xvil Jahrgang
.TRarßurg, Mittwoch, 5. April 1882
Nr NL
kchchscht jcitmiii
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
Das Witwen- und WaisenpenfionSgefetz
hat im Abgeordnetenhause nunmehr die zweite und dritte Lesung bestanden und eS sind die aus Antrag de« Abg. Weyrauch und dcS Abg. Dr. Oetker, dessen ursprünglich weitergehenden Anträge abgelehnt waren, von der Kommission beschlossenen Abänderungen, wonach die Rechte der früheren kurhessischen Beamten vollständig gewahrt sind, vom Abgeordnetenhause angenommen worden.
ES war recht verdienstlich, daß bei den ersten Beratungen im Herrenhause Dr. Weigel die im Gesetze bevorstehende Benachteiligung der hessischen Beamten nachdrücklich zur Sprache brachte, nur war der von ihm vorgrschlagene Weg praktisch nicht durchführbar, der im Abgeordnetenhaus- von konservativer Seite betretene Weg war einfach und durchführbar. Wie die stenographischen Berichte angeben, drohten auch ganz unvermutet die Beschlüsse der Kommission zu scheitern. Auf eine Anregung au« dem Reichsamte erklärten der Minister und sein Kommisiar sich sehr ausführlich gegen die Kommisstonöbeschlüsse, weil sie ein ungleiches Recht zwischen den hessischen und alt- preußischen Beamten hcrbeiführen und die von Preußen übernommenen Beamten ander« stellen würden, al« die vom Reiche übernommenen. Gegen diese Au«führungen legte Dr. Oetker in durchaus sachlicher Weise die bestehenden Verhältnisse in Hessen klar und führte au«:
„Das SachverhältniS gestaltet sich nach dem Anträge Ihrer Kommission so: die preußischen Beamten behalten, wenn sie in der WitwcnverpflegungSanstalt verbleiben, ihr volles Recht auf die Pension au« der WitwenverpflegungS- anstalt, und sie erwerben die neue Pension hinzu, wenn sie der neuen Anstalt beitrcten.
ja bekannt, wie außerordentlich liberal die Thurn- und Taxis- sche Verwaltung gewesen ist, und eS ist mir aus dem Reichstage erinnerlich, wie man geklagt hat im Bundesrat und welche außerordentlichen Aufwendungen von PensionS- und Witwengeldern man machen mußte für die Witwen der damals übernommenen Thurn und Taxisschen namentlich der höheren Beamten. Die Leute sind alle sicher gestellt. Wo sind also die ReichSbeamten, die dadurch be- einträcht gt werden sollen, daß sie früher bei Gelegenheit dcS Reichspensionsgesetzcs weniger bekommen haben, als die übrigen Beamten, die doch nur erhalten, was ihnen recht und billig ist. Wir sind in der angenehmen Lage — sowohl der Abgeordnete Oetker wie ich — daß wir an dieser Frage gar kein persönliches Interesse haben. Wir gehören zu keiner der beiden Kassen und haben auch niemals dazu gehört und ich glaub«', Sie werden deshalb unser Zeugnis für hessische Verhältnisse um so schwerwiegender finden, wenn wir sagen, es ist ein Akt der Gerechtigkeit, wir find unseren hessischen Beamten für die langen und treuen Dienste, die sie dem Staate gegen unendlich geringes Gehalt geleistet haben, schuldig, daß ihre Relikten nicht schlechter gestellt werden, als die der Beamten in anderen LandeS- teilen. Und das würden sie in der That — in dieser Beziehung kann ich mich beziehen auf die sachverständige Auseinandersetzung des Herrn Vorredners. ES ist eine Frage der Gerechtigkeit und Billigkeit gegen die hessischen Beamten, daß man ihnen in jeder Beziehung Rechnung trägt und sie gleichstellt mit den altpreußischen Beamten. Es ist manches zu beklagen, was den Leuten widerfahren ist; geklagt haben sie nicht, sie haben stets ihre volle Schuldigkeit gethan, wie und wo man sie von ihnen verlangte, und ihre Loyalität steht über allem Zweifel. Ich sehe nicht ein, warum man sie in einer solchen Frage, um angeblich ein gleiches Recht zu machen, benachteiligen soll. Waö heißt ein gleiches Recht? Es ist ein vorübergehender Zustand, den wir fordern und der in wenigen Jahren fein vollständiges Ende erlebt; die Beamten sterben aus, dann ist die Sache fertig, und d nn haben wir das gleiche Recht, auf das so viel Wert gelegt wird. Wir haben noch in manchen Dingen kein gleiches Recht in den neuen Provinzen. Wir müssen noch mit vielen Forderungen an Sie herantreten und werden sagen: stellt uns nun gleich mit den alten Provinzen und ihren Vorzügen. Deswegen bitte ich Sie nochmals dringend, meine Herren, nehmen Sic einstimmig den Antrag Ihrer Kommission an.
Es war sehr erfreulich, daß das Abgeordnetenhaus mit großer Majorität die Kommisstonöbeschlüsse annahm und wir hoffen, daß daö Herrenhaus dem Beschlüsse beitreten wird. Die hessischen Mitglieder desselben werden wohl zur Beratung erscheinen.
Unter falschem Rame».
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Sie kommen uns leicht, wenn unsere Gedanken lange und oft unsere einzigen Gesellschafter sind."
„Und — uns für andere Genüste entschädigen müssen?"
„Gewiß!" lächelt Fräulein von Fürstenau.
„Sollen die Menschen nicht denken und dichten, Müßt ihr ihnen ein lustig Leben errichten.'
Der Professor hat sich zu Fräulein von Fürstenau herabgebeugt. „Sie scheinen daheim in der Welt der Dichter," sagt er. „Sollte die« Leben in der That mit seinen imaginären Gestalten in der That Ersatz bieten können, was da« wirkliche Leben versagt?"
„Ersatz? Nein! DaS Leben giebt un« Erfahrungen, und diese denke ich, machen un« klüger und bester, al- aller Reichtum, den wir au« Büchern schöpfen können."
„Weiser wohl. Aber auch glücklicher?"
„Auch glücklicher! Die Bücher, meine ich, schaffen un« Genuß, — das Leben giebt unS Pflichten. Nicht die Befriedigung des Genustes, — die Erfüllung unserer Pflichten schafft eine Befriedigung, die da« Glück zu ersetzen vermag. Die Bücher lehren uns wohl ihre Helden zu lieben, — das Leben lehrt unS für die unseren diese Liebe bethätigen. Und darum denke ich, macht, wenn nicht empfangend, doch gebend das Leben uns glücklicher."
Zollern sieht mit liebevollem Blicke zur Sprecherin hinüber.
Auch der Prosestor lächelt: „Wäre die Schreibseligkeit unserer Zeit, und unserer Frauen zumal, mir nur begreiflicher, gnädiges Fräulein, so würde ich sagen: Sir müßten
Welt verdient mache? Unser Gespräch erinnert mich an ein ähnliches, das ich, bei einer meiner Freundinnen mit einer sehr liebenswürdigen Tischnachbarin hatte; ein humoristischer Toast hatte unö darauf gebracht." Er sicht sein Vis ä vis forschend an.
„Sie hält seinen Blick ruhig aus. „Und Ihre Nachbarin?"
„Wich der Antwort aus, wie Sie, gnädiges Fräulein; und doch war sie in der englischen Literatur, genau bewandert, wie Sic."
„Ein Vorzug, den sie mit mancher deutschen Dame teilen möchte."
„Verzeihlich, Miß Anni Body war eine Engländerin." „Miß Anybody? Seltsamer Name!" Sie blickt ihn schelmisch an.
„Eine mythische Person in der That! Anybody, Herr Professor, — sollten Sie eS nicht wissen heißt — „Irgend Wer!" Also Fräulein irgend Jemand." Sie ist lachend ihm entschlüpft.
Eine in ihrer Nähe hell aufleuchtende Flamme macht eS ihr leicht, sich den Geschwistern wieder anzuschließen.
„Sie haben sich eifrig mit dem Professor unterhalten," neckt Zollern. „Wissen Sie, daß ich fast eifersüchtig ge- worden bin! Haben Sie Ihrem Freunde die alte Bekanntschaft erneut?"
„Die alte Bekanntschaft? Daö ist mehr, als ich zu sagen vermag!" Sie beugt sich fröhlich zu ihm hin: „Nein, Herr von Zollern, ich habe Ihrem Freunde nur etwas englischen Unterricht gegeben — er weiß jetzt wenigstens was Miß Anybory bedeutet!"
„Mißchcn? — Fräulein Anna, daö war eö? Und daö allein hat sie so froh gemacht?"
»n,eigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v Tb- Dietrich u. Co- m jtaffe! und Hannover; Th. Dietrich m Frankfiirt a M., Haasenstein » Vogler m Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig. Köln re.; Rudolf Moste in Berlm, Frankfurt a. 5i. rc-
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Marburg, den 18. März 1882.
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Ganz dasselbe wollen wir für die kurhessischen und schle«wig - holsteinischen und hohenzollern - sigmarinigischen Beamtenhinterbliebenen, wir wollen, wenn unsere Beamten der neuen Anstalt beitreten und in der alten verbleiben, auch für die Witwen unserer Beamten das alte Recht behalten und dar neue hinzu erwerben. Wenn die allpreußischen Beamten dagegen au« der WitwenverpflegnngSanstalt ausscheiden, so fallen die deöhalbigen Renten fort, und ebenso sollen auch in Kurhessen, wenn die Beamten auö der Witwcnkasse auSscheiren, die alten Rechte vollständig fortfallen, und eS bleibt dann für alle Beamten daö neue Recht."
und begründete dies in eingehender Weife. — Der Minister verblieb von neuem bei feinen Ausführungen und veranlaßte den Abg. Dr. Grimm zu einer sehr lebhaften Entgegnung. Der Abg. Dr. Grimm hob hervor, daß die Gesamtheit dessen, was die Witwen und Waisen erhalten, j'tzt nicht künstlich auseinandergerissen werden könne in gemeinrechtlich verschiedenartig zu behandelnde Teile und entgegnete dann den Ausführungen deö Ministers noch folgendes:
„Das, meine Herren, ist aber das punctum saliens, daS ist eS, worin man eben den hessischen Beamten Unrecht thun würde, das ist die ganz unzulässige AuSeinander- reitzung der Witwenpension in zwei nur historisch so gewordene Teile, in den Pensionszuschuß, welchen die Staatskasse zahlt, und die Pension, welche aus der Witwenkasse den Witwen zusteht. Meine Herren, das ist freilich so historisch geworden, aber es ist ein Ganzes, die Witwen bekamen ihr Geld und genossen eS, und fragten nicht danach, wer es zu geben hatte, ob die Witwenkasse oder die Staatspension. Es war das ein in der Entwicklung deS hessischen Beamtentums und entsprechend dem geringen Gehalt, welche« die hessischen Beamten bekamen, notwendig begründetes Verhältnis. Und da« jetzt künstlich auSeinander- reißen zu wollen und zu sagen: wir, der Staat, obgleich wir keine fiskalischen Gesichtspunkte geltend machen wollen, wie der Herr Minister sagt, aus der Staatskasse geben wir heute nichts mehr, au« der Witwenkasse, die unendlich geringfügig ist, mögt Ihr daS Eure behalten; das ist nicht nur unbillig, sondern geradezu unrecht. Und wenn der Herr Finanzminister darauf hingewiesen hat, daß es Unzuträglichkeiten mit vielen von Hessen übernommenen Reichs- beamten gebe, so wird mir der Herr Finanzminister zugeben müssen, daß die Nei.bSbeamten in Hessen sich wesentlich reduzieren auf Postbeamte. Wo liegt da nun die Ungleichheit? Von hessischen Postbeamten ist überhaupt nicht zu reden, denn wir hatten keine hessischen Postbeamten, sondern Fürstlich Tburn und TaxiSsche. Diese Beamten hatten, wie sie übernommen worden sind in den Staatsdienst, in der ausgiebigsten Weise ihre ohnehin ausreichenden PenstonSverhältnisse sicher gestellt bekommen. ES ist
ein Buch schreiben! „Ueber daö wahre Glück" zum Beispiel! — Vielleicht thun Sie eS einmal. Es wäre ein dankbarer Stoff!"
„Sie spotten, Herr Professor! Der Engländer sagt: I ahould like my enemy to write a book, oder in gutem Deutsch: „Ich möchte, mein Feind schriebe ein Buch." Sie werden durch Ihren Wunsch sich nicht al« meinen Feind haben hinstellen wollen, — oder doch?"
Die Geschwister find durch vorübergehende Gäste in Anspruch genommen, die sich etwas vor dem Schluß de« Feste« zu verabschieden gekommen find. Der Professor steht allein Fräulein von Fürstenan gegenüber.
„Aus einem Freunde ein Feind," sagt er leise, „der Schritt wäre groß und sicherlich — unmotiviert. — Sie mißverstehen mich, absichtlich, wie eö scheint! Der einzelnen Schriststellerin kann ich volle Anerkennung zollen, dem ganzen Unwesen der weiblichen Schriftstellerei aber feindlich, — wenn Sie wollen, — gegenüberstehen. Ich denke mit Gellert:
DaS Publikum als Autor unterricht.» Mit Geist und Anmut ist zwar schwer; Jedoch sein Haus von allen Pflichten Als Mutter und als Frau, und täglich unterrichten Durch Wort und Beispiel, das ist mehr."
„Sie stellen mit Fug und Recht die Bestimmung der Frau al« Gattin der Mutter höher, Herr Professor. Wie nun aber, wenn, ihr dieser Bestimmung zu genügen, nicht die Möglichkeit ward? Ihr Herren habt eS leicht, Euer Leben zu gestalten und durch einen Familienkreis den Wert und da« Glück Eures Leben« zu erhöben."
„Ah, Sie meinen mit Goldsmith'ö „Landpfarrer von Wakefield", daß ein unverheirateter Mann sich um die