Nr. 56.
Marburg, Dienstag, 7. März 1882
xvil Jahrgang
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WchkM ZcitliW.
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Som Landtag.
Berlin, 4. März.
In der heutigen (25.) Plenarsitzung deS Abgeordnetenhauses wurde die Beratung deS Etats der Bauverwaltung fortgesetzt.
Abg vr. K o l b c r g sprach für die Regulierung der Pasfarge und hielt die der Stadt BraunSberg auferlegten Lasten für Herstellung des Hafens für zu groß; er wurde in seiner Auffassung von dem Abg. Schröder (Lippstadt) unterstützt, während der Regierungskommissar Mintsteral- Direktor Schultz die der Stadt Braunsberg auferlegte Last als gerechtfertigt darlegt. Die Abg. K i e s ch k e, Frhr. v. M i n n i g e r o d e und B r ä m e r befürworteten die Regulierung des oberen Pregel. Nach der Erklärung veö R eg i e r u n g s k o m m i s s a r s sind die bcz. Pläne in Vorbereitung. Abg. Schmidt (Stettin) regt die Errichtung eines Leuchtthurmcs zwischen Rügen und Bornholm an. Der Herr Regierungsvertreter weist darauf hin, daß diese Angelegenheit Sache des Reiches sei; er könne inceö milteilen, daß man zur Zeit erwäge, ob Leuchtturm oder Leuchtschiff anzulegcn sei. Wegen der Regulierung der Warthe und Netze trugen die Abg.Kantak, v. B e t h e und M a g d z i n S k i der Regierung spezialisierte Wünsche vor.
Nachdem damit das Ordinarium des Etats der Bau- verwaltung erledigt war, wurden die beiden Denkschriften, betreffend die geschäftliche Lage der preußischen Kanalprojekte, und betreffend die in der Zeit vom 1. April 1880 bis zum 1. Oktober 1881 erfolgten Bauausführungen an denjenigen Wasserstraßen, über deren Regulierung dem Landtage besondere Vorlagen gemacht sind, in der Diskussion verbunden. Abg. Graf Hacke empfahl die Regulierung des Finowkanals im Landcekulturintereffe. Abg. Gärtner entnimmt der jetzt vorgelegten Denkschrift zu seinem Bedauern den Eindruck, daß die früher intendierten großen Projekte entweder wesentlich eingeschränkt oder ganz aufgegeben seien.
Im Gegensätze zu dem Vorredner konstatiert der Abg. B i e s e n b a ch, daß die erstgenannte Denkschrift in den industriereicken Gegenden Rheinlands unv Westfalens die freudigste Anerkennung finde. Kanäle allein für den inneren Verkehr entsprechen den heutigen Verhältniffen nicht mehr; die direkte Verbindung deS Rheins mit der See wäre zweifellos richtig. Nur wäre wünschenswert, daß die Negierung auch in bezug auf die Breite und namentlich auf die Tiefe der Kanäle die Erfahrungen anderer Länder beobachte, damit die Umladung vermieden werde. Was in Belgien und Holland möglich sei, das muffe auch in Preußen zu erreichen sein. Der Staat, besten Militärmacht mit allen Staaten konkurrieren könne, müsse auch seine Industrie allseitig konkurrenzfähig machen und daS geschehe, wenn er
Unter falschem Namen.
Bon Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
Fräulein Eckard lacht fröhlich auf ob des enttäuschten Gesichts. „Sie sind ein schlechter Schauspieler, Doktorchen. Sie haben Ihre Mienen gar wenig in der Gewalt. — Da ist wieder di- alte Wolke, die bei meinem Eintritte Ihre Stirn umschwebte. Muß ich sie noch einmal verscheuchen?"
„Wenn Sie so lieb und freundlich mich anschauen, verfliegt sie von selber. Sie wissen, in der Nähe der Sonne kann kein Schatten bestehen."
„Schmeichler I" Sie schlägt ihm leicht mit den Spitzentuch auf die Hand. „Ich bin geistreichere Cttate von Ihnen gewöhnt."
„Haben Sie darin vielleicht schon eine Sammlung meiner Aussprüche angelegt?" Er deutet auf da« verhängnisvolle Päckchen.
„Schauen Sie selber, Doktorchen I — Aber Scherz bet Seite, ich möchte Ihre Vermittlung für die Arbeit."
Der Doktor deutet mit dem Ausdrucke deS Schreckens auf die Manuskripthaufen. „Sehen Sie da, mein Schätzchen!
„Wie Cornclie sagte, indem sie auf ihre Söhne deutete. Hoffentlich sind daS nicht alles Erzeugniste Ihres eigenen Geistes?" c t
„Behütei Ich finde fchon darin eine Lebensaufgabe, sie nur alle zu lefen; fo überreich bin ich versorgt —*
„Und doch könnten Sie gleich jenem bekannten Geizhalse inmitten Ihrer Schätze vor Mangel sterben."
Rosen lackt. Ein Gedanke schießt ihm durch den Sinn.
„Ist jene Arbeit von Ihnen gnädigstes Fräulein, dann — 01 sie ungelesen acceptiert; obgleich,—"
der Industrie die direkte Verbindung mit dem Meere möglich mache.
Abg. vr. Hammacher hätte gewünscht, daß die Regierung nicht bloß die in den westlichen Provinzen allerdings gut aufgenommene Denkschrift vorgelegt, fondern bereits bestimmte Vorlagen gemacht hätte. Der Rhein-Nordsee-Kanal werde wesentlich zur Hebung der rheinischen Industrie beitragen. Der Redner verlangt Auskunft darüber, warum die seit fünf Jahren bewilligte Summe für den Mainkanal nicht zur Verwendung gelangt ist. Es sei eine betrübende Wahrnehmung, daß partikulare Hinderniste nach der Einigung des Deutschen Reichs heute noch hier störend ein- wirken könnten. Weiter wünscht er Auskunft über die Lage des Rhcin-MaaS-Kanals, und ob für die nächste Zeit diesbezüglich der Abschluß eines Abkommens mit der niederländischen Regierung zu erhoffen sei.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Maybach, erklärt, daß die Regierung an der Hoffnung sesthalte, dem Landtage noch in dieser Session die 1. Sektion deSRhein« Weser-Elbe-KanalS vorlegcn zu können. Was den Main- Kanal betreffe, wofür die Fonds im Etat von 1879/80 bewilligt, so würde die Regierung nicht nachlasten, die ent- gegenstehendcn Hinderniste endlich zu beseitigen. Wegen des Rhein-Kanals stehe der Abschluß einer Konvention mit Holland in Aussicht. Der Herr Minister schloß mit der bestimmten Erklärung, daß man bezüglich der Kanalprojekte endlich von den Denkschriften zur thatsächlichen Ausführung schreiten müsse.
Abg. Kleist v. Bornstedt bittet die Interessen der Kanaladjazenten, namentlich bei dem Lateralkanal an der Havelmündung zu berückstcktigen. Abg. vr. Windthorst spricht seine Befriedigung über die Erklärung deS Ministers aus; einige Spezialwünsche behält er sich vor, demselben vertrauensvoll persönlich zu unterbreiten.
Demnächst ging daS HauS an daS Extraordinarium deS Etats der Bauverw ltung. Bei der Position (206 000 Mark) zum weiteren Ausbau der hinterpommerschen Häfen sprach Abg. v. Holtz für eine billigere Berücksichtigung deS Kolberger Hafens, und namentlich auch Verlegung der H ffenbohn. Abg. Graf Clairon d'Haussonville wieS dem gegenüber darauf hin, was der Staat für den Kolberger Hafen seit Uebernahme desselben durck den Staat im Jahre 1837 gethan. Eine weitere Bertiesung des Hafens von 147i Fuß auf 17 Fuß habe große Bedenken. Die Verlegung der Hafenbahn sei kaum als ein Bedürfnis anzusehen, da der Verkehr ein sehr geringer sei. Abg. vr. Virchow meint, wenn überhaupt für die hinteipommcr- schen Häsen etwas geschehen sollte, Kolberg doch in erster Reihe stehen sollte, und zudem allein in die Lage gebracht werden könnte, Seeschiffen an diesem Teile der Küste Zuflucht zu gewähren. — Abg. Baron v. Eickstedt- P e t e r S w a l b t machte auf die Nachteile aufmerksam,
„WaS?"
„Ich bedauern würde, wenn Sie — verzeihen Sie meine Offenherzigkeit — Ihre schöne Kraft zersplittern wollten, nur um die Zahl der unglücklichen Schriftstellerinnen noch zu vermehren. Wenigstens sollten Sie damit warten —"
„Bis ich der Bühne entsagt, um etwa wie Caroline Bauer mit fremder Hilfe meine Erinnerungen zu schreiben."
„Eine lukrativ dankbare Aufgabe, nur für den dienstwilligen Helfer nicht."
„A propos, lohnen Sie, verehrter Doktor — pekuniär meine ich — denn wirklich so, daß sich die Mühe und Zeit bezahlt macht —?"
„Ein Spielabend lohnt Ihnen jedenfalls bester, als eine ganze Woche angestrengtester Schriftstellerei."
„Mir? Wer sagt Ihnen, daß ich —" sie blickt auf das Päckchen in des Doktors Hand.
Rosen läßt sich nicht stören. „Sie müßten sich denn in Theaterstücken versuchen, — an feinen Lustspielen ist großer Mangel —"
„Nicht übel Lust hätte ich, schon rin klein wenig zu birchpfeifern. — Aber Scherz bei Sette, Doktorchen, Sie thuen mir einen großen Gefallen, wenn Sie sich sür diese Arbeit ein wenig interessieren möchten! Heute Abend, wenn Sie, von irgend einem guten kleinen Souper heimgekommen, e» sich auf Ihrem Schlassopha so recht bequem gemacht, wenn dir Pfeife in Brand ist, dann ist die rechte Stunde, dann nehmen Sie daS kleine Ding da vor —"
Der Doktor lacht. „Dann schlafe ich ein! Zu solcher Stunde ist» gefährlich!"
„Ein Dutzend Flafchen von dem Weine, der Ihnen neulich bei mir so gut geschmeckt, wird Sie munter halten.
welche der Durchstich „die Kaiserfahrt" für Wiesenbesitzer und die Fischer an der Oder im gefolgt habe.
Bei Titel 32 (Beschaffung eine» Dienstgebäude» für die Regierung in Breslau und zur Ergänzung der Bureau« Bedürfnistr 1 580 000 M.) den die Kommission abzulehnen beantragt, erhebt sich eine längere Debatte. Die Regierung hat wegen der Unzulänglichkeit der jetzigen Regierungs- Gebäude den Ankauf der Häuser der Jmmobiliengesellschaft vorgeschlagen, und dieser Vorschlag wird von dm Abgg. v. Haugwitz und v. Uechtritz angelegentlichst unterstützt. Dagegen wird von den Abgg. Reichensperger (Köln), v. Hüene Wächter geltend gemacht, daß ein Neubau vorzuziehen ist. Die Kosten sind nur um 145000 Mark höher. Die Position wird gemäß dem KommisstonSvor- schlage gegen die Stimmen von etwa 20 Konservativen abgelehnt und bezüglich der Petition der Antrag der Kommission angenommen.
Bei Titel 35 u. s. w. fragt Abg. v.Minnigrrode an, wie weit die Ausführung des Projektes der Nogat« Weichsel Regulierung gediehen sei. NegierungS-Kommistar Geh. Rat Schulz erwidert, daß der bezügliche Bericht des Regierungs-Präsidenten zu Danzig noch nicht einge« gangen sei.
Damit ist der Etat der Bauverwallung erledigt.
Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Etat ter Justizverwaltung.
Deutsches Reich.
Berli«, 4. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die „Nationallib. Korresp." hat über die gestrige Beratung der Tabaksmonopolfrage im Volkswirtschaftsrat eine von der „Nationalzeilung" reproduzierte Besprechung gebracht, die eine so tendenziöse Verkennung der wirklichen Sachlage enthält, daß sie füglich einer Richtigstellung bedarf. Die generelle Besprechung der Monopolvorlage am Donnerstag machte auf alle Anwesenden den Eindruck, daß innerhalb des VolkSwirt'chaftsratS eine weit größere Zahl von Freunden des Monopols sitzt, als nach den bis dahin von der gegncriscken Presse gemachten berufenen oder unberufenen Andeutungen zu erwarten gewesen märe. Die beiden Reden dcS UiiterstaatssekretärS Dr. v. Mayr machten einen augenscheinlich tiefen Eindruck. Sie überragten die gegnerischen Ausführungen sowohl an formeller Beherrschung deS Gegen- stantes, als auch an überzeugendem, materiellem Inhalt. Wenn die „National. Korr." behauptet, Herr Dr. v. Mayr habe dem VolköwirtschaftSrat den Vorwurf unfruchtbarer Negation gemacht, so ist diese Behauptung direkt unrichtig. Herr v. Mayr hat einzelnen Gegnern deS Monopols, dir vor ihm gesprochen hatten, den vollkommen zutreffenden Einwurf gemacht, daß sie zwar die Vorlage bekämpft, aber positive Gegenvorschläge nicht gemacht hätten. AlS später
Ich hatte Ihnen dieselben ohnehin als Weihnachtspräsent zugedacht."
Rosen verneigt sich: „Solcher Stärkung wird es sicher nicht bedürfen."
„Vielleicht doch, denn ich bedarf auch Ihrer Inspiration für ein wohlklingendes Pseudonym."
„Ich begreife, daß Sie da« gute Renommee Ihre« Namens nicht werden aufs Spiel fetzen wollen —"
„Meines Namens? Sicherlich nicht?"
„Un> daß ein männlicher Autorname, wie die Pseudo- Werner, Detleff und andere ihn beliebt, „Ihnen" nicht zusagen möchte!"
Fräulein Eckard lacht: „Nein, offen gestanden, bei all den Frauenbestrebungen der Jetztzeit erscheint eS mit unlogisch, bei anerkennenswerten geistigen Leistungen sich hinter einen männlichen Namen verstecken zu wollen. Jrn Gegenteil, ich vertraue auch ohnedem ganz Ihrem ritterlichm Sinne und hoffe, daß, wenn die Arbeit brauchbar ist, Sie auch" — sic macht mit komischem Ernste die Pantomime des Geldzahlens — „ihr die klingende Anerkennung nicht versagen werden, obschon nur eine Frau sie geschrieben hat. — Nein, lachen Sie nicht, Doktorchen, eS ist mein voller Ernst I Sie wissen gar nicht, wie den armen Teufeln, die sich an die litterarische Galeere geschmiedet, daö Geld oft so knapp sein kann, befonberfl zur — Weihnachtszeit."
Wie ein Wirbelwind ist sie zum Zimmer hinauSgesanst. In der Thüre noch wendet sie graziös daS Köpfchen zurück. „Bergeffen Sie nicht, daß ich Sie am ersten Weihnachtsabend bei mir zu sehen hoffe, und — bringen Sie mir guten Bescheid 1 Nicht wahr, Doktorchen, Sie sind galant?"
(8ortf*i*g felgt.)