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ZNarKurg, Freitag, 24. März 1882
der Lady principal, der Vorsteherin angelegt; die jetzige, eine Miß Aingrr hat durch ein langes Leben in Indien sich neben einem gewissen Phlegma ein- gewisse Zugänglichkeit bewahrt. Sie trägt mit schwerfälligen Schriftzügen die Namen und Wünsche ihrer Pflegebefohlenen in die Bücher ein und daneben die alö vakant gemeldeten Stellen. So ist denn ein tägliche« Forschen in den Folianten, — mir gewährten sie anfangs Genuß, indem ich nicht«, alö große Fremdenbücher in ihnen sah; jetzt fchrue ich sie schon ander« an und durch orsche mit den Anderen die riesigen Spalten der .Time«", de« „Telegraph", der „Daily New«", in denen jeder neue Tag neue Vakanzen in Menge der- zeichnet. Dann werden die Bewerbungsschreiben aufgesetzt; ein Formular, da« irgend eine mitleidige Seele, die schon größere thoutine besitzt, für un« entworfen, dient mit geringen Variationen sür un« alle. Gefällig übernimmt sie wohl auch die Korrektur, setzt un« die nötigen Annoncen auf, — die Tagesblätter sind, im Gegensatz zu Frankreich, hier zur Vermittlung wohl geeignet, — giebt Anweisungen, wa« bei den Besuchen bei den Agentinnen zu beobachten sei, und wenn irgend ein hoffnungsvoller Neuling zur Interview bet irgend einer stolzen Lady befohlen ist, inspiziert sie gewiffenhaft die Toilette, obschon sie im Vorau« weiß, daß die Vorstellung kaum Erfolg haben dürfte.
„Zu zehn bi« zwölf solcher unerquicklicher Interviews habe ich mich eingefunden, — ohne persönlich vorgelassen zu werden, in lang wallender Schleppe, mein Gesicht hinter dem vorschriftsmäßigen kurzen Schleier versteckt, die Hände in den zierlichsten Handschuhen geborgen, kam ich mir vor wie eine orientalische Frau, die auch nur verschleiert vor Fremden erscheinen darf, oder wie eine Klosternovizc, ehe sich die Klostermauern hinter ihr geschloffen. Nein, meine
wo Jeder seinem fest allein nur ziel- und wohin unsere Schritte Unterkommen finden? Leben fühlte ich mich mut war mir untreu
allein; selbst mein fröhlicher Ueber geworden. Ich hatte einen Wunfc nur der verließ mich nicht I —
Rr 71.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. März. Gestern Nachmittag 2'/» Uhr batte eine Deputation des hiestgeu konservativen Zentral- ComiteS, bestehend auS den Herren Graf Behr, Rudolf Hertzog, Hoiprediger Stöcker und Prof. Ad. Wagner, die
Zu dem mit dem 1. April beginnenden Quartalwechsel ersuchen wir um recht baldgefällige Erneuerung de« Post-Abonnements auf die
Oberhessische Zeitung
und deren Gratisbeilage
Illustriertes Sonntagsblatt.
Auch im neuen Qua tale wird die Oberheffifche Zeitung ihrem Leserkreise einen reichhaltigen Inhalt bieten und alle vorkommcnden Ereignisse sofort mitgeteilt, wozu sie ihre Verbindung mit tem rLolfs'scheu Telegraphischen Korrespondenz-Bureau in den Stand setzt. Alle politischen Tageöfragen werden durch Leitartikel wie in zuverlässigen Korrespondenzen besprochen. Die Verhandlungen des Reichs- und Landtag« werden übersichtlich sofort Mitteilen. Alle hessischen Angelegenheiten finden besondere Beachtung; über die Strafverhandlungen de« Königl. Landgerichts wie de« Schwurgericht« dahier werden Originalberichte veröffentlicht. Frucht- und Börsen- berichte stet« zuverlässig und regelmäßig.
Da« Feuilleton bringt nur gut gewählte Erzählungen u bergt, ebenso die Gratisbeilage „Illustriertes Sonntag«- blait", die, in einem Jahrga . g gesammelt, einen Unter« haltungsband von bleibendem Wert bildet.
Die „Oberhessische Zeitung" zählt zu den verbreitetsten Zeitungen in Hessen und wird daher auch von vielen Behörden zu ihren Bekanntmachungen im Anzeigenteil benutzt; dadurch wird der Leser mit manchem für ihn Vorteilhaften bekannt. — Derjenige aber auch, welcher die „Oberhessische Zeitung" zu Anzeigen x. benutzt, kann sicher sein, daß dieselben bei der großen Verbreitung de« Blatte« stets von Erfolg begleitet sind. — Anzeige« werden für die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum mit nur 10 Pfg. berechnet.
Bestellungen auf die „Oberhefsischc Zeitung nehmen alle Postanstalten, auf dem Lande auch die Landpostboten "'^Der' vierteljährliche AbonnementSprei« bet der Post beträgt M. 2,50, für Bringerlohn werden noch 40 Pfg. berechnet; in Orten, wo Poststellen oder Postagenturen sind, kann die „Oberhesstsche Zeitung" auf denselben abgeholt werden und kostet dann kein Bestellgeld.
Marburg, den 18. März 1882.
tie Ex-ed. d. Oberh. Zeit««g.
funden I"
„Bei einem deutschen Buchhändler in der Brookstree trat ich ein; Franz Thimm war mir als freundliche Ratgeber der deutschen Lehrerinnen genannt. Mir war er mehr." ,
„Ein Amerikaner, Deutscher von Geburt, wünschte ein deutsche Lehrerin für seine Töchter. Er hatte sich zu diese, Zwecke nach Deutschland gewandt; die Veibindung i prompt genug und doch nicht so schnell, daß cs mir nick hätte gelingen sollen, den zahllosen Aspirantinnen von do; zuvorzukommen." (Fortsetzung folgt ,
hohe Ehre, von Sr. Majestät dem Kaiser behuf« lieber« reichung einer künstlerisch ausgestatteten Glückwunsch-Adresse empfangen zu werden. Die Adresse, vom Abz. Cremer verfaßt, liegt — dem „Deutschen Tageblatt" zufolge, dessen Mitteilungen über die Audienz deS konservativen Zentrak- ComitöS wir auch im weiteren folgen — in einem mit azurblauem Sammet überzogenen Einbande. Die Vorderseite zeigt ein W., überragt von der Kaiserkrone. Reich ornamentierte Beschläge, deren Mittelpunkt da« hohen- zollernsche Wappenschild bildet, zieren die Ecken. Die Rückseite trägt ein ovales, von stylisiertem Laubwerk umgebene« Schild, auf welchem 21. 3. C. C. C. 1882 eingraviert ist. Die Ecken sind durch runde Knöpfe markiert. Sämtliche Verzierungen sind als frei gearbeitete Flachornamente aus Mctallplatten hergestellt, mit Gravierungen geschmückt und stark vergoldet. Da« vordere Blatt der Adresse enthält in einer zwischen zwei Stäben sich entwickelnden Dekoration zuober: die Kaiserkrone. Darunter erblickt man die von der Königskrone bedeckten Allianzwappcn von Preußen und Sachsen Weimar, in Lorbeer- nnd Eichenzweige eingefaßt. Ein Kornblumenstrauß wird von einem Bande zufammen- gehalten, auf deffen herabhängenden Enden die Daten: 17. November 1881 — 4. Januar 1882 — stehen. Szepter und Schwert kreuzen sich unter diesen Spruchbändern, und darunter erscheint da« badische W ppen. Zwei Palmzweige bilden den Abschluß. Der Text ist in schwarzer gothischer Schrift mit roten, respektive goldenen Majuskeln gegeben, während die Initiale der Anrede, durch stylvolle Umrahmung hervorgehoben wird. Schrift und Malerei, deren exakte und geschmackvolle Ausführung mit besonderem Lobe erwähnt zu werden verdient, rühren von der Hand eines Studierenden am hiesigen Gewerbemuseum, Herrn A. Schoppuuy.-r, Seidelstraße 21, her. Den Einband hat Buchbindermeister F. Stampa, Niederwallstraße 11, angefertigt, und die Beschläge lieferte Herr Val. Pofe, Louisen-Ufer 3.
Zur festgesetzten Stunde begab sich die Deputation in zwei Equipagen zum Palais.
Seine Majestät der Kaiser trat, leicht auf einen Stock gestützt, in das Audienzzimmer; Hofprediger Stöcker richtete an den Monarchen folgende Worte:
„Ew. kaiserlichen Majestät nahen wir in tiefster Ehrfurcht, um im Namen einer großen Schar treuer Unter« thanen der Reichshauptstadt die innigsten Segenswünsche darzubringen Wenn wir ans da« nun bald abgeschlossene Lebensjahr Ew. Majestät zurückblicken, so können wir nicht ander«, al« Gott von Herzen danken, daß er Ew. Majestät für neue große Aufgaben neue Kraft geschenkt hat. Die gnädigen Führungen des Allmächtigen sind unS^ Bürgschaften und Verheißungen seine« SegenS auch für daö morgen neu beginnende Jahr. Wir schauen zu dem Herrn, dem König aller Könige, mit Zuversicht empor und bitten
Freiheit wollte ich nicht verkaufen I Und doch — wat wollte ich anders, als meine freie Zeit, meine beste Kraf zum höchsten Preise verhandeln? In dem elegantesten Ge fährt, oaS ich erschwingen konnte, kam ich — ladylik« genug — vor die palastartigen Häuser gerollt; bescheider zu Fuß — um eine neue Enttäuschung reicher, — wandert ich heim; denn müde, wie ich war, durfte eS sich dennock nicht ge-iemcn, einem der zahllosen Fiaker mich anzuver trauen — alles, alles, nur nicht unladylike erscheinen Und doch — unheimlich einsam, wie in einer Wüste, fühlt ich mich ost im Getriebe der Straßen. Allein unter be: unabsehbaren Menschenmenge, von der Niemand uns kennt in Niemandem ein menschliches Interesse sür uns sich regt bestimmten Ziele zustrcbt und wi planlos umherirren, nicht wissend zu lenken, wo endlich ein bleibende! — Mißchen, zum eisten Male in
ihn, daß er, der Ew. Majestät seit Jahrzehnten wundergeleitet, geschirmt und gesegnet hat, auch in Zukunft Ew. Majestät Herz und Haus, Thron und Regiment mit seiner Gnade umgebe. Wir aber geloben, Ew. Majestät mit der freudigsten Hingebung im neuen Jahre, wie im alten, zu dienen und alle Kräfte daranzusetzen, damit die hohen Ziele, welche Ew. Majestät Regierung unserem Volke gestellt hat, in segensreicher Arbeit erreicht werden. Ew. Majestät wollen geruhen, daß ich die Adresse verlesen darf, welche durch die Huld Ew. Majestät zu überreichen uns gestattet ist."
Hierauf verlas Hofprediger Stöcker die Adresse, welche folgenden Wortlaut hat:
Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König! Allergnädigstcr Kaiser, König und Herr!
Dem Throne Ew. Majestät naht sich das unterthänigft unterzeichnete Konservative Zentralkomitee von Berlin, um Ew. Majestät zu Allerhöchstderen Ehren- und Freudentage die innigsten Glück- und Segenswünsche darzubringen.
Ein neues Jahr in dem thatenvollen, mit Erfolgen und Siegen reichbeglücklen Leben Ew. Majestät beginnt; ein anderes gehört wiederum der Geschichte an. Auf dieses in vielfacher Weise gesegnete Jahr blicken wir mit besonderem Dank gegen Gott den Herrn zurück, denn seine Güte und Gnade erhörte die heißen Gebete welche vor dem Schmerzenslager Ihrer Majestät der Kaiserin aus den Herzen der in bangen Sorgen und tiefem Kummer stehenden Landeskinder zum Himmel ewporstiegen. Ew. Majestät Hohe Gemahlin kann sich wieder ihren erhabenen Pflichten widmen, in deren Erfüllung Allerhöchste stets die bewunderungswürdigste Hingebung und den unermüdlichsten Eifer bethäiigte; Deutflland blieb die unvergleichliche Kaiserin erhalten, welche als vollendetes Vorbild jeglicher Tugend und edelster Weiblichkeit allen deutschen Frauen voranleuchtet.
Auch waltete Gottes allmächtiger Schutz über dem teuer» Leben Sr. königl. Hoheit des Großherzogs von Baden, Höchstwelchcr nach langem und schwerem Leioen seiner Erlauchten Familie, seinem treuen Volke und dem deutschen Vaterlande wiedergeschenkt wurde.
Außerdem aber gedenkt jeder brave Preuße, gedenkt jeder echte deutsche Mann deS verflossenen Jahres mrj Freude und Genuglhuung, weil cs die kaiserliche Botschaft, vom 17. November 1881 und den Allerhöchsten Erlas vom 4. Januar 1882 aufzuweifen hat, Urkunden von weittragendster historischer Bedeutung, Denksteine in der Geschichte unseres Landes, unvertilgbare Zeugnisse dafür, das inmitten alles Wankens und Schwankens der Gegenwar zwischen Anarchie und Despotie daö glorreiche HauS de; Hohcnzollern unerschütterlich sesthält an seinem großer Berufe, der Welt zu zeigen, wie Fürsten von Gottci Gnaden herrschen über rin freie« Volk.
nur noch: ein Heim!
„Ein .Heim, Mißchen, endlich habe ich ein folchcs ge
Unter falschem Name«.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
Die« scheinen mir die Bedauernswertesten von allen, und "meist sind sie Stammgäste der Homes und machen bie Nenherübergekommenen noch kopsscheuer. Die Neulinge find ihnen lästig, vermehren sie doch die Menge der Stellenjägerinnen nur, und alt geworden, finden, trotz ihrer Erfahrungen und Empfehlungen, auch sie e« schwer, für sich wieder eine paffende Stelle zu finden, — eine Gouvernante darf nach englischem Begriff vor allem nicht zu alt sein. — So denke ich denn oft, wenn ich ihren Berichten vom englischen Lehrerinnenlebcn lausche, ich fei wieder ein Kind, und die Wärterin wolle mit Spuckge- schichter. mich schrecken.
Solch ein Home! Ich wollte Mißchen, Sie könnten einen unparteischen Einblick Hineinthun I
„Ein gemeinsames Wohnzimmer vereinigt un- alle. In einem düsteren Eßzimmer, in dem zur Mittag-zett oft schon da« Gaslickt brennt, nehmen wie unsere kompakten gemeinsamen Mahlzeiten, halten unsere vorgeschriebenen Andachten und wünschen Eine die Andere in« Pfefferland, -wäre hier dann doch eine Afpirantin weniger. Gemein, same ungemütliche Schlafzimmer vereinen un« stlbst für die N-cht; eine schmale Schublade in der hohen Kommode, ein einziger Riegel im Schranke ist unser ganze« Anrecht ; unser Gepäck wandert in da« Souterrain hinab; warm zu werden im Home ist selten Jemande- Wunsch und Wille, und so hat Jeee denn auch im federlosen Bette die vollste Freiheit, nach Herzenslust zu frieren und sich nach der Heimat zurückzusehnen. —
„Dickleibige Folianten sind im Vorzimmer zur Wohnung
täati* aufier an den Werktagen na» S°nn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen Beilage „JllnstrirteS Sonntagsblatt" durch die *°n ° $ f$e
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux o. Th. Dietrich u. Co. in Hassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Köln Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. döt. rc-
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Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in
Bremen.