Markurg, Donnerstag, 16. März 1882
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Vom Landtag.
B erli n, 14. März.
In der heutigen (34.) Plenarsitzung deS Abgeordnetenhauses wurde die Beratung deS Etats deS Kultusministeriums, und zwar bei dem Kapitel: Bistümer, fortgesetzt.
Abg. Frhr. von Schorlemer-Alst wandte sich gegen die gestrigen „kulturkämpferischen" Ausführungen des Abg. v. Eynern, während Abg. Strosser die gestrigen Einwendungen des Abg. Franz gegen seine (des Redners) neulichen Bemerkungen über die Bevorzugung der katholischen Kirche rücksichtlich der staatlichen Dotation als ungerechtfertigt nachwieö. Abg. Franz bat den Vorredner, sein Gerechtigkeitsgefühl durch Annahme deS Antrages auf Aufhebung des Sperrgcsetzes zu dokumentieren. Auf eine direkte Anfrage dieses Redners, ob die für die katholische Kirche bestehende Dotation sich als ausreichend erweise, erklärte der Herr Kultusminister, daß diese Frage seit vielen Jahren nicht ventiliert sei, weil man die Angelegenheit für abgeschlossen erachtet. Abg. Fuchs kam auf den Rheinbohler Vorfall zurück, um die diesbezüglichen Ausführungen des Abg. v. Eynern zu widerlegen und zugleich das Verhalten des Landrats v. Runkel zu kritisieren. Nachdem noch Abg' v. Eynern einer- und Abg. R e i- chcnfperger (Köln) andererseits zu dem Gegenstände gesprochen, wurden die Titel 1 und 2 dieses Kapitels (Bistümer Ermland und Köln) genehmigt.
Bei dem Bistum Gnesen und Posen brachte Abg. Dr. Jazdzcwski eine Reihe von Detailbeschwerden vor. Daß die betreffenden Verhältnisse in dieser Diözese sich infolge des Gesetzes vom 14. Juli 1880 gebessert hätten, könne er nicht zugeben. Schließlich weist er die Vorwürie gegen die Polen wegen ihrer nationalen Bestrebungen als unbegründet zurück; sie seien loyale Unterthanen, denen aber auch völkerrcchtlicb acwisse Rechte garantiert seien.
Kultusminister v. v ß l e r betont tvn Ausführungen deS Vorredners gegenüber, daß die bischöfliche Vermögensverwaltung in der qu. Diözese durch den RegierungSrat Peckuhn vollste Anerkennung verdiene; auf dem Gebiete des Ordenswesens und der kirchlichen Krankenpflege befinden wir uns überall auf dem Wege zu besseren Verhältnissen. Daß die Regierung von der Fakultät deS Juli- gcsetzeö in der Diözese Gnesen-Poscn keinen Gebrauch habe machen können, liege an dem Willen und Wunsche der Regierung nicht. Seine neulichen Ausführungen über die polnische Agitation hält der Minister durchaus aufrecht. Die polnische Geistlichkeit beteiligte sich in hervorragender Weise an der Agitation, und die Regierung müßte pflicht- mäßig ihr Augenmerk hierauf richten.
Abg. W i n d t h o r st meint, daß eS nicht billig sei, die ganze Bevölkerung einer Provinz oder einen großen Teil derselben für einzelne Preßstimmen verantwortlich zu
sei bemüht, jede mögliche Unbilligkeit zu vermeiden und zu beseitigen. An der weiteren Diskussion nehmen die Abgg. P l a t e n und Schmidt teil. Die Kapitel 117 und 118 werden genehmigt.
Bei dem Kapitel für Universitäten klagt Abg. Reichensperger über die Länge der Universitätsfcrien, die geringe Frequenz der Kollegien und das Mensuren-Unwesen. Redner wünscht auch eine Aenderung deS Examenwesens. Abg. Windthorst wünscht eine Enquete darüber, wie die bestehenden Schäden zu beseitigen seien; denn so wie bisher gehe es nicht weiter. Es fehle jetzt an Lehrern, die anregend einwirken. Die Regierung müsse auch mehr thun, um den Eifer der Privatdozenten zu erhöhen. Für die theologischen Fakultäten müßten die kirchlichen Organe ein direktes Vorschlagsrecht haben; für die Studierenden müßte mitten im Studium ein Vorexamen eingerichtet werden; speziell für die Juristen müßte ein vierjähriges Studium eingeführt oder die Ansprüche an die Referendare müßten herabgemindert werden. Fortsetzung der Beratung morgen.
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machen. Daß die Regierung von der Fakultät des Juli- gesrtzes in dieser Diözese keinen Gebrauch gemacht, beweise überhaupt, wohin man mit diskretionären Vollmachten komme. Das Ordenswesen für die Krankenpflege werde auch heute trotz des Wohlwollens des Ministers mit unnötigen polizeilichen Maßregeln umgeben. Die Sperrung der Meßstipendien fei der bündigste Beweis von der Gewissensfreiheit, der sich in Preußen die Katholiken zu erfreuen hätten.
Abg. vr. v. J a z d z e w s k i bleibt dabei, daß es nicht Schuld der qu. Diözesanen sei, wenn die Krankenpflege sich nicht wieder gehoben. Wenn der polnische Klerus sich an der nationalen Agitation bethätige, so thue er nur, was ihm rechtlich zustehe. — Darauf wurde dieser Titel bewilligt.
Beim Titel Bistum Breslau hebt Abg. Franz hervor, daß die staatliche Vermögensverwaltung sehr kostspielig sei. Für die Krankenpflege wünscht er noch mehr Freiheit der Bewegung, wenn er auch anerkennt, daß in den letzten Jahren Vieles zur Abhülfe geschehen sei. Schließlich beschwert er sich darüber, daß eine Nicderlasiung in PeterS- waldau nicht genehmigt sei. Der Kultusminister stellt die thatsächlichen Verhältnisse richtig, welche bei der letztgenannten Beschwerde in betracht kommen.
Eine längere Erörterung knüpfte sich bei dem Kapitel katholische Geistliche und Kirchen Titel 1 Besoldungen und Zuschüsse an den Wunsch deS Abg. Mosler, die am linken Rheinufer üblichen, von den Gemeinden zu zahlenden Pfarrzuschußgelder nicht unter das Sperrgesetz fallen zu lassen.
Im Titel 2 dieses Kapitels befinden sich als Bedürf- niSzuschüfie und einmalige Unterstützungen, insbesondere für einen (altkatholischen) Bischof wie früher 48000 M. eingestellt.
Abg. Frhr. v. H u e n e befürwortet den Antrag, diesen Titel abzulassen, eventuell aber die Position in ein besonderer Kapitel zu stellen, da sie hierher nicht gehöre.
Kultusminister v. G o ß l e r spricht sich entschieden gegen den Prinzipalantrag auS; die staatsrechtlichen Verhältnisse, auf denen der qu. Titel beruhe, hätten in keiner Weise eine Aenderung erfahren. Dagegen könne er anheimgeben, den Eventualantrag anzunehmen.
Abg. Graf zu Limburg-Sttrum erklärt sich gleichfalls bestimmt gegen den Prinzipalantrag, ist aber mit dem Eventualantrag einverstanden. Der letztere wird demnächst auch angenommen.
Bei dem Kapitel für die Provinzialschulkollegien wünscht Abg. Kolberg die anderweite Regelung der Ascensionsverhältnisse der Gymnasiallehrer. Minister v. G o ß l e r erklärt, daß die Regierung bei allen Maßnahmen alle Konfessionen gleiHbehandle. Regierungs-Kommissar B o n i tz erklärt, die Ascension nach Anciennetät an nichtstaatlichen Anstalten lasse sich nur auf gesetzlichem Wege durch Einschränkung der Rechte der Patrone erreichen; die Regierung
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in der Fremde ja meist treu zusammen. Jenny Lind erwartet mich!"
„Jenny Lind?" forscht Fräulein Werner.
„Gewiß! Die schwedische Nachtigall weilte damals in unserer Hauptstadt. — Chamisso ging, und der Fremde trat „Unter den Linden" in eins der hell erleuchteten Hotels.— Die große Sängerin, der so selten Fremde nahen durften, die für Herrenbesuch so wenig zugänglich war, trat ihm bewillkommend entgegen und bot ihm beide Hände zum Gruß: „Willkommen in der Fremde, Sie alter Freund aus der Heimat I" sagte sie mit ihrer klangvollen Stimme. „Legen Sie ab! Sie finden uns allein; mit mir und meiner Gesellschafterin müssen Sie sich heute schon begnügen!"
_ „Herrlich!" meinte der Gast; „wie Sie meine geheimsten Wünsche wieder einmal erraten haben! Der letzte Abend im Jahre gehört am liebsten doch den Freunden."
Anna von Fürstenau hat mit dankbarem Blicke ihre Hände den Freundinnen hingestreckt.
»Jenny Lind war ein liebliches Geschöpf", meint Frau Fürstenau; „aus allem, was ich von ihr erfahren, spricht das selbstlose, reine Kindergemüt".
„Und Andersen blieb mit all seinen Tugenden und Fehlern ein großes Kind sein Lebelang." —
„2Bo haben Sie den Weihnachtsabend verlebt?" forschte die Sängerin, als sich beide zutraulich zu einander gesetzt hatten.
„In meinem Quartier; einsam, still, für mich allein, alter Zeiten gedenkend!"
„Allein, Freund? Sie Vielbegehrter allein? Und weShalb kamen Sie nicht wenigstens, die Freundin aufzusuchen?" (Fortsetzung folgt.,
Deutsches Reich.
** Berlin, 14. März. Der Ausschuß des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen hat beantragt, der Bundesrat wolle in bezug auf die Ausführung des Gesetzes, betreffend die Besteuerung des Tabaks, vom 16 Juli 1879, folgendes beschließen: „1. Von der Erhebung der Tabaksteuer von Tabakpflanzungen in botanischen und anderen zu Unterrichtszwecken angelegten Gärten ist Abstand zu nehmen, wenn die Pflanzung für jedes derartige Grundstück nicht mehr als 30 Quadratmeter Flächeninhalt umfaßt und seitens der vorgesetzten Aufsichtsbehörde bescheinigt wird, daß der zu erzeugende Tabak nicht zum Konsum, sondern lediglich zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet werde. Tie obersten Landesfinanzbehörden sind in den vorbezeichneten Fällen befugt, unter Vorbehalt des Widerrufs von der alljährlichen Anmeldung solcher Pflanzungen absehen zu lassen. 2. Von der Erhebung der Tabaksteuer ist abzusehen, und eö kann die Erfüllung der Vorschriften wegen der Anmeldung der betreffenden Grundstücke unterbleiben, wenn auf einem zusammenhängenden, ungeteilten Grundstück nicht mehr als 50 Tabakpflanzcn lediglich zu Zicrzwecken gepflanzt werden, und diese Bestimmung der Pflanzen aus der Art der Benutzung deS Grundstücks, sowie ans dem Verhältnis der mit Tabak bepflanzten Fläche zur Gesamtfläche des Grundstücks unzweifelhaft hervorgeht." — Die Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr haben, betreffend die Ausstellung halbmonatlicher Uebersichten über die mit dem Anspruch auf Zoll- und Steuervcrgütung abgefertigten Zuckermengen beantragt, der Bundesrat wolle
Unter falschem Name«.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Des Mondes gutes altes Gesicht schaute durch Fenster und Luken herein, als wolle er seinem jungen Freunde Mut einsprechen. Aber der Knabe war zu ergriffen, er bemerkte ihn kaum.
„Unbeweglich stand er da, die großen Augen wehmütig über die leeren Räume fort zu dem Stückchen Himmel emporgerichtet, das durch die oberen Logen der niedrigen Fenster sichtbar ward.
„Da tönten laut zwölf Schläge durch die stillen Räume. Das neue Jahr brach an. Gewaltsam durchzuckte es den Knaben und tief ergriffen beugte er die Kniee. Vergessen war jedes Wort, das er hier hätte sprechen mögen, aber dennoch bewegten sich seine Lippen, erst leise, wie dem inneren Bangen unterliegend; immer kräftiger und inbrünstiger dann beteten seine Lippen: „Vater unser, der Du bist im Himmel!" —
„Ein seltsamer Ort für ein solches Gebet, nicht wahr? Doch weder Ort noch Lippe, von wo eS ertönt, vermögen eS zu entweihen!
„Auch den Jüngling hatte eS so erhoben, daß er, der Stöße der Vorübergehenden nicht achtend, ausgerichteten Hauptes seinem Dachstübchen zuschritt.
„Prosit Neujahr!" riefen sie ihm zu.
„Glück auf zum neuen Jahr!" rief er zurück und drückte die Hand auf die klopfende Brust.
, Frau von Fürstenau hat jetzt freiwillig die Hand bet jungen Schauspielerin ergriffen: „Knabenträume!" sagte sie. „Andersen hat Besseres erreicht. — Aber Sie liebes
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Tb- Dietrich u. Eo. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aM-; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf jD!offe in Berlin, Frankfurt a. dH. re-
Fräulein, verstehen gut zu erzählen. Ihr kleines Stimmungsbild aus des Dichters Jugend erweckt fast die Lust, es durch ein anderes aus seinem reiferen ManneSalter zu ergänzen."
„DaS größte Kompliment, gnädige Frau, das man einem ungeübten Erzähler machen kann."
„So lassen Sie mich versuchen, ob ich eS Ihnen In gleich lebendiger Schilderung nachzuthun vermag.
Jahre sind seid jenem Abende vergangen. Zwei Jahrzehnte fast, und wieder neigt ein Jahr sich seinem Ende.
Aber diesmal sind es die Straßen unseres guten Berlins, in die ich Sie führen muß, und durch die ein Fremder In feinen Pelz gehüllt, sich seinen Weg zu bahnen sucht.
„Wohin so eilig, Sie LieblingSkind der Menschen und Musen?" hält ein Begegnender ihn an. „Ueberall begehrt und willkommen geheißen fürchte ich, Sie verlassen unsere Hauptstadt noch, ohne mir den versprochenen Abend geschenkt zu haben."
„Wie könnte ich unter allen Musensöhnen, die mir so freundlich entgegenkommen, wohl unfern Chamisso vergeffen? Nein, nein, der erste freie Abend gehört Ihrem liebenswürdigen Familienkreise!"
„Brav! Aber nun sagen Sie mir, ist es wahr, daß die Prinzeß von Preußen Sie zu sich besohlen hat?"
„Ich habe bet hohen Frau eins meiner neuesten Märchen vorlesen dürfen."
„Und wo benten Sie Glückskind denn heute das alte Jahr zu beschließen?"
„In einem Stückchen Heimat, oder richtiger gesagt, bei einer halben Landsmännin. Dänen und Schweden halten
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/4 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Insertionsgebahr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; Jägersrbe Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invalidendank in
Berlin; W. ThiencS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
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