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Marburg, Mittwoch, 22. März 1882.

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Frühlingswehen im Waldesheiligtum,

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regt sich allerorten im Reich vom Fels zum Meer, Als ging vom Auferstehen die Botschaft froh einher, Als klängen hell die Glocken, daß Ostern sei im Land, Das jetzt des Winters Herrschaft aufs neue überwand.

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Dem Kaiser der Germanen, dem Hohenzollern - Aar, Der alten bösen Zauber gelöst auf immerdar, Der Barbarossas Tage, vom Sageiiglanz umloht, Zu neuem Leben weckte Ihm Treue bis zum Tod!

O schirme, Herr der Welten, das greise Kaiserhaupt, Die hehre Heldenstirne, von Lorbeer grün umlaubt O segne Volk und Fürsten, gicb Frieden jedem Stand: Mit Gott für unfern Kaiser, mit Gott sür's Vaterland!

Herbei, ihr deutschen Mannen, herbei zum mächt'gen Chor, Viel tausendstimmig brauseDem Kaiser Heil!" empor; Und wo in Treu' auf Erden ein deutsches Herz noch glüht, Laßt singen ihm und sagen vom Kaiser heut' das Lied.

Für uns mit ernsten Worten ein Evangelium;

Das mahnet: Haltet Frieden, laßt Zwietracht nah und fern, Kommt eines Sinns zu grüßen den kaiserlichen Herrn!

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Pureaux e. Th. Dietrich u. Co. in gassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstcin u. Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig. Köln Rudolf lyiofie in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Hefti en Zusammenstoß zwischen den Abg. Lieber und Graf Limburg-Stirum wurde der Antrag des Abg. Lieber, für das Gymnasium in Montabaur den Zuschuß auf 3000 M. zu erhöhen, abgelehnt. Der Antrag, eine gleiche Summe in den nächstjährigen Etat miteinzustellen, wurde der Budgetkommission überwiesen. Der Titel wurde im übrigen unverändert genehmigt.

Zum Titel:Zur Erfüllung des Normalctats bei den Gymnasien und Realschulen" wird der Antrag des Abg. Schmivt:Bei Bewilligung von Zuschüssen an städtische und stiftische höhere Lehranstalten ist von dem Nachweise, daß die lokalen Verhältnisse die Gewährung eines Woh­nungsgeldzuschusses an die Lehrer der Anstalten erforderlich machen, abzusehen. Die Frage, ob die Kommunen in der Lage sind, die zur Gewährung eines Wohnungsgeldzuschusses erforderlichen Mittel durch Erhöhung der Schulgelder oder auf andere Weise ganz aufzubringen, bleibt unberührt", entsprechend dem Anträge der Budgetkommission angenommen, die weiteren Anträge des Abg. Schmidt werden abgelehnt. Zum Titel:Zu Ruhegehaltszuschüssen für emeritierte Elementarlehrcr" wird nach dem Anträge der Budgetkom­mission der Antrag des Abg. Kropatscheck, dem nächsten Landtage ein Pensionsgcsetz für die Elementarlehrer vorzu­legen, angenommen. Der Antrag des Abg. Bender, be­treffend die Höhe des Pensionsanspruchs und daß den eme­ritierten Volksschullehrcrn schon in diesem Jahre mindestens 600 M. Pension zu gewähren sei, wird abgelehnt. Der Antrag des Abg. Platen, wonach die erforderlichen Mittel in den Etat von 1882/83 einzustellen sind, angenommen. Der Kultusminister hatte sich mit dem Anträge der Budget­kommission einverstanden erklärt.

Von dem Kapitel 123technisches Unterrichtswesen" werden Titel 1 bis 14 ohne Debatte genehmigt. Titel 15 (Zuschüsse zur Unterhaltung der Gewerbeschulen) zieht wieder zu einer längeren Diskussion über die lateinlosen Schulen Veranlassung. Der Titel wird genehmigt, ebenso der Rest des Kapitels in wenig erheblicher Debatte. Fort­setzung heute Abend 8 Uhr.

vom Landtag.

Berlin, 20. März.

Da» Abgeordnetenhaus setzte in seiner heu- ttgen (38.) Plenarsitzung die Beratung des Kultusetats bei dem TitelZuschüsse" für die vom Staate zu unterhal­tenden Anstalten und Fonds fort. Auf eine Beschwerde des Abg. Tokarskis entgegnet der Kultusminister, daß das Gymnasium zu Neustadt in Westpreußen nach seiner Stiftung allerdings einen katholischen Charakter habe; der Regierung wurde aber ausdrücklich die Befugnis cingeräumt, evangelischen Religionsunterricht durch einen evangelischen Lehrer ertellen zu lasten, sowie im Falle deS Steigens der Zahl der evangelischen Schüler auch weiter evangelische Lehrer anzustellen. Von dieser Befugnis habe die Ver­waltung nur ganz geringen Gebrauch gemacht. Nach einem

Zum 22. März 1882.

Kaisers Geburtstag! ein Tag geschichtlicher Bedeutung, ein Tag der Ehre für das Hohenzollernhaus, der Erinnerung für den Heldengreis er ist ein Feiertag für die deutsche Nation geworden! Sie preist da« seltene Glück, daß in einer Periode weltgeschichtlicher Ereignisse ein Greis mit jugendlicher Kraft, mit bewundernswerter Frische des Geistes und wahrhafter Güte des Herzens die Zügel der Regierung führt, ein Held, desten starker Arm geleitet wird zu rechter Stunde durch reiche Erfahrung, sorgende Umsicht und väterliches Wohlwollen. In ihm repräsentiert sich nicht allein die königliche Macht und Würde, nicht nur die leitende Kraft eines starken Volkes, sondern auch jene Führung, welche man vor Jahrtausenden schon willig den Patriarchen, den Aeltesten und Weisesten der Stämme zuerkannte, jene willige H eerfvlge, die man dem ersten Helden leistete, der nicht nur die Feinde bezwang, sondern, weil selbst reich an Gemüt, auch die Herzen im Fluge zu erobern verstand. Mit rührender Bescheidenheit giebt Kaiser Wilhelm Gott allein die Ehre, und so wird es zur Pflicht der Dankbarkeit, an dem Geburtstage des ReichSoberhauptcs daran zu erinnern, wie groß, wie historisch bedeutsam seine Verdienste um da« Wohl deS eigenen Vaterlandes sind.

Mit Recht muß der Kaiser sich für ein erwähltes Rüst­zeug deS Allmächtigen halten, desten Schutz er allzeit er­fahren, seis in der Jugend, wo körperliche Schwäche ihn nicht ahnen ließ, daß er einst zum Kriegshelden bestimmt sei, seis im Familienleben, das Gott so sichtlich gesegnet, seiS in dem Wandel der Zeit, der aus einem verkannten und nicht verstandenen Prinzen der Hohenzollern den all- verehrten Kaiser für ein großes Volk geschaffen, seiS im Kugelregen auf dem Felde der Ehre oder endlich in den Gefahren, die bübische Hände ihm bereitet haben. Und scheint es doch fast, als ob der wohlverdiente heitere Lebens­abend deS Kaisers nicht ungetrübt bleiben sollte, denn eS gährt in den feindlichen Nachbarländern; blinde Ueberhebung, häßlicher Neid auf die deutsche Großmachtstellung, Revanche- lust und Gefahren im Innern der Grenzvölker in Ost und West treiben deren fanatische Elemente in kriegerische Aben- ttutr hinein, deren Folgen unermeßbar sind. Aber der Gott, der Eisen wachsen li ß, wird dafür sorgen, daß auch der letzte Ansturm auf Deutschlands Machtstellung sich brechen wird an einem einigen Volke, da» fest und treu, wie bei der Wacht am Rhein, zu seinem greisen erhabmen Führer steht.

Mögen die Wolken dräuen, die neue ParoleMit Gott für Kaiser und Reich* wird sich bewähren, wenn da« Gewitter losbricht, Inzwischen arbeitet da« Volk in Waffen friedlich an der wirtschaftlichen Gestaltung der ReichSver- hältniste. Auch hier hat Kaiser Wilhelm die Führung übernommen; er will nicht rasten und feiern, sondern seinen LebenSabmd verschönm durch mächtige Reformen, die in

ienthof- Stuben, »sicht in zu der-

Kiste«, hten gt. (951 903.

DeS Alters Schnee am Haupte, im Herzen Jünglingsmut, Zog er zum heit'gen Streite, mit ihm manch Recke gut. Da ging'S von Sieg zu SiegeDem Herrn allein die Ehr'!" Da ist erstanden wieder das Reich vom Fels zum Meer!

erster Linie dem armen Arbeiter, im Allgemeinen dem Wohle der Nation zu Gute kommen sollen. Am heutigen Tage wollen wir nicht kriteln und nicht mäkeln; wir loben und achten den Grundgedanken der kaiserlichen Fürsorge, welche eigentlich auf eine bessere Gestaltung der Armen­pflege, auf eine würdigere Stellung der arbeitenden Klaffe hinausläuft, und wir vertrauen den drei gesetzgebenden Faktoren, dem Kaiser, dem Bundesrate und dem Reichs­tage, daß das Endresultat der Kämpfe ein schönes und nützliches sei und ein Kompromiß das Werk krönen werde, der die gesammte Nation befriedigt, vor Allem aber den Kaiser sein Ziel, etwas für die unteren Klaffen zu thun, erreichen läßt.

Bon 1797 bis 1882 welch reicher Rückblick thut sich für Deutschland auf in jener Zeit, die nötig war, ein Volk heranzureifen zur Einheit und Einigkeit, welch ein Kranz von Lorbeer umwindet diese große Zahl mächtiger und entscheidender Siege. Und die Fülle dieser patriotischen Erinnerungen ist wohl geeignet, uns zu stählen und die Aussicht auf die Zukunft zu einer freudigen zu machen; des Kaisers Wilhelm Lebenslauf, des Reiches ehrende Ge­schichte legt daS Fundament zu dem Vertrauen, daß auch der Ausblick der Nation auf fernere Zeiten ein guter, segensreicher genannt werden kann. In diesem Zeichen werden wir siegen, denn unser Volk ist bewußt seiner Einigkeit und Kraft, und Dank dem Kaiser I frei von Leichtsinn und Ueberhebung. Am Wiegenfeste unseres verehrten Kaisers erinnert sich da« Volk all jener glor­reichen Tage, deren geschichtliche Bedeutung daS Erbgut der Nation geworden ist, und dieses Erbe danken wir Wilhelm I., dem ersten Kaiser de« neu geeinten Reiches. Innige Segenswünsche steigen empor zu Gott, auf daß er ihn schütze und noch lange seinem Volke erhalte, in freudigem Jubel aber tönen heute vom FelS zum Meer unzählige Rufe in festlicher Stimmung:Heil dem Reiche allerwegen, hoch Kaiser Wilhelm immerdar!"

Deutsches Reich.

Berliu, 20. März. Der Kaiser unternahm heute Nachmittag eine Spazierfahrt. Zur Geburtstagsfeier de« Kaisers wird auch die Großherzogin von Baden morgen hier Eintreffen. Am Geburtstage des KaiseS findet Familien­tafel beim Kronprinzen statt. Abends ist Soiree im wei­ßen Saale des Königlichen Schlosses. Anläßlich des heu­tigen Geburtstages des Prinzen Friedrich Karl hatten die prinzlichen und öffentlichen Gebäude, sowie die Kasernen beflaggt; um 5 Uhr findet beim Prinzen Friedrich Karl Familiendiner statt. Fürst Bismarck wird in aller­nächster Zeit, jedenfalls vor Ablauf des Monats, nach Friedrichsruh gehen und also auch dort seinen Geburtstag feiern. Der ländliche Aufenthalt des Reichskanzler» wird

Ws 22. März

1882.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS TonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/» wert, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl- Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Ge. in Frankfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermanschc Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: G. Schlotte in Bremen.

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