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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaur von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: G. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SormtagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellzebllhr.) — Inserlionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Wir zweifeln nicht im geringsten daran, daß die Frie- densbürgschaften, welche in letzter Zeit zwischen Rußland und Deutschland gegenüber den Alarmrufen der früheren Monate auSgctauscht worden sind, ernst und ehrlich gemeint sind, doch hat die bedauerliche Thatsache, daß die Pansla- vistenpartei mit aller Macht in die Kriegstrompete stieß, Deutschland offenbar in die Lage gebracht, wo man lieber mißtraut als Vertrauen hegt. Diesem Zustande gegenüber möchten wir einmal die realen Friedensbürgschaften, welche sich aus den Chancen eines eventuellen Krieges Rußlands gegen Deutschland, oder Rußlands und Frankreichs gegen Deutschland und Oesterreich ergeben, hervorheben.

Wer zuerst mit dem Aufmärsche feines HeereS fertig ist, hat in der Regel so viel Vorteile vor dem Gegner voraus, daß er den Sieg in den Händen hat und in dieser Hinsicht besitzt nicht nur Deutschland, sondern auch Oesterreich vor Rußland einen großen Vorsprung. Den drei Schienenwegen Petersburg, Dunabcrg, Bialastock, Warschau; Moskau, Smolensk, Brest, Warschau und Kucök-Kiew, Iwangorod, vermittelst deren die russische Armee ihren Aufmarsch gegen Deutschland bewirken kann, stehen deutscherseits die sechs großen durchgehends doppel- gelcisigeir Eisenbahnlinien Hamburg, Stettin, Königsberg, Eydtkuhnen; Hannover, Berlin, Küstrin, Graudenz, Inster­burg; Köln, Berlin, Frankfurt a. O., Thorn, Pofen; Kastel, Torgau, Kottbus, Glogau, Lista; Koblenz, Leipzig, Riesa, Lieguitz, BrcLlau; und Hof, Dresden, Görlitz, Neiße, Kofel gegenüber. Im Fall eines deutsch - österreichischen Bündnisses würden dem aber noch sechs österreichische gegen nur zwei, resp. die Bahn Podolien-Odessa mit eingerechnet, drei russische Bahnen hinzutreten. Die durch den Mangel au Zwischenbahnen und noch durch eine Menge anderer Umstände der russischen Mobilmachung sich entgegenstcllenden Hindernisse müssen dabei der deutschen Operationseröffnung miudef.enS einen zwei- bis dreiwöchentlichen Vorsprung sichern. Das ZahlcnverhältniS der beiderseitigen Streit­kräfte stellt sich für Rußland mit Eröffnung eines Kriege« in 17 Armeekorps auf 40 Infanterie-Divisionen gegen Deutschland, ohne dessen unmittelbar verfügbaren Reserve- Formationen 37 und bei einem Hinzutrcten Oesterreichs noch 36, zusammen also 73 Infanterie Divisionen. Mit Einschluß seiner nächsten, vollständig bcrcitcn Reservefor- mationen würde Deutschland aber allein im Stande sein, in den Krieg mit 24—26 Armeekorps einzutreten. Be­sonders ungünstig für Rußland würde sich bei einer ge­meinsamen deutsch-österreichischen Akston noch der Umstand erweisen, oaß infolge der geographischen Lage der östlichen deutchen und österreichischen Ländergebiete die in Polen zum Aufmarsch gelangten russischen Streitkräfte sich von vornherein von der deutschen und österreichischen Armee in

ihrer rechten und linken Flanke vollständig umfaßt finden würden. Ein günstiger Erfolg eines von Rußland gleich­zeitig gegen Deutschland und Oesterreich unternommenen Krieges muß danach nahezu außerhalb der Grenzen der Möglichkeit, oder mindestens doch außer den Grenzen dieser irgend berechtigten Wahrscheinlichkeit liegend erachtet wer­den. Auch hat sich die Ueberzeugung hiervon neuerdings in Rußland bereits Bahn gebrochen. So lange Frankreich nicht bei einem Bündnis mit Rußland den Hauptteil des Kampfes übernehmen will und kann, und so lange Deutsch­land und Oesterreich sich im Zusammenschluß erhallen, kann danach der Friede wohl als gewährleistet angesehen werden. An einem dauernden Zusammengehen Deutsch­lands und Oesterreichs, die keine greifbare Ursache haben, sich zu verfeinden, ist aber ebensowenig zu zweifeln, als an der Unlust der Franzosen, mit dem von ter Revolution unterminierten Rußland ein Bündnis abzuschlicßcu. Auch befindet sich nach dem Urteil aller Sachkenner das fran­zösische Heer wegen der ewigen Reformen noch in keinem schlagfertigen, den hohen Anforderungen der Neuzeit ent­sprechenden Zustande, wir werden daher wohl eine Reihe von Friedensjahrcn vor uns haben.

Bom Landtag.

Berlin, 20. April.

In der heutigen (49.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses wurde der Gesetzentwurf, betreffend die unentgeltliche Uebereignung eines Abschnitts vom großen Tiergarten in Berlin an das Reich ohne Debatte in dritter Lesung definitiv genehmigt; der Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der Verbote gegen das sog. Schäfervorvieh und die besonderen Kündigungsfristen und Umzugötermine für Schäfer und deren Gesinde wird mit einem Amende­ment der Abgg. Jacobs und v. Rauchhaupt zu 8 2 defini­tiv angenommen. Das Amendement lautet: Sind in Dienst­verträgen mit Schäfern und Schäferknechten Vereinbar ungen über Kündigungsfristen und Umzugstermine nicht getroffen, so müssen die Dienstkündigungen fortan spätestens am letzten Tage des Monats März, der Umzug am letzten Werktage des Monats Juni erfolgen.

Der Gesetzentwurf betreffend die Ausdehnung der Wirk­samkeit deS Nassauischen Zentralkirchcnfonds imb der Nassauischen evangelischen Pfarrwitwen- und Waiscnkassc auf die vormals hesstschen Teile deS Konsistorialbezirks Wiesbaden wird unter Annahme eines Antrages des Abg. Bork, wonach den vorbezeichneten hessischen Gemeinden auch die dem Zentralkirchenfonds gegenüber zu übernebmenden Lasten zu verrechnen sind, in dritter Beratung nach längerer Debatte definiiiv angenommen.

Bei dem Gesetzentwurf, betreffend die Feststellung eines Nachtrages zum StaotshauShallSetat für das Jahr vom 1. April 1882 83 spricht Abg. B ü ch t e m a n n den

Wunsch aus, daß dieser Nachtragsetat, der sich auf daS Kalenderjahr 1882 bezieht, sofort auf das 5. Quartal, nämlich das 1. Quartal deö Kalenderjahres 1883 (das l tzte des Etatsjahres 1882/83) ausgedehnt werde, und daß die Budgetkommission, welcher er den Gesetzentwurf zu überweisen beantragt, namentlich dieses Verlangen berück­sichtige. Abg. vr.Hammach e r weist auf die Schwierig­keiten hin, welche dem Wunsche des Abg. Büchtemann ent- gegenstehen. E cnso betont der Regierungskommissar Geh. Ober-Reg. Rat R a p m u n d, daß die Aufstellung eines besonderen Etats für das 1. Quartal 1883 um so schwie­riger sei, als die Regierung die Vorlage für das Jahr 1882 lediglich nach den Veranschlagungen der Verwaltungen der zu übernehmenden Privatbahnen habe machen müssen. — Abg. Virchow hätte erwartet, daß in diesem Nachtrags­etat auf Ersatz derjenigen Baulichkeiten Bedacht genommen wäre, welche meistens Kunstzwecken dienenZ dem Bau deS RcichstagSgebäudes zum Opfer fallen. Reg.-Kommissar Geh. Rat Schulz erklärt, daß Hoffnung vorhanden sei, daß das Gebäude der Akademie für Musik seinem Zwecke bis zum 1. April 1883 werde erhalten bleiben.

Den letzten und hauptsächlichen Gegenstand der Tages­ordnung bildete die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erweiterung, Vervollständigung und bessere Ausrüstung der Staatseisenbahnnetzes, welcher der ver­stärkten Budgelkommissivn zur Vorberatung vorgelegen hat. In Ucbereirrstimmung mit der Vorlage werden nach längerer oder kürzerer Debatte bewilligt: I Zum Bau einer Eisen­bahn 1. von Königsberg nach Labiau die Summe von 4924000 M., 2. von Johannisburg nach Lyck4516000M., 3. von Hohenstein über Schöneck nach Berent 3910000 M., 4. von Jatznick nach Ueckermünde 1184000 M. (das Be­dürfnis für diese Bahn war namentlich von dem Abg. von EZlckevort, sowie auch von dcm Abg. Schmidt [Stettin] nachgewiesen), 5. von Liegnitz nach Goldberg 1260000 M., 6. von Greiffenberg nach Löwenberg und von Greiffenbcrg nach Friedberg 2672000 M. (warm empfohlen vom Abg. v. Haugwitz).

Bei der Position von Oberöblingen nach Querfurt 800000 Mark unterzog Abg. v. Helldorf (8. Merse­burger Wahlkreis) die Prinzipien der Eiscnbahnverwaltung überhaupt und der Konzessionierung von Privatnnternch- mungen insbesondere einer abfälligen Kritik und hielt dafür, daß die qu. Linie dem bestehenden Bedürfnisse nicht genüge. Minister der öffentlichen Arbeiten M a y b a ch entgegnete, daß das Beste ocr Feind des Guten fei, daß nicht alles mit einemmale geschehen könne, daß die gewählte Linie den Vorschlägen der Provinzialbehöcden entspreche und daß diese wichtigste Linie hätte zunächst in Angriff genommen werden müssen. Die Konzessionen für Priratbahnen würden seiner­seits nicht verweigert, doch sei die erste Bedingung, daß das nötige Kapital die Garantie für die Solidität deS Unter«

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Bon Ellen Lucia.

(Fortsetzung)

„Sie guter Mensch I" sie hat ihm mit treuherzigem Blicke die Hand geboten.

„Sie gutmütig argloser Thor will daS sagen, nicht Eva ?"

„Sie lieber Mensch denn, wenn Sie daS lieber hören I So sind Sie's nun zufrieden?"

„Wenn Ihr Herz daS sprach, Eva, gewiß!" —

Er schaut sie lang und innig an. „Nur versteh' ich nicht, warum man verlassen muß, waS man gern hat?"

„Nein, nein, nach Gründen dürfen Sie nicht forschen! Mag's Ihnen genug sein, Freund, daß eS mich fort treibt!"

„In ungewisse Fernen, wo Niemand über Sie wachen mag!--

„Eva, Sie sagten einmal: eine Schauspielerin dürfe als solche nicht alt werden. Die Gelegenheit, solcher Ge­fahr zu entgehen, wird oft an Sie herantreten. Ein ge­achtetes, sorgenfreies Alter auch sonst Ihnen nicht fehlen."

„Wenn ich eS erreiche!"

„Das freilich ist die Conditio sine qua non!" Er lächelt leicht. „Wenn also — kaum mag ich eS Sie fra- gen — und doch! Sprechen Sie — könnten, möchten Sie Ihrem Berufe entsagen, um eines ehrlichen Mannes Weib zu werden, eines Mannes, den Sie achten und lieben würde, der aber von allem Glanze, den Sie vielleicht erträumt, nichts bieten kann, als ein geachtetes sorgenfreies Heim?"

„Ich habe nie geträumt, daß eine begeisterte Menge ffch vor meinen Wagen spannen möchte, mich im Triumphe heimzuziehen, wie eS einer Henriette Sonntag geschehen;

nie weder gehofft noch gewünscht, daß ein König seinen Champagner auö meinem Pantoffel tränke."

„Eva, Sie weichen mir auö."

„Nein, bester Freund. Ich wollte nur sagen, daß ich Unmögliches nie erträumte."

„Und unmöglich will eS Ihnen erscheinen, Ihrer Kunst zu entsagen?"

„Lassen Sie mich nur in Ruhe eine Gegenfrage thun. Könnten, möchten Sie Ihrem Berufe entsagen, um — nun denn — um meinetwillen?"

„Seltsame Frage, Kind I Durch deS Mannes Stellung ist auch de seines WeibeS begründet. Ein Thor, ein Feigling, der um einer Frau willen seinem Berufe entsagte, einer Stellung, die ihm Achtung und ein sorgenfreies Leben sichert für sich und sie."

„Als ob die Frau ihrem Berufe nicht ein Gleiches dankte!"

„Aber der Manu soll daS Brod schaffen, nicht die Frau. Alles soll sie verlassen, um dem Manne zu folgen; daS allein ist ihr wahrer, ihr edelster Beruf, daS heißt — wenn sie ihn liebt!"

Eva hat laulklopfenden Herzens vor sich niedergefchaut. Gewaltsam sich bezwingend, sagt sie mit seltsam gepreßter Stimme:

„Bester Freund, lassen Sie mich ehrlich sein. Sie sagten einmal, — ich erinnere mich wohl, — für eine schriftstellernde Frau schon sei es schwer, daß sie eine musterhafte Gattin werde. Ich fürchte, daö Leben einer Schauspielerin bietet der Gefahren noch mehr. Ihr Beruf entfremdet sie dem Hause und häuslichen Interessen. Ihre Worte, ihre Gedanken selbst soll der Gatte mit der Menge teilen. Ich weiß nicht, ob er sein Weib auö vollem

Herzen lieb habe., und ihres besten Selbst doch entbehren könnte? — Die Schriftstellerin schafft nur in dcr^Ztille. So stille Stunden finden — auch ohne PflichtversMmnis — sich leicht, wo sie dcm Papiere anvertrauen mag, was sie empfunden und gedacht. Ihr Beruf fesselt sie ans Haus; er führt sie zur stillen Einkehr, zur Sammlung in sich selbst; daö kann der besten Frau nicht Abbruch thun; Auch die Erzieherin, die Lehrerin, ich denke an Clara Werner, trotz ihres kecken, fröhlichen SinueS — bleibt als Frau nur, was sie zuvor schon war; nur daß sie statt fremder Kinder die eigenen nun lehrt, statt fremden, jetzt dem eigenen nun dient. Ich kann mir für eine Frau keine edlere Vorbildung denken, alö gerade die, welche im Lehrberufe ihr wart."

„Und ihr Beruf, Eva? Sie könnten ihm nicht ent­sagen ?"

„Nein, grade jetzt könnte ich seiner so wenig entbehren, wie Sie des Ihren."

„Und dann? Und später?"

„Zu unserem Berufe — ich sagte cö Ihnen schon — gehört Jugend und ein frischer, kecker Mut. Ein paar Jahre noch und daS stürmische Blut fließt friedlicher und stiller, wie eS — für —"

„Für eine gute Ehefrau sich ziemt." Der Professor schaut mit gefurchter Braue vor sich nieder. „Nun wohl denn, ich habe so lange gewartet, ich kann noch länger warten."

„Guter Mensch!" Sie hat sich in der gewaltsamen Aufregung, die sie bisher so wacker unterdrückt, an seine Brust geworfen. „Sie zürnen mir nicht? Sagen Sie mir, daß Sie nie an Ihrer Eva irren wollen, was sie auch immer erfuhren."