Marburg, Dienstag, 4. April 1882
Nr SO
xvii Jahrgang
machen wird.
Vielleicht zeugt dafür auch die Thatfache,
daß der Ober-
wir
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ünd JnternieruugsqefctzcS ausgesprochen und deklamiert jetzt dennoch über Unterwerfung unter Rom, wo die Konservativen einen Teil dieser Zugeständnisse verwirklichen helfen! WaS soll man dazu sagen? Dabei reiten diese Blätter immer auf dem Bischofparagraphcn herum; eS soll eine Niederlage deS Staates sein, daß der König einen bestraften Bischof begnadigen und dieser dann in sein Amt wieder zurückkehren darf! Wenn jetzt liberale Abgeordnete in Parlamenten als Gesetzgeber sitzen und in amtlichen Stellungen sich befinden, welche früher wegen Ungehorsam, Auflehnung und revolutionärer Umtriebe gegen den Staat mit schweren Strafen belegt waren — so finden die Liberalen das ganz in der Ordnung, und würden über Verfolgungssucht, Intoleranz, Reaktion u. s. tu. schreien, wenn jemand cö als eine Niederlage des Staates bezeichnen wollte, daß solche Männer infolge Königlicher Begnadigung wieder in solche Stellungen zurückkchren durften! Deutschland bedarf des kirchlichen Friedens, und was recht ist, muß auch der katholischen Kirche werden. Die Maigesetze überschreiten, wie ja auch von den Liberalen und von der Negierung anerkannt ist, diese Grenze — und da soll es eine Niederlage deS Staates sein, wenn diese falsche Gesetzgebung vir- bessert wird? Wer sich dagegen strSuat, der zeigt, daß er überhaupt keinen Frieden will. Hätten die liberalen Mehrheiten diese falschen Gesetze nicht gemacht, so würden wir den Streit über sie nicht bekommen und würden jetzt nicht diese unerquicklichen Friedensverhandlungen nötig haben. Die Liberalen haben also gar keinen Grund, jemand Vorwürfe zu machen. Wenn wir alle anderen fehlerhaften Gesetze revidieren, warum soll man mit den Maigesetzeu nicht ein Gleiches lhun? Es wäre ein großer Fehler, wenn der Staat Gesetze, deren Fehlerhaftigkeit sich herausstcllt, mit Gewalt aufrecht hielte. Er schadete sich und der Autorität der Ersitze dadurch am meisten. Wenn die Liberalen dabei stets von der Ueberniacht Roms reden, so sollten sie bedenken, daß dieselbe durch nichts so sehr gestärkt worden ist, als durch den liberalen Kulturkampf. Die einzige Waffe, welche die lieber macht des Papsttums brechen kann, ist das Evangelium — aber das bekämpft der Liberalismus ja nicht minder alö das Papsttum! Was seine Ziele sind, daS sehen wir jetzt an dein Jubel, mit welchem z. B. die „Köln. Ztg." die kirchenpolitischen Vorgänge in Frankreich: Abschaffung der Religion in der Säule und im Eide, begrüßt! Hoffentlich wird unser deutsches Vaterland vor diesen Errungenschaften bewahrt. Wollen wir aber daS, dann müssen wir deutsche Christen treu und eifrig bei der Arbeit im Volk sein und dürfen uns nicht in kirchenpolitischem Hader verzehren.
präsivent Dr. Achenbach, der Regierungspräsident Tiedemann und der Unterstaatssekretär Marcard u. a. dafür stimmten, die noch tagsvorher gegen den Bischofparagraphen gestimmt hatten. Die kulturlämpferische Presse erfindet wieder alle mögliche Fabeln über die Entstehung deS Kompromisses und hält dieselben trotz der bestimmtesten Dementierungen aufrecht. Auch die „Kreuz-Zeitung" erklärt, wie bereits andere konservative Blätter erklärten, daß die Konservativen ganz aus freiem Antriebe gehandelt haben — trotzdem bleibt die „Nat.-Ztg." dabei, sie wären nur einer Weisung von der Negierung gefolgt, alö sie in die Verhandlungen mit dem Zmtrum eintraten. Gegen solche Böswilligkeit ist man waffenlos. Ebenso erbärmlich ist die Art, wie die kulturkämpferische Presse den Antrag als einen Gang nach Kanossa, als eine Unterwerfung der Regierung und der Konservativen unter daS Zentrum darstellt, Noch vor kurzer Zeit hat die „National-Zeitung" selbst sich für die Abschaffung deS Kultur - Examens, Abschaffung der Staatspfarrer und deS kirchlichen Gerichtshofes, Beschränkung der Anzeigkpflicht auf die ersten Anstellungen, Verzicht auf den Eid der Bischöfe und Streichung deS AuSweisungS-
DeutscheS Reich.
Berlin, 1. April. Zur Beseitigung einer ganzen Reihe von Ucbelständen auf dcm Gebiete deS Gewerbelebens
„Als ob wir nicht auch ähnliche Gedanken und Empfindungen haben könnten, nicht wahr, Annchen?"
„Nicht die Gedanken selbst, sondern die Fähigkeit, sie festzuhalten und wiederzugcbcn, machen den Dichter" — entgegnete Fräulein von Fürstenau. „Wie viel Tausende mögen nicht dasselbe denken und empfinden wie wir; die gleichen edlen Vorsätze fassen, die uns bewegen; den gleichen Zielen zustteben, wie wir; nur die Weise, wie sie dieselben verkörpern, macht den Unterschied. So denke ich, machen nicht die erhabenen Gefühle den Dichter und Künstler, sondern die Fähigkeit, sie durch sein Werk auch, in Anderen zu wecken."
„Sie sehen mich staunen, gnädiges Fräulein, und wäre es nicht indeskret, so möchte ich fragen, wie einer so jungen Dame solche Gedanken kommen?"
(Fortsetzung folgt--
Ah, Fräulein von Fürstenau stimmt Arthur ihr denkt der Worte, die Houwalt — unter sein Porträt schrieben!
„Des Menschen Antlitz ist das Titelblatt Des Buches, das in stiller Herzenskammer Die Seele niederschreibt und aufbewahrt.
Nicht kannst du die verschwiegnen Blätter lesen, Doch schaust du prüfend auf das Titelblatt, Wird dir der Inhalt wohl auch offenbar.
Nur ein Dichter konnte so schreiben, Zollern, anderen prosaischen Manschen —"
und 5 seiner Vorlage nicht au'genommcn waren, zeugen dafür, daß die Regierung dem gestrigen Beschluffe des Abgeordnetenhauses keine Schwierigkeiten machen wird.
Doch was Du zwei Mal nicht kannst lesen, War auch nicht einmal lesenswert!
sagt irgend ein Dichter, al« solcher muß er es selbst am besten wissen." Er schaut lächelnd zu Fräulein von Fürstenau hinüber.
„Ja, wer den Büchern von vornherein ansehen könnte, ob sie lesenswert sind oder nicht, ihm wäre viel Zeit gewonnen und viel Mühe erspart."
„Schon die Menge der lesenswertesten Bücher zu überwältigen, reicht unser Leben nicht aus," schließt Fräulein von Fürstenau sich an.
„Darum meinen Sie, gnädiges Fräulein, sollten wir mit unseren Büchern genau so wählerisch fein, wie mit unseren Freunden?" Der Professor hat sich direkt an Fräulein von Fürstenau gewandt.
„Einem neuen Autor gegenüber ergeht eS uns freilich, wie mit einem neuen Bekannten. Wir können nicht wissen, ob er uns zum Freunde werden mag, so sehr er uns auch anfangs zu fesseln vermochte."
„Ich habe stets schon im Titel deS Buches einen Fingerzeig sehen wollen," bemerkte Isidore; „reckt frauenhaft; nicht wahr?"
„Nach dem Titelblatte auf den Inhalt schließen wollen, ist eben verzeihlich, wie etwa nach den Zügen deS Menschen auf sein inneres Leben."
„Und dennoch trügerisch; eS sei denn, daß beide un« unwiderstehlich anzögen."
„Vielleicht auch liebe Erinnerungen in uns weckten!" ergänzt Fräulein von Fürstenau.
„Ich glaubte bisher, nur der völlig unbefangene Eindruck, den wir von einem Menschen empfangen, sei der rechte I" entgegnet sie. „Wie etwa die Seele eines Kindes
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen Bureaur v. Th- Dietrich u. Co. in Staffel und Hannover; Tb. Dietrich in Frankfurt a-M-; Saasenstein u. Vogler in Frankfurt a- Al., Berlin, Seiozig, Köln rc.; Rudolf «Hoffe hi Berlin, Frank- furt a. M. rc.
hat sich die Reichsregierung bekanntlich genötigt gesehen, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, welcher den Hausierhandel, das Auktionswesen, den Gewerbebetrieb im Umherziehen, das Winkelkonsulententum, das Gesindevermietcn und viele andere Gegenstände gesetzlich zu regeln sucht. Nichts wäre indes gewagter, wie die Meinung, daß damit schon alle gewerblichen Schäden ihre gesetzliche Remedur finden würden. Wie alle gesetzgeberische Arbeit auch bei größter Sorgfalt nur unvollkommen ist, so werden zweifellos in Zukunft alte Mißstände neu entdeckt werden und neue sich einstellen. Das ist kein spezifischer Mangel des neuen Gewerbegesetzes, sondern jedes Gesetzes überhaupt. Mancherlei Uebelständc sind übrigens auf dem Wege der Gesetzgebung überhaupt nicht zu kurieren; ost muß die bessere Einsicht, die gründlichere Erkenntnis mit ererbten oder eingelebten Mißständen aufränmen, und auf diesem Wege wird mit der Zeit wohl auch den mannigfachen Nachteilen Abhülfe zu teil werden, welche aus dem gegenwärtig üblichen Verfahren bei Submissionen resultieren, das im wesentlichen immer noch nach dem Kardinalsatz der Manchesterlehre: Wo am billigsten, da am besten, sich zu regeln pflegt. Professor Reuleaux hat s. Z. einen wirklich befreienden Akt geübt, indem er die wirtschaftliche Schädlichkeit jenes Satzes schlagend nachwies; trotz allen Wi'er- hallö, den seine berühmt gewordene Verurteilung der industriellen Devise „billig und schlecht" aber auch g funden hat, ist wenigstens die erste Hälfte derselben: „Billig um jeden Preis", noch immer die Par le bei zahlreichen Vereinbarungen, welche für tlnsere industrielle Entwicklung mitunter von recht tiefgehender Bedeutung sind. Wenn es unter solchen Umständen nachgerade eine alltägliche Erscheinung geworden ist, daß b i Submissionen Unternehmer, die in bezug auf ihre Solidität und Leistungsfähigkeit Zweifeln Handhaben bieten, Angebote machen, wie sie so niedrig der reelle, mit größeren:, aber leistungsfähigerem Apparat arbeitende Unternehmer nicht stellen kann, so ist das nur eine natürliche Konsequenz jenes Grundsatzes. Und als eine weitere Folge desselben sind natürlich die Fälle nicht selten, daß der kapitallose und leistungsunfähige Unternehmer, welcher im Submissionsverfahren den Zuschlag erhielt, nach Empfang des Auftrages erst in Verbindung mit leistungsfähigeren Etablissements seiner Verpflichtung gerecht zu werden vermag. Es bedarf keiner näheren Erläuterung, daß eine solche Art des Submisstonsverfahrens das Wesen des letzteren zum schließlichen Nachteil aller Betheiligten umkehrt. Der Reformzug unserer Zeit geht dahin, daß an Stelle der unpersönlichen und rrnverantwortlichen Leistung die persönliche und vcrantwor - liche tritt. Mit diesen Grundsätzen, die in Zukunft maßgebend fein werden läßt sich die Art des heutigen Sub- mifsionsverfahrens schwer vereinbaren, ganz abgesehen von speziellen Jnkonvenicnzen, wel! e diese Art von „Jagd nach frisch und unbeeinflußt jeden neuen Eindruck empfange, so ständen auch wir nur in voller Unparteilichkeit vor jeder neuen Erscheinung; und dieser erste Eindruck nur dürfe, als der wahre, bleibend sich bewähren."
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS So««tagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2'/t Mark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Denken Sie nicht größer von mir, als ich bin. Der Wertschätzung meiner Freunde kann eS nicht entbehren, und schmerzlich ist cö mir, auch vor ihnen in zweifelhaftem Lichte zu erscheinen.! — Ich möchte Eva wäre hier, Ihrem Freunde das Rätsel zu lösen!"
„Meinem Freunde? — Sie nannten ihn vorhin den Ihren!"
„Sie wägen die Worte scharf!" Fräulein v. Fürstenau lächelt, doch liegt nichts Fröhliches mehr in ihrem Lächeln. „Mein Leben ist jetzt an Freunden so arm, daß ich kein Recht habe mit dem Namen zu geizen. Wenn Anna von Fürstenau sich der Freundschaft Herrn v. ZollernS rühmen darf, so darf Miß Anybody vielleicht dankbar der freundlichen Unterhaltung gedenken, der Herr Profeffor Winter die Unbedeutende, unbekannte kleine Miß wert hielt."
Sie folgt dem überraschten Blicke ihres Gefährten. — Isidore ist mit dem Professor auf einer zu älligen Wanderung durch den Garten an sie herangetreten.
„Trotz aller guten Vorsätze sind der Professor und Ich doch wieder auf literarisches Gebiet geraten," sagt sie einführend, „und leicht begreiflich, wollen unsere Ansichten sich nicht einigen. Wir streiten, wann uns ein Buch gefalle! Laß uns Deine Ansicht hören, Annchen."
Herr von Zollern sieht das Erröten der Gefragten, und gefällig kommt er ihr zu Hülfe, indem er statt ihrer antwortet:
„Manch artig Büchlein läßt sich lesen, Zu dem der Leser immer wiederkehrt;
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Marburg, den 18. März 1882.
Tie Exped. d. Oberh. Zeitnng.
Das kirchenpolitifche Komprornitz.
Im Abgeordnetenhause ist am Freitag der kirchenpolitische Antrag der Konservativen ungeäudert mit 228 gegen 130 Stimmen, also einer starken Majorität, angenommen worden. Die Debatte war noch eine recht lebhafte, an welcher Vertreter aller Fraktionen teilnahmen. Der Minister hielt eine sehr versöhnliche Rede und auS der Art und Weise, wie er sich darüber beruhigte, daß die Art. 4