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JRarfiurg, Mittwoch, 29. März 1882
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In des Vaters eigenem Gefährt ist Arthur von Zollern gekommen, seine einstige Gespielin abzuholen. Um einstige Kinderfreundschaften ist eS ein eigen Ding; es ist, als könnten sie bis ins spätere Alter hinein ihren Einfluß nicht verleugnen. Im Drange des Leben« längst vergesien, er-
die Regierung im Jahre 1879 gewagt, sei zu gunsten des StaatSbahnsystemS ausgefallen, und gestärkt durch diese Erfolge könne die Staatsregierung, gestützt auf dieses System, getrost der Zukunft entgegensehen. Die Fehler des früheren Systems konnten nicht im Handumdrehen beseitigt werden; der Ausdruck, welcher von anderer Seite gefallen, daß es sich hier um einen Augiasstall handele, sei allerdings zu scharf gewesen, aber feststehe, daß unermeßliche Summen hätten erspart werden können. , Die Durchführung des Staatsbahnsystems sei zum Vorteil des Staates und der Entwickelung seiner Finanzen geschehe». Auf wirtschaftlichem Gebiete sei durch dieses System dem Gedanken der ReichSverfassung nach einem einheitlichen System Ausdruck gegeben. Auf finanziellem Gebiete sei das Resultat überaus günstig, denn trotz der ungünstigen WitterungSverhältnissc könne man schon jetzt den Heber» schuß aus der Staalsbahnverwaltung bis zum 1. Februar auf nicht viel weniger als 14 Mill. Mark veranschlagen. Er wolle zugeben, daß unsere jetzige Organisation im Eisenbahnwesen noch verbesserungsfähig sei, aber konstatieren könne er, daß sie sich bewährt habe und daß Preußen wie bisher so auch ferner in bezug auf die Eisenbahnverwaltung eine Musterverwaltung sei. Daß dies auch ferner so bleiben solle, werde die Aufgabe der Verwaltung sein, und er hoffe, sie werde dies Ziel erreichen., Dabei werde auch die Verwaltung nach der anderen Seite hin die erforderliche Vorsicht nicht aus den Augen lasten. Notwendig fei eS aber, da« Staatsbahnwesen zu arrondieren und hierzu solle die Vorlage helfen, welche er anzunehmen bitte. Das Haus werde sich dadurch großen Dank der Negierung erwerben.
Zur Generaldiskussion nimmt niemand mehr das Wort. In der Spezialdiskussion empfiehlt nur der Berichterstatter die Spezialbestimmungen der einzelnen Paragraphen des Gesetzes zur Annahme und das Haus stimmt dem zu. — Bei § 8, welcher die Staatsregierung ermächtigt, die Verwaltung der Anleihekapitalien, soweit dieselben vom Staate als Selbstschuldner übernommen sind, resp. übernommen werden, der Hauptverwaltung der Staatsschulden zu übertragen, entspinnt sich eine Diskussion zwischen dem Grasen zur Lippe, als Mitglied der Staatsfchuldenkommission, und dem Kommissar des Finanzministers Geheimer Rat Schmidt. Graf zur Lippe beantragte, an die Staatsregierung das Ersuchen zu richten, die betreffende Bestimmung, welche die StaatSschuldenkommission mit dieser Funktion betraut, durch die Gesetzsammlung zu publizieren. — RegicrungSkommiffar Geh Rat Schmidt hält dies für unnötig, während der Referent Fürst Hatzfeldt sich für diesen Antrag auöspricht. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach erklärt, daß et diese Frage mit dem Herrn Finanzministcr gemeinsam in Erwägung ziehen werde. Bisher haben beide Herren diese Frage noch nicht
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Don ® L. Daube u. Co. in Frankfurt a. AI.; Jtigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Born Landtag.
Berlin, 27. März.
Die heutige (11.) Sitzung des Herrenhauses eröffnete der Präsident, Herzog von Ratibor, um 12 Uhr. Den geschäftlichen Mitteilungen entnehmen wir, daß das Präsidium des Herrenhauses anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages von Sr. Majestät dem Könige huldvoll empfangen, und von Allerhöchstdemfelben der Präsident beauftragt worden ist, den Dank Sr. Majestät für die dargebrachten Glückwünsche auszusprechen, welches Auftrages der Präsident sich entledigt. Der Präsident verliest ein Schreiben des Eisenbahnministers Maybach, mittels welchem derselbe die Mitglieder des Herrenhauses zum Dienstag den 28. d. M., nachmittags 2 Uhr, nach dem Bahnhof „Friedrichstraße" einladet. — Das HauS tritt in die Tagesordnung ein, deren einziger Gegenstand der mündliche Bericht der Eisenbahnkommission über den Gesetzentwurf betreffend der Erwerb von weiteren 6 Eisenbahnunternehmen (Bergisch-Märkische, Thüringische, Berlin-Görlitz rc.) für den Staat. Der.Referent Fürst Hatzfeldt-Trachen- berg beantragt namcnS der Kommission unveränderte Genehmigung der Vorlage in derselben Fassung, in welcher sie aus den Beratungen deS Abgeordnetenhauses hervorgegangen ist. Die Kommission, bemerkt der Referent, erkenne die guten Erfolge der bisherigen Verstaatlichung für die wirtschaftlichen und politischen Jntereffen deS Staate« an und heiße auch das beschleunigte Tempo der weiteren Verstaatlichung gut.
In der Generaldiskusfion nimmt zunächst der StaatS- minister Maybach das Wort, sich über die Frage zu äußern, ob das gemischte Eisenbahnsystem dem Staatsbahn- system votzuziehcn sei. Schon der erste Versuch, welchen
besprochen. — Der Antrag deS Grafen zur Lippe wurde hierauf angenommen und schließlich das ganze Gesetz genehmigt.
Der Präsident teilte mit, daß von den Herren Brüning und Frhrn. v. Mirbach ein Antrag eingegangen sei, zu beschließen, daß den Mitgliedern des Herrenhauses auf denjenigen Staatsbahnen, welche zwischen dem Wohnorte des betreffenden Mitgliedes und Berlin gelegen seien, Karten zur freien Fahrt erteilt werden sollen. DaS Haus beschließt, diesen Antrag durch Schlußberatung zu erledigen und der Präsident setzt ihn auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung, welche er auf Mittwoch 12 Uhr anberaumt. In derselben werden noch mehrere Petitionen erledigt werden. — Schluß der Sitzung 21/4 Uhr.
In der heutigen (42.) Plenarsitzung des Abgeordnetenh auses trat dasselbe in die dritte Beratung des Etats. Eine Generaldebatte wurde nicht beliebt.
Bei den direkten Steuern brachte der Abg. Grumbrecht den Antrag der Budgetkommission wieder ein, den Steuererlaß abzulehnen. Abg. Frhr. v. Hammerstein zog den von ihm eingebrachten Gesetzentwurf zurück, da das Haus doch einmal schon in die dritte Lesung des Etats eingetreten sei, erklärte aber im Uebrigeu, daß ein Teil seiner politischen Freunde dem Vorschläge der Regierung nicht zustimmen könne, weil eine gründliche Reform nötig und dieser durch einmalige Steuererlasse nur Eintrag geschehen könne. Darauf wurde der von der Regierung pro 1882/83 beantragte Steuererlaß von der Majorität genehmigt.
Bei den indirekten Steuern sprach sich Abg. v. Griesheim gegen das Tabaksmonopol aus und trillerte die von dem Volkswirtschaftsrate beratene Tabaksmonopolvorlage im Einzelnen in abfälliger Weise. (Der Herr Abgeordnete ist Tabaksfabrikant.) Er bittet die Staatsregierung, im Bundesrate dafür zu sorgen, daß eine große Industrie nicht ferner in solcher Weise beunruhigt werde; trenn man aber eine Monopolvorlage machen wolle, müsse sie auf anderer Grundlage gemacht werden. Er sehe die Vorlage übrigens nur als eine Notvorlage gegen die Straßburger Manufaktur an, bei welcher er einen Krach herannahen sieht.
Abg. Frhr. v. Minnigerode erklärt, daß die konservative Partei es ablehnen müsse, die Tabaksvorlage hier zu diskutieren, da das Abgeordnetenhaus nicht kompetent dazu sei.
Abg. Richter hält zwar die formelle Kompetenz des Abgeordnetenhauses nicht zweifelhaft, betont ober, daß materiell es nicht geboten sei, auf diese Angelegenheit hier näher einzugehen, da die Sache im Reichstage anders liege, als hier, indem hier noch viele Wahlkreise in anderen Händen seien, als im Reichstage, wo das Monopol fallen werde im Verhältnisse von 5:1. Ob der Reichskanzler
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Die Blinde hat lauschend den Kopf erhoben, als ob sie selbst auf die Antwort der Tochter gespannt sei.
„Wenn die Mama mich für einige Stunden entbehren könnte .. ."
„So machtest Du uns die Freude? O, Du prächtiges, liebes Annchen I" Isidore hat nach Mädchenart stürmisch die Freundin umfaßt. „Nicht wahr, gnädige Frau, wir dürfen Papas Wagen senden? — Arthur wird selber kommen, Dich abzuholen" flüstert sie der Freundin zu. „Wie, Du schüttelst den Kopf? Du wirst Dich doch Deinem alten Kavalier aus der Kinderzeit anvertrauen wollen? Ich bin nicht mehr eifersüchtig, Annchen, auf Arthurs Vorliebe für Dich; —" und während der Bruder sich schon in aller Form bei Frau von Fürstenau verabschiedet, neckt sie Anna in harmloser Weise mit allerlei Erinnerungen aus ihrer Kinderzeit, wie sie eben ihr wach werden.
„Wie gut doch, daß wir Fürstenaus endlich aufgefunden I" meint sie auch auf dem Heimwege; „wir werden Annchen nun öfter bei uns sehen!"
„Ich hoffe, Dorchen", ist Arthurs kurz Antwort; „aber Du, Schwesterchen, möchtest klug thun, der Mama nun nicht unablässig von ihnen zu reden. Durch allzu vieles Plaudern nützen wir unfern Freunden selten."
Unter falschem Kamen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Hier nicht, Fräulein Anna. Sie sagten selber, daß Frau von Fürstenau der Vorbereitung bedürfe. Kommen Sie zu uns, da können wir ungestörter plaudem. Nicht wahr, Sie kommen?"
„Gewiß!" Sie hat treuherzig die Hand in die seine gelegt, die er ihr bittend hinhält; „ich komme, schon um Kurts willen!"
„Nur um seinetwillen" lächelt er ihre Hand festhaltend ; und ohne Frau von Fürstenaus Gespräch mit Jstoorcn zu achten, ist er schnell zu ihrem Stuhle heran- getreten.
„Gnädige Frau, Verzeihung! Zunächst und vor allem bedarf ein Auftrag des Papas der Erledigung. Sicherlich hat Dorchen seiner schon Erwähnung gethau, und Sie wiffen, daß der Mama Unwohlsein uns längere Zeit von jeder Geselligkeit fern gehalten hat, ein Gartenfest un« setzt schadlos halten soll. Nicht wahr, wir dürfen noch einmal unsere Bitte erneuern und hoffen, daß Sie nunmehr uns Ihre liebe Gegenwart schenken wollen?"
Isidore- unterstützt deS Bruders Bitte mit der lebhaften Versicherung, wie sie den Vater durch die Zusage erfreuen würden. „
„Um so schmerzlicher nur ist eS für mich," ist Frau von Fürstenaus verbindliche Antwort, „die freundliche Einladung ablehnen zu müssen. Ich kann nur im bescheidensten Maße liebe Gäste bei mir sehen, und auf eine Erwiderung der Besuche muß ich gänzlich verzichten."
„Und Du, Annchen?"
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wachen beim Wiedersehen mit den alten Gespielen die alten Erinnerungen und rufen unvermittelt die alte Zutraulichkeit wach.
Auch Arthur hat sich schnell in den alten To» zurück- gefunben; schwerer findet es Anna; und die Sorge ob der Kunde, die ihr vom Bruder werden möge, macht sie noch befangener.
Sie kann ihre Unruhe nicht lange zügeln. „Der gestrige Tag mit seiner Ungewißheit ist mir so lang geworden" , sagt sie, „daß ich meinte, ich müsse nur gleich Ihnen nacheilen, die volle Wahrheit über Kurt zu erfahren."
„Und Sie glauben, daß ich bei schlechter Kunde die Andeutung gewagt hätte? Kennen Sie mich denn so wenig mehr? — Nein, erschrecken Sie nicht. Es ist mir einfach vom Newyoiker Konsulate in Kurts Auftrage eine Geldsendung übermittelt worden; das ist alles!"
„Alles? — und — ?
„Und ich bin in Verlegenheit, wie sie zu verwenden."
„Zu dem Zwecke, zu dem sie bestimmt war. Sie können nicht in Unwissenheit darüber fein 1"
„Sie sehen mich so forschend an? — Die Schuld war erledigt, — und vergessen; vergessen auch wir sie! — E« ist wirklich ein seltsames Gespräch beim ersten ungestörten Beisammensein nach so langer Trennung."
„Und der Gläubiger waren Sie?" „Ich? Nein!"
„Wer denn?"
„Wie Sie drängen! —Nun denn: mein Vater war eS. Er aber wollte nicht mehr daran erinnert sein: „Abgemacht und vergcffen!" sagte er. Sie kennen seine Weise."
„Und Sie -?"
(Fortsetzung folgt.)
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Anreigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Ännoncen-Bureaux v Th- Dietrich u. Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aM-; Saasenstein u. Vogler tn Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig. Köln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- furt a. Dl. rc-
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Marburg, den 18. März 1882.
Die SxpeS. d. Oberh. Zeituug.
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