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Marburg, Freitag, 28. April 1882
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den Landpostboten, entgegengenommen.
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Abg. v. Quast betonte, daß die Verhandlungen der «W Kommission evident dargethan hätten, daßmit dem Anträge
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Abg. Dr. Hammach er führte au-, daß er seinerseits allerdings für die ausgedehnte Staatsindustrie schon seit Jahren die gewöhnliche konstitutionelle Kontrolle nicht für ausreichend halte, aber er könne nicht für angezeigt halten, solche wichtige Frage bei diesem Entwurf nebenbei zu entledigen. Ebensowenig wie die Konservativen wolle er die Rechte der Krone antasten, aber er hoffe, daß es gelingen werde, wenn die immense Staatsbahnindustrie eine andere Kontrolle zur Notwendigkeit mache, dafür die angemeffene Form zu finden, ohne die Kronrcchte zu berühren. — Der Kommissionsentwurf entspreche den früheren Resolutionen des Hauses — bis auf die Zusammensetzung der Eisenbahnrats — durchaus und enthalte dazu durch den Tarifparagraphen, — eine nicht zu unterschätzen e Garantie — einen Zusatz, welcher den Nationalliberalen zu verdanken sei. Durch den Bericht deö LandeSeisenbahn- ratS werde, namentlich wenn auch Mitglieder des Landtages demselben angehören würden, Alle« erreicht, was der Antrag Richter-Büchtemann bezwecke. Letzterer Antrag bedeute faktisch auch gar nicht« anderes, als die Eliminierung des Eisenbahnrat« und damit das Nichtzustandekommen btfl Gesetzes.
Abg. v. Eynern wies die Zumuthunz zurück, den Antrag Richter-Büchtemann in zweiter Beratung anzunehmen, um ihn event. in dritter abzulehnen. Welches Geschrei über die Wankelmüthigkeit der Nationalliberalen würde in solchem Falle seitens der Fortschrittspartei erhoben werden. Er wolle daS Zustandekommen des Gesetzes. Der Antrag paffe nicht in den Rahmen der vor zwei Jahren gefaßten Resolutionen, an welche sich der Eisenbahnminister mit. strengster Gewiffenhaftigkeit gehalten habe. Jetzt Anträge in den Entwurf hineinzubringen, welche die Regierung erkläre nicht annehmen zu können, sei illoyal I
Abg. P i ch t e r weist die gegen den Abgeordneten Büchtemann gerichteten Ausführungen zurück. Die von der Kommission aufgenommene Tarifbestimmung (720 a) enthalte im Grunde nichts Anderes als bestehendes Etatsrecht. Die von ihm beantragte Kommission werde von den Einen verworfen, weil sie kein Einspruchsrecht gebe, von den Anderen, weil sie zu solchem Einspruchsrechte führen werde. Solches Einspruchsrecht wolle er aber überall nicht, sondern lediglich die genaue Information. Der Antrag sei auch nichts weiter als eine Amendirung de« Gest tzeSparagraphen, wonach dem Landeseisenbahnrat auch Mitglieder deS Landtags angehören sollen. DaS Vertrauen, daß die Dinge sich von selbst in dem vom Abgeordneten Hammachcr gewünschten Sinne entwickeln werden, hätte die Fortschrittspartei nicht, darum benütze sie die sich bietende Gelegenheit. Von Gefährdung der Kronrechte könne dabei gar nicht die Rede sein, nur um eine Kontrolle der GehcimratSwirtschaft in Bezug auf das Tarifwesen handle
eS sich. Heute hätte man auch noch die Möglichkeit, seine Beschlüffe durchzusetzen, indem man der weiteren Verstaatlichung die Zustimmung versage. Die Zeit werde kommen, wo man bedaure, den Antrag verworfen zu haben.
Der Antrag Richter-Büchtemann wurde darauf mit erheblicher Majorität abgelehnt.
Nach § 21 der ursprünglichen Kommissionsbeschlüsse sollten die Mitglieder deS LandeS-Eisenbahnrats und der BezirkS-Eisenbahnräte freie Fahrt und Diäten auf der Eisenbahn erhalten. Inzwischen hat die Kommission ihren Antrag dahin modifiziert, daß die Diäten für die Mitglieder der BezirkS-Eisenbahnräte fortfallen sollen. DaS HauS stimmte diesem Anträge zu.
Demnächst folgte die zweite Beratung deS Gesetzentwurfs, betreffend den Erwerb des Berlin-Anhaltischen Eisenbahnunternehmens.
Abg. Berger hob hervor, wie aus dem Berichte hervorgehe, daß dieses Unternehmen sich in einem ausgezeichneten Zustande befinde und die gegenteiligen Anschuldigungen nicht zutreffend seien. Abg. v. Oertzen wünscht die PensionSan prüche der Beamten dieser Bahn gesichert zu sehen. Regierungs - Kommissar Ministerial - Direktor v. B r c f e l d bemerkte, daß in der Begründung der Vorlage kein Vorwurf gegen die Privatbahnen enthalten sei, und daß die qu. Ansprüche der Beamten auch nach der Ansicht der Vorstandsmitglieder hieser Bahn vollständig gesichert seien. Abg. Büchtemann erklärte, daß die Fortschrittspartei auch gegen den Erwerb dieser Bahn stimmen werde. Im übrigen wies er namentlich die vom Ministertisch früher gegen die Privatunternehmungen ausgesprochenen Anschuldigungen, oie der Regierung nicht würdig seien, zurück. Bezüglich der PenstonSansprüche der Beamten der Anhaltischen Bahn hält er eine weitere Erklärung, als sie in der Kommission seitens der Regierung gegeben sei, für nötig. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach entgegnete, daß er von seinen früheren vcm Vorredner angezogenen Aeußerungen nichts zurückzunehmen habe; und daß er einer Belehrung darüber, was der Würde der Negierung entspreche, überhaupt nicht, am allerwenigsten aber von der linken Seite des Hauses bedürfe. Abg. v. Rauchhaupt konstatierte, daß die Fortschrittspartei nach Erklärung des Abg. Büchtemann diese Vorlage deshalb ablehne, weil die Anhaltische Bahn so situiert sei, daß sie auch fernerhin selbständig bestehen könne. Die großen staatlichen Gesichtspunkte seien also für dieses Votum nicht maßgebend. Die vielfachen Mängel der Anhaltischen Bahn in früheren Jahren wären, wie auch er gern konstatiere, in letzterer Zeit vollständig beseitigt, Abg. Dr. Lieber unterstützt den Wunsch deS Abg. v. Oertzen, betreffend die Sicherung der Pensionsansprüche der Beamten. Der Staat müsse wo möglich noch etwas mehr thun, als die Gesellschaft ihrerseits gethan haben würde. Abg. B ü chffe
er. peufcl. »röschen
vom Landtag.
Berlin, 26. Aprll.
In der heutigen (54.) Plenarsitzung de« Abgeordnetenhauses kam bei Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die Einsetzung von BezirkSeisen- bahnräten und eineS LandeSeisenbahnratS für die Staatseisenbahnverwaltung zunächst der Antrag der Abgg. Richter- Büchtemann auf Einsetzung einer permanenten Eisen- bahnkommisston beider Häuser des Landtag« zur Verhandlung.
Die Kommission hat, wie bereit» anderweitig mitgeteilt, den Antrag mit 10 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Nachdem der Referent Abg. v. Schwerin-Putzar den Beschluß der Kommission zur Annahme empfohlen, suchte der Abg. Büchtemann noch einmal eingehend die Berechtigung seines Antrages darzuthun: nur durch Einsetzung einer solchen Kommission werde eine wirkliche Kontrolle deS Landtags über die Tarifbewegnng möglich. Ein Novum enthalte der Antrag allerdings, aber er sei eine notwenvige Konsequenz der Verstaatlichung der Eisenbahnen; im übrigen sei er politisch durchs»« harmlos. Bedauerlich sei, daß die Nationalliberalen und namentlich, daß der Dr. Ham- macher, der sogar für alle staatlichen Industriezweige eine viel weitergehende Kontrolle verlange, dem Anträge nicht zustimmten. Die Befürchtung, daß bei der Annahme deS Antrages, was nach der ErNärung der Negierung anzunehmen fei, das ganze Gesetz nicht zu stände kommen werde, dürfe umsoweniger bestimmend wirken, al« man erst in zweiter Lesung de« Entwurfs stehe.
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irburfl, 44.
Winter läßt sie leise zurückgleiten und tastet nach ihrem Herzen. Er fühlt den Schlag nicht mehr.
Arthur und Anna sind Hand in Hand zu dem Lager hingetreten; der Profesfor reicht ihnen seine beiden Hände.
»Zn spätl" sagt er, „es hat nicht sein sollen!"
Die alte Tante Line, die leise nach den Andern in« Zimmer getreten ist, hat ihm die Hand tröstend auf die Schulter gelegt: »Nein," sagt auch sie, »e« hat nicht sein sollen 1" und sie wehrt ihm, wie<- er sich zu dem Lager herabbeugt, als ob er mit seinen warmen Lippen die erkaltenden Lider schließen wolle. »Nein, laß mich! Ich habe auch ihrer Mutter einst tiefen letzten Liebesdienst ge- ihan, laß mich ihr die Augen zudrücken!" Dann steht sie lange mit gefalteten Händen, bis st« langsam zurücktritt u»d dir Mappe erblickt, die neben dem lose verstreuten
ein vollständiges Einspruchsrecht de« Landtags angestrrbt würde. Die Konservativen aber wären gegen den Antrag wesentlich deshalb, weil derselbe eine Jntereffenpolitik in das Haus hineintrage, und namentlich weil er eine erhebliche Ausdehnung der Rechte des Landtags und damit eine entsprechende Minderung der Rechte der Krone enthalte. Die StaatSschuldenkommisston hätte eine wesentlich formale Bedeutung und wäre mit dieser Kommission nicht in Vergleich zu setzen.
Der Professor hat Anna daS Buch aus der Hand genommen, aus dem sie der Mutter die Elegie soeben vorgelesen. Still deutet er auf eine andere Stelle:
„Andere kommen und gehen; eS werden Dir And're gefallen, Selbst dem großen Talent drängt ein größ'res sich nach.
Aber Du vergißt mich nicht! Wenn Eine Dir jemals Im verworr'nen Geschäfte heiter cntgegenbewegt, Guter, dann denkst Du mein und rufest auch spät noch: Euphrosine ist wieder erstanden von mir! —*
„So, Fräulein Anna, mag Eva'S Talent unendlich größer uns wiederkehren, mir kommt eine zweite Eva nicht; dazu ist eines Menschen Leben viel-zu kurz." —
In dieser bewegten Stimmung wo alle Anna'« stillen Glückes sich freuen und doch Eva'S nicht vergessen können, ist das Weihnachtsfest denn doch ein anderes gewesen, als Dörthe sich geträumt. Auch Fräulein Werner hat zum Feste keine Botschaft gesandt. Arthur aber hat zum ersten Male wieder an Kurt geschrieben, ihm Fräulein Eckard'S Tod, — daß er Clara darauf vorbereite, — und seine beabsichtigte Verlobung mit Anna mitzuteilen. Erst nach dem Feste mag der Brief ihn erreichen. Daß er eS gethan, zeigt Fräulein Werner'S Schreiben, nach dem Alle voller Ungeduld begehren.
„Wir haben Weihnachten gefeiert, Mißchen; auch in der neuen Welt mochten wir der altgewohnten Feier nicht entbehren.
»Die Engländer verlangten nach ihrem Pater Christmaff, wir nach unserem Knecht Ruprecht und dem Christkinde. Sie schmückten ihre Räume mit dem immergrünen Holy und die roten Beeren leuchteten freundlich zwischen dem Grün hervor. Wir schmückten nach deutscher Weise eine schlanke Tanne und die Lichtlein strahlten noch freundlicher
Sie behält die Hand fest in der ihren.
Er wagt nicht, sich zu bewegen, noch ihr seine Hand entziehen, um nach ihrem Pulse zu greifen.
Allmälig hört daS Zucken der kleinen Hand auf und die langen Wimpern sinken sich, wie bei einem müden Kinde. Ihren schönen Kopf an seine Brust gebettet, schaut sie noch einmal zu ihm auf: „Du guter Mensch, hab' Dank!"
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Inhalte geöffnet am Boden liegt. Ein schneller Blick auf Anna und ehe einer der Andern eS bemerkt, hat sie das Schloß zusammengedrückt und die vergilbten Blätter in die Gluten des KaminS gesenkt.
„Erst wenn ein Freund geschieden, wiffen wir, waS er uns gewesen," sagt ein altes Wort. — Mit allen Ehren, die eine großstädtische Bevölkerung ihren Lieblingen erzeigen mag, ist Eva zur Ruhe bestattet. Doktor Rosen hat ihr in bewegten Worten einen ehrenden Nachruf gewidmet; auS seinem Blatte ist derselbe in alle Zeitungen übergcgangen, und selbst die Fernstehenden fühlen mit ihm, wie viel berechtigte Hoffnungen mit Eva Eckard zu Grabe getragen sind.
Ihre Verehrer und Freunde wollen ihren Hügel mit einem entsprechenden Denkstein schmücken, und der junge Bildhauer hat sich die Arbeit erbeten; eS soll sein letzter und bester Versuch sein, ehe er sich bleibend seinen Schattenbildern widmet.
Frau von Fürstenau, so ablehnend sie einst sich gegen Eva gezeigt, so gern hat sie sie dann gehabt und kann jetzt ihrer kaum vergeffen.
»Alles entsteht und vergeht nach Gesetz; doch über deS Menschen Leben, dem köstlichen Schatze, herrscht ein schwankendes LooS," sagt sie zu Winter, der sich, trotzdem die alte Tante noch immer bei ihm weilt, vereinsamt fühlt und oft im GartrnhänSchen einschaut. „Mir will heute jene ergreifende Elegie, durch die unser Altmeister Goethe einst Christine Neumann verherrlichte, nicht auS dem Sinne. Wie ähnlich erscheint mir jetzt unsere Eva jener Euphro- stne, — „wie sie nicht Mühe noch Fleiß sparte, und thätig der Kräfte — selbst bis zur Pforte des Grabe- — freudige« Opfer gebracht."
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Unter falschem Rumen.
Bon Ellen Lucia.
(Fortsetzung)
Auf ihre Phantasteen eingehend, beugt er sich über sie: „Gretchen, sei ruhig, ich bin'-!* —
„Du? Du bist's? Ich glaubt'eS kaum.
Gieb Deine Hand! ES ist kein Traum! —
Deine liebe Hand!' —
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