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xvii Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 27. April 1882

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System deS Grunderwerbs für die Sekundärbahnen nicht haltbar fei, daß der Staat seinerseits den Grund und Boden erwerben und dagegen eine Bahnhofsabgabe erheben sollte. Der Redner wünscht ferner, daß auf den Sekun­därbahnen die Bahnstationen möglichst zahlreich seien.

Abg. Rickert vermißt einen generellen Plan über den Ausbau der Sekundärbahnen und möchte wissen, wie weit die Privatunternehmungen überhaupt noch zngelassen werden sollten. Mit allgemeiner Verurteilung der „Grün­dungen" wäre dem Lande wenig genützt. Zu einem Urteile wären „konkrete" Fälle erforderlich. Die Durch­führung solider Lokalbahnen sollte jedenfalls von dem Mi­nister erleichtert, statt erschwert werden. Man müsse endlich leichtere Bedingungen für den Bau dieser Bahnen erlangen; das Fehlen derselben schade vorzugsweise der Landwirtschaft und wirke auch störend auf den Chausseebau ein.

Minister Maybach erwidert, daß Verhandlungen mit der Militär- und Postverwaltung zu weiteren Erleich­terungen für die Sekundärbahnen geführt hätten; auf gründ derselben seien die Konzessionen neuester Zeit erteilt. Tatsächlich seien ja zahlreiche an Private erteilte Kon­zessionen veröffentlicht. Daß nicht mehr Privatunterneh­mungen ins Leben treten, liege einfach darin, daß die meisten derselben nicht rentabel und ohne Staatsunter­stützung nicht durchführbar seien. Die preußische Regie­rung habe ihrerseits alles gethan, wozu sie imstande, um die Sekundärbahnen zu fördern. Aber vor allem müßten die militärischen Rücksichten bei Konzessionierung von Bahnen maßgebend sein. An der Forderung der soliden Finanzierung eines Unternehmens müsse er unbedingt fest­halten.

Hiernach schließt die Generaldebatte. Der Gesetzentwurf wird nach kurzer Spezialdebatte unverändert nach den Be- schlüffen der zweiten Lesung angenommen, ebenso die Land­güterordnung für Westfalen. Das Gesetz, betreffend den Lauenburgischen Kommunalverband wird in dritter Lesung nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt. Zu' letzterem erklärt der Minister des Innern, daß er auch bet späteren Schritten auf die Wiederherstellung der Regie­rungsvorlage sein Bestreben richten würde, weil er dieselbe für die zur Zeit beste und zweckmäßigste erachte. Morgen kommen die Vorlagen betreffs der Eisenbahnräte, der An­halter Bahn, der Nachtragsetat und die Hundesteuer zur Beratung.

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vom Landtag.

Berlin, 25. April.

Vor dem Eintritt in die Tagesordnung der heutigen (53.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses er­hielt zu folgender Erklärung da« Wort:

Abg. Dr. Virchow: Meine HerrenI Ich hatte in der Sitzung, welche der Beratung über den Welfenfond« gewidmet war, nach einer bis dahin unwidersprochenen Zeitungsnotiz erwähnt, daß in Straßburg eine Person zur Leitung der Preßangelegenheiten angestellt sei, welche 24000 M. aus dem Welfenfond« beziehe. Zufolge dieser Bemerkung hat der Chefredakteur der „Elsaß-Lothringischen Zeitung", Herr Dr. Jacobi, sich an mich gewendet und ' gebeten, diese Sache zu rektifizieren, wa« ich hiermit thun will. Er erklärt, daß weder die „Elsaß-Lothr. Ztg.", noch ihr Chef-Redakteur jemals aus dem WelfenfondS auch nur einen Pfennig bezogen haben und zu demselben weder direkt noch indirekt in irgendwelcher Beziehung stehen; die Kosten der Herausgabe der Zeitung trage, wie bei jedem Zeitungr­unternehmen, der Besitzer und Verleger, von welchem allein der Chef-Redakteur fein Gehalt empfange, selbstverständlich nicht das in der obigen Behauptung angeführte.

Der erste Gegenstand der Tagesordnung ist eine In­terpellation des Abg. Dr. Grimm, welche lautet: Be­absichtigt die königliche StaatSregierung im Wege der Gesetzgebung Abhülfe dahin zu schaffen, 1) daß die in dem Bezirke deS Regierungsbezirks Kassel bestehenden Generalwährschafts- und Hypothekenbücher bezw. Grund­bücher von den Einträgen derjenigen Real- und Pfandrechte entlastet werden, welche nicht mehr in rechtlicher Wirksam­keit bestehen; 2) daß die durch die Grundsteuervermessung herbeigcsührten Differenzen zwischen der Bezeichnung der Immobilien bezw. ihrer Besitzer im Grundsteuerkataster auf der einen und in den GeneralwährschaftS- und Hypo­thekenbüchern auf der anderen Seite — und die durch diese Verschiedenheit für die Eigentümer herbeigeführte Un­möglichkeit einer gerichtlichen Verfügung über ihren Grund­besitz beseitigt werden; 3) daß unter Abänderung der be­züglichen Bestimmungen deS Gesetze« vom 26. Juni 1875, betreffend die Berichtigung deS GrundsteuerkatasterS und

Anna ihr gereicht: „Hu, wie schmal und bleich! — Nur Geduld, ich werde bald genug anders au-sehen. Wir haben keine Zeit mehr zum Kranksein; nicht, Mißchen?"

Und sie plaudert von der großen Gastreise, die sie vor­hat, und freut sich wie ein Kind auf alles Neue, das sie schauen wird.

Mißchen hat sie weich und warm auf dem Sopha ge­bettet und sitzt, Eva'S Hand in der ihren, still neben ihr.

„Erzählen Sie mir von Clara Werner. Nicht wahr, sie kehrt bald zu uns zurück?"

„Sie haben schon zu viel geplaudert, beste Eva. Sol Seien Sie lieb und gut und versuchen Sie zu schlafen." Sie hat die Kissen glatt gestrichen und deckt ihre Hand scherzend über Eva'« seltsam erglänzende Augen.

„Schlafen, Mißchen? Ich kann nicht schlafen. Mir ist als hätte ich mein ganzes Leben schon verträumt. — Aber ich will gut sein," sie hat schmeichelnd der Freundin Hand ergriffen; „nur ein« sollen Sie mir zuvor sagen, was ich schon lange gern gewußt —"

Anna wehrt ihr, zu reden.

„Nein, lassen Sie mich. Ich sorge mich darum, — Sie haben mich wie eine Schwester treu gepflegt, — ich habe es wohl gefühlt — nun sagen Sie mir ob ich — ich habe im Fieber viel ThörichteS wohl geredet — ob ich Sie auch dadurch gekränkt?"

Sie sucht mit angstvoller Spannung in Annas Gesichte zu lesen.

„Mich, beste Eva? Ich verstehe Sie nicht. Mit keinem Worte soviel ich wüßte."

„Gott Lob I" Eva hat die Augen geschlossen und liegt, vor sich hinschauend, ruhig da. ES scheint, in der Thal, als ob die Versicherung sie beruhigt.

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der Genesung macht das Herz voll und weit. Es ist ein köstliches Gefühl, besonders für Den, der nie zuvor krank gewesen, so treu sich gehegt und gepflegt zu sehen; zu wiffen, daß, ob er auch in seiner Häuslichkeit allein stand, die Freunde doch zum ihm standen in Not und Leid.

Dankbar und fügsam, wie ein gehorsames Kind, hat Eva in schwerster Zeit sich willig jeder Anordnung gefügt. Nun jetzt, wo sich der regere Geist wieder nach Abwechselung sehnt, der Körper nach reichlicher Nahrung verlangt, hält eS schwer, sie zur Entsagung zu bewegen. Nur mit Mühe ist sie am Aufstehen zu verhindern.

„Lasten Sie mich, beste Anna; e« wird den Professor freuen, seinen Pflegling wieder auf eigenen Füßen umher­wandern zu sehen." Eva'S schmeichelnden Bitten, ihrem stürmischen Drängen ist nicht zu wiverstehen.

„Beste Eva, ich sorge mich, daß e« Ihnen schade."

Wie ein fröhliches Kind klatscht Eva in die Hände und hilft tu geschäftiger Hast, selber mit, sich anzukleiden. Eine fieberhafte Unruhe hat sie erfaßt, und dennoch fällt ihr Köpfchen müde in die Kisten des SophaS zurück al« ste ihren Willen erreicht.

„Ah bah I Mißchen, Sie halten mich zu dürftig; geben Sie mir ordentlich zu effen und sie sollen sehen, wie schnell ich wieder Ihre alle kräftige Eva bin."

Sie genießt mit Hast von der erbetenen Nahrung.

„Sol wie das gut thut! Und nun ein wenig Toilette gemacht, ein ganz klein wenig nur! Unsere Herren sollen sich freuen, wenn sie zurückkommen. — Herr von Zollern und Ihre liebe Mama kommt doch auch? Ich habe sie so lange nicht gesehen. — Sie alle müssen mich ihrer alten Eva so viel ähnlicher wieder finden."

Sie besteht sich lächelnd in dem kleinen Spiegel, den

Deutsche- Reich.

Berlin, 25. April. Die Eisenbahnkommisston bei Abgeordnetenhauses lehnte mit 10 gegen 7 Stimmen den Antrag des Abg. Büchtemann auf Einsetzung einer parlamentarischen Eisenbahnkommission zur Ueberwachung deS Tarifwesens auf Staatsbahnen ab. — In der Budget-

ber Grundbücher bei Auseinandersetzungen vor Bestätigung deS RezesteS, bei Gemeinheitsteilungen und Zusammen­legungen, das Eigentum an den Abfindungsgrundstücken erst mit der Ucbernahme deS Auseinandersetzungsresultates in das Grundsteuerkataster übergehe. — Nachdem der In­terpellant die Interpellation eingehend begründet, erklärte der Minister der Landwirtschaft Dr. Luciu« — zugleich im Namen deS Justizminister» —, daß die gesetzliche Re­gelung deS ersten Punktes der Interpellation große Schwierigkeiten bieten würde, daß aber im Verordnungs­wege geschehen werde, wa« zur Abhülfe möglich. Der zweite Punkt sehe einer demnächstigen gesetzlichen Regelung entgegen, und was endlich den dritten Punkt angehe, so sei im Wege der Verordnung bereits Abhülfe gesucht; event. werde man aber, da der Gegenstand noch weiterer Erwägung unterliege, auch zur Abhülfe im Wege des Gesetzes schreiten. Damit ist die Interpellation erledigt.

ES folgte die dritte Beratung deS Gesetzentwurfs, betr. die Erweiterung, Vervollständigung uns bessere Ausrüstung de« StaalSeisenbahnnetzeS.

Abg. v. Hellborf (8. Merseburger Wahlkreis) griff den Herrn Minister, besten System er in ber zweiten Le­sung bekämpft hatte, heute persönlich an, weil dieser neulich eine große Anzahl von Einwohnern seiner Heimat mit Unrecht beschuldigt, indem et die von denselben projektierten Eisenbahnunternehmungen als „Gründungen" bezeichnet habe, welchen er, der Minister, seine Unterstützung nimmer leihen werde.

Minister Maybach entgegnete, der Vorredner habe ihn vollständig mißverstanden, wenn er gemeint, daß er, ber Minister, bett Grundbesitzern den Vorwurf gemacht habe, sich an unerlaubten Gründungen beteiligen zu wollen. Der anstößige Punkt sei für ihn allein der Bauunter­nehmer gewesen. Unnötige Schwierigkeiten mache die Re­gierung den Privatunternehmungen auch bei Sekundär- bahnen nicht, aber sie müsse daran festhalten, daß nicht ad modum des Stroußbergschen Systems, an dem sich übrigdn« auch vielfach Männer in uneigennützigster Weise beteiligt hatten, ferner gebaut werde, sondern daß die Finan­zierung de« betreffenden Unternehmens vollständig gesichert sei, ehe die Konzession erteilt werde. (Bravo! rechts.)

Abg. Reichensperger (Köln) verbreitet sich aus­führlich über die ästhetische Ausführung der Bahnhofsbauten nach verschiedenen Richtungen. Die meisten derselben wären bei uns nach einer büreaukratlschen Schablone gebaut und litten unter einer erdrückenden Monotonie im Innern. Der Redner weist auf da« englische Beispiel zur Nachahmung.

Abg. Dr. Wehr ist im Gegensatz zu den neulichen Ausführungen des Abg. Berger der Meinung, daß die Besteuerung des OstenS der Monarchie nicht geringer als die des Westens sei. Indes ist er mit dem genannten Abgeordneten darin durchaus einverstanden, daß daS jetzige

BÄ* Für die Monate Mai und Juni werden noch Bestellungen auf die

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Unter falschem Rame«.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung)

„Auch Sie?“ sagte ber Professor, „waS hätten Sie sich zu verzeihen?" Unb wie ruhig er auch scheint, so kommt Ihm boch mancher angstvolle Ruf in bett Sinn, den er im Ficher von EvaS Lippen gehört. „Wir Alle hätten Eva besser schonen sollen; unb bie bummen Papiere, ble vermutlich kurz vor ihrer Erkrankung In ihre Hänbe ge­kommen finb, sie wären bester auch nie zu ihr gelangt; war kümmern ein verwaiste» Mädchen so lang vergestene Geschichten, unb ihren einstigen Gatten kümmern sie erst recht nicht! Jetzt bebarf Eva noch lange sorglichster Scho­nung; an eine Wleberaufnahme ihre« Beruf« ist für lange nicht zu benken."

„So wollen wir sie hüten unb auf ihre Zerstreuung sinnen. Sie muß Ihnen erhalten bleiben!"

„Mir? Vielleicht, — wie Gott will!" — Die Freunbe wandern in vertraulichem Gespräche mit einander weiter; bet klare schöne Wintertag lockt sie weit vor bie Stabt hinaus unb macht auch Arthur ba» Herz weit, daß er fröhlich von seinen Hoffnungen plaudert.

Auch im Krankenzimmer sind unterdeß die Vorhänge zurückgezogen, zum eriienmale seit langet Zeit, die rnllden Sonnenstrahlen einzulasten.

Au« leichtem Schlummer erwacht, spielt Eva'S Hand mit den Blumen, welche ihre Pflegerinnen ihr auf da« Bett gelegt.

Sie freut sich bet Liebe, ble ihr geworden, be« Sonnen­strahles, ber burch die Fenster hereinblickt. Da« Gefühl

Main [105 Allgu» ii Sohi;