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Marburg, Donnerstag, 6. April 1882
xvii Jahrgang
-lnreiaon nimmt entgegen. ^Expedition d. Blattes, sowie d.Mnoncen.Bureaur n Th- Dietrich u. Go. m
und Hannover; Th. Wch in Frankfurt °.M.; Nassenstein u. Vogler in Butt °- M.. Berlin, G Köln ic.; Rudolf Me in Berlin, Frank-
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Marburg, den 18. März 1882.
Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
** Berlin, 4. April. Der Kaiser hat sich von seinem leichten Unwohlsein bereits im Laufe des gestrigen Tage- wesentlich wieder erholt. Heute sollten nach einer sehr guten Nacht die Entgegennahme der Vorträge wieder stattfinden. — Durch die Verlegung deS badischen Pionier-BataillonS Nr. 14 von Straßburg und der badischen ZivilverwaltungS- Bcbörden von Kork nach Kehl hat dort nicht nur allgemein der Mietwert, sondern namentlich auch der Wert der Ouar- tierlcistung eine erhebliche Steigerung erfahren. Baden hat deshalb beim Bundesrat beantragt, die Ortschaften Stadt Kehl, Dorf Kehl und Sundheim vom 1. April d. I. ab aus der dritten in die zweite Servisklasse zu versetzen. — In der Sitzung des Bundesrats vom 28. März wurde beschlossen, die obersten Landesfinanzbehörden zu ermächtigen, sowohl von ausländischem Roheisen, welches Eisen» und Stahlwerke mit der Bestimmung, die daraus gefertigten Waren in das Ausland auszuführcn, zollfrei einführen, als auch von dergleichen inländischem Eisen, welche« diese Werke mit ausländischen zusammen behufs Ausfuhr der Fabrikate verarbeiten und zu diesem Zwecke vorher auf ihre Privat-Niederlage gebracht haben, den bei der Verarbeitung entstehenden, für jedes einzelne Werk jeweilig durchschnittlich zu ermittelnden Abbrand zollfrei abschreiben zu lassen. Ferner wurde unter Stimmenthaltung Bayerns beschlossen, der Abänderung und Ergänzung der Anlage D. zum $ 48 des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands die Zustimmung zu erteilen mit dem Zusatz, daß die Bestimmungen mit dem 15. Oktober 1882 in Kraft zu treten haben. — Nach den bei Ausführung von Neu- und Reparaturbauten auf Forstdienstetablisiements vielfach gemachten Erfahrungen zeigen die Unternehmer,
denen die Ausführung im Wege der Submission übertragen war, das Bestreben, bei den oft bedeutenden Abgcboten gegen die Kostenanschläge sich dadurch einen Gewinn zu sichern, daß sie schlechtes und billiges Material verwenden und schlechte Arbeit liefern. Eine dies verhindernde, ausreichende Kontrolle ist bei der meist entfernten Lage der ForsictablifiementS von dem Wohnorte der Kreisbaubeamten oft gar nicht zu ermöglichen. Es empfiehlt sich daher, wie der Minister der Landwirtschaft u. s. w. in einer Verfügung vom 18. März ausspricht, in solchen Fällen, in welchen eine genügende Kontrolle der Bauunternehmer nicht ausführbar erscheint, die Bauten durch die betreffenden Revier-Oberförster, soweit dieselben dazu die erforderliche Qualifikation und neben ihren sonstigen Dienstobliegenheiten auch genügende Zeit haben, auf fiskalische Rechnung ausführen zu lassen. Es wird dadurch die Verwendung guten, dauerhaften Materials und solider Arbeit sicher gestellt und vurch die größere Dauerhaftigkeit der Gebäude eine Entlastung deS Baufonds herbeigeführt. Der Minister ermächtigt deshalb die Königlichen Regierungen, in allen Fällen, wo sie eS für angemessen erachten, Neu- und Reparatur- Bauten auf ForstdienstetablissementS ohne Rücksicht auf die Höhe des Kostenbetrags den betreffenden Revier-Oberförstern zur Ausführung auf fiskalische Rechnung zu übertragen. Bei den solcher Art auszuführenden Bauten können sämtliche Lieferungen und Arbeiten freihändig vergeben werden. Selbstredend wird hierdurch die den Kreisbaubeamten obliegende Kontrolle über die anschlagsmäßige Ausführung der Bauten in keiner Weise berührt.
Berlin, 4. April. Der Kaiser nahm nach recht gut verbrachter Nacht heute wieder die gewöhnlichen Vorträge entgegen und arbeitete nachmittags mit dem Chef dcS Militär- kabinets, General von Albedyll. — Der „Reichsanzeiger" publiziert die Ernennung deS Dr. Schlözer zum Gesandten bei dem päpstlichen Stuhle. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Man mag von der politischen Einsicht der Fortschrittspartei denken, was man will, sich die Folgen einer möglichen Herrschaft derselben im schwärzesten Lichte verstellen und ihren Führern noch so viel Mißtrauen entgegen» stellen, aber man kann sich die Pflicht nicht versagen, der Parteileitung wegen ihrer Geschäftsgeriebenheit die äußerste Hochachtung zu bezeugen. Ein Artikel der „Volkszeitung", überschrieben: „Wo findet die Tabakindustrie Schutz gegen fernere Beunruhigung?" giebt uns von neuem zu dieser Bemerkung Veranlassung. Derselbe schließt sich der großen Reihe verlockender Prospekte der Gründerzeit in so würdiger Weise an, daß man den Inspiratoren wohl nachrühmen kann, Erfahrungen gesammelt und sich dieselben nutzbar gemacht zu haben. Die Fortschrittspartei braucht Geld für die Wahlagitation. Woher nehmen? Natürlich von Denen, welche Geld haben und von dem Grundsatz auö- gehen: daß man Geld in das Geschäft stecken muß, um
aus einem Geschäft Geld herausziehen zu können; von denen, welchen man plausibel machen kann, daß das Geld, welches sie auf die Reklame verwenden, die sich ihnen hier in der Form der politischen Agitation darbietet, reichliche Zinsen tragen werde. Die Fortschrittspartei bietet also den Tabaksinteressenten ein Kompagniegeschäft an und — im Augenblick unbekümmert darum, mit welcher politischmoralischen Entrüstung man sonst gegen die „Jnteressen- Vertretung" protestiert — sagt die „Volkszeitung zu den Interessenten: Gebt uns Geld, und wir halten euch das Monopol vom Leibe: wir sind die einzige Partei, welche das Monopol rücksichtslos verwirft, und welche mit eurer Hilfe zur allein maßgebenden werden soll! Die Parteileitung weiß aber, mit wem sie es zu thun hat: nämlich mit Leuten, welche, bevor sie Geld herausrücken, wissen wollen, auf welche Chance sie es setzen. Und nun bewundere man die in guter Schule geübte Kunst. Die „Volkszeitung" schreibt: „Wir haben in Deutschland, wenn wir Tabakspflanzer, Händler, Makler, Fabrikanten, Arbeiter und sonstiges Geschäftspersonal, sowie die Detaillisten mit Tabaksfabrikaten zusammennehmen, ungefähr 700 000 Personen, welche an der Fortexistenz der freien Tabaksindustrie ein lebhaftes pekuniäres Interesse haben. Diese 700000 Menschen sind fast ausnahmslos wahlberechtigt, rechnet man aber auch nur 500 000 Wähler und für jeden dieser Wähler nur zwei Verwandte oder gute Freunde, welche sich, wenn ihnen die Verhältnisse klar und eindringlich dargestellt werden, für verpflichtet erachten, das Ihrige zur Erhaltung der Existenz ihrer Verwandten oder Freunde zu thun, so erkennt man, daß die Tabaksiudustrie eventuell am Wahltage am 1500 000 Stimmen zu Gunsten der Fortschrittspartei in die Wagschale werfen kann. Das ist eine Macht, wie sie wohl stärker kaum gedacht werden kann, und welche der Tabaksindustrie den Sieg und Sicherheit vor allen ferneren Beunruhigungen verschaffen würde, wenn davon der rechte Gebrauch gemacht wird. Um dies aber möglich zu machen, bedarf es nicht nur des Eingreifens der Tabaksinteressenten und ihrer Freunde am Wahltage, es bedarf auch dcr sorgsamen und eifrigen Vorarbeiten. Diese auszuführcn, ist das Zentralkomitee der deutschen Fortschrittpartci in dauernder Thätigkeit, bedarf aber dazu der Mittel, und es wird daher Sache der Tabaksinteressenten sein, durch Zuwendung von Geldmitteln an das fortschrittliche Zentralwahlkomitee sich selbst eine Sicherheit für die Zukunft zu schaffen. Mögen sie aus der angeführten Ziffer erkennen, welche Macht sie haben, mögen sie aber nicht vergessen, daß diese Ziffer nur eine Macht repräsentiert, wenn sie in richtiger Weise und am richtigen Orte zur Verwendung kommt. Damit dies aber geschehen kann, muß alles wohl vorbereitet werden. Deshalb könnm wir allen Tabaksinteressenten nur dm Rat erteilen: Suchet da Schutz, wo er wirklich zu finden ist, und ihr werdet ge»
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Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Aber Sie dürfen darum nicht glauben, daß ich hier Mangel leide. Mir geht es besser, al« ich zu hoffen wagte. Meine Schülerinnen find frische kleine Wesen, weder Engel noch Teufelchen. Mühe machen sie mir wenig. Des Amerikaners „Help your seif"*) haben sie früh gelernt.
„Auch das amerikanische Wort: „All men are equal"**) kommt mir zustatten, obschon ich ihm, selbst hier, nicht so ganz glauben mag. Der Herr des Hauses behandelt mich eher wie einen guten Kameraden, denn wie eine Dienerin. Leider ist er wenig daheim; sein Gest äst und sein Amt im Konsulate halten ihn auswärts beschäftigt.
„Die Dame deS Hauseö weckt mir de« Interesse« so wenig, wie ich ihr. Für sie ist die Gouvernante ihrer Kinder immer doch ein dienstbarer Geist; nach englischen Begriffen kann eS wohl auch nicht ander« sein.
„Mit der allgemeinen Gleichheit scheint e« mir wohl auch sonst, ein eigen Ding; an der Verwirklichung de« Prinzips fehlt noch herzlich viel. In den Schulen, bei den Wahlen, vor Gericht, selbst in den Lesezimmern der Hotels, wo auch dem Geringsten der Zutritt offen steht, bei den Eisenbahnen, die alle nur eine Klaffe haben, tritt sie wohl unleugbar zutage; sonst aber verläßt da« Gefühl mich nicht, daß Reichtum und Stellung die Meinungen beeinfluffen, wie überall. Ein Schein der Gleichberechtigung
*) Hilf dir selber!
♦*) Alle Menschen find gleich.
mag bewahrt werden; denn leichter, als in der alten Welt, kann in der neuen bet Geringste aus eigener Kraft zu Rang uttb Reichtum gelangen, unb unter ben Upper then thousands*), „Above Bleeker“ ihre Paläste erbaut, haben Viele mit leerer Hand begonnen. Aber gerabe, daß auch ihnen eS in dem früheren Residenzviertel dcS High-Life**) „an der Battery und der Greenwichstraße" zu laut geworden unter der Menge der dort emporwuchernden Emigranten- und Matrosen-Herbergen, läßt mich zweifelhaft werden, ob selbst nur der Emporkömmling aller Menschen glaube?
„Die armen Auswanderer — Einwanderer wohl müßte ich sagen! Nach der herrlichen New-Dark Bay auf dem Südende bin ich hinauSgefahren, der Ankunft solch eines Auswandererschiffes zuzusehen. Müde von der langen Ueberfahrt, die sie, zu Hunderten im Zwischendeck zusammengepfercht, mühselig überstanden, wurden sie auögeschifft: Männer, Frauen, Greise und Kinder! Fragend schauten sie sich um und wußten sich selber wenig Rat. Den schlau berechnenden Wirten und Agenten fielen sie oft genug in die Hände, und da hier kein Arbeitermangel, schleppte man sie tiefer ins Innere hinein. Wie schnell mag die geringe Habe dahingeschwunden sein, wie viel schneller noch die Aussicht auf ein gedeihliche« Fortkommen!
„Eine harte Schule muß hier ein Jeder durchmachen; aber Arbeit schändet nicht, „all men are equal;“ darin wenigstens ist e« ein gutes Wort. Nur gelernt will es sein, vor keiner Arbeit sich zu scheuen!
„Sie haben mir die Adresse ihres lieben Bruder« ge-
*) Den oberen Zehntausend.
♦♦) Vornehmen Leben-, also der Aristokratie.
sandt, Mißchen, wie Herr von Zollern sie Ihnen vermittelte, und redlich habe ich mich bemüht, sie auch aufzufinden.
„Leicht indeß ist es mir nicht geworden. Es ist hier ein ewiges Kommen und Gehen, und der Einzelne verschwindet unter der Menge. Ohne des Konsuls praktischen Rat wäre eS mir schwerlich gelungen; so ist aber mein gutes Glück mir treu gewesen.
„Ich stellte mich um drei Uhr, — der Zeit wo die meisten unb besten derartiger Geschäfte geschlossen werden, — vor dem Hause auf, in dem, wie ich erfahren, Ihr Bruder Beschäftigung gefunden. Viele Arbeiter und sonstge Angestellte kamen heraus, — Die Begegnung war durchaus nicht romantisch, wie Ihre alte Dorthe sie sich gedacht, weder als Goldgräber, noch irgend in einer Spielhöhle sollte ich ihn finden, sondern als schlichten Arbeiter. DaS Bild, das Sie mir gesandt, hatte ich mir fest eingeprägt; uns doch hätte ich ihn nimmer darnach erkannt. Ein preußischer Lieutenant in der adretten Uniform, und ein amerikanischer Arbeiter in der dunklen Blouse, der Unterschied ist groß.
„Ich trat auf den nächsten der Arbeiter zu und fragte nach Mr. Fürst. Der Amerikaner, auch der einfache Mann, ist höflich gegen Damen; er deutete auf einen der Gefährten, der eben durch ben Thorweg schritt. „Mr. Fürst, a lady wishes to speak to you !“*) Der so Angeredete wandte sich rasch um unb blickte mich ver- tounbert au.
„Was soll ich Ihnen erzählen, Mißchen, wie sein Blick bald finster, bald traurig ward, als ich von Ihren
*) „Eine Dame wünscht Sie zu sprechen."