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Marburg, Mittwoch, 26. Apnl 1882

XVII LiihlMg

«»»eigen nimmt entgegen: Nie Expedition d. BlatteS, sowie d.Ännoncen-Bureaux L Th- Dietrich u. So. in «affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurta.M.; Saasenstein u. Vogler tn Frankfurt M-, Berlin Leipzig, Adln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M- ic.

(i)litrl|c[fi[d|f jfitmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaur von G. L. Daube u. E». in Frankfurt a. M.; JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: 6- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktaaen nach Senn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition lKoch'fche Buchdruckerei) bezogen 3’/» Wert, durch die Postämter de- Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) — Inscrtionsgebllhr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

SM- Für die Monate Mai und Juni werden noch Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

nnd deren Gratisbeilage

Illustriertes DouutagSblatt

von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.

vom Landtag.

Berlin, 24. April.

In der heutigen (52.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses beschäftigte sich dasselbe mit dem Gesetz­entwürfe, betreffend dir Einsetzung von BezirkS-Eisenbahn- Näten und eines Landes-Eisenbahn-RateS für die StaatS- eisenbahnverwaltung in zweiter Beratung.

An den § 1 knüpft sich eine längere Debatte über die prinzipiellen Grundlagen de» Gesetze» im Allgemeinen. Abg. Kieschke bekämpft die Vorlage, für welche er eine Notwendigkeit als vorhanden nicht erkennen kann. Die bisherigen freien Konferenzen hätten ihren Zweck vollstän­dig erfüllt. DaS Haus sei auch durch frühere Beschlüsse nicht gehalten, unter veränderten Verhältnisien an den­selben festzuhalten und die Vorlage anzunehmen.

Abg. v. Wedell-Malchow spricht sich dagegen für die Vorlage aus, zumal viele Mitglieder gerade unter der Voraussetzung sich für die weitere Verstaatlichung ent­schieden hatten, daß die qu. Eisenbahnräte geschaffen und dem Minister als Bauräte beigcgeben würden.

Minister der öffentlichen Arbeiten, Maybach, hält die Errichtung von BezirkSeisenbahnräten und eines Lar.de»- eisenbahnrates für durchaus zweckmäßig und erwünscht, wie solche auch fast in allen denjenigen druffchen Staaten existieren, in welchen da« Staatsbahnsystem zur Durch­führung gelangt sei. Die Regierung wolle sich durchaus ihrer Verantwortlichkeit nicht entziehen, auch werde die par­lamentarische Kontrolle durchaus intakt erhalten; sie wünsche lediglich einen Beirat, der mit den Jntereffen und Ver­hältnissen de« Landes genau vertraut sei.

Abg. Dr. Röckerath macht gegen die Vorlage gel­tend, daß sie schließlich zum Reichreisenbahnsystem führen müsse, und daß dann von der Selbständigkeit der Parti­kularstaaten wenig übrig bleiben werde. Jedenfalls aber sei cs unerläßlich, daß bei den Tariffestsetzungen der Land­tag ein entscheidendes Wort mitzusprechen habe.

Abg. Dr. Hammach er hält die gesetzliche Feststellung der Befugnisse der BczirkSräte für geboten. Ueber die Ein­richtung des LandeSeisenbahnratS herrschten auch bei den Nationalliberalen lebhafte Meinungsverschiedenheiten, die

Unter falschem «amen.

Bon Ellen Lucia.

(Fortsetzung)

Die gute alte Tante kommt ihm in den Sinn; wir mag sie auf ihn gewartet haben I Wenigsten» muß er ihr Nachricht von sich geben, da die Kranke ein weniger ruhiger geworden scheint, geht er zu ihr.

Er findet seinen Gast schon wach und mit Hülfe seine- alten Famulu» mit der Zubereitung des Morgenkaffee beschäftigt.

„Nein, Herrmänning eine Doktorfrau möchte ich doch nicht sein; da wird man seine» Leben« nimmer froh und kommt aus der Sorge und Unruhe nicht heraus I — Was ist das nur wieder, so die ganze Nacht fortzubleiben, al« ob Du noch ein junger Anfänger wärst, und e» so nötig brauchtest I — Da setz Dich und trink Deinen Kaffee, er wird Dir gut thun nach der schlaflosen Nacht. Und nun rrzähl mir, wie eS dem armen Ding, dem Gretchen geht; ich habe selbst im Traum immer mit ihr zu schaffen ge­habt!" —

Der Professor ist absonderlich schweigsam.

„Ich sorge mich ernstlich um sie; Du kannst wohl denken, daß ich Dich ohne Not nicht allein gelaffen hätte."

„Und scheinst Dich ganz besonder- für die kleine Schau­spielerin zu interessieren; Dein FamuluS erzählte mir, daß Du auch sonst zum üftrrn- bei ihr verkehrtest. Herrmänning, Herrmänning, ich will nicht fürchten —"

„Daß sie meinem Herzen näher stehen könntet Ja Tantchen, waS sollen in solcher Stimmung die vielen Worte. Wenn ich je hoffen dürfte mit einer Frau glücklich zu werden, so wäre e» Eva gewesen, und wenn auch, ich kann

Institution selbst sei aber notwendig, durch dieselbe würde ein wirksame- Kontrollrecht der LandeSvertretung geschaffen.

Abg. B ü ch t e m a n n wirft den Nationalliberalen Wider­sprüche und Unentschiedenheit vor. Gegenüber den BezirkS­eisenbahnräten verdienten die freien Konferenzen den Vor­zug. Der LandcSei enbahnrat werde nach dem zutreffenden AuSspruche des Staatssekretär Stephan nur die Koulisse sein, hinter der sich der Minister vorkommenden Falls mit Anstand zurückziehen könne. Um eine wirksame Kontrolle deS Landtags empfehle sich die Einsetzung einer Speztalkommisston nach Analogie der Staatsschuldenkom­mission, an welcher Mitglieder beider Häuser de» Landtags teilnehmen und welche über alle Eisenbahneinrichtungen, Tarife rc. zu unterrichten sei, um dem Landtage einen ge­treuen Bericht über die Gesamtlage der Eisenbahnverhält- niffe vorzulegen. Mit den Gutachten des Landeisenbahn­rats werde man vielleicht ebenso verfahren, wie mit dem des VolkSwirtschaftSratS über das Tabaksmonopol, und den gesetzlich geschaffenen BezirkSeisenbahnräten werde man die­selbe Behandlung angedeiheu lasten, wie den Handels­kammern. Die Fortschrittspartei sei deshalb gegen das ganze Ersetz.

Abg. Dr. Hammach er hält die von dem Vorredner gegen die nationalliberale Partei geschleuderten Vorwürfe für unbegründet. Dieselbe habe allerdings nicht bei bett Eisenbahnvorlagen den negierenden, nörgelnden Standpunkt der Fortschrittspartei angenommen. Herr Stephan sei ein großer Organisator in seinem Restort, aber ein Bureaukrat ersten Range«, der sich nicht wie der Minister der öffent­lichen Arbeiten Maybach mit den praktischen Verhältnisien zu befreunden verstehe.

Abg. Richter ist es zweifelhaft, ob die National­liberalen oder die Konservativen mehr geschadet; erstere seien in ihren Forderungen von Schritt zu Schritt zurück­gewichen. Bei dieser Eisenbahnfrage hätten sie eS nun noch, vielleicht zum letztenmale, in der Hand, den Einfluß zu wahren, dm sie im Reichstage bereits verloren. Wie die Nationalliberalen gegen den Volkswirtschaftsrat gestimmt, so müß en sie auch gegen den LandeSeisenbahnrat stimmen, der eben nicht» anderes sei, als ein auf ein anderes Gebiet übertragener Volkswirtschaftsrat.

Abg. v. Quast hofft, daß die Nationalliberalen sich durch die Ausführungen de« Herrn Richter nicht werden bestimmen lassen, ihre bisherige Haltung aufzugeben. Die in Aussicht genommene Kommission werde sich als ein Nebenparlament darstrllen; indes sei eS nicht zu billigen, in solcher Weise die Fühlhörner der Gesetzgebung in die Verwaltung einzuführen. Deshalb würden sich die Kon­servativen gegen eine solche Kommission erklären müssen.

Nach weiterer Debatte, an welcher sich die Abgeordne- teu von Eynern, Richter, Büchtemann und Röckerath betheiligten, wird § 1, lautend: „Zu bei­

warten, bis sie mir selbst einst in freudigerer Zustimmung ihre Zusage giebt."

„Eva," murmelt die Tante. „Ich glaubte, sie hieße Gretchen, aber solche Damen wechseln wohl alle Tage ihre Namen. „Nein, mein Junge," sagt sie dann laut damit ist eS nicht», dazu hättest Du mich nicht erst kommen lassen brauchen I Und ich freute mich schon; ich redete mir ein, daß eine der jungen Damen, die ich gestern sah, — auch der alte Herr hat mir gar prächtig gefallen, — die sein möchte. .

„Um deretwillen ich Dich herbeschieden? Nein Isidore von Zollern paßte schon nimmer für mich und würde die adelsstolze Mama sie auch nie einen bürgerlichen Doktor heiraten taffen; und die andere, Fräulein von Fürstenau, hat" — er lächelt leise — „am rechten Mittelfinger wohl oft den bewußten schwarzen Fleck, vor dem Du mich so sorglich gewarnt I — Nein, Tantchen, mache keine Pläne! So trüb, wie jetzt die Sachen stehen, bleibt Dein Pflege­sohn wohl sein Lebelang ein alter Junggeselle.

Er ist aufgrstanden und schreitet im Zimmer unruhig auf und nieder. „Aber verzeih," sagt er nach einer Weile, daß ich Dich sobald wieder verlasien muß. Ich darf auch meiner anderen Patienten nicht vergesien, und für Fräulein Eckard muß ich mich vor allem nach einer geigneteren Pflegerin umsehen."

Nun, so gut, wie eine Andere, könnte auch ich dort einmal nach dem Rechten schauen!" meint Tante Line, als die kleine häusliche Arbeit gethan ist, und sie ruft den Famulus, daß er ihr den Weg zeige.

Vor der Thür von Fräulein Eckards Wohnung begeg­net sie ihrem Begleiter vom gestrigen Abend. Auch der alle Herr scheint, seinem Aussehen nach, eine schlaflose

rätlichcr Mitwirkung in Eisenbahnverkehrsfragen werdm bei den für Rechnung de« Staats verwalteten Eisenbahnen errichtet: a) BezirkSeisenbahnräte als Beiräte der Staat»- eisenbahndirektionen, b) ein LandeSeisenbahnrat als Beirat der Zentralverwaltung der Staatseisenbahn — gegen einen Teil des Zentrums gegen Sezesstonisten und Fortschritt mit großer Majorität angenommen.

Dann kommt zunächst § 3 zur Verhandlung. Zum § 3 der Kommissionsbeschlüsie liegen verschiedene Amende­ments vor, die sich im Wesentlichen dadurch von dm Kom­missionsanträgen unterscheiden, daß die qu. Wahlen der BezirkSeisenbahnräte nicht durch die Provinzialausschüsse und ähnliche Organe erfolgen soll. Der § 3 wurde nach län­gerer Debatte in folgender Fassung angenommen: „Die BezirkSeisenbahnräte werden aus Vertretern des Handels­standes, der Industrie, der Land- und Forstwirtschaft zu­sammengesetzt. Die Mitglieder werden von den Handels­kammern und den landwirtschaftlichen Vereinen sowie von anderen durch die Minister für öffentliche Arbeiten und der Landwirtschaft zu bestimmenden Korporationen und Vereinen auf 3 Jahre gewählt. Die Zahl der Mitglieder und bereit Verteilung auf die verschiedenen Jntereffentenkreise bestimmen die Minister für öffentliche Arbeiten, für Han­del und Gewerbe und für Landwirtschaft." §§ 2 bis 15 werden nach den Beschlüssen der Kommission genehmigt. § 16 wird gestrichen. Die §§ 17 bis 20 werden nach den Beschlüssen der Kommission genehmigt. § 20 a wird mit einem eine Amderung im Eingänge festsetzenden Amen­dements deS Abg. v. Rauchhaupt angenommen. Al« § 20 b beantragen v. Büchtemann und Genossen eine Bestimmung anfzunehmen, we'che die Bildung einer per­manenten Eisenbahnkommission anordnete. Der Antrag geht an die Eisenbahnkommission. Der Rest der Vorlage wird unverändert genehmigt. Nächste Sitzung DienStag. Tagesordnung: Interpellation deS Abg. Dr. Grimm, dritte Beratung der Eisenbahn-ErweiterungS-Vorlage, der westfälischen Landzüterordnung, Vertretung deS Lauen- burger Kommunal-Landtages, zweite Beratung deS Nach- tragSetatS.

Deutsches Reich.

•• Berlin, 24. April. Die Eröffnung des Reichs­tags, hinsichtlich welcher noch immer nicht bestimmt ist, ob sie durch den Reichskanzler oder dessen Stellvertreter voll­zogen werden wird, findet voraussichtlich nicht int Weißen Saale, sondern int Sitzungssaal des ReichStagSgebändeS selbst statt. Die Eröffnungsrede dürfte, unter Hinweis auf die Kaiserliche Botschaft und auf die Hauptvorlagen, welche in derselben schon bezeichnet worden, nur die Zwecke, zu welchen die reichere Ausstattung deS Reichs mit Ein­nahmequellen verwendet werden soll, nochmals hervor.

Nacht gehabt zu haben; doch begrüßt er sie zutraulich wie eine alte Bekannte.

„Auch Sie wollen nach unserer Kranken sehen," sagt er, „das ist lieb und brav und wird uns allen zur großen Beruhigung gereichen. Sie haben Recht, in kranken Tagen ist solch ein armes junges Wesen doch recht ver­lassen !"

„Auch der Herr Oberst, scheint eS, interessieren sich für die junge Dame."

„Nachdem, waS Sie mir gestern erzählt, gewiß! Ich wünschte nur, ich hätte Ihre Erzählung schon früher ge­hört 1" Die alte Dame schaut ihn verwundert an.

„Sie haben mir durch den kleinen Bericht in der That einen größeren Dienst geleistet, als Sie ahnen können! Das Leben führt die Menschen und ihre Geschicke oft wunderbarer zusammen, als der phantastereiche Erzähler sie ersinnen mag; und so habe ich denn, nachdem ich Fräu­lein Eckart gestern selbst gesehen und inzwischen noch man­ches erforscht, keinen Zweifel mehr, daß Sie in Ihrem jetzigen Pflegling Ihren einstigen Schützling, Ihre lleine Eva, wieder finden werden. Helfen Sie nur mit, daß sie genese und das kleine Geheimnis vor der Hand unter uns bleibe!"

Die gute alte Tante denkt ihres Neffen, und ob die junge Schauspielerin, sür die alle Welt sich so lebhaft in­teressiert, wohl die Frau sein mag, die ihn wirklich be­glücken könne.

An der geeigneten Pflege soll e« ihr nicht fehlen; sie hat jefct ja nichts zu versäumen, und wo ein Mensch dem andern helfen kann, da thut er einfach nur seine Pflicht. So findet der Professor sie schon häuslich eingerichtet, al- er aufs neue nach seiner Patientin zu sehen kommt.