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Comltöö der Kammerherr Fürst Delgosuke, Direktor der Finanzabteilung der vereidigte BörsennotariuS Holm, Re­dakteur Katkow. Die von der heiligen Druschina aus­gehenden Dokumente sind mit dem Siegel des Ministeriums des kaiserlichen Hosts versehen, sie erscheint also als eine Art kaiserliche Institution. Die Agenten der heiligen Druschina sind mit sehr weitgehenden Vollmachten aus­gerüstet, alle übrigen Ressorts der Staatsverwaltung haben ihnen unbedingt Beistand zu leisten, wo sie denselben for­dern. Die heilige Druschina ist also eine direkt von der Regierung protegierte Partei, was, wenn sie in Rußland nicht als regierungsgefährlich gelten will, nicht anders sein kann, denn freie Bewegungen auS der Mitte des Volkes heraus zu gunsten des Volkes kennt man in Rußland noch nicht.

Anreizen nimm! entgegen: die Expedition d. Blattes, [oroie d-Annoncen-Bureaux o. Th- Dietrich u. Co. in Dassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein u. Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Stosse in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

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ipril:

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Mhilistt« ««d Auti-Rihiliste«.

Bei der großartigen, revolutionären Bewegung, welche gegenwärtig die rufst.che Gesellschaft zersetzt und dem Staate Rußland, wie dem Throne deS Zaren die größten Gefahren bereitet, konnte man eigentlich niemals genau konstatieren, ob sich auch im rujsischeit Volke eine starke Gegenpartei der Nihilisten befinde, die Nation der Rufien erschien in rem Kampfe auf Leben und Tod, den die Regierung mit den Nihilisten führt, viel eh-r als gleichgiltige Zuschauerin, die Alles gehen läßt, wie eS eben geht. Daß in einem solchen Zustande eine indirekte Billigung der nihilistischen Propaganda seitens der Mehrheit deS russischen Volke» lie­gen mußte, ist klar, und nahezu ohne alle Aussichten, mit dem Nihilismus einmal fertig zu werden, mußte Rußland dastehen, wenn wirklich die Nihilisten im russischen Volke keine namhaften und zahlreichen Gegner hätten. Nach­richten aus Petersburg besagen aber nun doch, daß eine große Anzahl einflußreicher Personen einen Bund, die heilige Druschina genannt, gegen die Nihilisten mit Auf­wand großartiger Organisationen ins Leben gesetzt haben. Ueber tic Erfolge der heiligen Druschina im Kampfe gegen den Nihilismus müssen wir unS allerdings noch jeden Ur­teils enthalten, da ja auch die Druschina noch in ihrer Organisation begriffen ist, aber dasjenige, was über die Einrichtungen und Ziele des Anti-Nihilisten-VereinS er­forscht worden ist, wollen wir unseren Lesern mittetlen.

Ihren Hauptsitz hat die heilige Druschina in Peters­burg. An der Spitze derselben steht ein Hauptcomittz, welchem ein Executivcomito, eine Finanzabteilung und die Redaktion unterstehen. Ein merkwürdige« Zusammentreffen ist es, daß das Versammlungslokal und daS Büreau der heiligen Druschina sich auch an der Ecke deS NewSky- Prospcct und der kleinen Sadowaja befinden, ebenso wie die Bäckerei Issakows, in welcher die Nihilisten vor dem März-Attentate allnächtlich zusammenkamen. Die Stadt Petersburg ist von der Druschina in 39 Bezirke eingetrilt, jede größere Provinztalstadt in 12. Denn in solchen Städten existieren Filialen, eine besonders große und mäch­tige in Moskau, wo seit dem Eintritt Assakoff« auch die Altgläubigen, welche vorher sich prinzipiell von der Dru­schina fernhielten, jetzt der Genossenschaft beitreten, neuer­dings auch 120 der reichsten Kaufleute der Stadt, von denen jeder sich vetpflichtetc, jährlich nicht weniger als 4000 Rubel für die Zwecke der Gesellschaft beizutragen. Das machte also mindestens 120000 Rubel oder unge- sähr den dritten Teil der ganzen für Moskau veranschlag­ten Ausgaben. In Petersburg hält man alljährlich eine Summe von l1/! Millionen Rubel für nötig. Alle diese Details und die ganze Organisation wurden in einer Sitzung vom 13. März d. I. festgesetzt. Chef der ganzen Association ist Graf Paul Schuwalow, Chef deS Executiv-

Unter falschem Namen.

Bon Ellen Lucia.

(Fortsetzung)

Annchens Mutter, die auch ich vcn früh auf in allen Ehren gern gehabt, und mit der er, auf seiner Eltern Wunsch sich dann vermählt, durfte schon um ihrer Ruhe willen, von dem Allem Nichts erfahren. Es ist unS geglückt, und Fürstenau ist ihr ein treuer Gatte und seinen Kindern der liebevollste Vater gewesen. Nur als die Geschichte mit Kurt kam, und bei Fürstenaus Tode AlleS zusammenbrach, da ward wohl noch« einmal die Erinnerung an die schöne Fremde in ihm wach,< und er trug mir, al« seinem einzig­sten Vertrauten, ein letztes Vermächniß für die Tochter auf. Wie ich aber auch forschte, ich glaube erst vor wenig Tagen eine Art von Spur gefunden zu haben.

Doch dies gehört nicht zur Sache, mein Sohn, und Tu sichst mich fragend an, als verständest Du nicht, wa« dies Alles mit dem alten Groll der Mama gegen die Fürstenaus zu schaffen habe? Auch ich habe mich oft vergeblich drum gefragt, bis ich durch Zufall einmal er­fuhr, daß eine entfernte Verwandte ihres Hauses heimlich die Ihrigen verlaffen um zur Bühne zu gehen. Möglich, daß dies die schöne Fremde gewesen; möglich auch, daß die Mama sich eingeredet, nicht meine erste Liebe gewesen zu sein. Sie mochte ahnen, daß zwischen mir und den Fürstenaus ein Geheimniß obwalte; offen hat sie mich nie darum gefragt, und wer will da den eifersüchtigen Regungen eines Frauenherzens wehren? Nun sind wir in Ehren alt geworden mit einander und . . .*

Die Mama weiß nur zu gut, daß sie einen nachsich­tigeren und liebevolleren Gatten nie hätte finden können, als Dich!" Arthur hat de« Vaters Rechte ergriffen.

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M. 3.9

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Deutsches Reich.

Berli«, 15. April. DerReichsanzeiger" veröffent­licht eine kaiserliche Verordnung, durch welche der Reichstag auf den 27. April einberufen werden wird und publiziert daS Gesetz betreffend die Verwendung der Jahresüberschüsse der Verwaltung der Eisenbahnangelegenheiten. Dem Bundesrat ist jetzt die Novelle zur Gewerbeordnung zuge­kommen, die wir seinerzeit als Vorlage an den Volkswirt- schaftSrat im Wortlaut mitgeteilt haben. In den Motiven heißt e«:Seit Jahren sind zahlreiche Anträge aus den verschiedensten gewerblichen Kreisen und auS allen Teilen des Reiches an den Reichskanzler gelangt, welche mit stei­gender Dringlichkeit eine Reform der über den Gewerbe­betrieb im Umherziehen geltenden Vorschriften fordern. In der That haben die Erfahrungen, welche mit den Bestim- mungen deS Titels 3 der Gewerbeordnung seit längeren Jahren gemacht worden sind, daS Bedürfnis ergeben, in einigen wesentlichen Punkten eine Abänderung derselben herbeizuführen. Von den in dieser Beziehung laut gcivor- benen Wünschen gehen diejenigen am weitesten, welche sich in der Richtung bewegen, daß der Gewerbebetrieb im Um- herziehen nicht ferner mit dem stehenden Gewerbebetrieb gleichberechtigt sein soll oder daß zum Schutze des letzteren gegen die Konkurrenz der Hausierer ein Ausschluß verschie­dener Warengattungen von dem Gewerbebetrieb im Umher- ziehen erfolgt. Die Notwendigkeit einer so radikalen Um­gestaltung deS bestehenden RechtSzustandeS ist indessen nicht dargethan; wohl aber scheint eine Aeuderung beziehungs­weise Ergänzung der Gewerbeordnung in der Richtung geboten, daß den Gefahren, welche der Gewerbebetrieb im Umherziehen auf dem Gebiete der öffentlichen Sicherheit, Gesundheitspflege, Sittlichkeit und Ordnung seiner Natur nach mit sich bringt, wirksamer als bisher begegnet werden kann. In diesem Sinne ist der Entwurf eines Gesetzes betr. Abänderung der G-werbeordnung ausgestellt. Der-

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Der alte Groll, mein Sohn, aber ist geblieben, und auch Dich hat Deine Zuneigung für die Fürstenaus der Mama zum öfter« entfremdet, drum laß uns vorsichtig sein. DaS Geheimnis deS Toten in Ehren, hoffe ich bald genug, die nötigen Beweise in Händen zu haben, daß auch die Mama alles in rechtem Lichte sehe. Daß die Fürstenaus verarmt sind, ist nicht der Frau Schuld. Annchen und Du habt Zeit genug gehabt, Euch reiflich zu prüfen, und die ausreichenden Mittel zu sorgenfreiem Leben sollen Euch werden. Und nun, leb wohl, mein Sohn, mein Herzenswunsch ist, daß Du glücklich werdest."

Als Arthur noch am gleichen Abende ins kleine GartenhäuSchen geeilt, ist ihm gewesen, als müsse er den Sonnenschein mit hineinbringen, der über die ganze Welt vor ihm auSgegossen scheint. Dennoch lagert eS sich wie ein leichter Schatten über feine fröhlichen Züge, als er Frau von Fürstenau und Anna nicht allein trifft.

Anna steht im leisen Gespräch mit dem Professor in der Fensternische, um wieder eine mögliche Heilung der Mutter zu beraten. Auf dem niedrigen Sessel zu Füßen der blinden Frau, ihrem Lieblingsplatze, sitzt Eva in der lieblich anschmiegenden Haltung, die ihr so eigen ist; fast scheint eS ihm, als ob sie bei seinem Eintritte leise zurück­schrecke und ihre Farbe schneller wechsele I indes in seiner fröhlichen Stimmung hat er e« weniger geachtet.

Anna mag sie soeben mit dem Vorschläge geneckt haben, den Fräulein Werner in ihrem Briefe gemacht, daß Eva auch einmal eine Kunstreise über das Meer machen möge, denn er hört Eva sagen:Gewiß, ich unterschätze den Wert reicher Mittel nicht, doch glücklich zu machen, ver­mögen sie nicht. Diese weit ausgedehnten Tournees kenn­zeichnen gar zu sehr eine finanziell angehauchte Kunstrich-

Erslbeint täalicb außer an den Werktagen na» Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedttton (K o ch fche ®u*bruderei) beao;en S"&ar!, bu?d) di« Postämter deS Mutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertronsgebühr für bie gespaltene jjetle 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werben 25 Pfg. berechnet.

selbe zerfällt in 10 Artikel." Der Gesamtvorstand des Abgeordnetenhauses wird sich alsbald nach dem 18. ins Einvernehmen mit der Regierung s tzen und die Arbeiten be­stimmen, welche auf alle Falle noch erledigt werden sollen. Der Herr Justizminister hat, nachdem die großen Umge­staltungen, welche die Justizgesctze und die Justizeinrich­tungen Preußens infolge der Reichsgcsetzgebung der letzten Jahre erfahren haben, zu einem wenigstens vorläufigen Abschluß gelangt sind, neuerdings Seiner Majestät dem Kai er und Könige über den gegenwärtigen Stand der Justizverwaltung und Rechtspflege nach demD. Tagebl." einen allgemeinen Bericht erstattet. Der Chef der Justiz­verwaltung ist damit zu einem älteren, seit vielen Jahren allerdings außer Uebung gekommenen Brauch früherer Justizminister zurückgekehrt. Die Umgestaltung, welche die Justizgesetze und die GerichtSverfaffung Preußens am 1. Oktober 1879 erfahren haben, ist nicht die erst- '.n diesem Jahrhundert, sie ist vielmehr als eine Fortsetzung, vielleicht als ein Abschluß derjenigen Reformen anwsehen, welche mit dem Jahre 1833 begonnen und u den Jahren 1846, 1849, 1855 und 1869 weitcrgeführt worden sind. Was aber die durch bie Reichsgesetzgebung hervor­gerufene neue Reform von allen früheren unterscheibet, besteht wesentlich bat in: baß sie in Verbinbnng mit ben sich ihr anschließenden und sie ergänzenden preußischen Landesgesetzen alle Teile des Staates gleichmäßig umfaßt, baß sie mit bcm einheitlichen neuen Zivil- nnb Strafpro­zeßverfahren zugleich eine neue Organisation ber Justizbe­hörden geschaffen hat, daß ferner mit dieser Neubildung eine Umgestaltung der Staats- und Rechtsanwaltschaft ver- bunben ist, und daß endlich im Anschluß an ein neues Kostengesttz das bisherige gerichtliche Kaffen- und Depo- sttalwesen von ben Gerichten abgelöst ist. Es glebt somit kaum ein Gebiet ber Gerichtspflege ober ber Justizverwal­tung, welches nicht sei eS mittelbar ober unmittelbar von der Einwirkung dieser Gesetzgebung berührt worden wäre. Wie verlautet, haben des Kaisers und Königs Majestät besohlen, daß der Bericht weiteren Kreisen zu­gänglich gemacht und zu diesem Zweck durch de» Druck vervielfältigt werde. Seitens des Ausschusses deö Kon­gresses deutscher Landwirte ist in den letzten Tagen die nachstehende Petition an den Reichskanzler an die land­wirtschaftlichen Vereine zur Sammlung von Unterschriften versandt worden:Der unterzeichnete Vorstand des land­wirtschaftlichen Vereins richtet an Eure Durchlaucht die gehorsamste Bitte: Eure Durchlaucht wolle nach dem Vor­gänge ber österreichisch-ungarischen Monarchie aus sanitären Rücksichten ein generelles Einfuhrverbot für amerikanisches Vieh, amerikanisches Fleisch- unb Fleischpräparate zu er­lassen geruhen." DiePolit. Gesellschaftsblätter" schreiben bagegen:Wir müssen einem generellen Einfuhrverbote für amerikanisches Vieh und Fleischpräparate so lange wlder-

tung unserer Zeit, und es hat mich mit Stolz erfüllt, daß unter ben lebenbm Künstlern auch einer ben Mut gehabt, bas Angebot einer Million Dollars für eine einzige Kunst- reife durch Amerika zurückzuweisen."

Franz Lißt, nicht wahr?" mischt Frau von Fürstenau sich in baö Gespräch.Nun freilich im geistlichen Stanbe ist mit solchen Schätzen wenig zu beginnen. Doch hat eS mich überrascht, bie enormen Summen zu erfahren, bie unsere ersten Sängerinnen jetzt erwerben. Ist es wahr, Fräulein Eva, baß eine Adeline Patti, eine Pauline Lucca, eine Christine Nielsen an jebem Spielabenb um taufenb Thaler wenigstens reicher geworben?"

Man sagt's! Und mit beit geringen Gagen zu ver­gleichen, an benen in früherer Zeit unsere ersten Künstler sich genügen lassen mußten, Eckhof zum Beispiel, bet von Lessing so hoch Gefeierte, hatte lange Zeit einen Thaler sechzehn Groschen als volle Wochengage, Jffland vier Thaler pro Monat, unb mehr beim ein halbes Jahrhundert später noch mußte ein Devrient sich mit sechs Thaler wöchentlicher Einnahme bescheiden, im Vergleich damit freilich verwöhnt unsere Zeit ihre Sänger und Mimen."

Und laßt ihre Dichter und Denker hungern," wirst neckend der Professor ein.

DaS Elend unserer Kollegen an den herumziehenden Truppen ist wohl noch größer. DaS Proletariat der Kunst hungert und darbt überall! Wie weit das mensch­liche Elend reichen kann, tritt nirgends sichtbarer zu Tage, als in der Gestalt der verarmten, bejahrten Schau­spielerin 1 Gott behüte Jede, in unserem Berufe er­grauen zu muffen."

(Fortsetzung folgt.)

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ika berühmt« iaSuglati nde Prch ckt an ui tb Kart« > unb frei fcCo. cpedientii lut 8.