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Marburg, Sonntag, 12. März 1882

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Swinemünder Schiffahrt« - Polizeirevier den Wunsch auS, daß dieses Schiff zugleich den Fischereibeamten zur Dispo­sition gestellt werden möchte. Seitens der Regierung wird darauf hingewiesen, daß der Erfüllung dieses Wunsche« praktische Bedenken entgegenstehen.

Es folgte die Beratung de« Etats des Finanzministeriums. Abg. v. Tiedemann fragte an, wie weit die Vorberei­tung des Gesetzentwurfs, betr. die Ausstellung von Staat«- papieren auf Namen, gediehen sei. Der Finanzmi- nist er entgegnete, daß dem Volkswirtschaftsrate einzelne Punkte deS Entwurfs zur Begutachtung vorgelegt seien. Dem Hause würde an sich wohl noch ein Gesetzentwurf in dieser Session vorgelegt werden können, indes würde der­selbe wegen deS anderen Materials doch wohl nicht zur Erledigung gelangen. Abg. Kalle bittet, trotz der letzteren Bedenken, den Entwurf dennoch einzubringen, damit die öffentliche Meinung sich mit dem Gegenstände beschäftigen kann. — Weitere Debatte veranlaßte der ganze Etat des Finanzministeriums überhaupt nicht.

Im Etat der direkten Steuern (von dem die Titel 3 und 4 Einkommen- und Klassenstcuer noch in der Budget­kommission befindlich) veranlaßt die Grundsteuer keine De­batte. — Titel 2 enthält die Gebäudesteuer. Abg. Di­ri chlet bittet den Minister um Auskunft über da« Schicksal eines Antrages des ostpreußischen Landtage«, be­treffend die Revision de« Gebäudesteuergesetzes. Finanz­minister Bitter läßt dahingestellt, ob der Provinzial- Landtag überhaupt berechtigt gewesen, solchen Beschluß zu fassen, im übrigen sei der Antrag ihm im September zugegangen, und er habe zunächst den Bericht der Piovin- zialbehörde einziehen müssen. Dieser sei ihm erst vor kurzer Zeit zugegangen, und er habe denselben wegen de« umfangreichen Materials bislang noch nicht näher prüfen können. Abg. H o l l e n b u r g empfiehlt vollständige Be­seitigung der FortschreibungSgebühren. Die Regierung er­widert darauf nicht.

Bei den Ausgaben spricht Abg. Dr. Franz für eine bessere Remunerierung der Katastersupernumerare. Der Finanz Minister sagt die Berücksichtigung des al« gerechtfertigt anzuerkennenden Wunsches zu. Damit ist auch dieser Etat erledigt.

,, Schluß der Sitzung 2”4 Uhr. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr (3. Lesung der Eisenbahnvorlage, Etat der in­direkten Steuern und Kultusetat).

Boni Landtag.

Berlin, 10. März.

In der heutigen (31.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses wurde zunächst die Beratung de« Etats deS Handelsministeriums fortgesetzt. Nachdem Abg von Bitter auf die vorgestrigen Ausführungen deS Abg. Dr. Franz betreffs des Notstandes der schlesischen Weber zurück­gekommen war und hervorgehoben hatte, daß die betreffen­den Landräte Ihrerseits thun, was in ihren Kräften stehe, um diesen Mißständen abzuhilfen, ging Abg. Frhr. von Hammerstein auf eine nähere Beleuchtung deS Handels; kammcrglsetzcs ein und wies aus dem Inhalte dieses Ge­setzes, wie aus den bezüglichen Verhandlungen über das­selbe nach, daß die Handelskammern eine einseitige In­teressenvertretung seien, die notwendig der staatlichen Autorität hätte unterworfen werden sollen. Die Autonomie der Handelskammern müßte von dem Minister eingeschränkt werden können, oder aber man müßte anderen Interessen« Vertretungen eine gleich bevorzugte Stellung einräumen. Der ratio legis entspreche cs übrigens nicht, daß eine Handelskammer, die durch einen Verwaltungsakt inS Leben gerufen, nur durch Gesetz sollte aufgelöst werden können. Sollte in dieser Beziehung aber noch Zweifel vorhanden fein, so müßte schleunigst eine Revision des Gesetzes ein­treten! Abg. Di richtet wendet sich gegen die neuliche Interpretation, welche der Unterstaatssekretär v. Möller von dem qu. Gesetze gegeben, und erklärt sich zu einer Revision des Gesetzes bereit. Abg. Jacobi legt im All­gemeinen auf die Aeußerungen der Handelskammern, mit Rücksicht auf deren Organisation, kein besonderes Gewicht, wie man sich auch von denjenigen der Gewerbekammern nicht zu viel versprechen sollte. Anders stehe e« mit den landwirtschaftlich n Vereinen, weil diese eben au« vollständig freien Vereinigung hervorgehen. — Abg. Götting führte aus, daß ein Spezialgesetz nötig sei, um eine Handels­kammer wegen Miß-.re.nchö ihrer Besugnisse aufzulösen. Abg. v. Rauch Haupt betont, daß tie Gründe, welche die Regierung für ihre Auffassung gellend mache, doch nicht zu unterschätzen seien. Der Vergleich des Abg. Tirichlet mit dem Krcisauöschusse und ProvinzialauSschusse passe durchaus nicht. Die Existenz der einzelnen Handels­kammer beruhe nicht auf Gesetz, sondern trete erst inS Leben durch Genehmigung des Ministers. Die Auflösung sei eine milde Farm der Rüge; der Minister könne offen­bar die Genehmigung ganz zurückziehen. Wenn die Re­gierung verlangt, daß die für sie bestimmten Berichte vor ihrer Publikation ihr vorgelegt werden, io sei da« nur eine g rechte Forderung; den Handelskammern bleibe ja unbeschränkt, Auszüge aus ihren Protokollen zu veröffent­lichen. Abg. Dirichlet entgegnete, daß die Genehmigung deS Handelsministers im Gesetze vorgesehen sei. Der Minister h-.öe ja auch das Recht, Kommunalwahlen zu

Deutsches Reich.

Berlin, 10. März. Der permanente Ausschuß de« Volkswirtschaftsrats nahm die §§ 32 bis 36 der Tabaks­monopolvorlage mit geringen Aenderungen an. Zu den Strafbestimmungen (§ 37 bis 57) wurde im allgemeinen möglichste Milde anempfohlen und die UebergangSbestim

Unter falschem Rameu.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

Zollern verneigt sich schweigend.

„Und welches Interesse haben Sie, wenn ich fragen darf, nach meiner kleinen Miß zu forschen?"

„Kein anderes, als welches eine überraschende Aehnlich- keit zu wecken vermag."

„Eine Achnlichkeit? Sie machen mich neugierig —" „Mit einer lieben Freundin aus meiner Knabenzeit." „Wie romantisch da« klingt, Zollern, ich könnte eifer­süchtig werden. Wissen Sie, daß ich nach diesem Bekennt­nis keine Lust mehr habe, Ihnen die Wohnung zu ver­raten, auch wenn ich sic erfahren sollte? Euch Herren ist nimmer zu trauen."

„Auch mir nicht?"?« Er blickt ihr treuherzig in die Augen.

„Doch, Ihnen traue ich! Sie werden mein kleines Mißchcn nicht in Verlegenheit bringen wollen!" Sie reicht ihm mit gleicher Treuherzigkeit die Hand und blickt ihm wnge nach, als er gegangen ist. Trotz all ihrer Leichtlebig­keit kann sie sich des sorgenden Gedankens nicht erwehren, daß ihre Schelmerei für Anna von Fürstenau nicht ohne krnstere Folgen bleiben möge. „Wenn Clara Werner ein- Setroffen ist, fahre ich zu ihr I" sagt sie entschlossen.. Für den Abenv bin ich frei, und solch rin Weihnachtsabend allein daheim? Nein, der ist traurig, besonders für den, der, wie ick, des Alleinseins nicht gewohnt ist."

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„Aber Fräul'n Anning!" Dörthe hat sie bei der Hand erwischt. „Zwei Damen — sehr fein — wollen durchaus Fräul'n Anning sprechen«, flüstert sie.

Fräulein Anning ist zur Thüre hinaus, sie weiß selbst nicht wie.

„Zwei Damen sagst Du, Dörthe?" Die Blinde hat mit scharfem Ohr die Worte aufgefangen. „Es werden Bekannte des gnädigen Fräuleins sein. Aber heute gerade? ES ist doch alles in vollkommener Ordnung, Dörthe?"

„Sie hätten es nicht besser treffen können!"

Draußen im kleinen Vorflur begrüßt Fräulein Annina sich mit den Gästen.

„Auch Sie wieder hier, Fräulein Werner?" Und über der Freude des Wiedersehens ist alle Befangenheit vergessen. „Ich darf doch bitten, näher zu treten?"

„Gewiß, ich freue mich, Ihr trauliches kleines Heim kennen zu lernen; Clara hat mir schon genau davon er­zählt, daß ich selbst Ihrer Frau Mama gegenüber mich nicht als Fremde fühle." W

So ist die Vorstellung schnell beendet. Anna hat sich in da« Unvermeidliche gefunden, nur sorgt sie sich, wie die Mama es aufnehmen möge, wenn sie den Stand des neuen Gastes erfährt. Doch Frau von Fürstenau hat sich so liebenswürdig beim Eintritt der Fremden ihnen entgegen geneigt, daß Eva voll Bewunderung auf die schöne Frau sieht und von den — trotz aller Blindheit — so anmutigen Formen fast überrascht ist'

Die junge Schauspielerin hat sich ihr zutraulich ge­nähert und einen duftigen Strauß schöner Frühlingsblumen in ihre Hand gelegt.

(Fortsetzung folgt.,

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L Daube u. Co. in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

«„zeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureauk o. Tb- Dietrich u. Co. in Dassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M-; haasenstein u. Vogler in Frankfurt a- M., Berlin. Leipzig- Köln rc.; Rudolf Mosse in Berlin, Frank­furt a. Ä. rc.

Erscheint ,täglich, außer an den Werktaaen "ach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sountag-blatt" durch die Expedition (K o ch'sche uchdruckere») bezogen 2*/t ^urk, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Heile 10 Ma.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. ”

,9®. . Der Braten ist ferüg; der Kuchen duftet verlockend, iw, «er Tisch ist gedeckt unv das Zimmer so wohnlich, daß

bestätigen, folge aber daraus etwa, daß er jeden Augen­blick die Bestätigung zurückziehen könne. Abg. Freiherr v. Minnigerode konstatiert, daß die linke Seite, welche sonst immer die Interessenvertretung perhorreszire, hier so warm für dieselbe eintrete. Den Rechten der Handels- kauimern stehen auch Pflichten gegenüber, namentlich die Pflicht der Berichterstattung/ und wenn in dieser Beziehung eine Pflichtwidrigkeit eintrete, müsse die Regierung nach ihrem Ermessen Remedur eintreten lassen können. Persön­lich hält auch er dafür, daß die Auflösung der Regierung nach dem Sinne des Gesetzes zustehe. Abg. Grumbrecht tritt für den Protest der Hannoverschen Handelskammer ein. Abg. Reichensperger (Köln) betont, daß die Sache auf beiden Seiten übertrieben würde. Der Schwer­punkt der Frage liege allerdings darin, daß die Handels- kammern nicht Organe der Regierung, sondcrn des Handels­standes seien. Nötig sei, daß keine Seite das ihr zustehende Recht auf die Spitze treibe; wenn auch nicht das Recht der Auflösung, so stehen der Regierung doch immer noch Mittel genug zu, ihren Einfluß geltend zu machen. Abg. Richter will der Regierung das Aufsichtsrecht über die Handelskammern nicht beschränken, nur auch den letzteren nicht die freien Meinungsäußerungen nicht beschränken lassen. Die Debatte hätte übrigens gezeigt, daß jede In­teressenvertretung, die nicht auf freier Vereinigung beruhe, vom Nebel sei. Abg. v. Minnigerode entgegnet, daß nicht die freie Meinungsäußerung, sondern nur die Un­wahrheit beseitigt werden solle. Abg. Richter repliziert, daß es sich eben darum handle, was „Wahrheit« sei. Die Rechte freilich halte immer schon das für wahr, waS der „Reichskanzler" sage. Abg. Frhr. v. Minnigerode weist dem Vorredner nach, daß dessen Ausführungen über die Wirkungen des Zollgesetzes,f betreffend der Wollenstoff- waaren unrichtig. Darauf wurde die Debatte über die Handelskammern geschlossen und die Besoldungen für das Handelsministerium genehmigt.

Bei dem Kapitel: Handels- und Gewerbe-Verwaltung spricht Abg. Schmidt (Stettin) den Wunsch aus nach einem Fond« zur Unterstützung von Hinterbliebenen ver­unglückter Lootsen und nach Beschaffung eine« Dampf- lootsenbootes für die Station Thießow auf Rügen. — UnterstaatSsekrctär v. Möller erklärt, daß in ersterer Beziehung die erforderlichen Mittel aus dem Allerhöchsten Gnavenfonds beantragt würden, und daß über die An­schaffung deS qu. Dampfbootes Verhandlungen schweben.

Abg. Dr. Franz beklagt, daß die Gewerberäte noch vielfach mit Funkttouen betraut seien, welche nicht in ihrem Berufe liegen, und weiter, daß die Wirksamkeit der Gewerbc- räte in den staatlichen Werkstätten, namentlich in der Eisen­bahnverwaltung, beschränkt werde.

Beim Extraordinarium spricht Abg. Schmidt (Stettin) zu der Position 33000 M. für ein Dampfschiff für das man des Zwiespalts in seiner Einrichtung kaum noch be­wußt wird. Bcllo ist heute gar nicht schläfrig, mit wedelndem Schwänzlein, und schnuppernd erhobener Schnauze läuft er von einem zum anderen, damit beim gastronouiischen Teil der Christfeier er vor allem nicht vergessen werde.

Im Bauerchen trippelt der Vogel, auch er, der sonst so früh müde wird, mag nicht schlafen und erbittet ein Plätzlein in der Nähe der Lampe, daß er de« Lichtes sich freue. Seiner stummen Bitte ist gewillfahrt und dankbar läßt er alsbald leise prüfend seine Stimme ertönen. „Er dichtet," sagen die Vogelfreunde, wenn er also stimmt, um bald hernach im vollen Jubel sein Lied erklingen zu lassen. Und sie mögen Recht haben. Wer will wissen, was so ein Vögelchen denkt und dichtet, wenn es leis die Stimme prüft? Ob es nicht gern auch einmal ein anderes Liedlein anstimmte, hätte es ein andere« nur gelernt und könnte die kleine Kehle biegsam machen, wie der Mensch, wenn er in anderen Zungen redet?

Mutter und Tochter sind au« liturgischer Andacht heimgekommen; die rechte Weihnachtsstimmung haben sie mitgebracht.

„So, Mütterchen, nun wollen wir auch hier Weih­nachten feiern! Unsere kleine Bescheerung ist fertig. Da, setze Dich hinein in den weichen Lehn uhl; so die« neue Kissen in den Rücken und die Füße in die wärmende Fuß­tasche ; ich hätte ste Dir gern schon zur Kirche mitgeaeben, aber Knecht Ruprecht litt e« nicht; er sagt, die Kinder groß und klein müssen hübsch erwarten können. — Und hier, Mama, die« Tuch! Fühle nur einmal. Sollte e« Dich wohl warm halten, wenn wir un« wieder znm Eise htnau« wagen?"

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