen ab; dennoch spricht er sie an; der rechte Märchenzauber verfehlt in der weiten Welt seine Wirkung auf kein Kinderherz, namentlich in der Weihnachtszeit."

(Fortsetzung folgt.)

Der Reichstag hielt unmittelbar nach der Eröffnung der Session seine erste Sitzung unter dem Präsidium des Herrn v. Levetzow ab. Zu provisorischen Schriftführern wurden berufen die Abgg. Wölfel, Dr. Porsch, Holzmann und Graf Kleist-Schmenzin.

An Vorlagen sind bereits eingegangen die Gewerbe­ordnungs-Novelle, die Tabaksmonopol-Vorlage und eine Verordnung, betreffend das Feilhalten von Petroleum.

Darauf erfolgte der Namensaufruf; derselbe ergiebt die Anwesenheit von 199 Mitgliedern. Das Haus ist also beschlußfähig. Schluß 3 Uhr.

Morgen Nachmittag 2 Uhr Wahl der Präsidenten uud Schriftführer.

Erscheint täglich außer an den Werttaaen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS TountagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 8*/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertheilendc Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

Reichs-Einnahmen hätte, so würde sie mit Bedauern und zum Schmerze Sr, Majestät des Kaisers für jetzt auf die Reformen der Steuerverfastung des Reichs und der Ein­zelstaaten verzichten müssen, welche als ein Bedürfnis der Bevölkerung von allen Regierungen seit Jahren erkannt und in der Botschaft vom 17. November v. I. von Sr. Majestät dem Kaiser verheißen sind.

Die mit der Anwendung des Zolltarifgesetzes gemachten Erfahrungen haben für die Mühlenindustrie die Gewährung einer Ausfuhrerleichterung und für einige andere Produk­tionszweige eine Aenderung der Tarifsätze als wünschens­wert ergeben. Es wird Ihnen daher der Entwurf eine» Gesetzes hierüber vorgelegt werden.

Ein zwischen dem Reich und Brasilien abgeschlostener Konsular-Vertrag wird Ihrer verfassungsmäßigen Beschluß­fassung unterbreitet werden.

Die auswärtigen Verhältniste des Reichs fahren fort, nach jeder Richtung hin das Vertrauen auf die Dauer der friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu rechtferti- den, von denen die Allerhöchste Botschaft vom 17. Novem­ber v. I. Zeugnis ablegt.

Je größer die Tragweite der Arbeiten ist, welche Sie, geehrte Herren, erwarten, desto mehr vertrauen die verbün­deten Regierungen, daß es Ihrer hingebendeu Thätigkeit mit Gottes Hilfe gelingen werde, die großen Aufgaben, um die es sich handelt, einer für die Konsolidierung un­serer nationalen Einrichtungen und für die gedeihliche Ent­wickelung des Vaterlandes segensvollen Lösnng entgegenzu- führen.

Im Namen der verbündeten Regierungen erkläre ich auf Befehl seiner Majestät des Kaisers und Königs den Reichstag für eröffnet.

Hierauf brachte der bisherige Präsident des Reichs­tags, v. Levetzow, ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, aus, in welches die Versammlung dreimal begeistert ein­stimmte.

Eröffnung -es Reichstag-.

Berlin, den 27. April.

In Gemäßheit der Allerhöchsten Verordnung vom 14. d. Mts. wurde heute der Reichstag im Sitzungssaale des Reichstags eröffnet. Als die Bevollmächtigten zum Bundesrat, unter Vortritt des Staatsminister v. Bötticher, um 2ili Uhr in den Saal eintraten, erhoben sich die dort versammelten Abgeordneten von ihren Plätzen. Der Staats- Minister v. Bötticher verlas hierauf folgende Rede:

Geehrte HerrenI

Seine Maje'ät der Kaiser und König haben mir den Auftrag zu erteilen geruht, die Sitzungen des Reichstages zu eröffnen.

Die gesetzgeberischen Arbeiten, für welche Ihre Thätig­keit in anspruch genommen wird, sind Ihnen bereits durch die Allerhöchste Botschaft vom 17. November v. Js. an das Herz gelegt worden.

Die Reichsgesetzgebung hat die Bestrebungen zur Ab­hilfe sozialer Schäden, welche die Kaiserliche Botschaft in aussicht nimmt, mit dem Gesetzentwurf über Versicherung der Arbeiter gegen Unfälle begonnen. AuS den vorjährigen Beratungen des Reichstage« über diesen Gegenstand haben die verbündeten Regierungen den Anlaß entnommen, ihre frühere Vorlage einer Umgestaltung zu unterziehen. Die gegen die früher in aussicht genommene RcichSversicherungS- Anstalt erhobenen Bedenken haben dabet insofern Berück­sichtigung gefunden, als die Unfallversicherung der Arbeiter nunmehr auf eine korporative und genossenschaftliche Or­ganisation der in betracht kommenden industriellen Betriebe gegründet werden soll. Der Gesetzentwurf gewährt den industriellen Verbänden und Genossenschaften eine auf die Verhütung von Betriebsunfällen gerichtete Autonomie. Er geht von dem Bestreben aus, die verwaltende Thätig­keit thunlichst zu lokalisieren, die finanzielle Belastung da­gegen auf möglichst breite Unterlagen zu verteilen.

Eine notwendige Ergänzung finden die Ihnen auf diesem Gebiete vorzulegenden Maßnahmen in einer ander- weiten Regelung der jetzt bestehenden Hilfskassengesetzgebung und in der beabsichtigten Ausdehnung der Krankenver­sicherung. An stelle des bisherigen bedingten wird Ihnen

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„Nach einigen Minuten kam Mr. Fürst zur Thüre zurück, welche ich sorglich wieder hinter ihm verschlossen hatte.

„Sie müffen auch kommen, Miß Werner, der Vor­lesung zuzuhören. Ich helfe Ihnen nachher um so fleißiger."

„Ich versprach zu kommen und folgte bald.

„Die Kinder hatten sich um den Kamin gesetzt, er mitten unter ihnen. Sie umdrängten ihn streitend, wer ihm am nächsten sitzen solle. Das jüngste, mein kleiner Liebling, sprang mir entgegen, mich an der Hand zum Kreise hinzuzuziehen.

„Mir ist eS, als ob ich selber wieder ein Kind wäre," scherzte Mr. Fürst, in dem Buche blätternd.

„Die Märlein hier scheinen lauter liebe alte Bekannte auS der eignen weihnachtlichen Kinderzeit. Wählen Sie selber eins!"

„Ich schlug auf Glück das Buch auf; ich hatte es zuvor nicht gelesen, und reichte ihm eS hin. Verwundert schaute er auf die Ueberschrift und dann auf mich. ES ist eine einfache, aber liebe kleine Geschichte, die er las, von einem vaterlosen Bübchen, das nicht immer hatte gut thun mögen und endlich in den Wald hinauSgelausrn war, in der trotzigen Absicht nimmer wieder heimzukchren. — Vom langen Umherirren müde, war, da» Büblein endlich einge­schlafen und träumte; eS könne sein Elternhaus gar nimmer wiederfinden; und al« er e« endlich doch gefunden, da wohnen fremde Menschen drin und sagen ihm, sein Mütter­lein sei tot; eS habe sich zu Tode gegrämt, weil ihr einziges Büblein trotzig davon gegangen und nimmer wieder ge­kommen. Und in all dem Gram und Schreck hört er plötzlich ferne« Glöckengeläut und weiß, daß heut der hei­lige Christabend ist; und wie er aufschaut, sieht er eine

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iarbuG . 44.

Unter falschem Namen.

Don Ellen Lucia.

(Fortsetzung)

„Gehen Sie, Mr. Fürst," bat ich, „erzählen Sie den kleinen Verbannten irgend eine Geschichte, da« wird sie be­ruhigen; ein Weihnachtsmärchen oder sonst etwa«!"

„Ein Weihnachtsmärchen? Ich weiß kein«. Sie wollen mich nur los sein!" Er sah mich zweifelhaft an; ich sah, er ging nicht gern.

„In der That, ich wollte ihn fernhalten, denn ich hatte auch ihm eine kleine Ueberraschung zugedacht.

„Die Kinder werden mich tot machen mit ihren Fragen. Weshalb da« Weihnacht«fest just mitten im Winter? Warum der Tannenbaum grün, der Schnee weiß ist? Ich kenne daS I Ich habe als Kind oft Aehn- liches gefragt."

„Und die Antworten, die Ihnen geworden sind, haben Sie inzwischen längst vergeffen, Sie alter Mann? Wie lange ist es denn, daß Sie einmal jung gewesen?"

„Er lachte. „O, ich bin noch jung! Ich will eS Ihnen beweisen." Und er sprang lustig zur Thüre und rief den Kindern zu, daß er kommen werde.

„WaS soll ich Ihnen aber erzählen?"

„Irgend ein Märchen, da« Ihre Ungeduld alr^Kind beschwichtigt hat. — Aber halt, hier ist ein neue« deutsche« Buch. Vielleicht finden Sie Geeignete« darin!"

„Ich gab ihm die kleine Sammlung neuer Weihnachts­märchen, die Sie, Mißchen, mir unter den erbetenen Büchern gesandt; ich hatte sie einem der Kinder auf den Weihnachts­tisch legen wollen. Nun schadete e» nicht, wenn e« gleich zu Nutzen kam.

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux „ Th- Dietrich u. Co. in s'affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig. Köln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. Ul. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. Co. in Frankfurt a. Al.; Jügersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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