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Marburg, Mittwoch, 12. April 1882
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Anzeigen nimmt entgegen; bie Expedition d. Blattes, sowie d,Annoncen»Bureaux v. Th- Dietrich u. Co. in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. Ul. rc.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux Den ® 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagni nach 6»nn« und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wSchentlichen Beilage „JllnstrirteS «onntag-blatt" durch die Expedition («o ch'sche Vuchdruckerei) bezegen l'/t Stert, durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Mark SO Pf,, (excl. Bestellgebühr.) — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.
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Die netten Lehrpläne für die höheren Schule«.
Wir haben bereits eine kurze Nachricht von diesen Lehrplänen gegeben. Nach der „N. Stett. Ztg." bringen wir einige nähere Mitteilungen darüber. Ueberall sollen ZahrcSkurse, JahreSversetzungrn und JahreSaufnahmen eingeführt werden, wie sic auch bisher schon meisten- bestanden. DaS Bedenkliche des Fachlehrersystem« wird anerkannt und an der Erweiterung des grammatikalischen Unterrichts (jeder Fachlehrer sucht sein Fach möglichst auSzudehnen) illustriert. Der Unterricht soll natürlich auf die Höhe der Wissenschaft bleiben, aber der Unterricht wird gefährdet, wenn die für die wissenschaftliche Forschung wichtigen Spezialien auch von den Schülern gefordert und die Exerzitien sich um solche grammatische SpezialiSmen drehen. Er wtro anerkannt, daß der Unterricht zu einer drückenden, die Freudigkeit raubenden, Bürde wird, wenn solche extemporierte Leistungen der Schüler, bei denen eS sich um grammatische Spitzfindigkeiten handelt, zum Maßstabe der Beurteilung für die Leistungsfähigkeit gemacht werden.
Die Einführung der revidierten Lehrpläne kann nach der Natur der Sache nicht sofort im ganzen Umfange eintreten, vielmehr sind für da- mit Ostern diese- Jahrebeginnende Schuljahr folgende Bestimmungen einzuhalten: An den Gymnasien und Proqymnaflen sind zu Ostern dieses Jahres die revidierten Lehrpläne für die Klaffen Sexta, Quinta, Quarta (bezw. wenn Quarta, Wechselcoeten hat, für den zu Ostern seinen Kursus beginnenden Coetu« der Quarta) einzuführen. Die entscheidende Aenderung liegt darin, daß aus Quarta (bezw. au- dem Ostercoetu« der Quarta) der griechische Unterricht beseitigt wird und die dadurch verfügbar werdenden Lehrstunden zur Einführung de- naturgeschichtlichen und zur Verstärkung de« französischen und deS mathematischen Unterricht« verwendet werden. Möglicherweise ist rS an einzelnen Anstalten infolge der Zusammensetzung deS Lehrerkollegium« schwierig, die durch Beseitigung deS griechischen Unterricht- verfügbar werdenden Lektionen in der durch den revidierten Lehrplan vorgesehenen Weise den anderen Unterrichtsfächern zuzuweisen; sofern diese Schwierigkeiten sich nicht überwinden lasten, kann unter der cinzuholendrn Genehmigung de« Provinziai-Schulkollegium- für da- nächste Semester oder höchstens das nächste Schuljahr eine Abweichung von der Vorschrift bezüglich der fraglichen Verteilung der di-ponibel werdenden Lektionen zugegeben werden, jedenfalls aber ist aus der Quarta (bezw. dem Ostercoetu« der Quarta) der griechische Unterricht zu beseitigen, von Tertia aufwärt« bleibt für da« nächste Schuljahr der Lehrplan für da« Gricchische unverändert; mit Ostern 1883 tritt dir Aenderung im Lehrplan des griechischen Unterricht- in kraft; doch ist selbstverständlich für die Uebergang-zeit Rücksicht auf die Vorbildung derjenigen Schüler zu nehmen, mit denen dieser Unterricht bereit- in Quarta begonnen war. —
Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung?)
„Ich denke, eine der harmlosen kleinen Plaudereien, die ich, die Mama zu zerstreuen, nach ihrem Vorträge niedergeschrieben, möchte bester zu seinem Herzen sprechen I — Ich glaubte nichts Unrechte- zu thun, wenn ich sie zum Ausdruck fortgebe, — der Erfolg hätte die Mama freuen mögen, — und nun sorge ich mich, daß ich wieder einmal ohne ihr Vorwisten gehandelt. Wie viel Sorge die geringste Heimlichkeit doch — trotz bester Absicht — meist nach sich zieht I Die Mama bedarf der Schonung jetzt mehr, denn je."
Sie scheint ernstlich leidend! Möchte e« nicht ratsam sein, einen Arzt — vielleicht ohne ihr Vorwisten — hier einzuführen, daß er unbemerkt den Sitz de« Leiden« erforsche?"
„Sie kennen der Mama Abneigung gegen ärztliche Besuche!"
„Auch die Ihrige, Fräulein Anna! Gestehen Sie e« nur offen. Sie denken an Winter und möchten ihn vermeiden. Sie haben ihn seither kaum wiedergeiehen."
Anna hat errötend den Kopf zur Seite gewandt. „Wer immer der Mama helfen könnte, wäre mir willkommen, auch wenn —"
„Ich eifersüchtig werden möchte auf die Freundschaft, die Sie ihm erwiesen?" Er schaut sie lächelnd an, al« wolle er nichts, als ihre Besorgniste scherzend verscheuchen.
„Auch wenn ich nimmer glaube, daß der beste Arzt, «er treueste Freund der Mama -urückgewinnrn könnte,
Zugleich ist darauf bedacht zu nehmen, daß in der Mathematik die Tertia, wenn irgend möglich, zu Ostern diese« Jahres, jedenfalls zu Michaeli- dieses Jahre- in zwei untergeordnete, getrennt unterrichtete Abteilungen geteilt werde. Die Erhöhung de» physikalischen Unterricht» in Sekunda auf zwei Lehrstunden unter gleichzeitiger Kürzung de» lateinischen Unterrichts um eine Stunde kann, je nach der Beschaffenheit der verfügbaren Lehrkräfte, sofort zu Ostern diese» Jahre» eintreten oder auf Ostern 1883 verschoben werden.
Die neuen Lehrpläne bringen nur für da» Gymnasium bedeutendere Abweichungen, am Realgymnasium (Realschule I. Ordnung) wird trotz der Vermehrung der lateinischen Stunden nicht» Erhebliche» geändert, und werden namentlich keine erhöhten Ansprüche in betreff de» Lehrziele« im Lateinischen gemacht. Die jetzt als Ober-Realschule bezeichnete vormalige höhere Gewerbeschule unterscheidet sich von dem Realgymnasium eigentlich nur durch den Fortfall des Lateinischen; die dadurch ersparten Stunden kommen den anderen Unterrichtsfächern, namentlich dem Französischen und Englischen, zu gute. Progymnasien sind wie bisher gymnasiale Anstalten, denen die Prima fehlt; in ähnlicher Weise sollen auch die Realgymnasien (bisher höhere Bürgerschulen genannt) und die Realschulen (bisher lateinische Realschulen II. Ordnung) dem Realgymnasium und der Ober-Realschule entsprechen, daneben aber die vormaligen Gewerbeschulen in sechs Klassen als höhere Bürgerschulen organisiert werden, ohne Latein, aber mit französischem und englischem Unterricht.
Für da» Gymnasium weist der neue Lehrplan folgende Veränderungen auf. In der ReligionSlchre werden 1, im Lateinischen 9, im Griechischen 2 und im Schreiben ebenfalls 2 Stunden in Fortfall kommen, dafür aber der deutsche Unterricht 1, der französische 4, die Geschichte und Geographie 3, Rechnen und Mathematik 2, Naturbeschreibung 2, Physik 2 Stunden gewinnen, d. h. es bleibt von dem bisherigen Bestand nur der Zeichenunterricht unverändert; in dem Realgymnasium (Realschule I. Ordnung) verlieren die Religionslehre 1, das Deutsche 2, Rechnen und Mathematik 3, Naturbeschreibung, Physik und Chemie zusammen 4, Schreiben 3 und Zeichnen 2 Stunden, dagegen gewinnt das Lateinische 10 Stunden, so daß Gymnasium und Real-Gymnasium einander in den unteren Klassen bi» auf winzige Unterschiede angenähert werden und erst in der Tertia, nicht wie bisher in der Quarta, die Abweichung beginnt. Dabei weist der Lehrplan der Gymnasien in Sexta 28, in allen übrigen Klassen 30 wöchentliche Stunden auf, während da« Realgymnasium von Tertia aufwärts leider noch immer 32 wöchentliche Stunden beansprucht. Der Unterricht im Turnen soll für alle Schüler obligatorifch sein, Befreiung davon hat der Direktor auf gründ ärztlichen Zeugniste» in der Regel nur auf die Dauer eines Halbjahres zu erteilen. Die Schule
was ihr fehlt: Licht und Liebe, Herr v. Zollern I — Aber senden Sie immerhin, wem Sie Vertrauen schenken; vielleicht, daß seine Ratschläge ihr und uns Beruhigung bringen! — Auch ihr Freund, Herr von Zollern, denke ich, wird, als Arzt wenigsten«, Anna von Fürstenau nicht Nachträgen wollen, daß er sie —"
„Al» Miß Anybvdy kennen gelernt? — Nein, sicher nicht!" Er schaut sie schelmisch lächelnd an. „Und die Freundschaft Miß Anybvdy« gönne ich ihm gern, — Fräulein von Fürstenaus Freundschaft aber möchte ich mit niemand teilen!" — Fräulein Anning hat ihn hinausbe- pleftet, und auf dem kleinen Borflur stehen sie — die Mama, die der Ruhe bedarf, nicht zu stören — im leisen Gespräche bei einander.
„Nicht wahr, Fräulein Anna", er hat beide Hände ihr hingestreckt, „zwischen un» bedarf eS keine» Arzte«? Wie alle« auch komme, kein Schatten darf Kennmd mehr zwischen un« treten?! Mit klarem Blicke schauen wir nun einander. Laflen Sie — immerdar so bleiben." Er hat di« Hand, die sie ihm willig gereicht, an seine Brust gedrückt und schaut sie innig an.
„Fräulein Anna — Anna, geben Sie mir ein gute« Wort! Nennen Sie mich wieder „Arthur", wie Sie e« al» Kind gethan!" Er hat seinen Arm um sie geschlungen und sie lüft an sich gezogen. „Drüben beginnt da« Ei« zu thauen und t» will Frühling werden, — warum nicht hier?"
Sie hat dm Kopf sinken laflen und wagt nicht, ihm zu «ehren. Langsam hebt sie ihn und schaut mit den großen, sinnenden Augen ihn bittend an: „Ich wollte, e<
hat ferner darauf Bedacht zu nehmen, daß jeder Schüler wöchenflich zwei Turnstunden hat. Der Unterricht im Zeichnen ist für die drei unteren Klaffen de« Gymnasium« obligatorifch, für die drei oberen fakultativ. Die Schule hat dafür zu sorgen, daß jeder Schüler der oberen Klaffen, welcher e« wünscht, an zwei Zeichenstunden teilnehmen kann, ohne daß dafür eine besondere Zahlung außer dem Schulgelde erhoben werden darf. Der Eintritt in den fakultativen Zeichenunterricht verpflichtet den betreffenden Schüler für die Dauer eines Semesters. Der Unterricht im Singen ist für die zwei untersten Klaffen sowohl deS Gymnasium« al« deS Realgymnasiums mit je 2 wöchentlichen Stunden (gegen je 1 bisher) obligatorisch.
Am wichtigsten sind für da« Gymnasium die Veränderungen in dem Sprachunterricht. Bis Tertia aufwärts soll in jeder Klasse 1, in Sekunda 2 Stunden Latein weniger erteilt werden, das Griechische in Quarta ganz fortfallen und erst in Tertia beginnen; in dieser Klaffe wird e« wie in Sekunda mit 7 wöchentlichen Stunden angesetzt. DaS Französische erhält in Quinta 1, in Quarta 3 Stunden zugelegt, so daß e« dort mit 4, hier mit 5 Stunden in der Woche zu treiben ist; in den oberen Klaffen bleibt eS unverändert mit 2 Stunden bestehen. Geschichte und Geographie werden nirgends unter 3, in Quarta sogar mit 4 Stunden angesetzt, sehr erfreulich ist es, daß in Sexta und Quinta wieder biographische Erzählungen neben den geographischen Stunden eingeführt werden, ebenso daß die Naturbeschreibung wieder in allen Klaffen bis Tertia aufwärts gelehrt wird und von Sekunda an die um eine Stunde vermehrte Physik dieselbe ablöst.
Deutscher Reich.
Berlin, 8. April. Der Kaiser empfing heute die gewöhnlichen Vorkäge, arbeitete später mit dem General von Albedyll, unternahm um IV2 Uhr eine gemeinsame Spazierfahrt mit der Kaiserin und konferierte nach der Rückckehr mit dem UnterstaatSsekretär Busch. Abends ist kleiner Thee im kaiserlichen Palais. — Graf Hatzfeldt ist heute Mittag hierher zurückgekehrt. — Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht folgendes Dankschreiben des Fürsten Bismarck: „FriedrichSruh, 6. April. Das Wohlwollen, welches mit anläßlich meines Geburtstages von vielen Seiten bezeugt worden ist, hat mich von Herzen gefreut; meine verminderte Schreibkraft und die große Zahl der Glückwünsche machen eS mir zu meinem Bedauern unmöglich, jeden derselben, wie ich gern möchte, zu beantworten, ich bitte deshalb alle, welche meiner so freundlich gedacht haben, den Ausdruck meiner Dankbarkeit in diesen Zeilen freundlich entgegen zu nehmen." — Die neueste Nummer der Gesetzsammlung enthält da« Gesetz, betreffend die Feststellung des Staat-, Haushaltsetats für das Jahr vom 1. April 1882 83. Vom 1. April 1882. Der Staatshaushaltsetat selbst ist als
möchte Frühling werden hier und da, — nur wage ich kaum dran zu glauben!"
„Ungläubige-Kindl Wa« bedarf e« denn, die Knospen zu sprengen, als ein wenig Liebe und Sonnenschein! Und lichter, Heller Sonnenschein ist e« in mir. Mir ist t8, al« höre ich die Vögel singen von lauter Lust und Liebe! Und hier mein kleiner scheuer Vogel will da« Köpfchen hängen laffen und Schatten sehen, wo nimmer Schatten sind? — Anna, mein Vater hat Sie lieb, al« wären Sie fein eigen Kind —"
„Und Ihre Mutter? Sie ist unserem Hause gram. Ich ahne nicht, weshalb?" „Auch ich nicht! Aber selbst, wenn sie eS wäre, was thut es uns?" Die Liebe überwindet Alles! Anna, meine Anna, sagen Sie nur, daß S i e mich lieb haben, daß Sie mein sein wollen, — daun ist Alle», Alle« gut!" Sie hat es geduldet, daß er sie noch inniger an sich gezogen und einen Kuß — den ersten — auf ihre Lippen gedrückt. Wundersam durchschauert eS sie, und doch reißt sie sich lo«. In der Thüre erst wendet sie den Blick zu ihm zurück und grüßt freundlich abbittend mit der Hand.
„Geduld, Arthur, nur ein wenig Geduld noch! Drüben muß erst das Eis geschmolzen sein und auch hier in der Mütter Herzen; dann....
„Dann willst Du mein sein, Anna, mein für immer?"
Er jubelt laut, während Anna bittend zu ihm hinüberwinkt und dann schnell durch die Thüre entschlüpft, damit sein eigener Ungestüm nur nicht vor der Zeit der Mutter und Dörthe ihr süße« Geheimnis verrate.
(Fortsetzung folgt.