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Marburg, Sonnabend, 15. April 1882

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«n,eigen nimm! entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d-Ännoncen-Bureaux 1 Th. Dietrich u. Co. in d'affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; öloasenstein u. Vogler in 3rantfurt a. M., Berlin, Lnjig, Köln ic.; Rudolf «iosse in Berlin, Frank-

1 furt a. M. ic.

Olichchscht jfitimii.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, fowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. Dt ; Jiigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrlrtkS SonutagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen SV» Warf, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark SO Pfg. (excl. Bestellgebühr.) InsertionSgebilhr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

Unsere innere Lage.

die

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zubriitgen ist.

Unter falschem Name«.

Bon Ellen Lucia.

(Fortsetzung-)

Also seien Sie fleißig, Mitzcheu, ich denke, c8 ist der Mühe schon wert. STcn Betrag de« Honorar« hat der Verleger mir er ahnt ja nicht, wer eigentlich die Ver- safferin sei; für ihn genügt eS, daß e« irgend eine Miß Arybody ist in Foim eine« Check« aurgehLndigt. Nicht eben groß nach amerikanischen Begriffen, ist er nach deut­schen und die deutschen Schriftsteller, die Anfänger zu­mal, sind bescheiden genug gewähnt schon ein achtung«- toerter zu nennen. Ich denke eine solche niedliche kleine CheckS-Sammlung hier für Sie anzulegen, bi« Sie selber anderweitig darüber bestimmen. Vielleicht Hilst mir der Konsul auch, sie inzwischen ein wenig arbeiten zu lasten; er ist ein guter Mensch und Hilst gern, wo er kann. Mit­unter will eS mir scheinen, al« ahne er gar den Zusammen­hang der Dinge!

Sie sind mit Mr. Fürst'« Familie befreundet?' fragte er neulich und ich mußte ihm von Ihnen und Ihrem Leben erzählen. Ich thal c« gern, ich weiß, er mißbraucht mein Vertrauen nicht; und gut ist e« immerhin, einen hülfsbereiten Schutz und Berather sich zur Seite zu wisten. Eie sehen, da begegnen sich in mir wieder einmal der alte schwärmerisch-deutsche Sinn mit dem neuen praktisch-ame­rikanischen Bestreben, jede Gelegenheit frisch zu nutzen! Ich habe sie im betreff Ihrer treulich genutzt; denn al« ich schwieg, äußerte sich ter Konsul voll freundlicher Aner­kennung über Sie. Auch Ihre« Bruder« gedachte er mit gütigen Worten.

Zurückkehren?" meinte er auf meine Andeutung. Wa« soll er drüben? Wer einmal gegen seine Neigung

Kein Politiker, kein deutscher Staatsbürger darf siÄ gegenwärtig darüber die Augen verschließen, daß unser/ Neichöpolitik demnächst in ein höchst kritische« Stadium treten wird. Die Angelegenheit ist zwar die alte, bekannte, finanzpolitische und sozialpolitische Reform, zu deren fernerer Ausbildung eine FrühjahrSsession de« Reichstage« für un­erläßlich erachtet wird, da der Reichskanzler unter allen Umständen alsbald über da« TabakSmonopol ein Votum tc« Reichstag« verlangt, obfchon dasselbe mit Sicherheit ablehnend lauten wird. DaS preußische Abgeordnetenhaus, welche« am 18. April seine Arbeiten wieder aufnimmt, wird sich ohne Zweifel aus'S äußerste mit denselben beeilen, gleichwohl wird eS unter vierzehn Tagen unmöglich ffrtig werden können. Wir sichen sonach wieder vor einer lang« wicrigen und ermüdenden, teilweise noch durch daS Zu- fammentagen der beiden VertrelungSkörper erschwerten' par­lamentarischen Saison. Da ist eS denn, soll nicht da« öffentliche Interesse an den gesetzgeberischen Verhandlungen abgestumpft und die Kraft der Abgeordneten aus'« äußerste erschöpft werden, nur dringenv zu wünschen, daß sich die bevorstehende Reich StagSsession wenigsten« auf da« Aller- wichtigste und Unerläßlichste beschränkt, daß nicht nur außer dem TabakSmonopol und der Arbeiterunfallversicherung noch andere größere Gesetzentwürfe jetzt an den Reichstag ge­bracht werden. Ohne allen Zweifel wird nun auch der Reichskanzler Fürst Bismarck einen ganz hervorragenden Anteil an der Leitung der Geschäfte nehmen und demnächst aus Friedrichsruhe zurückkehren, um an den Miriister- konferenzen bcB BundeSrateS und den bedeutsamen Sitzungen de« Reichstages teilzunehmen. Alles in Allem gerechnet, ist aber auzunehmcn, daß sich wohl im LundeSrate, l aber nicht im Reichstage eine Mehrheit für da« TabakSmonopol finden wird, ja, es dürfte kaum ein Viertel der RiichS« lagSabgeordneten für da« Monopol stimmen, denn! die Liberalen, wie die Zentrumspartei, lasten wiederholt in ihren Zeitungen erklären, daß sie nicht für da« Monopol stimmen können und ihre Gründe dagegen im Reichstage noch besonders barlegen werden. Wie unter diesen Um­ständen, waS die ablehnende Haltung de« Zentrum« in bet Monopolsrage anbetrifft, ber kirchenpolitische Kompromiß perfekt werben soll, ist auch gar nicht abzusehen, da neuer« ding« die der Regierung nahestehende Presse erklärt hat, die Regierung habe ihre Zustimmung noch nicht zu dem­selben erteilt, auch seien weder die Regierung, noch die Konseivativen so grün, um sich über die künftige Haftung der Zentrumspartei zu täuschen. Unsere innere Pjolitik befindet sich daher ofienbar an einem Punkte ober viel eicht auch in einer Sackgasse, au« welcher sie ohne eine fc jarfe Krisis mit nachhaltigen Wandlungen wohl nicht hell«

Deutsches Reich.

Berit«, 13. April. Die an be i Bundesrat gelangte Vorlage, da« TabakSmonopol betreffend, erfahren dieB. P. N.", daß dieselbe denn doch, abgesehen von den neu hinzugekommenen, aber von vornherein in Aussicht ge­nommenen 20 Straf Paragraphen, besonders in zwei wichtigen Punkten wesentliche Abänderungen im Vergleich zu ber dem Volkswirtschaftsrat gemachten Vorlage erfahren hat. In erster Linie ist der § 8 der ursprünglichen Vor­lage, welche besagte, daß der Reichskanzler jährlich die Tabaksbaubezirke zu bestimmen hat, in Fortfall genommen; statt besten wird die Feststellung und Verteilung dieser Tabaksbaubezirke durch die Landesregierungen in Aussicht genommen. Ferner wurde in bezug auf die Entschädigung nach Thunlichkcit auf die in dieser Beziehung seitens des Volkswirtschaftsrat« gefaßten Beschlüsse Rücksicht genommen. Der 8 66 wurde bekanntlich vom VolkSwirffchastSrat da­hin abgeändert, daß nicht nur Diejenigen, welcheaus­schließlich oder überwiegend" au« ihrer bisherigen GeschästS- tbätigkeit mit Rohtabak ihren Erwerb gezogen haben, ent« schä igt werden, sondern anSschlußlo« alle, welche au« NohtabakSgeschästen ihren Erwerb gezogen haben, und zwar nach der Skala, wenn die Dauer des Geschäfts 4 und 5 Jahre, die Entschädigung 2*/^fach, 6 und 7 Jahre, die Entschädigung Z'/rsach, 8 und 9 Jahre, die Entschädigung 4*/rfach, 10 Jahre und darüber 5fach. Am Dienstag Morgen versammelte sich ber hiesige, vom Fürstbischöfe Herzog im Anfänge be« Jahres 1872 in« Leben gerufenechristliche Mütterverein" gelegentlich beS VereinSgotteSbienste« noch einmal vollzählig um den bis­herigen Leiter, um ihm zu banken u d eine prachlvolle Jnful, von den kunstfertigen WienerSchwestern vom armen Kinde Jesu" gearbeitet, zu überreichen. Der Fürst­bischof, sichtbar überrascht, dankte den (Siebern mit gerührten Worten. Von den gegenwärtig im Prie'erfiminar zu Prag befindlichen sechs Alumnen ber Breslauer Diözese ist an ihn eine kunstvoll auSgeftattete Adresse eingegangen. T er Ausschuß der Hygiene-AuSstellung hat dem hiesigen Photographen Günther baS Recht zur Ausnahme sowohl sämtlicher Gebäude der Ausstellung als auch ber ausge­stellten Gegenstände übertragen. Die Witterung ist bem Unternehmen sehr förderlich gewesen, so bay bie Eröffnung bestimmt am 15. Mai erwartet werden kann. Vorgestern ist die Anstellung beS Personals für bie Ausstellung erfolgt, und zwar für die Zeit vom 15. Mai bi« zum 30. Sep­tember. Hunderte von Arbeitern tummeln fick auf dem weiten Terrain; zur rechtzeitigen Fertigstelluitg deS Ganzen wirb je nachdem auch nachts gearbeitet werben müssen. Für baS Hauptgebäude wirb bie« nicht nötig sein; einige Partien desselben stehen bereits vollendet da. DaS Pano­rama schreitet von Tag zu Tage sichtlich vorwärts; Wil­

bergs Gemälde entrollt sich dem Blicke mehr und mehr: der Standpunkt beS Beschauers ist in einer Exedra der Thermen beS Caracalla gedacht, und ber Blick schweift von bort in bie Campagna Roms bis zum Albaner« und Sabiner-Gebirge hinan«. In ber gestern unter bem Vorsitze de« StaatSminister« von Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung teS BundeSrat« nahm die Versammlung zu­nächst Kenntnis von der Vorlage, betreffend die geschäft­liche Behandlung ber bem BundeSrat vorliegenben wichtigeren Beratungsgegeustänbe. Die Gesetzentwürfe über bie Kran­kenversicherung ber Arbeiter, über die Unfallversicherung ber Arbeiter, über Abänderung ber Gewerbeorbnung, über bas ReichStabakmonopol und über Abänderung dcS Zoll- tarifgcsetzcS vom 15. Juli 1879, sowie ber am 10. Januar d. I. unterzeichnete Konsularvertrag mit Brasilien würben, soweit biefelben bereit« vorliegen, ben zuständigen Aus­schüssen zur Vorberatung überwiesen; soweit bie Entwürfe noch nid t an den BundeSrat gelaugt sind, würbe beschlossen, biefelben nach bem Eingänge an bie Ausschüsse zu über­weisen. Mit ten Ausschußanträgen in betreff ber Vor­schläge wegen Besetzung dreier Ratsstellen bei bem Reich«- gcridjte war die Versammlung einverftanben. Schließlich wurden ein Antrag wegen Zulassung eines Steuermannes zur Schisierprüfung und eine Eingabe, betreffend bie Auf­hebung beS Zolls für eingebitfte Milch, den zustänbigen Ausschüssen überwiesen. AuS der Rede LaSker« in Brieg bringt bieGermania" folgcnben Auszug:LaSker kommt zum Schluß auf bie klerikal-konservative Reaktion zu sprechen, die er nur in Gänsefüßchen gelten lasse. ES fei ben Ver­tretern beS katholischen Volke« nicht zu verargen, baß sie gegen bie Maigesctzgebung Front machen; sie seien berechtigt, für die Freiheit der katholischen Kirche einzutreten. Im Jahre 1871 und später sei der Versuch gemacht, dieUcber« griffe" der katholischen Kirche zurückzuweisen. Damals hätten die Liberalen allerdings Gefitzm ihre Zustimmung gegeben, welche die Grenze einer freiheitlichen Verfassung überschritten. Die Liberalen erkennten cd (heute) an, daß der Kirche imInnern" aber freie Bewegung geflutet werden müsse. ES f,i zu hoffen, baß der Kultu k^mpf zu Ende gehe und baß sich bann bie im Zentrum befindlichen liberalen Ele­mente ben Liberalen anschließen würben. Jetzt thue ber liberalen Partei vor allem Einigkeit not; man bürfe sich nicht in Einzelrichtungen verlieren." Der neue beutsche Konsul in Tunis, Professor Nachtigal, ist in Paris durch den deutschen Botschafter bem französische» Konscil- präsidcnten be Frcycinet vorgestellt worden. Herr von Schlözer erhielt von hier seine Akkreditive als Gesandter beim päpstlichen Stuhl nach Rom gesandt. Der Reichs­kanzler macht bekannt, baß bie fernere Verbreitung ber in Wien erscheinenben DruckschriftFigaro" im Reichsgebiet aus die Dauer von zwei Jahren verboten wird. Die Minister v. Riedl, v. Nostiz, v. Könneritz, v. Mittnacht,

den bunten Nock hat anSziehcu müssen, gefällt sich dort in einem anderen nicht mehr. Auf Brust und Schulter ist e« ihm gar zu leer; hier hatte er ein paar Sternchen, dort allgemach ein paar Klunker an den blanken Schul­ternblättern erhofft, und e« kränkt ihn, wenn er bie einsti­gen Kameraben also herauSstasfiert sieht. Hier bei un« geht e« auch ohnebem, und tüchtige Leute können wir in jedem Recke wohl gebrauchen!"

So wird Mr. Fürst wohl noch lange hier bleiben, vielleicht für immer. Sie und fein Mütterlein zu besuchen, denke ich, soll er inbe« sich halb einmal auf ben Weg machen. Ich thue e« nicht anbei«. Daß e« Ihrer Frau Mama nicht besonber« gut geht, hätte ich ihm gern schon angebentet, mir fehlte nur die paffende Einleitung und Gelegenheit; denn Mr. Fürst und ich haben wohl durch meine Schuld seither vermieden, allein beisammen zu sein. Glauben Sie aber nicht, daß wir einander löse sind! O nein, wir schmollen nur ein wenig, nach guter deutscher Weise!

Zwei Jahre fast bin ich nun hier. Wie schnell die Zeit mit ve, flössen! Bon Rechtswegen dürfte ich an bie Heimreise benken! Ob ich den Konsul an fein Versprechen erinnere, ober ob ich warte, bi« er selbst ber mir ver­sprochenen Heimreise gedenkt? Meiner wartet drüben freilich kein Mütterchen mehr; nicht einmal eine Art Heimstätte, die ich mich sehnen möcbte wiederzusehen. Die Stätte, die mit hier geworben, zweckte« aufgeben, um mir drüben eine neue zu suchen, erscheint feilst meinem be­weglichen Sinne nicht verlcckend. Irr Deutschland, ich weiß e« au« Erfahrung, sind die Lehrerinnen auch nicht auf Rosen gebettet. Hier fühle ich die Dornen nicht zu sehr, und da« ist immerhin anerkennenSwerth.

Sie, IkbcS Mißchcn, bie Sie durch Ihre fleißigen Briefe mir so unendlich viel näher getreten sind, sähe ich freilich gern einmal wieder, und nach meiner lieben, schönen Eva habe ich oft ein wahn« Verlangen. Sie ist in bet That eine« jener glücktichcu MenschenÜnder, die man lieb haben mutz, wenn man ihnen nahe ist, und die, von ihnen getrennt, man nie vergessen kann.

Mit nutzlosem Sehnen aber mich plagen, nein, Miß­chcn, da« ist meine Weise nicht. Wird eS mir zu öde, so weiß ich ben Weg leicht zu finden. Bis dahin tröste ich mich, daß e« meinen Freunden, auch Bruder und Schwägerin, wohl geht, so weit wir armen Menscheiikinbet de« Wohlsein« un« freuen dürfen. Solche Zuversicht läßt jede Trennung leichter ertragen.

Von Eva hörte ich gern mhr. Aberno news good news" *) tröste ich mich. Bliebe ihr zu wünschen, schriebe sie wohl. Immerhin hoffe ich, daß sie ihre Gast­reisen, von deren Erfolgen ich gelegentlich ans den Zei­tungen erfahre, einmal gar über ben Ozean ansbehne.

Barnurn versteht sich darauf, den Weltruf seiner Ge­schöpfe zu begründen. Wir Deutschen, unb bie Amerikaner selbst, freilich lachen beS Humbug«, in bem er ejcceöirt; einmal enthusiasmiert aber, spielt da« Geld keine Rolle mehr, und bie Amerikaner sind unermüdlich in ihren Ovationen.

Eva wäre ganz gemacht, solchen Ruf« und Reich­tum« sich zu freuen! Ich hörte kürzlich, selbst ber Ruf einer Jnny Lind sei erst durch Barnurn der ganzen Welt bekannt geworden. Al« sie im Castle Garden für ihn auftrat, mr ßte ein Hutmacher, Genin, irre ich nicht,

*) Keine Nachricht, gute Nachricht!