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Bundesrate noch nicht vorliege. Graf Ortenburg sprach sich gleichfalls für das Monopol aus. Der Finanzminister erklärte, der Gesetzentwurf über daS TabakSmonopol sei noch nicht an den Bundesrat gelangt, er sei daher nicht in der Lage, sich heute definitiv darüber zu äußern. Schließ­lich wurde der Antrag des Abgeordnetenhauses, den König zu bitten, daß er die Vertreter Bayerns im Bundesrat anwcise, gegen die Einführung des Monopols zu stimmen, mit 32 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmten u. A. die Prinzen Luitpold, Ludwig und Ludwig Ferdinand, gegen denselben Prinz Leopold.

Ausland.

Wien, 11. März. Die Truppen besetzten am 9. ds. Dz-pe ohne Kampf. Die Insurgenten, welche versuchten, mit dem Stationekommando in Konjica zu unterhandeln, zogen sich in kleineren Gruppen in die Rakitnicazegend zurück. In einem Patrouillengefecht am 8. März nächst Grrazda bei Smiaki an der Mündung deü Oglecevobaches si d drei Mann gefallen. Ueberrinstimmenden Mel­dungen hiesiger Blätter zufolge wäre die ganze KriSvocie u terworfen, die Insurgenten in wilder Flucht und in der Richtung auf Montenegro zurückgeworfen.

Pest, 11. März. Das Unterhaus nahm daS Budget- Ges-tz mit großer Majorität an.

Zara, 11. März. WieNarodni lifti" meldet, haben die Truppen mit geringen Verlusten Dragalj besetzt.

Belgrad, 11. März. Die Minister und Abgeordneten leisteten heute dem König den Eid der Treue. Der König erließ eine ausgedehnte Amnestie.

Paris, 11. März. Der Senat beriet einen Gesetzent­wurf betreffend den obligatorischen Primärunterricht und verwarf mit 167 gegen 123 Stimmen daS Amendement Jules Simons, wonach die Lehrer den Schülern die Pflichten gegen Gott und das Vaterland lehren sollten. Dasselbe Amendement war vor den letzten Senatorwahlen vom Senate genehmigt, von der Kammer abgelehnt worden.

Petersburg, 11. März. Zur Feier des Geburtstages des Kaisers fand gestern Vormittag in Gatschina die Auf­fahrt sämtlicher Minister, der Generalität und der hohen Würdenträger statt. Die Mitglieder der kaiserlichen Familie waren vollzählig erschienen. Nach der Gratulation fand ein Dejeuner statt, an welchem 500 Personen teilnahmen; abends war Familicntafel. Die Stadt prangte in fest­lichem Schmucke. Der Gouverneur von JekaterinoSlaw Durnowo ist zum Gehilfen des Ministers des Innern er­nannt worden. Den im Trigonja-Prozeffe Verurtheilten wurde am 9. März durch Senator Beloskotzky in Gegen­wart der Verteidiger daS Urteil in endgiltiger Form ver­kündet. Die meisten der zum Tode Verurteilten beabsichtigen, durch ihre Verteidiger Gnadengesuche beim Kaiser einzn- reichen.

Hesse«-Nass««.

Marburg, 13. März. Zu dem heutigen Submissions- Termin auf die Brücke über den Mühlgraben waren 17 Offerten eiugegangen, darunter 5 Offerten über 6000 M., 8 Offeiten über 5000 M., 1 Offerte von L. Euler in Hannover mit 7972 M. als teuerste, und 1 von I. C. O st- h e i m dehier mit 4590 M., 1 Offerte von JustuS Röm- held aus Mainz, welche pro Kilo 33 Pf. beansprucht und 1 desgleichen aus Kaiserslautern für 1000 Kilo M. 28,60, letztere dürfte sich wahrscheinlich als die billigste Herausstellen.

Dem Sanitätsrat Dr. Schütte in Kastel ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden.

Der Amtsrichter Waldeck in Naumburg ist in­folge rechtskräftigen DisziplinarerkenntnisteS aus dem Justiz­dienst entlasten.

Wie erinnerlich, hatte vor einiger Zeit eine Rotter­damer Schwindelfirma, Wyprecht & Co., durch die in vielen deutschen Blätter, auch im hiesigen, erschienenen Annoncen wegen billiger Kaffeeverkäufe zahlreiche Betrügereien ver­übt. Wie jetzt mitgcteilt wird, hat nunmehr die Staats­anwaltschaft zu Rotterdam an die Polizeibirektion zu Bremen die Nachricht gelangen lassen, daß der Betrüger in der Pers« des vor längerer Zeit aus Berlin wegen sozial­demokratischer Umtriebe verwiesenen Dr. Eduard Ganz er­mittelt worden ist. Eine nähere Mitteilung über die etwaige Festnahme deS Betrügers fehlt noch.

Kastel, 13. März. Seit nun schon über acht Tagen wird ein neunjähriger Knabe, Sohn eines Bremsers von hier, vermißt und hat bis jetzt noch niemand Auskunft über dessen Verbleib geben können.

Wiesbaden, 11. März. Bei der anderweiten Wahl eines Lanttagsabgeordncten wurde Landesbankrat Hugo Reusch (Fortschr.) mit 136 von 151 Stimmen gewählt. Senatsprästdcnt Dr. Petri erhielt 12, Graf Molke 3 Stimmen.

Frankfurt, 11. März. Die Schriftgießerei Flinsch die seitens der hiesigen Patent- und Musterschutz-Aus­stellung die goldene Medaille erhielt, wurde auch auf der eben stattfinbendcn Industrie-Ausstellung in Porto Alegre mit dem ersten Preis ebenfalls goldene Medaille ausgezeichnet. In bezug auf die Mitbenutzung der Kirchenglocken durch die bürgerliche Gemeinde hat, wie die »Franks. Ztg." mitteilt, da« Frankfurter Oberlandesgericht entschieden, daß die Benutzung, welche der sog. Glocken« Paragraph den bürgerlichen Gemeinden gewährt, nur in bürgerlichen Angelegenheiten, wie bei patriotischen Festen, Feuersbrünsten, Weinlesen u. s. w., zusteht, keineswegs aber könne di bürgerliche Gemeinde die Benutzung der Kirchen«

glocken für die Beerdigung von Personen verlangen, welche nicht der Konfession der Kirchengemeinde angehören, weil daS Begräbnis zu den kirchlichen und nicht zu den bürger­lichen Angelegenheiten gehört. Es lag nämlich der Fall vor, daß in RüdeShetm das Kind eines Deutschkatholiken starb, für dessen Beerdigung der Vertreter der Zivilgc- meinde, der Bürgermeister, von dem Vorstände der katho­lischen Kirchengemeinde die Benutzung de» Geläute« ver- l ngte und erzwang dieselbe auch nach erfolgter Verwei­gerung, indem er die Kirchthüre gewaltsam öffnen ließ. Die katholische Kirchengemeinde klagte wegen Besitzstörung, die Zivilgemeinde machte dagegen daS Recht der Mitbe­nutzung der Glocken geltend; dies Recht wurde auch vom Gerichtshof als vorhanden anerkannt aber nur für bürgerliche Angelegenheiten, wie die obengenannten, nicht aber für Begräbnisse. Diese gerichtliche Entscheidung ist wichtig, denn wenn die bürgerliche Gemeinde auch für Be- gräbnifse das Kirchengeläut verlangen könnte, so könnte daS auch bei Begräbnissen von Juden und Atheisten, welche Mitglied der bürgerlichen Gemeinde waren, geschehen.

vermischtes.

Mr. George Grove, der frühere Sekretär des KrystallpalasteS in Sydenham und Entdecker der un­veröffentlichten Schubert'schen Symphonieen, wird, wie die Times" erfährt, zum Direktor des neuen nationalen Musik-Konservatoriums (Royal College of Music) er­nannt werden.

Telegraphische Depeschen.

Wie«, 12. März. Ministerpräsident Tisza, welcher schon in der vergangenen Woche hier erwartet wurde, je­doch durch parlamentarische Geschäfte zurückgchalten worden war, ist heute hier zum gewönlichen Vortrage bei dem Kaiser eingetroffen. Anlangend die Gerüchte über die an­geblich bevorstehende Einberufung der Delegationen und über die Höhe des zu beanspruchenden Kredites, so beruhen dieselben momentan lediglich auf Kombinationen.

Paris, 12. März. Der Direktor für die Buchführung im Ministerium des Auswärtigen, Bredif, wird sich an Stelle Bligniöres, dessen Demission angenommen worben ist, als interimistischer Kontroleur nach Egypten begeben.

London, 12. März. Nach einer Meldung desReuter- schen Bureaus" aus Durban hat der Volksraad des Oranje- Freistaats dem.Präsidenten Brand die Erlaubnis zur An­nahme des ihm von England angebotenen GroßkreuzeS des St. Michaels- und Gcorgsordens verweigert.

Petersburg, 12. März. DaSJournal de St. PeterS- bourg" weist die von der auswärtigen Presse anläßlich der Verurteilungen in dem jüngsten Terroristenprozesie erho­benen Verleumdungen zurück, namentlich die durch eine Depesche in Krakau verbreitete Meldung von einem angeb­lichen Konflikt zwischen Studenten und der Polizei infolge der erwähnten Verurteilungen, ferner die Behauptungen Victor Hugos, daß die Angeklagten den Gerichtsverhand­lungen nicht beigewohnt hätten und daß sie ohne Verteidiger gewesen seien. Alle diese Angaben seien reine Erfindungen. DerGolos" enthält einen Artikel, der die chauvinistische Partei in Rußland sehr energisch bekämpft. In demselben heißt eS: ES cxistiere kein irgendwo plausibler Grund für einen Krieg. Die Chauvinisten thäten nichts weiter, als ole Geister aufzuregen. Der verstorbene Kaiser habe dazu beigetragen, Deutschland zu einigen und zu befestigen, und habe mit demselben freundschaftliche Beziehungen unterhalten, indem er jederzeit einen Krieg zwischen Deutschland und Rußland als ein großes Unglück angesehen habe. Die gegenwärtige Regierung habe dieselbe Politik. Deshalb hoffen wir, daß die Bestrebungen der Chauvinisten erfolglos bleiben werden im Namen der Gerechtigkeit, des gesunden Menschenverstandes und der Liebe zum Volke, das wider seinen Willen unter panslavistische Vormundschaft genommen werde. Wir wollen den Frieden, vor allem aber den Frieden mit Deutschland. Im Falle eines Krieges würde selbst der siegende Teil den Sieg zu teuer zu bezahlen haben.

Tonis, 12. März. Ein Trupp südtunesischer Insur­genten, etwa 1000 Mann stark, unternahm unweit Eldjem gestern einen Angriff auf eine französische Rekognoszierungs­abteilung, wurde aber zurückgeschlagen. Die Insurgenten ließen etwa 10 Tote auf dem Platze und nahmen ihre Verwundeten mit sich fort. Gerüchtweise ve>lautet, daß die Insurgenten Ali ben Kalifa zum Bey proklamiert hätten. Fliegende Kolonnen sollen sich von Gafsa und GabeS nach der Grenze von Tripolis begeben.

Die öffentliche« Volksschule« im Königreiche Preutzea.

Im Frühjahre 1879 veranlaßten die Herren Minister der Unterrichts - Angelegenheiten, des Innern und der Finanzen eine allgemeine Untersuchung über die Kosten der öffentlichen Volksschulen in Preußen einschließlich der Mittel­schulen und höheren Mädchenschulen. Die Ergebniffe dieser umfangreichen statistischen Aufnahme liegen seit kurzem in einer Druckschrift vor, welche im Auftrage des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten angefertigt worden ist. Wir entnehmen daraus die haupt­sächlichsten Daten, welche daS Voiksschulwcsen an sich ohne Rücksicht auf die Kosten betreffen.

Preußen besaß Ende 1878 einschließlich 15 sogenannter Wanderschulen, und wenn die unvollständigen Nachrichten au« dem Landdrostei-Bezirke Stade durch Schätzung ergänzt «erben, 33059 öffentliche Volks- und denselben gleichge­

stellte Schulen, von denen rund 10000 Unterricht in zwei oder mehr Klassen gewähren. Hierunter befinden sich 110 als besondere Einrichtungen mit Schullehrer-Seminaren unmittelbar verbundene Uebungsschulen, 321 städtische und 15 ländliche Mittelschulen und höhere Mädchenschulen (ohne Landdrostei Stade), 52 städtische Armenschulen (d. h. Schulen ohne Schulgeld in Schulorten, wo sonst noch Schulgeld erhoben wird), 11 städtische und 6 länd­liche Fabrikschulen, 3249 städtische und 29 300 ländliche öffentliche Volksschulen" schlechitin. Während die Stadt­gemeinden durchschnittlich 2,8 uud noch 85 ländliche Schul- orte je drei ober mehr einzelne öffentliche Volksschulen im weiteren Sinne haben, entbehren 47 Prozent aller Kom­munaleinheiten einer eigenen Schule. Hierbei ist jeboch nicht zu vergessen, baß bie meisten Gutsbezilke räumlich mit den gleichnamigen Landgemeinden Zusammenhängen, und daß viele Gemeinden der östlichen Provinzen allzu klein sind, um eine eigene Schule selbst bei vollkommener Freiheit von Kosten mit Nutzen unterhalten zu können; so kommt es, daß in Ostpreußen auch ohne Einrechnung der Gutsbezirke durchschnittlich erst je zwei Landgemeinden eine öffentliche Schule besitzen.

Außer 320 Klaffen der Seminar - Uebungsschulen an denen der Unterricht durch daS Lehrerkollegium de« Seminars teils erteilt, teil« geleitet wird, und welche in der vorliegen­den Statistik weiter niht berücksichtigt sind, bestehen au sämtlichen hier in betracht gezogenen Unterrichtsanstalten 59 987 Schulklassen, und zwar

in Städten a. d. Lande an Mittel- und höh. Mädchenschulen 2 152 55

an den übrigen Volksschulen . . 18422 39 358

für schulpflichtige Kinder. . . . 1273 993 2 998 206 Die Zahl der als schulpflichtig angegebenen Kinder ist nach den kritischen Bemerkungen des Bearbeiters zu klein; vielfach wurden nicht die Kinder vom vollendeten fünften, sondern vom vollendeten sechsten Lebensjahre ab gezählt, auch sind anscheinend öfters die schulbesuchenden statt der schulpflichtigen Kinder eingestellt. Auf 1000 Einwohner kommen durchschnittlich in Städten 2,13 und auf dem Lande 2,22 Schulklassen; auf eine Schulklasse entfallen durchschnittlich 62 und 76 Kinder.

Die Zahl der vollbeschäftigten Lehrkräfte beträgt 59 493, ist also etwa« geringer als die der Schulklassen, und von den 54218 Stellen für vollbeschäftigte Lehrer männlichen Geschlechts sind 15 719 oder 29 Prozent dauernd mit einem kirchlichen Amte verbunden. Stadt und Land unterscheiden sich hierin wie folgt:

a. vollbeschäftigte Lehrkräfte: in Städten a.d. Lande an Mittel- und höheren Mädchenschulen 2275 53

an den übrigen öffentlichen Volksschulen 18299 38866 vorhandene Stellen (ohne Lehrerinnen) 17191 37027 davon mit kirchlichem Amte verbunden 2321 13398

Prozent jener Stellen 13,50 36,18 b. Hilfs-Lehrkräfte:

en Mittel- und höheren Mädchenschulen 562 5

an den übrigen öffentlichen Volksschulen 3624 23143

c emeritierte Lehrer und Lehrerinnen:

deren Anzahl......... 1077 2438

vollbeschäftigte Lehrkräfte auf 1 Emeritus 19 16

Zufolge derKritik de« Materials" konnte die Trennung der Lehrkräfte .in männliche und weibliche nicht mit abso­luter Sicherheit durchgeführt werden, und betreffs der die große Mehrzahl der Hilfskräfte bildenden Handarbeits- Lehrerinnen läßt sich mit Bestimmtheit behaupten, daß deren Zahl zu gering angegeben ist.

Von den auf die Provinzen bezüglichen Zahlen er­wähnen wir:

Provinzen Kultl!ssen

Kinder in einer Klaffe

Lehrkräfte vollbesch. z. Hilfe

Ostpreußen . . . 4365

69

4313

1811

Westpreußen . . 2881

76

2873

1985

Berlin .... 1636

64

1663

490

Brandenburg . . 5321

65

5214

2726

Pommern . . . 4007

62

3965

1246

Posen.....3103

89

3119

2313

Schlesien. . . . 7706

83

7446

4107

Sachsen .... 5410

69

5391

2317

Schleswig-Holstein. 3299

58

3300

1813

Hannover . . . 5228

66

5192

1954

Westfalen . . . 3982

82

3979

1410

Hessen-Nassau . . 3669

66

3625

2117

Rheinland . . . 9199

70

9237

2934

Hohenzollern . . 181

60

176

111

«etesrologische Statt»« MarH»r«. (13. März. 2 Uhr Nm.)

Baromet. Par. L 334,6,

Therm. R 9,2', Wind C,

Niederschlag,, Himmelsansicht: völlig heiter Bemerk.

Frankfurt a. M.. 13. März. (Mitgeteilt durch Menke Eichelberg u. Sohn.) Kreditaktien 271$ nach 271$ nach nach nach nach Staatsbahnaktien 257$ nach 257$ nach nach nach Silberrente, 6proz. Ung. Boldrente nach 4proz. Ungar. Goldrente nach, 1860t Lose, 1880t Ruffen 68$, II. Ruff. Orientanleihe 56$. Galizier 249$ Donau > Drauaktien 135 nach Kronprinz Rudolf - Aktien , Lombarden 118$ nach 119 Ädtbal Albrecht. Dux-Bodenbacher-Aktien nach, Böhm. Westbahn Diskonto Commandit 193$ nach nach. Georgia Aid. l$proz. Spanier 28$. Nordwestbahnaktien 173$. Tendenz: fest.

W®C Unsere heutige Nummer bringt für alle Abonnenten eine Extrabeilage des rühmlichst bekannten Benediktiner Doppelkränter-Magenbitter von C. Pingel in Göt­tingen, Niederlage in Marburg bei Herrn Otto Kratz am Markt.