Jliarhurg, Fr.itag, 10. März 1882
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Die beregte Angelegenheit teilweise regeln, sei nicht ratsam, wenn die naher Aussicht stehe. Das HauS Stengel mit den dazu gestellten
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Bei Beratung der Petition mehrerer Pastoren, betreffend die Aufhebung deS Verbots der Beteiligung an öffentlichen Versammlungen, beantragt die Kommission Ucbergang zur Tagesordnung. Abg. Neßler will die Petition zur Berücksichtigung überwiesen haben. Abg. Windthorst ist für den Kommissionsantrag, der Kultusminister empfiehlt ebenfalls den Kommissionsantrag, welcher genehmigt wird. — Morgen zweite Lesung der Vorlage der Eisenbahn- erwerbungen.
Willigkeit der Bevölkerung mit Promenaden ersten Ranges versehen sein wird. Selten wird eine Stadt in ihrer nächsten Nähe Spaziergänge von solch landschaftlichem Reiz, solch pittoresker Mannigfaltigkeit aufweisen können, als der kurze Weg r urch den Götzenhain nach dem DammelS- berg und Schloß darbietet, daher die Verschönerung dieses Wegs mit Pflanznn en und Promenaden sehr nahe liegt und an dem schönsten Aussichtspunkt jetzt schon besteht. Steigt man zwischen den Gärten des SchloßbergS ins Lahnthal herab, so erstrecken sich die Neubauten und Gärten eifriger Blumenfreunde bis an den Kirch- und Schwan-Hof hinaus, und werden bald mit denjenigen der Kasernenstraße durch eine der reizendsten Gartenstraßen und Villen-Vorstädte verbunden sein. Auch an Kunst- und Handels-Gärtnereien und landwirtschaftlichen VelsuchSgärten fehlt eS nicht mehr, und die Gemüse- und Blumenzucht hat sich in den fruchtbaren Gärten des Thales auf beiden Seiten der Lahn bedeutend gehoben. Auch Weidenhausen umgiebt sich, besonders aus der Ostseite, mit neuen Bauten und Gärten, wo noch manLe schöne, gute und gesunde Lage zu finken ist. Nur der Obstbau ist teils durch den verheerenden Frostschaden der vorigen Winter, teils durch den Mangel an sackver- ständigen Gartenarbeitern, immer mehr zurückgekommen, weshalb auch im Gartenbau-Verein Maßregeln zu seiner nachhaltigen Hebung geplant werden.
schließlich möchte ich noch der beiden Vereine bescnderS erwähnen, welche zur Verschönerung und Annehmlichkeit deS Lebens in Marburg so viel beigetragen haben. Der Verschönerungs-Verein wurde schon vor 15 Jahren gegründet und machte sich zur Ausgabe, vorzüglich durch geeignete Weganlagen die landschaftliche Schönheit der Umgegend zu erschließen und angenehm zugänglich zu machen. Gleich
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die politischen Kreise seine Wirkung zu üben. Fast noch nie hat die gegnerische Presse über einen Reformvorschlag eine so ungünstige Meinung systematisch zu verbreiten gesucht, wie beim Monopol. Die öffentliche Meinung wurde nach allen Richtungen hin vorher zu bestimmen und zu bearbeiten gesucht, ohne daß man ihr die Achtung erwies, ihr die selbständige Prüfung zu übcrlaffcn. Zumal die Fortschrittspartei sucht das Monopol und die in manchen Kreisen dagegen bestehende Abneigung für ihre Parteizwecke auszubeuten, indem sie einerseits das Gerücht von einer im Falle der Ablehnung bevorstehenden Auflösung deS Reichstags verbreitet und andererseits die Steuerzahler zu neuen Beiträgen für ihren Wahlfonds auffordert. Der Volkswirtschaftsrat wird ohne Zweifel von diesen agitatorischen Bemühungen unbeeinflußt bleiben und sich seiner Aufgabe erinnern, belehrend und aufklärend auf die öffentliche Meinung zu wirken. Die Parteien aber mögen auS dem Vorgehen der Fortschrittspartei Veranlassung nehmen, sich die angeblich volkstümliche Gegnerschaft gegen das Monopol noch einmal gründlich zu überlegen, bevor sie sich hierbei zu Bundesgenossen derselben machen und sich von ihr ins Schlepptau nehmen lassen. — Die Agrarkommifston deS Abgeordnetenhauses setzte gestern die Beratung über die Hundesteuervorlage fort. Der § 3 bestimmt, daß eie Hundesteuer als Kreissteuer von den Kreisen erhoben wird; § 4 bestimmt, daß mit der Einführung der Hundesteuer als Kreissteuer dieselbe in den zu dem Kreise gehörigen Gemeinden als Gemeindesteuer in Wegfall kommt. Die Kommission lehnte die Anträge, eine obligatorische Kreissteuer auf 3 bis 6 M. zu normieren und allgemein mit Ausnahme der Gutsbezirke die Befugnis zu geben, neben der Kreisstcuer eine Kommunalsteuer bis zur Gesamthöhe von 20 M. zu erheben, ab. Die Kommission beschloß auf Antrag deS Abg. v. Holtz, daß denjenigen Städten, welche die Hundesteuer eingeführt haben, und den Städten, welche bis zu dem gesetzlich bestimmten Termin dieselbe eingeführt haben würden, die Hundesteuer als Kommunalstcuer zu belassen sei. Der Kreis soll nur befugt sein, in den übrigen Gemeinden Hundesteuer nach Maßgabe dieses Gesetzes zu erheben, die Beträge jedoch zum Nutzen dieser Gemeinden zu verwenden. S 5, wonach die für Hunde von Militärs bezahlte Steuer für militärische WohlthätigkeitSzwecke an die Militärbehörde abzuführen ist, wurde angenommen. — Die Kommission für dir kirchenpolitische Vorlage nahm die konservativen Anträge zu den drei ersten Paragraphen im wesentlichen an, lehnte aber dann daS ganze Gesetz mit allen gegen die Stimmen der Konservativen ab. Das Zentrum stimmte gegen die Vorlage. — Die außerordentliche Generalversammlung der Anhaltischen Eisenbahn-Gesellschaft nahm mit 1660 gegen 76 Stimmen die Kauf- offcrte der Staatsregierung an. — Nach einer Petersburger Mitteilung der „Nordd. Allg. Ztg." ist dort die Erklärung
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die in dieser Richtung ledigung gelangt seien, durch ein Notgesetz zu definitive Regelung in
vom Landtag.
Berlin, 8. März.
In der heutigen (29.) Plenarsitzung deS Abgeordnetenh auseö wurden zunächst Berichte der Agrarkom- inission und der Gemeindekommission über Petitionen debattelos erledigt.
Eine Petition einer Anzahl ordentlicher Lehrer und Oberlehrer von 18 Gymnasien und Realschulen I. Ordnung um Aufbesserung ihrer Gehälter beantragt die Unterrichtskommission, der Staatsregierung zur Berücksichtigung bet Gelegenheit der Aufbesserung der Beamtengeh älter zu überweisen. Kultusminister von Goßler betonte, daß der Schwerpunkt der Frage darin liege, daß die Beamtengehälter überhaupt aufzubessern seien, daß es demzufolge aber sich nicht empfehlen könne, eine einzige Beamtenkategorie besonders heranSzuziehen. Es empfehle sich daher wohl, dem Anträge des Abg. Franz beizustimmen, welcher dahin geht, die Petitionen der Regierung als Material für die in Aussicht genommene Aufbesserung der Beamtenge- hältcr zu überweisen. DaS Haus lehnt den KommissionS- antrag ab und nimmt das Amendement deS Abg. Franz an. — Eine Reihe anderer Petitionen veranlaßt die Kom-
Die Bedeutung des GarteubaueS uud feine Entwickelung in Marburg.
Vortrag, gehalten im Gartenbau-Verein von W. Zeller.
(Schluß.)
Alle diese Arten von Gärten sind jetzt in Marburg in mehr oder weniger vollkommener oder unvollkommener Weise vertreten, und was nicht ist, daS kann noch werden. Als ich am Abend des 8. Juni 1863 am Bahnhof zu Marburg nach vielstündiger Haft den Käfigen deS Bahn- zuges entschlüpfte, und vom Perron aus zum erstenmal meine Blicke über den malerischen Aufbau dieser alten Bergstadt hinschweifcn ließ, hatte ich die Freude, im Vorder- grunv zu meiner Linken den üppigen Rosengarten de» seligen Ingenieur Ehrhardt zu entdecken, der leider seitdem von der Erde verschwunden ist, und deshalb hier zuerst und besonders erwähnt sein soll. Um Herrn Ehrhardt, diesen gemüllichcn Blumenfreund gruppierte sich eine ganze Gesellschaft von Rosenliebhabern, die damaligen Roststen des Bahnhofs, wir hielten sogar eine Gartenzeitung zusammen und konnten stundenlang schwärmen für eine sogenannte neue Ros-, wenn sie auch schon 10 Jahre alt war. Man war eben damals anspruchsloser als jetzt.
Im botanischen Garten hatte, seit Herr Professor Wigand die Direktion übernommen hatte, eine energische Thätgkeit und Umgestaltung begonnen. Die Staudenquartiere waren schon von meinem Vorgänger nach streng wissenschaftlichem Pl ne umgepflanzt, und hatte ich nur noch einige Wilenisse auSzurodcn und dafür eine Coniferen- Partie, sowie die geographischen Zierpartieen anzulegen, das neuerbaute Gewächshaus einzmichten und mit einem ntsprechenden Inhalt zu versehen und kleinere Anlagen im
Deutscher Reich.
Berlin, 8. März. Ucber eine FrühjahrSreise des Kaisers find laut der „Prov.-Corr." noch keine Bestimmungen getroffen. — Bei Erwähnung des jüngsten Mordversuches gegen die Königin von England äußert die „Prov.-Corr.": Die glückliche Errettung Ihrer Majestät habe nicht nur in England die innigste Theilnahme und Freude erregt, sondern auch bewiesen, eine wie hohe Ehre und Sympathie die Königin bei allen Höfen und Völkern genießt. — Nachdem die „Prov.-Corr." die Verhandlungen der Kommission deS AbgeoronetenhauseS für die kirchenpolitische Vorlage resümiert hat, äußert ste sich über die ferneren Chancen der Vorlage folgendermaßen: „Wie sich aber auch die Dinge entwickeln werden, so ist doch zunächst nicht die Hoffnung aufzugeben, daß auS den gegenwärtigen Beratungen sich ein positives Resultat ergeben werde, welches den wohlwollenden Absichten der StaatSreyierung für das Interesse der katholischen Unterthanen mehr oder weniger entspricht. DaS Maß, in welchem diesem Interesse genügt und der katholischm Kirche Erleichterung gewährt wird, hängt in erster Linie von den Parteien und von ihrem Bedürfnis oder von der Möglichkeit ab, sich zu diesem zu einigen." — Zu den bisherigen Verhandlungen des Volkswirtschaftsrates über das Tabaksmonopol sagt die „Prov.-Corr.": Die bisherigen Verhandlungen im Volkswirtschaftsrat haben bereits die Hoffnungen derer zu Nichte gemacht, welche in ihrem blinden Eifer gegen das Monopol auch von dieser Körperschaft einen Widerstand gegen dasselbe erwarteten. Indem der VolkSwirtschaftSrat sich bei der Beratung nicht von politischen Gesichtspunkten leiten ließ, sondern den Entwurf sachkundiger Erwägung unterzog und dabei viele neue praktische Gesichtspunkte zur Sprache brachke, hat er, wie auch sein schließliches Gutachten ausfallen mag, bewiesen, daß eS ihm um eine sachliche und besonnene Diskussion zu thun ist. Der Eindruck, welchen die Ausführungen des Vertreters der Negierung machten, und der sich auch dadurch kundgab, daß die Versammelten am Schluß der allgemeinen Besprechung demselben ihren Dank für seine Bemühungen aussprachen, wird nicht verschlen, auch für die weitere Entwickelung der Angelegenheit im VolkSwirtschaftSrat von Einfluß zu sein, und auch auf die öffentliche Meinung und
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Mission zu folgendem einstimmig angenommenen Anträge: „Unter Hinweis auf die früher dieserhalb bereits gepflogenen Verhandlungen und gestellten Anträge, die königliche Regierung aufzufordern, nunmehr baldigst ein Lehrer-Dotationsgesetz für die Volksschulen dem Landtage vorzulegen, oder falls dieses sich nicht in kürzerer Frist ermöglichen lasten sollte, eine gesetzliche Regelung und Erhöhung der AlterS- und Eremitcn-Zulage für Elementarlehrer herbeizuführen." Der Antrag wird ohne Debatte vom Plenum angenommen.
Darauf begründete Abg. Stengel den von ihm ein» gebrachten Gesetzentwurf, betreffend die Heranziehung der juristischen Personen zu den Gemeindeabgaben in den Landgemeinden der sieben östlichen Provinzen und der Provinz Schleswig-Holstein. Von anderen Seiten sind Anträge auf Ausdehnung dieses Gesetzentwurfs auch auf den Re- gierungsbezirk Wiesbaden eingegangen. Ferner liegt ein Unterantrag auf allgemeine gesetzliche Regelung der Heran- ziehung der sogenannten Forensen, sowie der juristischen Personen zu den Gemeindeabgaben vor.
Die Abgg. Schreiber und Grumbrecht empfehlen die von ihnen gestellten Anträge. RegierungSkommistar Herfurth erklärt, die Regierung sei mit dem Ziele der Anträge einverstanden und eS sei nicht ihre Schuld, wenn vorgelegten Gesetze nicht zur Er-
wmeiaen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, fomie d.Annoncen-Bureaur v Th. Dietrich u. Co. in rfaffel und Hannover; Th. Dietri» in Frankfurt °M.; ßaafenftein u. Vogler in Zrantfurt a. M., Berlin. Leipzig- Köln rc.; Rudolf Mosse in Berlin, Frankfurt a. Ul. rc.
überweist den Antrag weiteren Anträgen an die Gemcindekommission.
Garten zu vollenden. Als mit Hilfe der neuen Kultureinrichtungen anno 1867 zum erstenmal in Marburg die Victoria regia reiche Blüten und die Paradiesfcigen oder Bananen massenhaft: Früchte entwickelten, hatte der Garten bereit« einen Höhepunkt erreicht, den er mit seinen mageren Geldmitteln nur schwer festhalten konnte. Selbst Rehe, Affen und Papageien fehlten in unserem Paradiese nicht.
Inzwischen begann vom Jahr 1865 an die neue Aera für Marburg. Die Ketzerbach war längst überwölbt und durch die lustig Heranwachsende Akazien-Allee aus einem Sumpf in eine schöne Promenade verwandelt worden. Um die Elisabeth-Kirche wurde die Anlage vervollständigt und dem edelsten Bauwerk Marburgs entsprechend umgestaltet und verschönert. Wie eine zum Fest sich schmückende Jungfrau umgab die alte Elisabethen - Stadt den Saum ihres Gewand«« immer mehr mit Kränzen schöner Gärten und Neubauten, so daß dieselben jetzt in fast ununter, brochener Guirlande die ganze Stadt umgeben. Darunter find einige sehr gut angelegte Hau«- und Park-Gärten. In Lagen, wo man e« früher für ganz unmöglich hielt, entstanden die schönsten Villen u d Gärten mit reizender Lage und Aussicht. Wo früher Eisensträflinge bausten, freut man sich jetzt öffentlicher Lustanlagen mit Bowlinggreen und Blumenbeeten, Springbrunnen und Lustgehölzen.
Der Schloßberg und die südliche Hochfläche zwischen Schloß unv Dammelsberg ist mit Gärten, besonders mit einer auegedehntm landwirtschaftlichen Anlage, welche sich nördlich bi« an den Götzenhain erstreckt, bedeckt und eS ist vielleicht nicht zu kühn gedacht, wenn ich die Hoffnung ausspreche, daß mit der Zeit da« ganze durch eine wundervolle Aussicht bevorzugte Gebiet zwischen Schloß und DammelSderg durch den Schönheitssinn und die Opfer-
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