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Marburg, Sonntag, 9. April 1882
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a. M; Jtigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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FriedenSgeisteS gefeiert wird, auch in dem Rate der Völker dieser friedliche Geist die Oberhand behalten möget
Unter falschem Käme*.
Bon Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Wie die jungen Amerikanerin»»« indes durch eine gewisse Freiheit hi ihrem Umgänge sich gefallen, gefallt meine Prinzip alin, als Engländerin, sich in stolzer Förm« lichkeit und Zurückhaltung. Die Musik liebt sie sehr, und wie die meisten ihrer Landsleute, HM sie für selbstver-
Oster».
Mit dem jungen Lenz ist auch wieder, wie seit nun fast zwei Jahrtausenden daS grüne, hoffnungsreiche Oster- U ins Land gezogen. In ihm feiert die gesamte Christenheit ihr großes Triumphfest, die Siegesfeier deS Bleibenden über das Vergängliche, des Idealismus über den Materialismus dieser Welt, wegen dessen Besiegung Christus kämpfte, starb und auferstand. Da nun im Laufe der Jahrhunderte das Christentum eine derartige Ausbreitung erfuhr, daß hcute die gebildetsten und maßgebensten Völker sich alle zum Christentum bekennen, so ist da« christliche Osterfest ohne Zweifel als ein Sieges- und Triumphfest der ganzen kultivierten Menschheit zu betrachten, in deren Geschichte e« als ein ewig mahnender Markstein steht, in allen Leiden und Freuden dieser Welt da» höchste und beste nicht zu vergessen.
In der Zone, in welcher wir und die Nachbarvölker leben, ist Ostern aber auch noch ein andere« SiegeSfest. Um diese Zeit hat in der Regel der wonnige Lenz den harten Winter gründlich besiegt, Millionen von Blüten und Knospen prangen in Wald und Fluren und die Natur feiert ebenfalls ihr Auferstehungsfest, wie nach der mehr- tausendjährigen Sage unserer Vorfahren jedesmal am Ostermorgen die Göttin Ostara vom Himmel auf die Erde niederstieg, ihr das Winterkleid abnahm und sie mit dem duftigen Gewände des LenzeS umhüllte.
Im engeren Sinne ist Ostern auch ferner ein bedeutsames bürgerliches und Familienfest, denn um diese Zeit finden vielfach diejenigen Feierlichkeiten statt, in welchen die herangewachsene Jugend nach vollendetem Unterricht von Schule und Kirche für 'selbständige Glieder der Christengemeinden erklärt werden und nun hinauStreten in da« bürgerliche Leben, auch meistenteils hinan« au« dem elterlichen Hause, um sich einem Berufe zu widmen oder in fremden Lohn und Dienst zu treten. E« sind die« ernste Stunden und Tage im menschlichen Leben und den Familien, welche in der Zuversicht, daß ihre Kinder, die genügende Vorbildung an Seele und Leib besitzen, dieselben hinaussenden können in das wechselvolle Leben, wo e« gilt zu zeigen, welche Grundlagen für Charakter und Talente für das Heranwachsende Geschlecht gelegt wurden.
Die Politik und die Kämpfe um die öffentlichen Interessen ruhen selbstredend zum heiligen Osterfeste, denn an diesem Feste müssen Herzen und Geister höheren Regungen folgen. Gern nehmen wir aber doch Veranlaffung, zu sagen, daß die allgemeine politische Lage nicht im grellen Widerspruche zu der friedlichen Osterfeier steht. Da« Denken und Streben der den Ausschlag gebenden Mehrheiten innerhalb der Nationen ist ein friedliches, gegenseitiges Vertrauen erweckendes und schließen wir mit dem Wunsche, daß wie im Osterfeste der Sieg deS christlichen
der Mädchen war noch bei uns.
„Aber an der Stimme würde auch ihre liebe Mutter den Sohn wiedererkennen", sagte ich. „Das Ohr ist treuer, al« daS Auge; auch jenes Mütterchen erkannte den Sohn erst an seinem „Gott grüß Dich!" — Möchten auch Sie der Mutter nicht einmal wieder einen Gruß senden?" ES
Wie wilder Schmerz brach eS in ihm hervor, als auffpringend sich abwandte: „Meine arme Mutter!"
„Wir waren allein; die Eltern hatten für irgend eine vertrauliche Besprechung sich zurückgezogen; nur das älteste
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Deutsche» Reich.
Berlin, 6. April. Der Kaiser, die Kaiserin, das kron- prinzliche Paar und die anderen Mitglieder des Königlichen Haus « nahmen heute int Balkonsaale des kaiserlichen Palais mit der Prinzessin Viktoria und dem Prinzen Friedrich Leopold das heilige Abendmahl, welches Oberhofprediger Kögel unter der Assistenz des Garnisonpredigers Frommei spendete. Die Aerzte hatten wegen der rauhen Ostluft nicht gewünscht, daß der Kaiser daS Zimmer verlasse. — Nach den au« FriedrichSruh hier eingehenden Nachrichten hat die ländliche Abgeschiedenheit auf daS Befinden des Reichskanzlers schon eine günstige Einwirkung gehabt, sodaß er sich täglich mehr gekräftigt fühlt. Dem Vernehmen nach beläuft sich die Zahl der in diesem Jahre zu seinem Geburtstage eingegangenen schriftlichen Glückwünsche auf 800. Die Beantwortung derselben würde schon einem ganz gesunden Manne zu schaffen machen; für einen genesenden, der Erholung bedürftigen ist sie eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Wann der Reichskanzler nach Berlin zurückkehrt, läßt sich noch nicht bestimmen, da dies ganz davon abhängt, ob seine Gesundheit auch fernerhin sich beffert, wie bisher. Vor dem 20. d. Mts. dürfte seine Rückkehr keineswegs zu erwarten sein. — Nach der „Post" ist die Einberufung des Reichstags auf den 27. April beabsichtigt. — Auch bei der bevorstehenden Beratung der Kirchenvorlage im Herrenhause soll die Regierung beabsichtigen, dieselbe Haltung anzunehmen, wie im Abgeordnetenhause, d. h. lediglich die ursprüngliche Regierungsvorlage zu vertreten und keinerlei andere Direktive für Annahme deS einen oder deS anderen Kompromißvorschlages zu geben. — Zu dem Artikel der „Nordd. Allg. Ztg.", betreffend die Regelung der Währungsfrage schreibt die „Kreuzzeitung": „ES handelt sich in dem Vorstehenden um eine Denkschrift deS Reichsbank - Präsidenten Herrn v. Dechend., Von besonderer Bedeutung ist in derselben das Zugeständnis, daß eine Goldnot vorhanden ist und daß Maßregeln zur Beseitigung derselben zu ergreifen sind. In diesem Zugeständnis darf man wohl den Bruch mit den bisher in maßgebenden Kreisen herrschend gewesenen, der Goldwährung günstigen Anschauungen konstatieren. Die Maßregel unter Beibehaltung der Goldzahlungen für den internationalen Verkehr, den mittleren und kleineren Verkehr vorzugsweise auf Silbergeld anzuweisen, könnte allerdings momentan etwas Wesentliches zur Beseitigung der Goldnot beitragen; die WShrungSnot bliebe aber nach wie vor bestehen." — Die Gutachten der Bundesregierungen über die Einführung de« Tabakmonopols, welche nach dem Wunsche des Reichskanzlers schon bis Ende März cingcgangcn sein sollten, stündlich, daß jeder Deutsche ein Musikgenie sei. Ihr Bruder, Mißchen, hat ein hübsche« Talent, er hat eS wohl von der Frau Mutter geerbt; hier kommt es ihm zu statten, und wird für ihn ein weiteren Weg zum Herzen unserer Lady.
„Wir musizieren abend« öfters zusammen, da klingt seine Stimme rein und voll; nur wenn wir deutsche Volksweisen singen, klingt ein schwermütiger Ton hinein.
„Gestern stimmte ich das Voglsche Wanderburschenlied an: „Ein Wanderbursch mit dem Stab in bet Hand Kommt wieder heim auS dem fremden Land —"
Sie wissen, Mißchen, wie unerwartet, und unerkannt der Bursche heimkommt; wie weder der Zöllner am Thore, noch sein Schätzet ihn wieder erkennen, und die Thräne darum schon die braune Wange ihm herabrollt! — Ihr Bruder mochte In Deutschland des Liedes nicht geachtet haben, hier packle eS ihn. Ich fühlte, wie ihm die Hände bebten, als er sie schwer auf die Tasten sinken liefe, bis ich, auch ohne feine Begleitung, mutig weiter sang:
„Da kommt vom Kirchsteig sein Mütterchen her: Gott grüß Euch! so spricht er und sonst nichts mehr. Und wie auch die Sonne sein Antlitz verbrannt, DaS Mutteraug hat ihn doch gleich erkannt."
Ostern!
Christ ist erstanden! Jubelnd klingt dies Wort auS Aller Munde, Und Aller Herzen schlagen laut ob dieser frohen Kunde! Denn heute stieg aus GrabeSnacht ja wieder auf zum Leben Der der verirrter Menschheit ward alS Retter einst gegeben. Siegreich ist er auS dunkler Nacht zum Lichte durchgedrungen, Nachdem in seinem Herzen er den schwersten Kampf gerungen Soweit d'rum Christi Name tönt, schallt'S laut durch alle Lande: Gelobt sei der, den uns der Herr zu unserem Heile sandte!
Und noch ein and'rer Jubelruf läßt alle froh erbeben — Ein „Werde!" tönt in der Natur, die jetzt zu frischem Leben Nach langem Schlafe neu erwacht; schon tönen Vögleins Lieder Aus lauem Frühlingsätherraum, auS Hain und Büschen wieder — Und überall in Wald und Flur — welch' Sproßen, Blühen, Düsten! -sum avldnen Licht mit Zauberkrast drängt sich's auS dunklen Brüsten, Was noch g-seff-lt lag bislang in Winters rauhen Banden - D'rum hell erbraust's mit mächt'gem Ton: Frühling tst auferstanden!
O werfet, die Ihr leidgequält, ab alle Sure Sorgen - Es leuchtet Euch ein neuer Stern am Auserstehungsmorgen! O schüttelt ab den ird'schen Staub, deS DasernS nicht ge Mühen — Es wird auch Euch am Tag des Herrn.ein neues Glück erblühen! Das Werden rings in der Natur, set Euch ein sich reS Zeichen, Daß schließlich jedes Ungemach muß fttscher Hoffnung weichen, Und so gestählt zu neuem Kampf, voll Mut und voll Vertrauen, Sollt Ihr am Auserftehungssest dann in btt Zukunft schauen.
«„»eigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v Th. Dietrich u. Co- in gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; baasenstein u. Vogler tn Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig- Köln rc.; Rudolf Mofse in Berlin, Frank- V furt a. M. re.
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scheinen jetzt endlich vollständig vorzuliegen, ja, man darf vielleicht annehmen, daß Herr v. Bötticher, als er am Montag Nachmittag in FriedrichSruh ankam, bereits in der Lage war, dem Fürsten Bismarck Bericht über die vorläufige Abstimmung der Mitglieder des Bundesrats zu erstatten. Bayerns verneinendes Gutachten muß sicherlich auf das Unangenehmste berührt haben, denn gerade auf daS Zusammengehen mit diesem Staate hat nach. Bismarcks Zeugnis die Reichsregierung bei allen größeren Unternehmungen ganz besonderen Wert gelegt. Im entgegengesetzten Sinne, also für das Monopol, soll die Entscheidung von zwei thüringischen Regierungen ausgefallen sein, von denen man bisher glauben dürfte, daß sie mit Rücksicht auf bie Interessen der von ihnen vertretenen Bevölkerung sich den Plänen des Fürsten Bismarck aufs Entschiedenste widersetzen würden. Indes wiegen die beiden Stimmen von Sachsen-Weimar und Meiningen, denn um diese Staaten handelt eö sich, noch lange nicht die sechs Stimmen von Bayern auf. Trotzdem würbe es eine allzu optimistische Auffassung verraten, wenn man annehmen wollte, daß im BundeSrate eine Majorität gegen daS Monopol gesichert sei. Abgesehen davon, baß über bie Stellung ber meisten Kleinstaaten, bie schon oft einem etwas stärkeren Drucke von Berlin aus nachgegeben haben, noch nichts Positives bekannt ist, ist auch bie vorläufige * Begutachtung keineswegs bindend für das definitive Votum." Wie verlautet, hat Hessen in seinem Gutachten weder für noch gegen daS Monopol sich ausgesprochen; es scheint demnach, daß Hessen sieh sein Votum noch vorbehält. Die meisten ber Gutachten ber Bundesregierungen befürworten, daß zur Besserung der Finanzen ber Einzelstaaten höhere Erträge auS bern Tabak, als bie« bis jetzt ber Fall ist, gezogen.werben müssen. — Der „Reichs-Anzeiger" publiziert bie vom Bundesrate festgestellten Grundsätze für bie Besetzung ber Subalternen- unb Unterbeamtenstellen bei ben Reichs- unb Staatsbehörden mit Militäranwärtern. — Skobelew unb Tserjanew sind fast zugleich von Petersburg abgercift: über ihr Reiseziel herrscht noch Ungewißheit. — Der bisherige Direktor des königl. statistischen Bureaus, Geh. Rat Dr. Engel, wirb künftig seinen Wohnsitz in Oberlöfenitz bei Dresben nehmen.
Bo»«, 5. April. Hier hatte sich unmittelbar nach bem Tobe bes berühmten Chirurgen Geh. Rat Prof. vr. Busch ein Komitee unter dem Vorsitz des Feldmarschalls Herwarth v. Bittenfeld für die Errichtung eines Denkmals von Busch in der Stadt Bonn und einer Stiftung zur Unterstützung notleidender Hinterbliebener von Aerzteu gebildet. Der Aufruf des Komitees ist durch den Feldmarschall Herwarth v. Bittenfeld den kaiserlichen Majestäten, sowie allen Mitgliedern des königlichen Hauses zugesendet worden. Se. Maj. der Kaiser und König hat darauf unter dem 16. März ein eigenhändiges Schreiben folgenden Inhalts an den war das erstemal, baß ich so zu ihm zu sprechen wagte „Haben beim auch Sie nicht ein Lebenszeichen für bie Ihren?"
„Von ihnen hören möchte ich täglich, stünblich. Ich würde es nickt müde! Aber ihnen schreiben? Nein! Miß Werner, was sollte ich ihnen schreiben? Ja, lebte der Vater noch, ich schriebe ihm wohl, um manches aufzuklären. So —l Die Mutter könnte es nicht einmal lesen, wenn sie auch wollte. Und sie wirb nicht wollen, sie will ben Namen bes Sohnes nicht einmal hören!"
„Mr. Fürst, Sie vergessen Ihrer Schwester!"
„Anna? Sie ist noch so jung. Die Jugend kann so selten bultjam sein — ich habe es an mit selbst erfahren; und um vieles zu verstehen und entschuldbar zu finden, müßte sie vom Leben doch mehr kennen!"
„Zu jung, zu unerfahren, Sie, Mißchen? Ich mußte lächeln, so ernst eS mir zu Sinne war; auch Ihrer Arbeiten mußte ich gedenken, in denen an Erfahrungen unb Anschauungen Sie sich reifer beweisen, als hundert andere.
„Sie meinen", sagte ich, „weil nur bie Erfahrung jene Weltklugheit erzeugt, jene Nachsicht mit ben menschlichen Schwächen, bie allein schon ein Abweichen von den Gesetzen ber Moral in sich schließt." Mein Wort mochte 6er« wunben, allein, wer heilen will, darf zu Zeiten den scharfen Schnitt nicht scheuen. „In diesem -Sinne freilich hätte Ihr Fräulein Schwester wenig Anlaß zu milder Beurteilung — sie kennt kein Abweichen von ben Wegen strengster Pflicht."
„3n Ihrer vollen aufopfernden Liebe standen Sie vor mir, Mißchen, ich hörte im Geiste das Lob wiederklingen, bas schon Ihren Erstlingsarbeiten geworben war, und mußte an mich halten, nicht bavon zu reben.
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