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Marburg, Freitag, 17. März 1882
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(Fortsetzung folgt-.
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Ännoncen-Bureaux v. Th- Dietrich u. Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrick in Frankfurt a.M-; öaafenftein u. Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig' Köln:c.: Rudolf Moste hi Berlin," Frankfurt a. M. 2C.
Abg. Srelig dankte dem Herrn Minister für diese Aeußcrungen, welche ein lebhaftes Interesse für und eine genaue Einsicht in die Universitätsverhältnifse bekunden.
Abg. Dr. Löwe (Bochum) betonte, daß die Klagen der Abg. Reichensperger und Windthorst nichts Neues vorgebracht; in neuester Zeit wären vielmehr die gerügten Zustände eher besser geworden, als in früheren Jahren. Es fei übrigens nicht zu übersehen, daß die Universitäten vor allem Förderer der Wissenschaft seien, wenn auch mit Recht der Herr Minister darauf bedacht sei, die Lernmethode besonders zu fördern. Da die Professoren nicht zu pensionieren seien, so empfehle sich, dieselben im hohen Alter von der Leitung von Instituten zu entfernen, wozu die Negierung wohl in der Lage sei.
Abg. Dr. Sterling hält die Pensionierung der Professoren für wünschenswert. — Allerdings studierten die juristischen Studenten weniger, als andere. Der Grund dafür möge wohl darin liegen, daß, wie schon der Herr Minister erklärt, die jungen Juristen in den ersten Semestern gar nicht wisien, waS sie eigentlich studieren wollen. Abhilfe sei wohl nur durch eine Aenderung der Prüfungsordnung zu schaffen, da die meisten juristischen Studenten nur für das Examen lernten. Das jetzige erste juristische Examen verlange auf der einen Seite zu viel, auf der andern zu wenig. Der Schwerpunkt müsse in die Klausurarbeit verlegt werden.
Abg. Dr. Virchow wandte sich gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Windthorst über die berliner medizinische Fakultät, in denen derselbe ein Einschreiten deS Ministers gegen den „Professorenring' verlangt hatte. Dabei gab der Redner eine Darlegung über die Verhältnisse der „Helma" (Verein zur Erinnerung an den berühmten Arzt Heim). Gegen die Berufungen, die in neuerer Zeit in die medizinische Fakultät stattgefunden hätten, würde doch Niemand etwas einwenden können; dazu hätten alle diese Berufenen bis auf einen ihre Bildung auf der hiesigen Universität genossen. Bei der großen Zahl von extraordinären Profestoren und Privatdozenten wäre eS eben nicht möglich, allen Andrängenden eine ordentliche Professur zu schaffen. Dem Wunsche deS Abg. Löwe werde schon jetzt genügt, da den qu. alten Professoren eine jüngere Kraft beigegeben werde. Zugegeben sei allerdings, daß in den bestehenden Verhältnissen noch manches unbequem liege; das Extraordinariat möchte er nicht als Titel, sondern nur als Amt verliehen sehen, wie eS in der mebi« zinischen und philosophischen Fakultät vielfach der Fall sei. ES sollten nur so viel Gpiraordinariate geschaffen werden, als solche mit Gehalt dotiert werden könnten. — Was die Studenten betreffe, fo halte er dafür, daß tie einjährige Militärzeit bei den gegenwärtigen An orderungen an die militärische Ausbildung der Einjährigen nicht mehr in die Studienzeit eingerechnet werden könnte. Anderer
seits sei in dem Einflüsse der Reserve-Offizieraspirationen zum wesentlichen die Zunahme der Studentenduelle zu erkennen. Er wenigstens könne die letzteren nicht, wie der Herr Kultusminister, als eine lediglich körperliche Uebung beurteilen. In dieser Beziehung wären gutorganisterte Turnübungen besser am Platze. Bei der großen Zunahme deS Materials sei eS unmöglich, daß auf der Universität Alles im Kolleg gelesen werde; eS fei deshalb eine größere Vorbildung der Studenten unerläßlich, daß dieselben die Methode sich aneigneten, selbst zu arbeiten. In ganzen seien die Universitäten allerdings nicht ohne Fehler, die Vorwürfe der Herren Reichensperger und Windthorst verdienten sie aber jedenfalls nicht.
Abg. Windthorst Ist von den Ausführungen deS Herrn Ministers nur zum Teil befriedigt, wenn dieselben auch von den Professoren und Studenten freudig würden ausgenommen und von den Letzten mit einem kräftigen „Salamander" würden beantwortet werden. Auffallend sei die große Empfindlichkeit des Abg. Virchow da, wo eine Institution in frage stehe, der er selbst angehöre; denke derselbe denn niemals daran, wie es die Minister berühren müsse, wenn er diese hier so oft angreife? Daß auf den einzelnen Universitäten und den deutschen Universitäten insgesamt ein „Ring" bestehe, der durchbrochen werden müsse, daran halte er fest. Eine böse Bedeutung im amerikanischen Sinne habe er indes dem Worte keineswegs beigelegt. Er habe nur allgemeine ErfahrungSsätze auf die vorlieaende Frage angewendet.
Abg. Dr. Virchow wies nach, daß deS Vorredners Vergleich der Fakultäten mit den Zünften durchaus unzutreffend sei. Keine preußische Fakultät würde sicher etwas dagegen einzuwenden haben, daß über die Berufenen eine Enquete stattfinde. — Darauf wurde die Generaldebatte über die Universitäten geschlossen und zugleich Titel 1 (Universität Königsberg) genehmigt.
Abg. Schmidt (Stettin) weist beim Tit. 2 (Universität Berlin) auf die baulichen Mißstände hin, welche die zunehmende Frequenz der Berliner Universität im Gefolge habe, und fragt an, ob nicht durch endliche anderweitige Unterbringung der naturwissenschaftlichen Sammlungen sich im Universitätsgebäude Raum schaffen lasse. Regierungskommissar Geh. Rat G ö p p e r t erklärte, daß das Projekt deS Baues eines naturwissenschaftlichen Museums immer in Aussicht bleibe, vielleicht auch bald eine bezügliche Vorlage werde eingebracht werden können. Abg. Dr. Weber beklagt, daß das qu. Projekt, nachdem die Landesvertretung bereits vor 7 Jahren die erste Rate für dieses Museum beantragt, immer noch nicht zur Ausführung gelange. Kultusminister v. Goßler weist darauf hin, daß die Schwierigkeiten in der Sache selbst liegen, und nahm zugleich die von dem Vorredner angegriffene Akademie des Bauwesens mit Entschiedenheit in Schutz. Nach kurzer
Bom Landtag.
Berlin, 15. März.
In der heutigen (35.) Plenarsitzung deS Abgeordnetenhauses entschied dasselbe zunächst die Frage, ob daS Mandat des Abg. Bernards infolge seiner Ernennung zum Ober-LandeSgenchtS-Rat erloschen sei, im Sinne der Geschäftsordnungs-Kommission und erklärte diese». Mandat für erloschen.
Bei Fortsetzung der Beratung deS KultuöetatS sprach der Kultusminister v. Goßler seinen Dank für daS warme Interesse aus, welches sich gestern für die Hebung unseres Universitätswesens ausgesprochen. Die Unterrichts- Verwaltung befinde sich indes in dieser Beziehung in einer schwierigen Lage. Positive Vorschläge wären auch weniger gemacht. WaS die Länge der Ferien betreffe, so möge man auch erwägen, daß die Studenten diese doch wesentlich mit zur Förderung ihrer allgemeinen Bildung benützten und daß das spätere Belegen der Kollegien oft in der vorauS- geheiiden nötigen Auswahl der Lehrer liege. Zwangsvorlesungen und ein Zwischencxamen für unsere jungen Juristen haben doch ihre großen Bedenken, dagegen fei dringend zu wünschen, daß eine innige Beziehung der Lehrer und Studierenden eintrete, um die wissenschaftliche Ausbildung der letzteren ernstlich zu fördern. Die Ausartung des Menfur- wefens fei gewiß nicht zu billigen, aber man solle doch auch nicht vergessen, daß das Mensurwesen als ein alter Rest ritterlicher Kraft anzusehen und die Ausbildung der körperlichen Kraft in der Jugend doch eine gute Mitgabe für da» Leben sei. — Was die vom Abg. Windthorst gerügte Haltung der Profefforen betreffe, so geh^daS Bestreben der Unterrichtsverwaltung fortgesetzt dahin, die Beziehungen zwischen Lehrern und Studenten durch Seminare re. in allen Fakultäten zu heben. Die freien anregenden Vorträge der Professoren seien im stetigen Wachsen begriffen; ganz laste sich übrigens daS Vorlesen nach Heften nicht beseitigen. Die Beförderung der Privatdozenten habe allerdings gewisse Schwierigkeiten, da sie nicht mit den Jahren, wie andere Beamten, von selbst in ein Amt aufrücken, sondern in dasselbe besonders berufen werden müßten. WaS der Abg. Windthorst über den Professorenring gesagt, sei doch wohl einer Kritik bedürftig. Daß die Vorschläge für die Besetzung der Professuren von der Fakultät auSzugrhen hätten, wäre in der Sacke doch gewiß begründet, da die richtige Wahl gerade dem Interesse der Fakultät selbst entspreche. Diese Vorschläge würden aber auch von dem Kurator und demnächst von der Zentralinstanz noch reiflich geprüft und dabei die nötigen Sachverständigen zugezogen. Die Klagen auf diesem Gebiete seien ihm allerdings bekannt, aber es würde doch durchaus verkehrt sein, wenn der Chef der Verwaltung die bestehenden Einrichtungen durchbrechen und sich von einem allgemeinen Mißtrauen leiten lassen wollte. (Lebhafte Zustimmung.) _____
freuen könnten."
Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Die Furckt, aufdringlich zu erscheinen, hält unS leicht zurück," entschuldigte er, „und von den Bekannten mochte Jeder mich für de» Abend versagt glauben. — Trotzdem war der Abend schön, trotz seiner Einsamkeit 1 Ich sah mich wieder als Kind in meiner Mutter Hause im lieben Odense». — S ie Gute hat eS nicht mehr erlebt, daß eS ihrem Sohne so gut geworden. Ich dachte, wie alles fo zum Besten gewesen! — Vom offenen Fenster schaute ich lange zum stillen Nachthimmel hinauf, und ich fühlte mich nicht mehr vergessen und allein. Da droben war auch mir der Chrisibaum angezündet, die Sterne funkelten wie tausend Helle Lichtlein. Der Gedanke zu neuen Märchen zog mir durch den Sinn und ich dachte: die schicke mir der Allvater sicherlich zur Christgabe 1"
Im Nebenzimmer ertönt ein Helles Glöckleln.
„Der Weihnachtsbaum hat sich im Schnee und Eise nur verspätet;" lächelte die Sängerin „er hat eS weit, von unserem Norden zu unS zu gelangen I" Sie stieß die Flügelthüren auf, und ein riesiger Tannenbaum mit feinen zahllosen Lichtern strahlte ihnen entgegen. Am Fuße des Baumes leuchtete hell der Name „Andersen."
„Dank, tausend Dank! stammelte er, leicht bewegt, wie er war, den Damen beide Hände entgegenstreckend, „Knecht Ruprecht und Christkindlein, oder wie soll ich Sie nennen? und wie Ihnen danken?"
„Indem Sie unS die Märchen erzählen!"
„Und Andersen — er hörte ja so gern sich selber erzählen — that es willig, und lange sahen sie beisammen, das neue Jahr zu begrüßen.
Freundlicher Dank lohnt Frau v. Fürstenau, während Fräulein Anna zur Magd hinauSgegangeii ist, sich nach den Vorbereitungen zum Abendeffen umzuschauen.
Fräulein Eckard ist ihr nachgegangen; draußen von der alten Dörthe freundlich begrüßt, hat sie ihren Arm um Annas Schultern gelegt:
„Ihre liebe Mama erzählt gut!" fagt sie; „lassen Sie sich nur oft von ihr erzählen und arbeiten Sie selber eifrig fort; vielleicht ihnen Sie eS einmal Andersen nach."
Anna schaut fragend zu ihr auf:
„Und da» kleine Lebensbild, das Sie uns vorhin vvr- geführt?“
„War nicht ganz absichtslos I Verzeihung, Mißchen, aber Sie kennen meinen alten Hang zum Improvisieren. Wenn die kleine Plauderei nebenbei die Mama mit dem Berufe auSföhnen kann, den ick und Sie erwählt, un« kann eS nur recht fein. Sie aber müssen nun wacker fortarbeiten, Mißchen, und im Geheimen thut eS sich schlecht. — Ich habe freundliches Lob eingeerntet für Ihre ersten Versuche, und recht als Knecht Ruprecht bin ich heute gekommen. Sie glauben gar nicht, wie gut ich mir in der neuen Rolle gefalle!" »
Sie hat die Kaffenscheine in Fräulein Annlng'S Hände gelegt. „Hier ist im Voraus das wohlberechnete Honorar."
„So viel? Mir?" Fräulein Anning hat den Kopf auf Eva» Schulter sinken lassen, denn e» wallt vom Herzen ihr zu warm herauf, und in den Augen quillt das seltsame Naß, von dem in Frmd und Leid das Auge überfließt, wenn auch da» Wort nicht von den Lippen will.
„Mißchen, ober Fräulein Anning, wie Ihr alter Hausgeist Sie nennt, wa» muß ich sehen? Auch Sie in
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Thräneu?" Sie lacht voll neckischen UebermuteS. „Nein, diese sentimentalen Menschenkinder! Fort mit der Sentimentalität, ich hasse sie!" und sie wirbelt die Freundin neckisch umher, faßt Bello, der belustigt an ihr empor springt, bei den Vorderfüßchen, und tanzt mit beiden in der kleinen Küche die lachende Dörthe bald um. „So, Mißchen, nun kommen Sie; Clara macht mir sonst inzwischen Ihrer Frau Mama Zuneigung abspenstig. — Kommen Sie, wir wollen den Baum anzünden. Sie, alter Hausgeist, müssen auch dabei sein; schnell, hinein mit Euch!" Und das nächste Licht ergreifend, springt sie zu Clara Werner, die Frau von Fürsteuau von ihren ZukunftSplänen unterhält: „Sag, ists nicht wirklich wie Weihnachten heut?" neckt sie diese, und mit eilfertiger Hand entzündet sie Flärnrnchen auf Flärnmcheu, und raschelt mit den Ketten und den Fähnchen von Knistergold, treibt Clara Werner zum Flügel und geleitet Frau von Fürstenau zum Baume: „So, nun das alte Kinderlieb vom immergrünen Tannenbaum!" Unb sie stimmt es an unb alle fallen ein; selbst Dörthe brummt eS mit, im ehrwürbigen Baß. Auch das Lied von der heiligen Nacht erklingt unb selbst ber kleine Vogel im Bauer scheint mit seinem Dichten fertig geworben unb stimmt jubelnb mit ein. Nur Bello allein weicht nicht vom Tische, ben er schnuppernd umkreist, und schwingt sich zu allerlei zweibeinigen Kunstleistungen, um nur den leckeren Resten näher zu sein.
„Auch Sie haben eine fröhliche Kindheit gehabt?" fragt Frau von Fürstenau, die schlanken Hände von den Tasten hebend, auf denen sie selber zu den letzten Liedern die Begleitung gespielt. „Ich vermute es, liebes Fräulein, weil Sie sich sonst der alten Kinderbräuche nicht fo heimlich