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«lueigen nimmt entgegen: i>ic Expedition d. Blattes. kowied.Annoncen-Bureau; L Th. Dietrich u. Co. in ajffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurta.Dt ; ^aasenstein u. Vogler in iantfP.rt a- M., Berlin. Leipzig, «löln rc.; Rudolf Moste 'n Berlin, Franl- surt a. Ä. 2c.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. W ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS Eomrtagßblatt" durch die Expedition (Koch sche Buchdruckerei) bezogen 8*/t Mark, durch bi» Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellzebühr-i — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.
Fürst GortschakoffS E«tl»ffu«g.
Während der Osterfciertage brachte der Telegraph au« Petersburg die Mitteilung, daß der Zar Alexander III. ben greisen Reichskanzler Fürsten Gortschakoff au« Gesundheitsrücksichten und unter Belastung seines Titel« und Ranges feines Amtes enthoben und den mit der interimistischen Leitung der Staatsgeschäfte betrauten Staatsrat ». Gier« sum Minister des Auswärtigen ernannt habe. Wenn nun auch bereits seit drei Jahren Fürst Gortschakoff teil« au« Gesundheitsrücksichten, teil» au? politischen Gründen mit der Leitung von Rußlands auswärtiger Politik nicht wehr betraut war, so müssen wir doch sowohl wegen der außerordentlichen diplomatischen Laufbahn deS Fürsten Gortschakoff als auch wegen seine« Nachfolger«, dem langjährigen Leiter von Rußlands auSwäriiger Politik, einige Worte widmen.
Fürst Alexander Gortschakoff, der seine Abstammung von dem berühmten russischen Herrschergeschlechte der Rurik« ableilet, wurde als Sohn de« Generalmajor« Fürsten Michael Gortschakoff am 4. Juli 1798 geboren. Schon als Jüngling zeigte Fürst Alexander Gortschakoff ausgezeichnete Begabung und wählte nach wohlbestandenem Examen aus dem Lyceum zu ZarSkoje-Selo die diplomatische Laufbahn. In dieser bewährte er sich al« scharfer Kopf, wie als unverwüstliche Natur und ward al« Sekretär und Botschaftsrat in London, Rom, Berlin, dann auch wieder in Petersburg, Turin und Wien thättg. Im Jahre 1841 wurde Gortschakoff dann russischer Gesandter am königlich württembergischen Hofe in Stuttgart und ihm fiel dann später die delikate Aufgabe zu, die Vermählung de« damaligen württembergischen Kronprinzen und jetzigen König« Karl mit der Großfürstin Olga, der zweiten Tochter de« Kaiser« Nikolaus von Rußland, zu vermitteln, wobei Gortschakoff große Geschicklichkeit, Treue und Anhänglichkeit an da« russische Kaiserhaus zeigte.
Während seines langjährigen Aufenthalte« in Stuttgart wurde Gortschakoff auch zum russischen Bevollmächtigten beim deutschen Bundestage ernannt und al« solcher hat er auch die folgenschwere Bekanntschaft de« Fürsten Bi«marck gemacht. Während des für Rußland so verhängnisvollen Krimkrieges war dann Gortschakoff russischer Botschafter in Wien und ihm lag die fchwierige Aufgabe ob, Oesterreich für eine den russischen Bestrebungen günstige Neutralität zu gewinnen, was Gortschakoff freilich nicht vollständig gelang. Während der Verhandlungen de« Pariser Vertrages, der Rußland tiefe Demütigungen auferlegte, zeigte Gortschakoff so viel unerschütterlichen Mut und geschmeidige Beharrlichkeit, daß et noch im Jahre 1856 al« Nachfolger Nestelrodes zum Leiter von Rußland« auswärtigen Angelegenheiten vom Zar Alexander II. berufen wurde. Al« solcher konzent'ierte er seine ganze Thätigkeit auf die Samm
lung der Kräfte Rußlands und strebte nach einer Annäherung an das damals fo mächtige französische Kaiserreich, um mit dessen Hülse die Verluste deS Krimkrieges für Rußland wieder zu ersetzen. Bald merkte aber Gortschakoff, daß er mit Hülfe FrankieichS nicht zu seinem Ziele kommen konnte, und da er gegen Oesterreich noch einen alten Haß aus den Zeiten des Krimkrieges hegte, so bewirkte Gotschakoff einen regen Anschluß Rußlands an Preußen, nach welchem beide Staaten vom Jahre 1864 bis 1870 nach einem gemeinsamen Plane operierten und Rußland nach den Niederlagen Frankreichs an dem Pariser Vertrag rütteln und die Schmach de« Krimkrieges löschen konnte. Damals stand GortschakoffS Stern am höchsten, als er aber während und nach dem Türkenkriege mit den allen panslawistischen Plänen wieder herauSrückte, die Fürst Bismarck im Interesse deS europäischen Friedens nicht billigen konnte, da fleng Gortschakoff auf einmal wieder mit Frankreich zu liebäugeln an und von diesem Augenblicke an wurden Fürst Bismarck und Gortschakoff Gegner und sind eS geblieben. 3)a die Gegnerschaft der beiden Kanzler Rußlands auswärtigen Beziehungen sehr viel zu schaden drohte, wurde bereit« vor drei Jahren der deutschfreundliche Staatsrat von GierS mit der Leitung der russischen auswärtigen Politik betraut und dieser, ein Freund Deutschlands und Gegner deS Panslawismus, ist nun auch zum definitiven Nachfolger GortschakoffS ernannt, ein Ministerwechsel, der offenbar ein bedeutsames Friedenssymptom ist.
Deutsches Reich.
«« Berit«, 12. April. Gegenüber den vielfachen Mitteilungen über die beabsichtigte Reise des Kaisers nach Wiesbaden ist zu bemerken, daß alle Bestimmungen darüber nur provisorisch und vor dem Eintreten deS letzten Unwohlseins gefaßt waren, und daß zur Zeit bestimmte Beschlüsse noch nicht vorliegen. — Die Frage, ob den GerichtSvoll- ziehern der Charakter besoldeter unmittelbarer Staats- dtener im Sinne deS Gesetzes vom 11. Juli 1822 beiwohne, ist neuerding« wiederholt zum Gegenstände eingehender Erwägung gemacht und nunmehr von den Ministern des Innern, der Finanzen und Justiz in bejahendem Sinne beantwortet worden. ES ist hierbei die den Gerichtsvollziehern auf gründ gesetzlicher Vorschriften durch die Ge- richtSvollzieherordnung zugewiesene Gesamtstellung, insbesondere aber in betracht gezogen, daß sie für gewisse von Amt» wegen angeordnete Amtshandlungen eine vierteljährlich al« Pauschquantum festzusetzende Entschädigung aus der Staatskaffe beziehen und ihnen ein Mindesteinkommen sowie der Genuß einer Pension von Staats wegen garantiert ist. Auch die Gebühren für die den Gerichtsvollziehern von den Parteien übertragenen Amtshamlungen werden jrdeSmal amtlich festgestellt, kommen auf da« staatlich ge
währleistete Mindesteinkommen zur Anrechnung, gehören zu dem pensionsfähigen Diensteinkommen und sind im Staatshaushalt in Kapitel 30 Tit. 1 als Einnahme, sowie in Kap. 74 Tit. 7 bei Besoldungen als Ausgabe aufgeführt. Die Oberpräsidien sind angewiesen worden, die Frage, ob die Bestimmungen des Gesetzes von 1822 auf Gerichtsvollzieher Anwendung finden, für die Folge von dem vorbezeichneten Gesichtspunkte auS zu beurteilen. — Durch das im Bande 5 S. 39 ff. der Entscheidungen des Reichsgerichts in Strafsachen abgedruckte Erkenntnis vom 29. Sept. v. I. hat das Reichsgericht den Grundsatz ausgesprochen, daß wenn Lose zu Lotterien, welche nur für einzelne Teile des preußischen Staates zugelassen sind, über das erlaubte Gebiet hinaus verkauft werden, hierin das Veranstalten einer Lotterie im Sinne des § 286 des Strafgesetzbuches nicht zu finden und diese Handlung daher straffrei sei. ES ist zu bemerken, daß es sich hier nur um inländische Lotterien handelt, für ausländische Lotterien aber die besonderen Vorschriften der Verordnung vom 5. Juli 1847 und vom 25. Juni 1867 forlbestehen, nach welchen jedes Spielen in auswärtigen Lotterien, der Verkauf solcher Lose und die Beförderung des Verkaufes durch Mittelsper onen unter Strafe gestellt ist. Der Kauf und Verkauf von Losen zu inländischen Lotterien wird allerdings durch den § 286 deS Strafgesetzbuches nicht verboten, sondern nur die Veran- st a l t u n g öffentlicher Lotterien ohne obrigkeitliche Erlaubnis. ES entsteht aber die Frage, ob eö nicht als Veranstaltung einer neuen Lotterie ohne obrigkeitliche Erlaubnis anzusehen ist, wenn derjenige, welchem die Erlaubnis zu einer Ausspielung für eine bestimmte Provinz gegeben worden ist, ohne obrigkeitliche Erlaubnis Lose zu dieser Lotterie für seine Rechnung durch einen Agenten in einer anderen Provinz verkaufen läßt. Diese Frage dürfte zu bejahen sein, da der nicht genehmigte Losverkauf in der That als ein selbständiges Unternehmen angesehen werden muß. Um indes auch noch aus anderem Wege dem Verkauf von Losen zu Lotterien außerhalb deS gestatteten Absatzgebietes durch Händler cntgegenzutreten, soll künftig bei jeder Genehmigung eines inländischen Lotterie-UnternehmenS für eine bestimmte Provinz oder einen Teil derselben den Unternehmern die Bedingung auferlegt werden, daß auf den zum Verkaufe bestimmten Losen in deutlicher Weise vermerkt werde, für welchen Bereich der Vertrieb der Lose gestattet ist, so daß daS Publikum in anderen Provinzen Anstand nehmen wird, solche Lose zu kaufen. ES soll außerdem solchen Unternehmern, welche Lose in nicht gestatteten Absatzgebieten verkaufen lassen, zur Veranstaltung fernerer Lotterien die Genehmigung versagt werden.
Berlin, 12. April. In der heutigen Sitzung deS BundeSiateö wurden die Gesetzentwürfe über die Unfall- und Krankenversicherung der Arbeiter, die Abänderung der Gewerbeordnung und daS Tabaksmonopol den Ausschüssen
Unter falschem Raute«.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung»)
„Such pretti facel Quito a gentleman !*•) hörte ich die Damen flüstern, in diesem unerträglichen Flüsterton, der uns in verletzter Stimmung immer nur noch mehr reizt. Ich sah, wie sie ihn umdrängten, mit freundlichen Schmeichelworten weitere Lieder zu erbitten.
„Die Amerikanerinnen sind frei in ihrem Verkehr mit fremden Herren, fast allzu frei nach unseren fast allzu ängstlichen deutschen Begriffen. Sie dürfen e«, denn die Herren machen fick willig zu Sklaven ihrer Launen. Auf Dank nur zu rechnen wäre schon ungalant. Einmal ge- fesselt aber, sind die Amerikanerinnen von seltener Treue. Das mag wohl der Grund fein, daß Gatten und Väter sie fo frei gewähren lassen. Ueberdie« ist Bruder Jonathan ein Haustier und th.it und duldet alle« für häuslichen Comfort. Der beste Schmuck desselben sind seine Sabie«.
„So giebt es denn den Damen gegenüber kaum einen höflicheren Mann, al« den Amerikaner.
„Den Wünschen der schönen Bitterinnen zu widerstreben, mochte für Mr. Fürst kaum thunlich sein; und er fügte sich, so schwer es ihm werden mochte, nach jenem Liede noch ein anderes zu singen. — Ich sollte ihn begleiten, zweistimmig mit ihm singen. Ich lehnte ab. Ich bin kein Gentleman, als bezahlte Lehrerin nach den stolzen englisch- amerikanischen Begriffen kaum eine Lady. Ich gestehe Ihnen offen, Mißchen, eS verletzte mich, daß er sich so willig fügte. BIS dahin hatte seine Aufmerksamkeit nur
*) „Welch ein hübsche« Gesicht! Sin wirklicher Gentleman!'
mir gehört; jetzt sollte ich sie mit Anderen teilen, jünger» schöner,' reicher, als ich, unabhängig genug, jedem ihrer Wünsche Befriedigung zu verschaffen!
„Kindisch war eS von mir. Jetzt fühle Ich eS! Eine bescheidene Deutsche, eine Gouvernante, eine erste J ienetin de« Hause«, waS hatte ich zu beanspruchen, eine gefällige Duldung? Tie war mir geworden, — ein freundliches Entgegenkommen sogar, daS mußte mir genügen! — Ich eifersüchtig auf etwas, da« zu beanspruchen ich nicht daS leiseste Recht hatte? Wahrhaftig, ich war kindisch. Die neckenden Scherzworte kamen mit In den Sinn, mit denen — an jenem ersten Abend, wo ich mit Ihnen, Mißchen, zu fröhlicher Scheidestunde bei Eva zusammentraf — Holterding bald den Kommerzienrat, bald den Professor neckte, weil Beide, sichtlich eifersüchtig, die freundlichen Gunstbezeigungen unserer liebenrwürdigen Wirtin einander mißgönnten. Der Professor machte Ihnen gar auffällig den Hof, ich glaube, um Eva zu necken, weiß ich doch, daß sie ihm nicht gleichgültig ist; ich dachte, In ähnlichem Sinne Revanche zu üben, plauderte mit einem der Herren, der sich zu mir gesellt, obgleich er mit unendlich gleichgültig war, wie mit einem alten vertrauten Bekannten. Er reizte mich, daß Mw Fürst mehrmals verwundert zu uns hinschaute. Fröhlich aber war mit dabei doch nicht zu Sinne; und als meine älteste Schülerin zur „Guten Nacht" sich zurückzog, begleitete ich sie, — ich hatte eß zuvor noch nie gethan, — heute aber duldete eß mich nicht länger in den Gesellschafteräumen. Meine Pflicht war erfüllt; was hatte die Gouvernante da zu suchen, wenn ihre Pflegebefohlenen sie verlasfen? — Nicht wahr, Mißchen, Sie lachen über mich? Thueu Sie e« immerhin, ich verdiene eö nicht bester! Habe Ich mir zur Strafe doch selber diese Beichte
auferlegt! Welch ein Talent haben wir Deutschen doch, uns selber zu quälen!
„Lange noch saß ich so in nutzloser Selbstquälerel in meinem Zimmer; trübselig genug, und dennoch redlich bemüht, mit mir selber zur Ruhe und Klarheit zu kommen. „Trübselig", eine neue Seligkeit! würde Mr. Fürst sagen. Ja, er hat Recht, an so trübseligen Seligkeiten — Armseligkeiten vielmehr — sind wir Deutschen reich. Wie die schönen Amerikanerinnen, und meine stolze Lady erst, sich gewundert, wenn sie mich so gesehen! — Meine Lady schien wenig zufrieden mit mir, daß ich so früh mich zurückgezogen. — Auch Mr. Fürst wat ungewöhnlich früh gegangen, wie sie am nächsten Morgen sagte. — Der Konsul sah mich still und fragend an, als erwarte er eine Aufklärung von mir. Ich hatte keine, Mißchen. Zu wem könnte ich so offen sprechen, wie zu Ihnen?"
„Mein Brief ist liegen geblieben. Erst heute komme ich zur Fortsetzung.
„Die „Erinnerungen einer alten Dame", die Sie mit gesandt, Mißchen, finden Sie in den unter Kreuzband nach- folgcnccn amerikanischen Blättern abgedruckt. Sie geben ein gutes Bild von deutschem Leben, wie es vor einigen Jahrzehnten ost genug sich abgespiegelt haben mag. Ein leichter Anhauch von religiöser Sentimentalität fehlt der Arbeit nicht, und c« wird mir schwer, Sie alß die Verfasserin zu denken. Besser, weil frischer und kerniger, gefallen mir die anderen Arbeiten, und cürften Sie tiefe in englischer Uebersetzung in einem der besseren Feuilletons Wiedersehen. Die Schreibweise scheint zn gefallen, und habe ich Fortsetzung versprochen. iFortsctzung folgt.;