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Nr 62.
Marburg, Dimrtag, 14. März 1882
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Abg. Rickert bringt einen Fall zur Kenntnis des Ministers, in welchem em Lehrer, der einen liberalen Wahl« on «r> u£lt%ri^ncl' bon tcr Königsberger Regierung mit 20 Mark Strafe belegt sei, während Lehrer, die für kon« servatlve Kandidaten agitiert, unbehelligt seien.
^../bg. vr^Frunz entgegnete, daß er an dem ernstesten Willen des Kultusministers v. Goßler nicht im geringsten zweifle. Aber derselbe müsse Männer an seiner Seite haben, die den Jnterressen der katholischen Kirche nahe« stehend, ein Herz für dieselbe hätten. Manchen Beschweroen sei allerdings abgeholfen; so lange aber die Maigesetze in K/aft, könnten die Desidcrien der katholischen Kirche nicht als erfüllt gelten. Schließlich bedauerte er, daß der General v. Strehle m seinen neulichen Auslassungen an den Posener Landwehrverein sich mit der kirchlichen Auseinandersetzung zwischen Schlesien und Oesterreich befaßt habe; er hofft, daß der Kultusminister den Herrn Kriegsminister auf diesen Vorgang aufmerksam machen werde.
Kultusminister v. Goßler erwidert, daß er sein Amt so weit führe, als seine Kompetenzen reichen; die Grenz« Regulierung in der Diözese Breslau stehe übrigen- noch mcht in Aussicht.
. ??0- Lassen beklagt sich über die Vernachlässigung der dänischen Sprache im Unterricht in Schleswig
Kultusminister v. G o ß l e r stellt eine Entgegnung hier« auf für eine spätere Zeit in Aussicht.
Abg. Sack ersucht um eine Deklaration der Bestürmungen bezüglich der Kirchenbaulasten.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux 6. Th. Dietrich u. Co. in Äaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; Oaasenstein u. Vogler in Frantfurt a. M., Berlin, L-ipzig, Köln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. Ä. rc.
Berlin, 11. März.
In der heutigen (32.) Plenarsitzung de« A b g r o r d- netenhauseS machte der Präsident v. Köller dem Hause die betrübende Mitteilung von dem gestern ttfehlen Ableben des Abg. v B r a'u ch i t s ch. DaS Hau- erhob sich zu Ehren des Andenkens des Verstorbenen von seinen Sitzen.
Auf der Tagesordnung steht in erster Linie der Gesetzentwurf, betreffend den weiteren Erwerb von Privatbahnen für den Staat.
Abg. Dr. Köhler beantragt, diesen Gegenstand von der heutigen Tagesordnung abzusetzen. Tie große Mehrzahl seiner politischen (nationallib.) Freunde lege großen W-rt darauf, daß zuvörderst das finanzielle Garantiegesetz endgültig festgestellt werde, bevor der vorliegende Entwurf in diesem Hause definitiv zur Annahme gelange. Wenn ihrem Wunsche nicht entsprochen werden sollte, würden sie letzt für die Annahme der Vorlage nicht stimmen können.
Finanzmulister Bitter bemerkte, der Antrag scheine von der Voraussetzung auszugehen, daß das Zustandekommen des Garantiegesetzes im Herrenhause auf Schwierigkeiten stoßen werde. Er erkläre deshalb, daß et im Herrenhause mit demHerrn Minister der öffentlichen Arbeiten mit aller Kraft für die Beschlüsse dieses Hauses eintreten werde. Auch werde er dem Herrn Präsidenten des Herrenhauses von dem Wunsche dieses Hauses Mitteilung machen, die Bera ung dieser Vorlage möglichst zu beschleunigen.
Abg. vr. Röck erat h ist befremdet über da- Perhalten der Nationalliberalen; dieselben könnten doch heute "'cht gegen etwas stimmen, was sie vor 2 Jahren ausdrücklich beschlossen hätten.
Minister der öffentlichen Arbeiten M a y b a ch fügt der Eiklärung des Herrn Finanzministers noch hinzu, daß dagesamte/ Staatsministerium die Zustimmung zu dem Beschlüsse des Abgeordnetenhauses ausgesprochen habe. Allerdings könne er dem Anträge Köhler sich nicht widersetzen, »lüsse aber doch darauf aufmelksam machen, daß die Verträge, um welche es sich hier handle, spätesten- am 1.Aprile ratifiziert sein müßten. Auch müffe er hervorhebeii, daß mit dem Fallen dieses Gesetzes auch derjenige Gesetzentwurf als beseitigt anzusehen sei, welcher dir Vervollständigung deS preußischen Eisenbahnnetzes bezweckt.
Abg. Frhr. v. Minnigerode erklärt, daß die Konservativen, in einer gewiffen Zwangslage befindlich, allerdings für den Antrag stimmen müßten; inzwischen möchte er anheimgeben, den Antrag mit Rücksicht auf die bündige Erklärung deö Herrn Ministers zurückzuziehen.
Abg. Stengel spricht sich in gleichem Sinne au-.
Abg. Richter meint, die Tapferkeit der Rational- liberalen entwickele sich mit einem Male nach einer Seite hin, wo gar kein Feind stehe. Er habe den Eindruck, als wenn das Herrenhaus gar nicht daran denke, Schwierig- I
afnahme ben die- egenheit, ich und n unter l. [730
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>50 „ n guter stets reiner,
Unter falschem «amen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
»Sie werden uns kühn schelten, daß wir am heutigen Abend einzudringen gewagt, indeß, wir sind Ihrer Fräillein Tochter. zu so aufrichtigem Danke verpflichtet für die freundliche Hülfe, die sie uns in unseren englischen Studien gewährt, daß es uns drängt, ihr heute wenigsten- unser« Dank auszusprechen."
Eva's Stimme klingt weich und melodisch, ihre ganze Weise ist so gewinnend, daß Frau von Fürstenau nicht umhin kann, freundlich den Druck ihrer Hand zu erwidern.
Wer lange Anderer Umgang entbehrt, ist leichter empfänglich für jede Freundlichkeit; jede neue Erscheinung, die wohlthuend daö ermüdende Einerlei unterbricht, berührt lhn angenehm, mag die freiwillig auf sich genommene Ein- lamkcst ihm sonst auch fast lieb geworden sein.
„Und mir, gnädige Frau," gestatten Sie wohl, unsere Nuchtige Bekanntschaft zu erneuet* ? begrüßt Fräulein ferner sie. .Für wenige Tage nut hierher zurückgekehrt, “m für längere Jahre vermutlich dann fern zu bleiben,
,n8te "ich, Ihr liebes Heim zuvor noch einmal wieder M sehen."
f5'hl in der Thüre — Mund und Augen vor Verwunderung weit geöffnet. Ein Glück, daß ihre Herrin I« so nicht sehen kann. v
hl", ölciben, geht'» noch heute an den (Ä Mustert sie ihrer jungen Herrin in der Thüre zu.
-A Gnadengluck, daß die heute just gekommen;' und sie «ebäugelt zu ihren Vorräten hin. „Weist Du, unsere ein«
eiten ihm* st ltt- VUtt: n der starrh Kenn- Sich.
Ver- Ma- Regel r Lun-
gemachten Früchte hole ich aber aus dem Keller herauf; ste haben sich von unserem Gute her prächtig gehalten. 2. c o!?n Marzipan geben wir zum Nachtisch, nicht wahr? Sie hat es unglaublich eilig; es ist ihr genau ®l,e, vor Alters, wenn der Junker Kurt urplötzlich ein halbes Dutzend Kameraden unerwartet mit heimbrachte. — „Nicht wahr, Fräul'n Anning, die kleine Lustige ist die Werner, die schon einmal hier war, und die schlanke Feine, da« «st die, von wo ich Dich neulich heimholte, Du weißt, als der Professor Dich durchaus nach Hause bringen wollte?"
.Ach Dörthe, laß dochl Ist der Thee fertig?"
„Alles fertig, Herzen«.Anning! Geh Du jetzt nur hinein, e« paßt sich gar nicht, daß Du hier'draußen bist. N .^"d schon allem fertig!" und sie scheucht ihr Fräul'n Anning IN da- Zimmer zurück.
Drütnen legt eben Fräulein Eckard Hut und Mantel ab: „ES ist gar so warm und behaglich hier," sagt ste. fiftÖ 9"äM8‘ 8”“' «™ w>- «In säumet?" nk6t* 2öen” ®‘e Besseres darob ver- »"iß” ^tigen Abend, gnädige Frau, gehört jeder seiner Fomllle i an, und der Alleinstehende ist leicht vergessen. Glaubt doch Jeder ihn bei Anderen versagt, und stch selbst in Erinnerung zu bringen, ist nicht Jedem gegeben " '
. Mündlicher von Ihnen, daß Sie unserer gedachten! Meiner Tochter möchte der Abend sonst auch gar einsam gewesen sein." Frau von Fürstenau atmet mit Behagen den Dust der Blumen ein, deren Schmelz und Far^npracht ihr Eva sinnig beschreibt, und betastet leise die Blumenglöckchen, dir ihr von einem neuen Frühling Plaudern. ° V ö
.. ich nicht, klagt auch Andersen, der bekannte dänische Märchendichtcr, einmal „im Märchen seines Leben»" über die Einsamkeit der Festabende in der Fremde," be- ?’5^rtnb fie- den Thee serviert und Alle, um wideA«n1?ffen. W ÄUd)<n bk volle Gerechtigkeit du 5rtcunb d-r Geselligkeit, wie ein Freund der Kinderwelt; schade, daß auch er hat schon scheiden muffen" plaudert Eva. „Wissen Sie, daß auch er anfäugllch hat Schauspieler werden wollen?"
rc ' /t?uch er" ist Frau von Fürstenau entgangen. „Erzählen Sie" bittet Sie verbindlich.
»Gern? Doch meine Geschichte ist lang!"
„Desto besser!"
„ES war in Kopenhagen. Lärmende Menschenhaufen durchzogen in langen Reihen Arm in Arm die Sttaßen Ehrend ehrsame Bürger mit langen Pfeifen und noch längeren Hausröcken ins Nachbarhaus huschten, um nach guter alter Sitte das neue Jahr gemeinsam zu erwarten.
2anbeXtoic gewöhnlich, überall im an ' ;tQ$ en ste nach Kinderweis-, die Sylvesternacht b'ar» Db«nn*£a6 ^^^^"herliches bringen in fühl- barer oder sichtbarer Weise, vielleicht gar daS neue Jahr seinen Einzug erkämpfen."
„Gewiß; in einem Kinderherzen wogen ost seltsame Gedanken, bestätigt Frau von Fürstenau", eS neigt so gern sich dem Geheimnisvollen zu, und einen fruchtbareren M« ffa bk PhM-si- 9i,W « nimmer, «U dn » tfinbfame« Kinderher^»
(Fortsetzung folgt-,
al« Schaumklöße, welche die andere Seite allerdings schmackhaft finde.
Es wurde demnächst einmütig die Absetzung dieser Nummer von der heutigen Tagesordnung beschlossen.
Beim Etat der indirekten Steuern regte Abg. v. Neu- " a n 11 len Wegfall des Brückenzolls über die Oder und v 6d Küstrin an. Finanzminister Bitter steht der Aufhebung de- Brückenzolles im allgemeinen keineswegs ungünstig gegenüber. Er habe nur Bedenken getragen, jetzt in dieser Richtung vorzugehen, da man gegenwärtig wt’1U,L1,tP r en "ässe, große Summen jährlich zu erlasien. Abg. Graf Hacke unterstützt den speziellen Wunsch des A^g. v. Neumann, während Abg. vr. Röckerath die allgemeine Beseitigung deS sehr lästigen Personen-Brücken- b»? verlangt. — Abg. Freiherr v. Huene beantragt
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«00. tfretperr v. Fürth verlan0t vom Minister, daß et gegen eine Festschrift der Universität Halle einschreite, in welcher das vatikanische Konzil geschmäht und überhaupt die Katholiken beleidigt würden. Der Redner motiviert sein Verlangen durch Verlesen vielfacher Zitate au« dem qu. (in lateinischer Sprache verfaßten) Schriftstück. ,Kultusminister v. Goßler weist auf den protestantischen Charatter der Universität Halle-Wittenberg hin, welcher der Verpflichtung obliege, alljährlich ein Oster- programm zu veröffentlichen. In der fraglichen Programm- schrtft: „Erasmus redivivus“ sei ein Vergleich gezogen zwischen orr katholischen Kirche früherer und jetziger Jeit, um nachzuweisen, daß die katholische Kirche früher einen Erasmus habe ertragen können, jetzt (Döllinger) nicht. Einzelne Ausdrücke in der Schrift und persönliche Angriffe villtge er übrigens nicht und werde das auch zu erkennen geben. Bester wäre es auch überhaupt gewesen, die Schrift im Dunkel der Bibliotheken zu belasten, wozu sie die Abfassung in lateinischer Sprache besonder» qualifiziere.
Abg. W i n d t h o r st bemerkte, wenn auch der evangelische k c^kter der Universität Halle betont werde, so berechtige derselbe doch keineswegs zu Angriffen gegen die Katholiken. Uebrigen« gebe dieser Fall Anlaß auch auf Gründung einer katholischen Universität zu dringen. Zur vorliegenden Position (Gehalt des Kultusministers) bemerkt er zunächst, daß er das Medizinalwesen vom Kultusministerium abge- U!tb b^m Ministerium de« Innern zugcteilt wissen möchte. Im übrigen plädiert er ausführlich dafür, daß
event. die katholische Abteilung wieder hergestellt werden, um die jura circa sacra zu erledigen.
Kultusminister v. Goßler entgegnete, daß die Frage der Abtretung des MidizinalwesenS oft diskutiert fei, daß aber der gegenwärtige Zustand doch wohl als der zweckmäßigere, zu erachten sei. WaS den letzteren Punkt in ben Ausführungen des Vorredners betrifft, so überrasche wc« I, Forderung wegen Wiederherstellung der katholischen Ubteilung. Die katholische Abteilung sei 1840 eingerichtet, aber in der raschesten Folge gerade von den Katholiken selbst angegriffen. Der konfessionelle Charakter sei über- haupt nicht allein maßgebend. Die Sicherung der katholischen Interessen liege weniger in den Institutionen, als den Personen. Waren doch hier im Hause katholische - ^äte in einer Weise angegriffen, wie es bei einem Alt-
Anzcjgen nimmt entgegen: bie Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frantfu't a. M ;I?jgersche Buchhanbluna daselbst • Hermansche Buchhandlung' ♦ daselbst; Invalidendant in
Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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vom Landtag. 1 —-----------