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Marburg, Sonnabend, 1. April 1882

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An-eigen nimmt entgegen: die ^Expedition b. Blattes, sowie d.Ärnioncen-Bureauk D Th. Dietrich u- Co. in Onffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; Saofenftein u. Vogler m iantfurt a. M-, Berlin, Gg, Köln k. ; Rudolf »Hoffe in Berlin, Frank- furt a. M- K.

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Marburg, den 18. März 1882/

Die Sxpeö. d. Oberh. Zeitung.

Bom Landtag.

Berlin, 30. März.

DaS Herrenhaus genehmigte in der Schlußbe­ratung das Pensionsgesetz in der auS dem Abgeordneten- hause herübergckommenen Fassung und erledigte mehrere Verwaltungsberichte und Ucbersichten.

In der heutigen (45) Plenarsitzung deS Abgeord­netenhauses hatte der Präsident v. Köller dem Hause wiederum die betrübende Mitteilung von einem Todesfälle zu machen. Abg. GajewSki ist am gestrigen Tage Hierselbst nach kurzem Krankenlager im St. Hedwigs- kcankenhause verstorben. Das HauS erhob sich zu Ehren des Andenkens des Verstorbenen, welcher seit 1870 den 8. Königsberger Wahlkreis (Allenstein - Rössel) im Hause vertreten hat und dec Zentrumöfraktion angehörte.

In der zweiten Beratung der kirchenpolitischcn Vorlage, welche auf Grundlage der Regierungsvorlage stattfand, da definitive Kommissionsbeschlüsse nicht zustandegekommen sind, erhielt gegen dieselbe, nach kurzen einleitenden Worten des Referenten Abg. Dr. Grimm, zunächst das Wort:

Abg. v. Cun y. Er betonte einleitend besonders, daß der von den Konservativen eingebrachte Antrag auf einem Kompromiß mit dem Zentrum beruhe, dem aber, eine Majorität im Hause erst durch daS Hinzutreten der pol­nischen Fraktion gesichert sei. Die letztere Fraktion sei also für die Annahme der konservativen Anträge die eigent­lich ausschlaggebende. DaS müsse vor dem Lande kon­statiert werden. Art. 2 (LischosSparagraph) mache seinen Politischen Freunden die Vorlage unannehmbar, welche juristische Form mau auch immer diesem Artikel geben

Unter falschem Name«.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

„Studiew? Auch heute? Ich hoffe, die Herren lassen für heute daS schwere Geschütz, und statt zu philoso­phieren, lassen sie daS leichte Geschütz deS Witze» und deS Humors pielen!—Wir Damen sind sonst traurig daran. — Ich wüßte kaum eine, die solchem Gedankenfluge mühe­los zu folgen vermöchte." Sie hat den Bruder leise mit sich fortgezogen.

„Einer wüßte ich schon," denkt still der Professor, „und doch — sollte eS möglich sein, daß zwei Gestalten einander so ähnlich wären?" Er hat sich nachdenklich in eine der Fensternischen zurückgezogen.

In belebtem Geplauder, bald lauter, bald leiser, schwirrt eS um ihn her. Mit verzeihlicher Zerstreutheit streift sein Blick die sich bildenden Gruppen. Seltsam, daß er Fräu­lein Eckards elegante Gestalt unter ihnen vermißt. Doch, wie hätte sie hierher kommen sollen? So hoch der Sohn sie hält, so gern er mit ihr verkehrt, die stolze Mutter würde der „Schauspielerin" nimmer Zutritt gestatten. Er sinnt der berechtigten Vorurteile und Grundlosigkeit so man­cher Idee nach, die der Menschen Thun bestimmen. Alle sind sie Sklaven ihres Standes, kaum daß die Vorzüge deS Geister oder hervorragende Talente die Schranken zu durchbrechen vermögen I — Er selber? WaS hat Anderes ihm sein Ein­tritt hier verschafft, als sein ärztlicher Ruf? Ist ei bei dem Manne ein Anderes, wie mit der Frau? Möchte Eva, als Freundin der Tochter etwa, nicht gleichfalls ein geduldiger Gast sein? Und ihr kleines Mißchen, Miß Aenni Bory oder wie sie genannt, welche Fäden knüpfen sich zwischen thr und dem stolzen Zollernschen Hause? — Wieder er»

möchte. Einen dauernden Ausgleich mit der Kurie halte er überdies für ganz unmöglich, solange der Anzeigepflicht nicht genügt werde. Die Artikel 2, 3 und 4 des Julige- setzeS von 1880, welche in dem neuen Art. 1 wieder in Kraft gesetzt werden sollten, hätten nur eine untergeordnete Bedeutung. Der Schweipunkt deS Ganzen liege, wie ge­sagt, im Bischofsparagraphen, dessen Annahme Gefahren für den Staat berge. Darum sei für seine Freunde eben die Annahme des Gesetzes vollständig ausgeschlossen.

Abg. Dr. Windthorst hielt dem Vorredner ent­gegen, ob er glaube, daß Se. Majestät die Zustimmung zur Vorlegung deö Bischofsparagraphen — denn von der Regierung, nicht von den Konservativen, ginge derselbe aus — gegeben haben würde, wenn derselbe die Autorität de« Staates gefährden könnte? Der Paragraph habe uichtö weiter zu bedeuten, als den Zweifel zu beseitigen, der — seiner Meinung nach ganz mit Unrecht — über den Umfang deS Begnadigungsrechts erhoben worden sei. In dem Begnadigungsrecht sei der Monarch absolut und keiner hätte darein zu reden. Das Zentrum werde für alle Anträge der Konservativen stimmen, zumal eS auf dieser Basis sich mit denselben bereits in der KHnmission geeinigt hätte. Man würde auch dort schon auf dieser Grundlage den Entwurf beschlossen haben, wenn nicht durch eine geschickte Hand der Art. 4 in die Beschlüsse der Kom­mission hineingebcacht wäre. Den Art. 2 der alten Vor­lage anzunehmen, koste für seine Partei eine Ueberwindung, da in demselben ein gut Stück diskretionärer Gewalt liege. Die Bedenken würden indes durch die beigesügte Fristbe­stimmung (bis 1. April 1883) einigermaßen gehoben. Eine organische Revision der Maigesetze bleibe das nicht auS den Augen zu verlierende Ziel. Die Artikel 3 und 4 deS Juligesetzes brächten der Kirche allerdings einige Er­leichterungen. Indem das Zentrum einstimmig für die konservativen Anträge zu stimmen entschlossen sei, weiche es im übrigen von seiner prinzipiellen Stellung den dis­kretionären Vollmachten und den Maigesetzen gegenüber nicht ab.

Abg. ©otting hebt als allgemein bestimmende Gründe für die ablehnende Haltung der NKionalliberalen zur Er­gänzung der Ausführungen seines Parteigenoffen v. Cuny noch hervor, daß man nicht erkennen könne, warum wir durch Abänderung der Gesetzgebung Rom entgegenkommen sollten, daS seinerseits kein Entgegenkommen zeige. Zum anderen wüßten sie nicht, wohin die Regiernng wolle; waö sie festhalten, waö ste aufgeben wolle. Nun sollten die Vollmachten wieder auf ein Jahr verlängert werden; nach Ablauf dieser Frist würde aber, was jetzt schon zwei­fellos, alles beim Alten stehen. Da müsse man ab r doch erst wissen, was nach Ablauf dieser Frist seitens des Staats geschehen solle. Andernfalls könnten seine Freunde für keine derartige Vorlage stimmen!

tappt er sich darauf, Fräulein von Fürstenau mit jener Freundin Eeas zu identifizieren. Unwillkürlich folgt er ihr mit den Blicken, wie ste soeben mit der Tochter deö Hauses durch die Räume schreitet. Sie ist einfach, doch mit sicht­licher Eleganz gekleidet. EvaS Schützling trug sich viel einfacher, den Kopf gesenkter, das Haar anders geordnet, auch die Wangen schienen schmäler und von fast krank­hafter Blässe.

Fräulein von Fürstenau schaut mit hellen, frischem Blicke um sich, — sie ist es sichtlich gewohnt, sich in solchen Räumen zu bewegen, — ihre Wangen sind leicht gerötet, wie sie auch mit Diesem und Jenem im Vorüber­gehen ein Wort tanscht, mit dem Isidore die Unterhaltung begonnen hat.

Und doch, die Art ihres Lächelns, die ganze Weise zu sein, selbst der Ton der Stimme, wie er zu ihm herüber­klingt ist der gleiche. — Es ist unmöglich, zwei Menschen können einander so ähnlich nicht sein. Und Zollern? Sollte anch er Gründe haben, ihn täuschen zu wollen? Den gelehrten Forscher lockt eS, einen Blick hinter den Vorhang zu thun. Er sucht vergeblich nach einer Gelegen­heit, sich Fräulein von Fürstenau zu nähern. — Zollern ist als Sohn des Hauses von allerlei wirtlichen Pflichten in Anspruch genommen; er der Fremdling in diesen Kreisen, hat pflichtschnldigst einigen dilettantischen Musikvorträgen Beifall geklatscht und den Gängen des früheren SonperS die gebührende Teilnahme bewiesen; jetzt hört er geduldig den Hin- und Widerreden einiger der jüngeren Osfiziere zu, ob nach demselben nicht noch ein Tänzchen die rechte Lust erhöhe? Die Thüren zum Garten sind geöffnet, die frische Luft deS Sommerabends einzulassen. Im Garten- sale stimmt eine kleine Militär-Kapelle ihre lustige Weise

Kultusminister v. Goßler entgegnete dem Vorredner, daß unter dem Prinzip do ut des die katholische Bevöl­kerung leiden müsse. Die Negierung könne nur durch Rücksicht für die Interessen deö Staats und für dessen katholische Angehörigen in ihrem Vorgehen geleitet werden. Der Minister ging dann auf die einzelnen von den Abgg. Gotting und v. Cuny gegen die Vorlage ausgeführten Be­denken im einzelnen des Näheren ein. Waö das Amen­dement v. Nauchhanpt zum Artikel 1 betreffe, so könne die Frist von einem Jahre nicht auSreicheu, er betrachte die­selbe allerdings lediglich als Mittel zum Zweck. Aber der Endtermin hänge doch jedenfalls nicht von der Negierung allein ab. Man möge diese Frist daher entweder ganz streichen, oder erheblich verlängern.

Abg. Frhr. v. Hammer st ein rechtfertigte das Ver­halten der Konservativen in dieser ganzen Angelegenheit. Nachdem die Nationalliberalen, mit deren Hülfe das Juli­gesetz von 1880 zustande gekommen, auch den Art. 1 der jetzigen Vorlage (ihre eigenen früheren Beschlüsse) abge­lehnt, wären die Konservativen in ihrem Bestreben, etwas Positives zu schaffen, auf die Mitwirkung deö Zentrums hingewiesen. Es sei gewiß auch ein politisch sehr hoch zu schätzendes Moment, daß sich das Zentrum zum erstenmale auf diesem Gebiete an der Gesetzgebung beteilige. Der Verzicht auf die Artikel 4 und 5 der Vorlage sei leider durch die Sachlage geboten gewesen.

Abg. Frhr. v. Zedlitz und Neukirch suchte den Konservativen nachzuweisen, daß ihre jetzige Haltung von derjenigen, die sie bei der ersten Lesung angenommen, wesent­lich abweiche. Die Fortschrittspartei zeige in kirchenpoli­tischen Dingen seltsame Wandlungen und nehme ihre Stellung lediglich nach politischen Motiven. Auch das Zentrum verändere bei Zustimmung zu den konservativen Anträgen seine Stillung gänzlich, indem es sich jetzt auf den Boden der Maigesetzgebung stelle und das Prinzip der diskretionären Vollmachten anerkenne. Die Freikonserva- tiven würden den gestellten Anträgen soweit entgegenkommen, als möglich, aber niemals die Autorität des Staates einer anderen unterordnen; nach Canossa gingen sie nicht!

Abg. v. R a u ch h a u p t betont, daß das zustande ge­brachte Kompromiß gerade geeignet sei, daö Ansehen des Staates zu schützen; denn nicht durch Fortdauer des Kul­turkampfes werde das Ansehen desselben gehoben. Es sei bedauerlich, wenn die Linke das nicht begreife. Die Frei­konservativen ständen noch immer im Banne des Kultur­kampfes; durch kleinliche Amendements hätten sie rüher und jetzt sich zu salvieren gesucht! Und doch habe auch der Führer der Freikonservativen im Reichstage, v. Kar- dorff, offen erklärt, daß die Situation eine andere g.worden; daß das geschehen, daran trügen die Liberalen die Schuld, welche auf die wirtschaftlichen Pläne des Kanzlers, für welche daö Zentrum richtigeres Verständnis bewiesen, nich —---" t

an, während die jüngeren Paare sich zum Tanze ordnen und die älteren sich anschicken, in den hellerleuchteten Garten hinauszuwandern. Was der kleine Garten an Größe entbehren mag, ersetzt er cs durch seine auserlesene Pflege. Daö dunkle Laub der hohen Bäume läßt ihn in der abendlichen Beleuchtung größer erscheinen; zierliche Blumenbeete, von frischem Rasen umschlossen, spenden an­genehmen Duft; von den Zweigen der Baume und Sträucher leuchten in den mannigfachsten Farben die bunten Ampeln und Lichtchen; die kleinen Statuetten werfen seltsame Schatten in wechselndem Lichte der bengalischen Flämmchen, die, schnell auftauchend, ebenso schnell erlöschen. Verstohlen schaut der Mond durch die dichten Zweige auf das unge­wohnte Treiben, und vor der bemoosten Steingrotte treibt der kleine Springbrunnen glitzernde Kugeln in die Luft, ohne durch daö Plaudern um ihn her in seiner Geschwätzig­keit sich stören zu lassen.

Der Professor steht in der Thüre des Gartensales, Halo einen Blick auf den Garten, bald einen zweiten auf die tanzenden Gruppen zu werfen. Einige der Offiziere haben in seiner Nahe sich aufgestellt.

„Niedliche Erscheinung!" meint der eine, das Glas fester inS Anze drückend. „Tanzt nicht! Schade! Hätte ste gern engagiert! Denkt vielleicht, daß andere Gründe! — Erst seit Kurzem in der Stadt!"

„Schwester deö Fürstenau? Nicht?" fragt ein anderer. „Kam von der Garde zur Linie. — Hm, fatales Avance­ment? Famoser Räter, flotter Kerl, der Kurt? Wo doch geendet?"

„Drüben! Irgendwo! Wird^Gold graben. Kanns brauchen, der Jüngsten einer und Schulden wie ein Major!"

(Fortsetzung folgt.)