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Marburg, Mittwoch, 8. März 1882

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Debatte nach dem Anträge der Budgetkommission ange­nommen. Fortsetzung morgen um 11 Uhr.

hält er durchaus nicht für einen Ausdruck germanischen Wesens. Von diesem Standpunkte aus verhält er sich auch gegen die Unifizierung des materiellen Rechts ablehnend.

Justizminister Dr. Friedberg entgegnet, daß die meisten Fragen, die der Vorredner hier zur Sprache ge­bracht, nicht Sache der Landesvertretung seien, sondern reichsgesetzlich geordnet seien, und man sich dem fügen müsse; daß die Räte des Kölner Appelhofes im Range heruntergesctzt seien, wäre i hatsächlich unrichtig. An Ver­waltungssachen hätte dieser Appellhof nicht mehr zu leisten, als andere preußische Appellationsgerichte. Abg. Trim« born führt Klage über da« Zurückbleiben der Gesetz­gebung bezüglich des Realkredits für Rheinland. Re- gierungSkommistar Rindfleisch anerkennt, daß eine ander- weite Regelung des Hypothekenwescns für Rheinland wünschenswert, aber mit vielen Schwierigkeiten verknüpft sei; ob die bezügliche Vorlage noch im Laufe der Session erfolgen könne, sei deshalb zweifelhaft. Abg. Berger wünscht eine Revision der Expropriationsordnung und eine Mitteilung derjenigen einzelnen Fälle, bei denen das Ex­propriationsverfahren angcwendet worden fei. Abg. Vir­chow bringt die Entschädigung unschuldig Verurteilter zur Sprache. Minister Fried berg erwidert, eine Entschädigung unschuldig Verurteilter sei schwer zu finden, es gebe eine Reihe von Existenzen, welche aus dem unschuldig Ver­urteiltwerden ein Gewerbe machten. Auf Anregung deS Abg. Gründler erklärt Minister Friedberg, daß er bereits für mehrere Jahre Erhebungen angeordnet habe über die Zahl von Verurteilungen ungetreuer Vormünder. Die bisherigen Zahlen ließen jedoch einen Schluß auf die Wirkung der Vormundschaftsordnung nicht zu, wil ein Uebergangsstadium geherrscht habe und aus der Zeit vor­her eine gleiche Statistik nicht vorliege. Der Hauptgrund für die betr. Erscheinung liege darin, daß die Waisenräte nicht überall in entsprechender Weise ausgesucht würden. Abg. Windthorst glaubt, daß die Ursache der verhältnis­mäßig Dielen Verurteilungen von Vormündern jn dem un­gewohnten FreiheitSzustande zu suchen sei, den plötzlich die vorher völlig gebundenen Vormünder in den alten Provinzen erhalten hätten. Bezüglich einer Entschädigung unschuldig Veiurteilter müßte mehr geschehen. In Kriminalsachen sei die Schaffung einer neuen zweiten Instanz unumgänglich nötig. Minister Friedberg anerkennt, daß in den Pro­vinzen des gemeinen Rechts die Vormundschaftsordnung leichter eingesührt worden sei und hofft, daß, weil das Institut sich dort bewährt hat, dies auch in den anderen Provinzen der Fall sein werde. Abg. Gründler be­fürchtet, die neue Gerichtsorganisation könnte die formelle Ausbildung der Juristen schädigen. Abg. Windthorst wünscht, daß die jungen Juristen auf der Universität mehr lernten, dann würden sie von den Richtern auch mehr berücksichtigt werden. Der Rest deS Etats wird ohne

Diese in den mitunter unvergleichlich malerischen Gärten Ost - Asiens von jeher zum Ausdruck gelangte Grundidee wirkte noch nach 2000 Jahren, als die Gärten Chinas zum ersten mal durch William Chambers bei unS bekannt wurden, befruchtend und befreiend auf die Gartenkunst deS Abendlandes zurück, welche großenteils immer noch in Banden und Verirrungen des französischen und Zopf-StylS schmachtete. (Fortsetzung folgt.)

Bom Landtag.

Berlin, 6. März. »-

In der heutigen (27.) Plenarsitzung deS Abgeord­netenhauses kam der Etat des Justiz - Ministeriums zur Verhandlung. Nachdem die Einnahmen ohne erheb­liche Debatte bewilligt, nahm beim Gehalt des Ministers zunächst das Wort.

Abg. Dr. v. Jazdzewskt, welcher Klagen überden Verkehr mit den russischen Gerichten vorbringt. Der Herr Justizminister wird Abhilfe zu schaffen suchen, wenn ihm nicht auf dem administrativen Wege möglich, durch Bei­hülfe deS auswärtigen Amts. Abg. v. Ludwig verbrei­tet sich über die Kostspieligkeit deS Gerichtsverfahrens und die durch die Gerichtsorganisation hervorgerufene Ent­fremdung der Richter von den Verhältniffen deS wirklichen Lebens, und bringt andere Unzuträglichkeiten vor, die mit der Gerichtsorganisation verbunden seien. Abg. Rind­fleisch stellt den von dem Vorredner bezüglich der Höhe der Gerichtskosten angezogencn Fall in seinem thatsächlichen Zusammenhänge richtig und bemerkt, daß die Amtsgerichte an sich zweckmäßig aus daS platte Land verteilt seien. Wenn sich trotzdem die Amtsrichter nicht so mit den Ver­hältnissen des platten Landes vertraut machten, wie es wünschenswert sei, so verschulde dieS wohl der Umstand, daß die Amtsrichter sich zu wenig auS den Reihen der Gutsbesitzer rekrutierten.

Auf Anregung des Abg. Günther gab Justizminister Dr. Friedberg die Erklärung ab, daß er nur aus zwingenden Gründen von der bis zum 1. Oktober ihm zustehenden Befugnis in der Aenderung der Amtsgerichte Gebrauch machen werde. In der Ansicht aber, die Zweck­mäßigkeit einer Aenderung deS § 21 der Strafprozeßord- nung (wonach bestimmte Richter nicht Beisitzer deS er­kennenden Gerichts fein können) stimmt der Minister dem Vorredner bei, er erinnert aber daran, daß eS sich um eine reichsgesetzliche Bestimmung handle. Daß die Amts­gerichte eine gewisse republikanische Verfassung hätten, wäre Schuld der Landesverlretung selbst, da die Regierung in dem Ausführungsgesetz einen Direktor für die größeren Amtsgerichte vorgeschlagen hätte.

Abg. R e i ch e n s p e r g e r (Köln) kann die Klagen de» Abg. v. Ludwig über die hohen Kosten der Anwälte im allgemeinen nicht für berechtigt halten. Er wiederholt dann seine früheren Beschwerden über daS Ueberhandnehmen deS Schreibwerks bei den Gerichten und beklagt weiter, daß die Stellung des AppellationSgerichtS in Köln durch die Reorganisation gelitten habe. Auch die Stellung der Ge­richtsvollzieher wäre am Rhein nicht bloS finanziell, son­dern im allgemeinen sehr herabgedrückt: daS gereiche der Justiz nicht zum Vorteil! Die ganze Justizorganisation

Die Bedeutung des Gartenbaues uud feine Ent­wickelung in Marburg.

Vortrag, gehalten im Gartenbau-Verein von M. Zeller.

Ursprünglich nur dic weitere Entwickelung deS Garten­baues in Mnburg, soweit ich sie in den letzten 19 Jahren beobachten konnte, zum Gegenstand meines letzten Vortrag» in Ihrer werten Mitte machen wollend, verfalle ich in den allbekannten Fehler unserer schreibseligen und erzgründlichen Vorfahren, welche womöglich jede Abhandlung mit Er­schaffung der Welt anfingen. I och erschrecken Sie nicht, wenn ich in denselben komischen Fehler verfalle, und mit dem Para'ieS anfange (wir werden schnell genug wieder in unserem alten an seiner Peripherie so schön sich ver­jüngenden Marburg sein) und entschuldigen Sie eS damit, daß sich der Gartenbau eines gewissen OrtS niemals sür sich allein behandeln läßt, sondern richtig erfaßt werden kann nur in Verbindung mit der Geschichte und dem Wesen des Gartenbaues übeihaupt.

Es ist höchst merkwürdig, daß gleich das zweite Blatt unseres ältesten und ehrwürdigsten Geschichtsbuchs den gütigen Scköpfer aller Dinge mit der Anlage und Pflanzung eines großartigen, fruchtbaren, von vier Waffern belebten Gartens beschäftigt darstellt, in welchem Adam inmitten einer herrlichen und durchaus friedlichen Natur al» Paradies« gärtner und Prvfeffor der Zoologie sich beschäftigte, Eva aber leider nur zu eifrig Pomologie trieb.

DaS Paradies ist und bleibt un» da» Ideal eine» 'chönen, fruchtbaren und glückseligen, gegen alle Not und Unfrieden umhegten Gartens, und ist in diesem Sinn in b«n Sprachgebrauch aller gebildeten Völker übergegangen. Das altpersische Wort für Paradies, pairidaieza, im Griechischen paradeisos ist ganz gleichbedeutend mit dem

altgermanischen WortGarten" und bedeutet: Umzäumung, Ziergarten, Baumgarten, endlich überhaupt Lustgarten. Auch der moderne Garten soll daS Ideal, welches in dem Wort Gaeten zu so schönem AuSvruck gelangt, zu ver­wirklichen trachten, und von jeher lag der Gartenkunst die Idee zu Grunde, in einem nach außen gesicherten Terrain die Natur zu idealisieren, und sich in der Beschäftigung und im Umgang mit der harmlosen Pflanzenwelt sinnlichen und geistigen Genuß zu verschaffen, wie aus den ältesten und neueren Werken der gefeiertsten Dichter und Denker aller N tionen hervorgebt. Sichtbare Svuren von den Gärten des Altertums sind uns freilich nicht erhalten ge­blichen, man weiß ja, wie schnell in heißen Ländern ein Garten ohne Pflege wieder zum Urwald wird, so daß spätere Geschlechter höchstens die Trümmer der Prachtbauten, Bild­säulen und Teraffen jener Gärten wieder auffinden können, aber alS Beispiel, welch' richtige Gesetze die Alien über Anlage von Gärten schon hatten, möckte ich hier nur eine Probe anführen. Noch lange vor Christi Geburt hat der Chinese Lieu-Tschung die Grundidee zur Anlage von Gärten mit folgenden Worten auSgedrückt:In allen Jahrhunderten ist man darin übereingekommen, daß die Pflanzung von Gärten den Menschen für alles anmutige entschädigen soll, wa» ihm die Entfernung vom Leben in der freien Natur, seinem eigentlichen und liebsten Aufenthalt, entzieht. Die Mannigfaltigkeit, welche der Hauptvorzug der freien Natur ist, muß also gesucht werden in der Auswahl des Bodens, in dem Wechsel von Hügeln und Thälern, von Bächen und Seen, die mit Wasserpflanzen bedeckt sind. Alle Symmetrie ist ermüdend, und Ueberdruß und Langeweile werden erzeugt in den Gärtm, in welchen die Anlage Kunst und Zwang verrät."

Unter falschem Namen.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

Weiß der Himmel," brummte Rosen, lachend ihr nach­schauend,woher nur diese Damen zu all den mannig- sachen Talenten auch die Gabe haben, mit ihren fast unge­messenen Einnahmen so schnell mit dem Gelbe fertig zu werden?"

Er hat sich wieder an seinen Arbeitstisch gesetzt:So, nun bin ich aber für niemand zu sprechen. Am besten wohl, wir schließen gleich die Thürel"

Noch hält er den Schlüssel in der Hand, al» der Lieutenant von Zollern vor ihm steht.

Meiner Treu, Zollern, zu ungünstigerer Stünde hätten Sie nicht kommen können!"

Ein freundliches Willkommen, in der That, für einen erften Besuch in Ihrem Heiligtume! Aber Sie dürfen mir nicht zürnen, bester Doktor, ich konnte nicht ahnen, Sie so beschäftigt zu finden. Kann ich vielleicht helfen? Ich stehe gern zu Gebote."

Eine schätzenswerte Kraft, wie die Ihre, wäre nicht zu verachten; die Art der Arbeit nur möchte Ihnen toenig

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Deutsches Reich.

* Berlin, 5. März. Nach dem Bericht über die deutsche Auswanderung nach überseeischen Ländern im Jahre 1881, welcher im Januarheft der Monatshefte zur Statistik des Deutschen Reichs für 1882 veröffentlicht ist, betrug die Zahl der deutschen überseeischen Auswanderer im vorigen Jahre, soweit sie durch die amtliche Statistik nachweisbar ist, überhaupt 210547. Hiervon gingen über Bremen 98510, über Hamburg 84425, über Stettin 1434, über Antwerpen 26178. DaS Ziel der Reise waren für 206189 die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, für 286 Britisch - Nordamerika, für 56 Mexiko und Zentral Amerika, für 58 Westindien, für 2102 Brasilien, für 762 andere Teile von Amerika, für 314 Afrika, für 35 Asien und für 745 Australien. Die AuSwanderungSziffern der letzten elf Jahre betrugen: 1871 75912, 1872 125650, 1873 103638, 1874 45112, 1875 30773, 1876 28368, 1877 21964, 1878 24217, 1879 33327, 1880106190, 1881 210547. Wie weit die auf amtlichem Wege zu erlangenden Zahlen ein vollständiges Bild unseres über­seeischen AuSwaudererstromeS bieten, läßt sich nicht genau beurteilen. Statistisch ausreichende Kontrolen im Innern deS Landes sind nicht vorhanden, und auch auS den Ein­wanderungsländern bezw. AusschiffungShäfen liegen aus­reichende Angaben über die deutsche Einwanderung nicht vor. Daß den Aufzeichnungen ein nicht unbedeutender Teil der Auswanderer entgeht, ist klar, da neben den aufge­führten Häfen noch Havre, von wo für 1881 noch keine Nachrichten vorliegen, Rotterdam, Liverpool, Glasgow, London in betracht kommen. Doch sind die deutschen Aus­wanderer über diese Häfen zum großen Teil schon in Ham­burg und Stettin angejchrieben worden. Man muß sich jedenfalls begnügen, festzustellen, daß die von der ReichS- statistik gebrachten Nachrichten über die deutsche Auswan­derung sich der Wirklichkeit bedeutend nähern, aber sowohl in bezug auf die Gesammtzahl, als die Verteilung der Aus­wanderer nach Herkunftsstaaten und Bestimmungsländern immerhin mangelhaft bleiben. Die Gesamtzahl der 1871 bis 1881 nachgewiesenen überseeischen Auswanderer war 805689 und danach betrug der durchschnittliche jährliche Bevölkerungsverlust, auf je 1000 Einwohner berechnet, in Preußen 1,8, in Bayern rechts des Rheins 1,2, Pfalz 2,0, in Sachsen 0,9, in Württemberg 2,1, in Baden 2,0, in Hessen 2,1, in Mecklenburg-Schwerin 4,7, in Mecklenburg- Strelitz 3,1, in den thüringischen Staaten 1,0, in Olden­burg 2,5, in Braunschweig 0,9, In Anhalt 0,6, in Waldeck 1,8, in beiden Lippe 1,2, in Lübeck 1,4, in Bremen 3,7, in Hamburg 2,7, in Elsaß-Lothringen 0,2. Von 100 Au»-

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«ureigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux ' Th. Dietrich u. Co. tn ö'affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Hoasenstein u- Vogler m Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Mofse in Berlin, Frank­furt a. UL rc-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M.; JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

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