Marburg, Fruiag, 3. März 1882
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dkS Grundbesitzes dir Gefahr der Unwirtfchafllichkeit desselben n-ihe gebracht hat.
Der Antragsteller führte auS, daß für die lokalen rheinischen Verhältnisse am verderblichsten die Zersplittern,>g und die zerstreute Lage deS kleinen Grundbesitzes teilte. Sehr drastisch schildert der Antragsteller die Mißstände im ländlichen Kreditwesen der betreffenden Landesteile; besonderes Gewicht legt er auch auf eine N Vision des Wasser- genoffenschaftSgesitz S, daö zu feiner Anwendung nicht bloß zu viel Formalien enthalte, sondern auch materieller Aen- derungen bedürftig sei. — Waö den Antrag der Zentrumsfraktion betreffe, so unterscheide er sich von dem seinigen zunächst dadurch, daß er sich auf alle Provinzen und alle Grundbesitzer, wenn auch besonders auf die kleineren erstrecke. Ungern vermisse er nur die Revision des Wasser- genossenschaftögesetzeö; indes wünsche er, daß die mehr lokalen Gesichtspunkte seines Antrages die Berücksichtigung finden, deren sie dringend bedürftig feien. Geschäftlich empfehle sich wohl, beide Anträge einer Kommission zur Vorberatung zu überweisen.
Minister Lucius erklärt sich mit den Ausführungen d-S Abg. Knebel nicht einverstanden, wobl aber mit dem Effekte dcS Antrages. Da nicht allein im Nheinlande, sondern überall die angeführten Uebelstände vorhanden, so würde sich eine solche Erhebung für das ganze Land empfehlen. Die Angelegenheit fei stets die Sorge der Negierung gewesen. Eine Statistik der Schulden sei dringend erforderlich, nur dürfe der Kreis derselben nicht zu weit gezogen sein. Die Regierung habe öfter Gelegenheit gehabt, sich mit der Sache zu beschäftigen; die jedesmaligen Resultate ergäben aber eine stetig fortschreitende Besserung. Bei der neuen Ermittelung der Veischuldungen müßte eine Fortführung der Subhastations-Statistik eintreten. Bezüglich der Grundbuchverhältnisse werde erst das ReichSzivil- gefetzbuch eine Gleichmäßigkeit für daS linke und das rechte Rheinuf r herbeiführen können. Die Hebung deS Kredit« werde mit der Frage der Verschuldung gleichzeitig gelöst. Bezüglich der Wasserbauten sei zu konstatieren, daß sich die Bildungen von Wassergenossenschaften alljährlich vermehrten und das auf dieselben bezügliche Gesetz sich bewähre.
Abg. Janson empfiehlt den Antrag deS Abg. Huene, ebenso v. Minnigerodc. Nach weiterer unerheblicher von den Abg. Huene, v. Ludwig, Mooren und Rickert geführter Debatte werden die Anträge der Abg. Knebel und v. Huene einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Fortsetzung morgen.
Die Indemnität von 1866 «ud die deutsche Frage.
Bei den Erörterungen der letzten Zeit wurde vielfach die Indemnität von 1866 e wähnt, als Beweis, daß die Regierung damals selbst ihr Unrecht in bezug auf die
Bom Landtag.
Berlin, 1. März.
Vor dem Eintritt in die Tagesordnung der heutigen (23 ) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses berichtigte Abg. Graf Clairon d'Haussonville seine am Sonnabend gemachten Ausführungen betr. des Synagogen- brandeS in Neustettin dahin, daß nach den noch am Sonnabend von ihm veranlaßte» amtlichen Mitteilungen die Untersuchung gegen den qu. Tempeldiener zwar eingeleitet gewesen, indes durch Beschluß des Gerichts inzwischen bereits au-gehoben sei.
Eine Petition der Pfarrgemeinde Mellrich (im Kreise Lippstadt) mit sechs Dörfern um Errichtung eines besonderen Standesamts - Bezirks. welche die Kommission der Regierung zur Erwägung zu überweisen beantragt, empfahl der Abg. Fahr. v. Schorlemer-Vehr (früher Landrat deS Kreises), der Negierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Infolge der Erklärung deS RegierungS-Kommiffars Geh. Ober-Regierungs-Rat WohlerS, daß die StaatS- regierung die Sache gründlich untersuchen werde, zog er demnächst das Amendement zurück, und der KommisstonS- autrag wurde angenommen.
Darauf begründete Abg. Knebel seinen Antrag, betreffend eine Untersuch» g über die Lage deS Kleinbauernstandes der Rheinprovinz, nach den einzelnen in demselben bezeichneten Gesichtspunkten.
Seitens der Zentrumsfraktion ist ein die Frage wesentlich verallgemeinerndes Amendement zu diesem Anträge eingebracht. In demselben wird die StaalSregierung ersucht, in geeigneter Weise eine Untersuchung über die Lage des Grundbesitzes in den einzelnen Provinzen deS Preußischen Staates anzustellen, und zwar unter besonderer Berück- sicktigiing deö kleinen, bäuerlichen Grundbesitzes. Dabei sei festzusteüen: 1. der Umfang der Verschuldung deS Grundbesitzes, 2. Gründe dieser Verschuldung, 3. die Belastung teS Grundbesitzes mit Staats- und Kommunalsteuern, Renten und sonstigen Auflagen, 4. die Zulänglichkeit der zur Deckung des KretitbeeürfnisieS bestehenden Einrichtungen, 5. inwieweit bereits die in einzelnen Teilen der Monarchie rurd) verschiedene Umstände veranlaßte Teilung
„Wenn — ich dabei entbehrlich sein möchte —“
„«b, ich verstehe, die Verfafferin möchte ihre Pseudo- nymilät bewahren. Ein ächt deutscher Fehler. Schon Jean Paul macht ihn silnen Landsleuten zum Vorwurf: „Wenn ein Deutscher seine Schuhschnallen verloren hat," sagt er, „setzt er unter die Anzeige: Abzugeben in der Expedition des BlatteS; nicht einmal seinen Namen ins Jntelligenzblatt zu setzn, kann er den Mut finden." — Aber, Mißchen, ohne Namen thul sich'S nicht. Man kann doch von einem Verfasser, besonders wenn seine Arbeit gefällt, nicht wie von einer fraglichen Größe X. L. sprechen? Was hätte er davon? — Ohne Namen keinen Nuf. Da denken wir praktischer: einer neugeschaficnen Rolle flieht der Name deS Schauspielers, der sie spielt, erst die rechte Weihe — sagen wir Anziehungskraft für das Publikum. — Und das Publikum ist ein vielköpfiges Ungeheuer, unberechenbar in feinen Launen. Der Schriftsteller wird die Erfahrung machen müssen, so gut wie wir. Hat sein Name aber erst einen guten Klang, nun, so darf er auch Manches wagen. Also schnell einen Namen."
„Uebernehmen Sie die Patheustelle, teures Fräulein, das wird dem Täufling Glück bringen. Mir haben die Namen für meine kleinen Arbeiten, die Titel richtiger gesagt, schon Mühe genug gemacht. Einen ansprechenden und bezeichnenden Namen zu finden ist so leicht nicht."
„Glaube eS gern, Mißchen I Aber wir sind am Ziel. Sie wollen also mich nicht begleiten? — Nun, da lassen Sie sich hier die Zeit nickt lang werden."
Sie ist schnellen Schrittes ins Haus geeilt, ehe Mißchen noch die Bitte hervorgebracht, sich ein andermal nach dem Erfolge ihrer gefälligen Vermittelung erkundigen zu dürfen. Nun, da sie wartend allein in dem eleganten Ge-
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Ilsen.
Kosul
1882
Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Sortierung.)
»Nun, Mißchen, beichten Sie. Für wen brauchen Sie meinen Nat oder meine Hülfe? Sie sehen gar so feierlich aus."
„So ungefähr ist auch mir zu Sinne. Ich fürchte, unbescheiden zu sein, und weiß doch niemand, an wen ich fonft mich wenden möchte. Kurz, um Jore Geduld nicht zu ermüden: ich möchte Ihren Rat für diese Arbeit," sie deutet auf ein zierliches weiß umhülltes Päckchen in ihrer Hand. „Ach bitte, lachen Sie nicht, — ich weiß nur zu flut, wie unbescheiden ich bin, und Wie viel an dem Versuche zu wünschen bleibt, indeß — es wäre mir so sehr erwünscht, für denselben Aufnahme In einem geeigneten Journale zu finden."
Die elegante, vom Glück begünstigte Schauspielerin kann einen erstaunten Blick nicht verbergen. Ein schnelles Verständnis dämmert in ihr auf, indem sie auf ihre be- icheldene Gefährtin schaut.
„Ich verstehe, Mißchen, aber — so gern ich möchte — ™ werde Ihnen nicht helfen können; ich habe der literarischen Beziehungen nie gepflegt."
L "Ich dachte an Doktor Rosen, einen Ihrer eifrigsten ^Verehrer."
L "Doktor Rosen? Gut, daß Sie mich an ihn erinnern. Ja sind wir ja auch zufällig in der Nähe seines RedaktlonS- lureaus." Sie bat die kleine zierliche Uhr herausgezogen. -.Elf Uhr also etwa seine Sprechstunde. Neutrale Zelt, Neutraler Boden, das paßt. Lassen Sie uns gleich zu ihm Ihren."
«n,eigen nimmt entgegen: bie Expedition b. Platte«, sowied.Annoncen-Bureaux 1 xp. Dietrich u. Eo. in raffel und Hannover; Tb. Dietrich in Frankfurt a M.; öaafenftein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, g,;Biig, Köln n.; Rudolf Wolfe m Berlin, Frank-
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vorangegangenen Jahre erkannt und die LaudeSvertetung „um Verzeihung gebeten habe."
Die Indemnität ist in Wahrheit von der Regierung keineswegs als Verzeihung begangenen Unrechts erbeten unb von der Landesvertretung auch nicht in. solchem Sinne erteilt worden. „Wir wünschen den Frieden nicht, weil wir kampfunfähig sind, im Gegenteil, die Flut ging mehr zu unsere» Gunsten, a'S vor Jahren", sagte Graf BiSmarck. Der Berichterstatter des Abgeordnetenhauses ober, Twesten (der bis dahin Fortschritlsmann gewesen war), erwähnte zunächst, daß die Gegner der Regierung in der Kommission selbst sagten, die Negierung fordere mit Indemnität und Kredit mehr Zugeständnisse, als sie dergleichen mache —, er rief dann aus: „Wir können den Frieden schließen, darum müssen wir ihn schließen. Ja, wir werden den Bogen auch künftig nicht zu straff spannen dürfen", und wies schließlich auf den großen Scipio hin, der, als er nach einem Siege angettagt wurde, statt jeder Verteidigung daö römische Volk aufforderte, ihm zu folgen, um den Göttern für seine Siege zu danken.
Das war der Sinn, in welchem damals bie Indemnität erbeten unb erteilt wurde, und es steht denselben Leuten, welche sie damals nicht erteilen wollten, hiermit aber nicht durchdrangen, übel an, nachträglich den Sinn derselben ins Gegenteil verkehren zu wollen.
Wenn aber bie Mitglieder der Fortschrittspartei sonach kein Recht haben, sich auf die Indemnität, schon nach deren Bedeutung für die innere Politik, zu berufen, so kommt baju, daß dieselbe gar nicht blos im Zusammenhänge dieser inneren Verhältnisse aufzufassen ist.
Der Kanzler hat schon zu jener Zelt angedeutet, weS- halb er auf die Indemnität, die volle, auch äußere Versöhnung so großen Wert legte: für Ihn war eS weit weniger eine innere preußische, als eine äußere, zunächst deutsche Frage. „Wir wünschen den Frieden", sagte er, »weil das Vaterland ihn in diesem Augenblick mehr bedarf als früher," unb fügte hinzu: „Die Aufgaben ber auswärtigen Politik such noch ungelöst; bie glänzenben Er- folge ber Armee haben nur unseren Einsatz im Spiele noch erhöht, wir haben mehr zu verlieren als zuvor; gewonnen ist daS Spiel noch nicht, aber je fester wir zusammenhalten im Innern, desto sicherer find wir eS zu gewinnen in diesem Augenblick." Dies wurde damals nickt ganz verstanden und konnte nicht verstanden werden, well man nicht ahnte, daß BiSmarck bereits damit beschäftigt war, um ganz Deutschland durch bie Schutz- unb Trutzbündnisse ein Bau') zu schlingen, noch auch, baß er gerade damals die Gelüste Frankreichs zur Vergrößerung (aus unsere Kosten ober mit unserer Hilfe) zurückzuweifen hatte. Selbst seine Freunde konnten nicht begreifen, warum er so lebhaft auf der Indemnität bestand: in bezug auf fährt sitzt, ist es ihr auf einmal gar nicht mehr behaglich darin. Wem mag dasselbe gehören? Wie würde die so formenstrenge Mama es empfinden, ein Fräulein von Fürstenau im fremden Gefährt zu wissen? Einem Fräulein Eckard mag eö erlaubt feilt; für sie jedoch möchte eö falsche Deutung zulassen. —
In nächster Nähe sind der Laden viele; zu einem derselben hat Arthur von Zollern Mutter und Schwester begleitet. Während bie Damen prüfend die Waren mustern, eht er unfern ber Thüre unb blickt gelangweilt auf bie Straße hinaus.
Die Schwester ist zu ihm getreten. „Sieh Arthur, baS ist solch ein nlebllcher Schlitten, wie die Mama ihn sich. längst gewünscht hat. Du könntest den Papa ein wenig instruieren."
»DaS Gespann ist auch mir schon ausgefallen. Prächtige Rappen; irre ich nicht, so gehören sie bem Sommer« zienrat X."
„Der Commerzlenrat Ist unverheiratet "
Der Offizier lacht: „Aber bennoch ein großer Damen- freunb.“
Isidore ist zurückgetreten: lieber Eure Freundschaften! Kennst Du die Dame? Zählt sie vielleicht auch zu Deinen loeiannten <
„ecbroerlidj! Mein weiblicher Bekanntenkreis ist nicht groß, wie Du weißt."
^süt fein Blick auf ber Gestalt im glitten, die eben den Kops zurückwendet.
„Anna von Fürstenau? Unmöglich!"
(Fortsetzung folgt)
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureauk von G 8. Daube u. Co. in Frankfu't a. M ; Jügersche Buchbondluna daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvakidendank in '■Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: C Schlotte in Bremen.
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