Marburg, Donnerstag, 2. März 1882
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stnen- und PflaumenmLnnchen anbicten, oder die lhöncrnen Schäfchen, mit der flockigen Watte umkleidet. Selbst die kleinen Händler liebäugeln mit den schön geschmückten Schaufenstern, besonder« wenn diese ein Abbild geben alles dessen, was des Kindes Herz ersehnt: Hier die menschlich große Puppe mit dem wirklichen Haar und den beweglichen Augen, deren frische, rote Lippen — unglaublich erscheint rS ihnen — sogar Papa, Mama und andere unglaubliche Worte sollen hervorbringen können. Dort das kunstvoll gezäumte Slreitroß und daneben die vollständigste Reiter- uniform, die sich nur träumen läßt, umstanden von Soldaten jeder Nationalität und Größe, und im Mittelpunkte all der Herrlichkeiten der lebensgroße Knecht Ruprecht selber, das brennende Tannenbäumchen im Arme, mit dem langen grauen Barte, der nimmer grauer und dünner wird, so oft der ehrwürdige Schelm im Laufe der Jahrhunderte auch wiederkehrte.
Selbst in den großen öffentlichen Lokalen hat der Weibnachtsbaum sein Wesen; Weihnachtsmärchen und Feenreigen werden dargestellt, die Säle sind weihnachtlich dekoriert, und selbst der Domchor stimmt seine ergreifenden Hymnen an, um an seinem Teil an der weihnachtlichen Ävventsstimmung beitragen zu hellen.
ES ist am Tage vor dem heiligen Abend in früher Vormiltagsstunde. Dichter Cchnee ist gefallen und die Fußgänger haben Mühe, auf den noch nicht gereinigten oder festgetretenen Seitevpfaden im gewohnten Schnellschritt vorwärts zu kommen, doch die Luft ist schön und für einen Wintertag ungewöhnlich mild.
Bor Fräulein Eckards Wohnung hält ein zierlicher Schlitten. Der Commerzienrat hat ihn ihr für ihr etwaigen Einkäufe, zur Verfügung gestellt und die Hoffnung auSge-
fast keine Konkurrenz machen, sondern fabrikmäßig hergestellt werden. Die Arbeit der Strafanstalten so zu organi- steren, daß sie der freien Arbeit gav keine Konkurrenz mache, werde. ein unlösbares Problem bleiben. — Nach Schluß der Debatte werden die weiteren Positionen des Etats des Ministeriums des Innern und die übrigen auf der Tagesordnung stehenden Positionen bis einschließlich der Position „Lotterieverwaltung" ohne Debatte unverändert genehmigt. — Fortsetzung der Beratung des Etats morgen.
sprechen, daß er auch nicht ganz vergessen werden möge. Das Köpfchen voll neckischer Ideen, wie sie ihre Gäste überraschen möge, voll warmherziger Pläne aber auch, wie sie manchem armen Menschenkinde ein paar frohe Stunden schaffen könne, eilt sie, den Schlitten nicht nutzlos warten zu lassen.
Erst wenige Schritte ist sie gefahren, als dem reich galonnierten Roffelenker von ihrer Hand das Zeichen zum Halten wird.
„Wie, Mißchen, Sie? und vermutlich auf dem Wege zu mir? Ich habe doch nicht etwa unsere Studienzeit vergessen? Der Schlitten hält vor und Fräulein von Fürstenau.
„Nicht doch, teures Fräulein; für heute war sie nicht verabredet; und doch war ich auf dem Wege nach Ihnen — mit einer Bitte sogar."
„So setzen Sie sich zu mir," — sie hat mit einla- -endcr Handbewegung die weiche Pelzdecke zurückgeschlagen, — „schnell, Mißchen, an meine Seite. Die kostbaren Vierfüßler sind des geduldigen Harren« weniger gewohnt, al« wir vernunstgehabten Wesen."
Widerstrebend nur gehorcht Fräulein von Fürstenau dem freundlichen Drängen.
„So, Mißchen, nun die Füße auf dm warmen Pelz und nie Decke übergeschlagen. So! Ist e« Ihnen jetzt behaglich ?"
»3°z behaglich ist e« schon, und die freundliche Fürsorge thut wohl; der Schlitten gleitet so ruhig dahin, und von dem gesicherten Platze sieht sich da« Treiben der Menge so ganz ander- an.
lFortsetzung folgt-»
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Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
Sind schon im kleinsten Städtchen am Weihnacht«« bende und den Abenden zuvor die Straßen belebter und Hc Menschen geschäftiger denn je, wie viel großartiger noch gestaltet sich diese Regsamkeit in den lichterfüllten Straßen ter Hauptstädte. Geschmackvoll und voll kluger Berechnung baden die Verkäufer ihre Waren zur Schau gestellt und 'es künstlichen Lichtes nicht gespart um die Blicke der Äorübergehenden anzuziehen. Die Straßen widerstrahlen iiotn Lichtschein der hohen Spiegclfenster und locken, indem sie zwiefach ihn blenden, den Beschauer all ihrer Herrlichkeit hinein in die Verkaufsräume. Und wohl ihm, wenn 'et Zustand seiner Finanzen ihm kein Hemmnis ist, und ft der Lockung folgen und reichbeladen heimkehren darf, um das Seine beizutragen zur reichen WcihnachtSspende. Zwischen den geschäftigen Damen, die nach altem Her- irmmen im letzten Augenblicke die kunstvollen Stickereien rst vollenden können, die der überbürdete Handwerker trotzdem zur reckten Zeit fertig schaffen soll, schreiten über- ' egend die Gatten und Väter, die, so sehr sie über die saumselige Geschäftigkeit ihrer Damen auch schelten mögen, elder doch auch erst in letzter Stunde ihrer Pflichten ein- edenk werden. Eilfertige Dienstboten mit Packeten und
greife, da« doch mit nationalen Gesichtspunkten gar nichts zu thun habe, sondern nur dem Wohle der gesamten Bevölkerung und der Provinz diene. Abg. Dr. v. Jazd- zewski will den Mißständen namentlich durch Teilung dc« Kreise« Jnowrazlaw abhelfen und im übrigen den DisuiktS-Kommiffarien die Schulaufsicht entziehen. Abg. Hahn entgegnet, daß g rade die Freunde de« Vorredners sich der Teilung jenes Kreises widersetzt hätten, daß aber die Schulausstcht den DistriklSkommissarien nur aus Not belassen werde. Der Titel wird darauf bewilligt.
Abg. v. DziembowSki wünscht eine Erhöhung der Dienstaufwandentschädigung für die Distriktskommissare. Der Minister deS Innern wird auf eine Erhöhung der Dienstaufwandsentschädigung sowie deS Gehalts der Distrikts. Kommiffare bedacht sein, sobald die Finanzen eS gestatten. Abg. v. Kalkreuth unterstützt den Wunsch des Abg. v. DziembowSki mit Rücksicht auf den hohen Aufwand für die Dienstpferde. Abg. v. DziembowSki bittet, die Erhöhung der DienstoufwandSentschädigung nicht von der Gehaltserhöhung abhängig zu machen. Der Titel wird bewilligt.
Bei dem Kapitel 94 (Landgendarmerie) bringt Abg. Bachem den Rheinbrohler Glockenfall zur Sprache, in welchem, im Widerspruche mit der Haltung der Behörden bei den Judenkrawallen ohne Not militärische Hilfe requiriert und dadurch die Sache nur verschlimmert worden sei. Minister v. Puttkamer erwidert, nach den vorliegenden Berichten, zu denen allerdings noch das Aktenmaterial fehle, habe sich die Angelegenheit derart gestaltet, daß, da die Bevölkerung eine überaus drohende r altung angenommen habe, das Verfahren der Behörden keineswegs voreilig und ohne Not gewesen sei. Die Kirche, um die es sich handle, sei auf Kosten der politischen Gemeinde gebaut worden und in früheren ähnlichen Fällen sei das Glockengeläute unbeanstandet benutzt worden. Vor dem Eingänge der Akten möge man über den Fall nicht aburteilen, v. Eynern wünscht vom Minister zu erfahren, ob Bischof Korum auf den Frieden hingewirkt habe. Wenn er vom RegierungS- tische keine Antwort erhalte, sei keine Antwort auch eine Antwort. Minister v. Puttkamer erwidert, in di sem Falle sei dann keine Antwort eben keine Antwort. (Große Heiterkeit.)
Kapitel 95: „Allgemeine Ausgaben für Polizei" (ge Heime Ausgab n) wird gegen die Stimmen des Zentrums und der Fortschrittspartei angenommen; die übrigen Titel werden ohne weiteres genehmigt. Bei Kapitel 96: „Strafanstalts-Verwaltung" verlangt Abg. Jungck die endliche Regelung des Strafvollzugs gegen jugendliche Verbrecher. Regierungskommiffar Illing entgegnet, die Regelung sei in Vorbereitung begriffen. Bei Titel 5 dieses Kapitels bemerkt derselbe, die Regierung laste nur solche Arbeiten in den Gefängnisten anfertigen, welche der Handwerk arbeit
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Bom Landtag.
Berlin, 28. Februar.
Das Abgeordnetenhaus setzte in seiner heutigen (?2.) Plenarsitzung, die erst nach 1 Uhr eröffnet wurde, die Beratung des Etats des Ministeriums de« Innern, und zwar bei dem Kapitel Polizeiverwaltung in den Pro- rlnzen fort.
Abg. v. Eynern wünscht, daß die Bevorzugung der r. 20 Städte incl. Berlin, für welche der Staat über 8 WiUioncn an Kosten für die Polizeiverwaltung beitrage, beseitigt werde. Regierungskommissar Geheimer Ober- Negierungsrat v. Kehler erklärt, daß eine andere Art l’cr Heranziehung der qu. Kommunen, als die gegenwärtige, p den Kosten der Polizeiverwaltung al« inopportun er« jdeinen müsse. — Abg. v. Wierzbinki beschwert sich Lrüber, daß auf einen polnischen BildungS- und Unter« f ntzungSverein da« Vereinsgesetz angewendet werde. Abg. Hahn weist demgegenüber daraufhin, vaß die Behörden sich um den qu. Verein soweit kümmern müßten, als eS sch um polnische Agitationen handle. Abg. Kantak be« iont, daß die ganze Tendenz deS betreffenden Vereins eine wissenschaftliche sei und dessen Lebensfähigkeit dadurch untergraben werde, daß man Lehrern u. s. w. den Beitritt untersage. Eine unpur l iiscbe gründliche Untersuchung diese VereinSthätigkeit werde erweisen, daß sich die Polen auf ivllständig legalem Boden bewegen.
Bei dem Kapitel: Polizei-Distrikts-Kommistarien in der Provinz Posen bringt Abg. Dr. v. JazdzewSkt eine nähere Beschwerte über dieses Institut vor und spricht sich gegen die Vermehrung der Distrikts-Kommissare um eine neue Stelle aus, zumal die Landräte gar nicht hinreichend beschäftigt seien. Abg. Hahn erinnert an die vorjährigen chatten über die KreiSordnung für die Provinz Posen, welche darüber feinen Zweifel hätten bestehen lasten, daß die Tistriklskommistare in der Provinz Posen unentbehrlich seien; mit Rücksicht auf die Größe der Kreise sowohl, wie cuf die Abneigung der Besitzer, Polizeifunktionen zu übernehmen. Die Vermehrung von 137 auf 138 könne auch rur dem allerdringeiidstcn Bedürfnis genügen. ES sei befremdend, daß der Vorredner jedes Jahr ein Institut an-
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Deutsches Reich.
Berlin, 28. Febr. Graf Hatzfeldt begiebt sich morgen zu seiner Erholung auf Urlaub. — ^gegangenen Nachrichten zufolge ist Prinz Heinrich von Preußen gestern wohlbehalten in Jerusalem eingetroffen. — Der Volks« Wirtschaftsrat wurde heute Nachmittag durch Staatsminister v. Bötticher namens de« Handelsministers mit einer Ansprache eröffnet, in welcher der Minister an die sachgemäßen Verhandlungen der vorigen Sitzung erinnerte und die Hoffnung auf eine gleich erfolgreiche Thätigkcit in der jetzigen Session aussprach und sodann die bereits vorliegenden Beratungsgegenstände mitteilte, zu denen noch einige hinzukommen würden. Den Vorsitz in den zunächst stattfindenden Plenarversammlungen wird Minister von Bötticher führen. Nächste Sitzung um 11 Uhr. — Der „NeichS- anzeiger" veröffentlicht eine Ansprache deS Fürsten Radziwill an den Sultan bei Überreichung des Schwarzen Adlerordens und die Antwort des Sultans darauf. In ersterer heißt eS: Fürst Radziwill sei beauftragt, dem Sultan die Gefühle der beständigen Freundschaft de« Kaisers auSzu- drücken. Der Sultan sprach sein aufrichtigstes Verlangen aus, die zwischen beiden Reichen bereits bestehenden Freundschaftsbeziehungen möchten erhalten bleiben und sich befestigen ; er selbst werde nicht ermangeln, alles aufzubieten und auszuführen, was dieses Bestreben im höchsten Maße verwirklichen könnte. — Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt zu der Mitteilung der „Natioualzeituirg" über den Inhalt der angeblichen Unterhaltung zwischen dem russischen Botschafter Herrn von Saburoff und dem Fürsten Bismarck betreffs der Skobelewfchen Affaire, da auf der Hand liege, daß weder Saburoff noch Bismarck die Gewohnheit hätten, von dem Inhalte vertraulicher Gespräche Unbeteiligten Kenntnis zu geben, so werde niemand über die Glaubwürdigkeit jener Nachricht zweifelhaft fein. — Dasselbe Blatt erklärt die Nachricht der „Kölnischen Zeitung", daß nicht vom Berliner auswärtigen Amte, sondern vom Kaiser Wilhelm wegen General Skobelews Pariser Reden freundschaftliche Vorstellungen an den Zaren gerichtet worden seien, für unrichtig. Der Kaiser habe sich über SkobelewS Reden jeder amtlichen und außeramtlichen Aeußerung enthalten. Richtig sei nur, daß auch seitens de« auswärtigen
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schachteln beladen, basten genau, als ob jeder in Knecht Ruprechts sp ziellstem Dienst stände, durch die Straßen. - Dazwischen k-cke Burschen, knarrende Waldteufel schwingend, - Wer ein altes vertrocknetes Mütterlein, grüne Pyramiden -1 fnlbaltend, die den älertneren den grünen Baum ersetzen
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. 6o. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C Schlotte in Bremen.