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XVII IahrgW

Marburg, Mittwoch, 15. März 1882.

Nr 63

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowied-Annoncen-Bureaux v Tb- Dietrich u. Co- in Gaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler m Frankfurt a- M-, Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Mffe in Berlin, Frank- furt a. Ai. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M ; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hennansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Louutag-blatt' durch die Expedition <K o ch fche Buchdruikerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.)^Jnsertronsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Bom Landtag.

Berlin, 13. März.

Die heutige (33.) Plenarsitzung de» Abgeordneten­hauses wurde in Abwesenheit des Präsidenten v. Killer von dem 1. Vize - Präsidenten Frhrn. v. Heeremann um 11V4 Uhr eröffnet.

Vor dem Eintritte in die Tagesordnung sprach der Abg. Dr. Franz sein Bedauern darüber au», auf gründ eines irrtümlichen Berichtes die Aeußerungen deS Herrn Generals v. Stichle vorgestern einer unberechtigten Kritik unterzogen zu haben.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Be­ratung des Etats des Kultusministeriums. Die Budget- Kommission hat die von b?r Regierung beantragte dritte Direktorenstclle in diesem Ministerium gestrichen, während sie die neue Stelle eines Vortragenden Rates für Konser- vation der Kunstdenkmäler genehmigte. Kultusminister v. G 0 ß l e r begründete die sachliche Notwendigkeit der Errichtung einer dritten Direktorcnstclle und sprach die Er­wartung aus, daß die Landesvertretung einem objektiven Bedürfnisse die Mittel nicht versagen werde. Abg. Rei­ch e n s p e r g e r (Köln) wünscht, daß dem Kultusminister zur Erhaltung der Kunstdenkmäler ein bestimmter Fonds ausgesetzt werde. Minister v. G 0 ß l e r spricht seine Bc- sriedigung darüber aus, daß der Vorredner und der Refe­rent ihre Uebereinstimmung mit der Intention der StaatS- regierung betreffs der Erhaltung der Kunstdenkmäler aus­gesprochen hätten, und bezeichnet die Pläne, welche er auf diesem Gebiete zur Ausführung zu bringen gedenkt. Abg. Dr. Windth 0 rst spricht entgegen dem Anträge der Budgetkommission für die Genehmigung einer weiteren Direktorenstelle für die Unterrichtsverwaltung. Ebenso empfiehlt der Abg. Hahn aus geschäftlichen Gründen die Genehmigung dieser Position, da hier die Sparsamkeit deplaciert wäre. Abg. Rickert spricht für den Antrag der Budgetkommission; cs werde endlich Zeit, mit der Spar­samkeit in der Praxis Ernst zu machen. Kultusminister v. G 0 ß l e r weist die durch die BcvölkerungSzunahme ver­anlaßte Vermehrung der Geschäfte in der Unterricht-Ver­waltung durch statistische Daten nach. Abg. Frhr. von M i n n i g e r 0 d e spricht für die Bewilligung im Hinblick auf das tatsächlich vorhandene Bedürfnis. Abg. W i n d t- h 0 r st will dem Abg. Rickert bei anderen Positionen dieses Etats die Gelegenheit zur Sparsamkeit geben; hier sei wohl die Antipathie gegen die Person, mit welcher die fragliche Stelle mutmaßlich besetzt werden solle, für die ablehnende Haltung der Herren maßgebend. Abg. R i ck e r t bleibt dabei, daß kein Bedürfnis für die neue Stelle vorhanden sei, die persönlichen Gründe deö Vorredners könnten für ihn nicht bestimmend sein. Die Abg. Frhr. v. Minnige» rode und Windthorst traten noch einmal für die

Unter falschem Name«.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

So mag denn auch die Sylvesternacht, die selbst im Erwachsenen Furcht, Hoffnungen und Erinnerungen weckt, einem phantasiereichen Kinde wohl geeignet erscheinen, einen Blick in die Zukunft zu thun, denn die ganze Welt und ein langes Leben liegt geheimnisvoll vor ihm. In der Nähe des Schauspielhauses wanderte ein armer Bursche auf und nieder. Er war sauber, aber dürftig gekleidet, unv das lange hellblonde Haar hing ungepflegt um sein schmales, blasses Gesicht. Er war so tief in seine Gedanken versunken, daß er kaum fühlte, wenn die Vorübergehenden ihn unsanft bei Seite schoben. Vielleicht war er'» gewöhnt, denn Liebe und Teilnahme hatte er nur im Elternhause gefunden, und dieses lag jetzt so fern. Der Vater war tot, die Mutter lebte bitterarm auf der kleinen seeumspielten Halbinsel; vielleicht dachte sie eben jetzt an ihr einzige» Kind, das in ächtem, wenn auch noch unklarem Künstler­drange in die Hauptstadt gewandert war, hier sein Talent zu erproben und fein Geschick zu erkämpfen. Helfen konnte sie ihm nicht; nur für sein Glück beten, nach Mutterweise. Nicht wahr?"

Eva hat in ihrer Lebendigkeit Frau von Fürstenau'» Hand gefaßt. Leise wird sie zurückgezogen.

Es trieb den Knaben auf die Bühne. Die Bretter schienen ihm die Welt, und Alle», wa» die Welt großes unv schönes enthalten möchte, schien ihm dort vereinigt. Ein bedeutender Schauspieler zu werden, erschien ihm da» größte Glück, und dies Ziel zu erreichen, wqr der einzige Gedanke, der einzige Wunsch seines Herzen».

Position ein, während der Abg. Rickert deren Aus­führungen zu widerlegen suchte. Demnächst wurde entgegen dem Anträge der Budgetkommission die Forderung der Re­gierung mit erheblicher Majorität bewilligt.

Zu längerer Debatte führte dann die Position für den kirchlichen Gerichtshof. Abg. W i n d t h 0 r st hätte ge­wünscht, daß die Budgetkommisfion die Position für den­selben gestrichen hätte; er wünscht, daß die Position al- künftig wegfallend bezeichnet werde, und wenigstens eine Beschränkung der Richterstellen eintrete, will aber heute keinen Antrag stellen, sondern lediglich gegen die Position stimmen. Abg- Frhr. v. Zedlitz-Neukirch (Berlin) betont, daß die Existenz des Gerichtshofes auf Gesetze be­ruhe. Ob nicht die Funktionen desselben bester auf einen ordentlichen Gerichtshof zu übertragen seien, wäre eine Frage, die jetzt nicht zur Debatte stehe. Auch Abgeordneter Gr um brecht spricht sich für die Bewilligung aus, da der Gerichtshof auf gesetzlicher Grundlage beruhe. Im übrigen würde auch er nichts dagegen haben, wenn die Funktionen des Gerichtshofes einem ordentlichen Gerichte übertragen würden. Aehnlich äußert sich Abg. Rickert. Nachdem dann noch die Abg. Frhr. v. Sch 0 rlemcr- A l st, W i n d t h 0 r st und L a u e n st e i n zu der Frage gesprochen, wird der qu. Etats-Titel bewilligt.

Die Position (9000 M.) für einen zweiten General­superintendenten in der Provinz Sachsen, welche die Bud­getkommission genehmigt hat, wird vom Abg. Dr. S ch l ä g e r, abgesehen von SparsamkeitSrücksichtcn, au» allgemeinen gegen diese hierarchische Institution gerichteten Gründen bekämpft. NegirrungSkommissar Geh. Rat Dr. Bartsch weist indes nach, daß aus lokalen wie absoluten Gründen die Schaffung einer zweiten vollbesoldeten Geueral-Superin- tendantur-Stelle für Sachsen notwendig sei. Auch Abg. Simon v. Zastrow würde eS für eine Unbilligkeit gegen die Provinz Sachsen halten, wenn diese Position nicht genehmigt würde. Abg. Dr. Langerhan» spricht gegen die Bewilligung der Position. Abg. Dr. Franz hält es nicht für gerechtfertigt, daß der Abg. Schläger die Thätigkeit der General-Superintendenten herabsetze; er er­klärt sich für die Bewilligung; desgleichen Abg. Freiherr v. Minnigerode. Die Position wird demnächst auch bewilligt.

Bet dem Kapitel über die katholischen Bistümer be­merkt Abg. v. E y n e t n, die Katholiken hätten ihrer Zahl nach nicht über eine Benachteiligung seitens des Staates zu klagen. Umsomehr sei e» zu bedauern, daß der Papst 1881 in einer Enzyklika den Protestantismus als die Quelle de» Sozialismus genannt und daß der Bischof von Trier in einem Hirtenbriefe über die Zustände in seiner Diözese geklagt, seinerseits aber nichts zur Abstellung derselben ge- than habe. Dies, sowie der Rheinbrohler Fall zeigten, wie gering die Friedensliebe auf jener Seite fei und daß

Doch Mutter Natur batte für solchen Plan stief­mütterlich genug ihn ausgestattet. Hohe Gedanken und tiefernste Gefühle mochten seine Seele bewegen, doch sie auszusprechen und zu verkörpern war er nicht geschaffen. Seine Figur war zu lang und schmal selbst für einen mannhaften Knaben; von Hellen, wenn auch träumerischen Augen beseelt, war sein schmale», bleiches Gesicht nicht ge­macht, jugendliche Helden oder Liebhaber darzustellen, und sein linkisch scheue» Wesen machte selbst für Dienerrollen ihn wenig geeignet.

In den Momenten ruhiger Selbstprüfung war der Jüngling sich all' dieser Mängel klar bewußt, und oftmals schon hatte er den Plan gefaßt, die lateinische Schule, die er auf Ko'.en wohlwollender Freunde besuchte, zu verlassen und ein Handwerker zu werden, wie es sein Vater gewesen.

Dann aber kamen wieder Momente hoher Begeisterung, wo alle solche Vorsätze vergessen waren und der alte Drang mächtiger denn je erwachte. Hinter den Couliffen ver­steckt, den Schauspielern zuzuschauen, war ihm oft gelungen, aber selbst zum Statisten mochte man ihn nicht verwenden, er war gar zu ungeschickt dabei.

So war die NeujahrSnacht gekommen, die Nacht, wo Jeder eine Frage an da» Schicksal frei zu haben glaubt; sollte auch ihm nicht Klarheit werden können?

Kindlich genug, hatte er in träumerisch müßigen Stunden eine Art Orakelfrage sich zurechtgelegt: Gelang e» ihm, am NeujahrStage die bescheidenste Rolle zu er­langen, durfte er von der Bühne herab ein einziges Wort nur sprechen, dann zeigte daS neue Jahr der Erfüllung feiner Wünsche sich hold; wenn nicht, hieß eS ihnen ent- sagen, und Ave dann mit den Träumen von künftiger Größe, von einstigem Glück.

die Regierung mit Nachgiebigkeit nicht das mindeste zu erreichen vermöge.

Abg. Windthorst entgegnet, solche Aeußerungen zeigten, wie weit man noch vom Frieden entfernt sei. Der jetzige Bischof von Trier sei von einer eminenten Fried­fertigkeit, die Regierung hätte ihn gewiß nicht bestättgt, wenn sie darüber nicht nach jeder Richtung hin klar ge­wesen sei.

Abg. Franz bemerkt, das StaatSministcrinm habe e» in den fünfziger Jahren ausdrücklich zurückgewiesen, die Höhe der Staatsdotationen von der Seelenzahl der Katho­liken abhängig zu machen. Daß die katholische Geistlichkeit besser dotiert sei, als die evangelische, beruhe auf einer Legende.

Abg. MoSler bemerkt, die Aeußerungen des Abg. v. Eynern feien nicht dazu angethan, den Frieden untrx den Konfessionen wieder herzustellen. Wenn geklagt;er. daß Bischof Korum nichts gethan habe, so seien if,,"3?» die Hände gebunden; das Haus fei doch eben dabe Fesseln zu beseitigen. Fortsetzung morgen.

Deutsches Reich.

» Berlin, 13. März. Der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen, betreffend die Fähigkeit zu dem Amte eines Notars war in der vom Bund es rat angenommenen Fassung dem Landesausschusse zur Bcschlußnahme vorge­legt worden und hatte nach Streichung deS WortesNo- tariatSgehilfen" im § 2 die Zustimmung erhalten. Jetzt ist der Entwurf dem Bundesrat wieder zugegangen, der jener Aenderung voraussichtlich nicht widersprechen wird, da die Landesverwaltung von Elsaß-Lpthringen dagegen kein Bedenken hat und die veränderte Fassung nur bestimmt ist, einer irrigen Auslegung des Gesetzes vorzubeuzen. Der Tod des Geh. Oberregierungsrats v. Brauchitsch wird allgemein und mit Recht al» ein großer Verlust für die V rwaltung und speziell für daS Ministerium des Innern empfunden. Der Verstorbene war unstreitig eine der er­fahrensten Autoritäten in Sachen der Verwaltungsreform und als solche allgemein anerkannt. Er hatte bekanntlich auch die Handbücher über die neuen Verw ltungsgesetze zur Orientierung im praktischen Dienst verfaßt, welche in den Händen aller beteiligten Beamten sind. Wie verlautet, war dem verdienstvollen Beamten eine höhere Stellung im Ministerium de» Innern zugedacht. Der Tod hat die Verwirklichung dieser Absicht vereitelt. Der Kultus­minister hat die königlichen Regierungen veranlaßt anzu­zeigen, ob und eventuell in welchem Umfange in ihren Ver« waltungSbcz rken Sparkassen eingeführt sind und zu welchen Erfahrungen die Einrichtungen Anlaß gegeben haben. Rach dem allerhöchsten Erlasse vom 7. Mai 1880 ist die Akademie des Bauwesens berufen, wichtige öffentliche Bau-

O neuer Schreck I Für den NeujahrStag war das TheaterhauS für andere Festzwecke befohlen. Trostlos wan­derte der Knabe in sein Dachkämmerchen zurück, wo er seiner Ideenwelt mehr lebte, als seinen Beschützern und Lehrern lieb war. Der Mond, sein alter Freund, der ihm so oft von Allem, was er gesehen, schöne Bilder malte, glitt heute unbeachtet über die Dächer hin; er sah nur die Fenster des Schauspielhauses im Mondstrahl glitzern und ein neuer Gedanke durchzuckte ihn. Er griff zur Mütze und eilte hinab.

Bald mußte eS Mitternacht sein, des Jahres letzte Mitternacht. Im dunklen Schauspielhause saß schlaftrunken der Portier in seiner Loge, ungeduldig des Augenblicke» harrend, wo der letzte der Maschinisten endlich das Hau» verlassen. Aber das Stück hatte lange gewährt, der Deko­rationen waren viele fortzuschaffen. Bis Mitternacht wollten sie ohnehin wachbleiben, so konnten sie die Arbeit auch gleich beschaffen.

Das Tbor stanv offen; am NeujahrStage gab e» unter allen Umständen keinen Einlaß für ihn, doch die Grenze zwischen dem Heute und Morgen war nahe und es hieß sie nutzen. Er schlüpfte hinein in'S Haus, tastete sich die langen Korridore entlang, eine verglimmende La­terne zeigte ihm den Weg zum hinteren Maschinenraume. Die Arbeiter waren nicht eben in der Nähe und unge­sehen schlich er sich hinauf auf die Bühne.

Wie anders schaute eS hier aus, denn sonst. Wohl war der große Vorhang aufgezogen, aber aus dem Orchester­räume schallten keine fröhlichen Töne, kein unterdrücktes Geflüster, kein Klatschen, kein Beifallsruf aus den Zu­schauerräumen, Alles öde, dunkel und s ill.

(Fortsetzung folgt.)