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Marburg, Freitag, 24. Februar 1882.

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deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonntagsblatt allen Post-Anstalten, auf dem Lande den Landpostboten, entgegengenommen.

Rußland zu finden. Wenn derselbe aber dieses Land etwa zum Muster nehmen wolle, so müsse er auch in Konsequenz dessen sein Portefeuille einem General überlassen. Den höheren Beamten würde die Ausübung wissenschaftlicher Thätigkeit und den unteren Beamten der Eisenbahnverwal­tung daS PetitionSreckt beschränkt. Es sei verkehrt, die Wünsche und Beschwerden der Beamten zu unterdrücken, sondern cS sei zweckmäßig, sie öffentlich zu behandeln, damit eine genaue Prüfung reip. Zurückweisung eintrete. Dadurch werde die Disziplin nicht gelockert, sondern gefestigt.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach kann nicht finden, daß ein Anlaß zu dem Anträge Richter- Büchtemann vorliege, zumal er bereits in der Sitzung vom 3. Februar aus übrlich die Direktive mitgeteilt habe, welche er wegen des Auslegens von Zeitungen auf BahnhofS- Restaurationen rc. erlassen. Der Herr Minister verliest die bezüglichen Stellen seiner damaligen Rede und fügt binzu, wie er auch f-ion wiederholt auSgcsübrt, daß er den Beamten das verfassungsmäßige Petittonsrecht keineswegs beschränke; allerdings könne nicht zugelassen werden, daß dasselbe innerhalb der Verwaltung in einer Weise gehand­habt werde, welche den Resvekt und den Gehorsam verletze, den man von den Beamten erwarten müsse. Er habe bisher in keiner Weise eine Direktive gegeben, daß daS Petitionsrecht zu beschränken sei und werde eine solche auch in Zukunft nicht geben. Dem Vorredner könne er erklären, daß die Regierung das Vertrauen ihrer Beamten vollauf genieße, jedenfalls derjenigen, auf deren Urteil sie Wert lege. Er bitte demnach den Antrag abzulchnen. (Bravo rechts.)

Abg. Leonhardt (national!.) führt aus, wie der fortschrittliche Antrag weder zweckmäßig noch angemeffen sei. Das Mißtrauen, auf welchem der erste Teil des An­trages beruhe, sei nicht berechtigt und auch vom Abg. Büchte- maun nicht nachgewiesen. Im übrigen handele eö sich dabei um ein Desiderium, daS schon im vorigen Jahre Gegen­stand eines Beschlusses gewesen sei und aus welchen jetzt zurückzukommen, nicht angezeigt sein könne. DaS PctitionS- recht zu schützen, hätten die Nationalliberalcn sich stets an­gelegen sein lassen; aber die vorgetragenen Beschwerden ließen eine thatsächliche Beschränkung des PctitionsrechtS nickt erkennen. Abgesehen davon, würde man den Beamten selbst einen schlechten Dienst leisten, wenn man sich in ihre Beziehungen zu der Verwaltung anrcizend einmischen wollte.

Abg. Bachem spricht sich für den Antrag aus. Der­selbe stehe allerdings in seiner Bedeutung weit hinter den­jenigen Beschwerden zurück, welche die Zentrumspartei zur Zeit des Kulturkampfs cinzubringen genötigt gewesen. Wegen deS JnseratenwesenS werde jedenfalls in den westlichen Pro­vinzen, namentlich am Rhein, den Weisungen des Minister« gemäß, die man vollständig billigen könne, nicht verfahren. UebrigcnS bemerkt er, daß nicht bloß die königlichen Be­hörden , sondern auch der Ober - Bürgermeister von Köln

der Budgetkommisston über den Bericht der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Finanzen über die bisherige Ausführung des § 4 des Gesetzes, betreffend den Erwerb mehrerer Privateisenbahnen für den Staat vom 20. Dez. 1879 und deS § 5 des Gesetzes, betreffend den Erwerb des Rheinischen und deS Berlin - Potsdam - Magdeburger EisenbahnunternehmenS für den Staat vom 14. Februar 1880 und empfiehlt, den Nachweis als geführt zu erachten. DaS Hauö trat auch diesem Anträge dcbaltelos bei.

Schluß 2'/2 Uhr. Nächste Sitzung: Morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Mehrere kleinere Vorlagen und Petitions- Berichte. _____________

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Bom Landtag.

Berlin, 22. Februar.

In der heutigen (6.) Sitzung des Herrenhauses schlägt der Präsident vor, da das kirchenpolitische Gesetz wah'schcinlich in den nächsten Wochen, in denen keine Sitzungen statlfinden, an daS Haus gelangen werde, schon morgen eine Kommission zu wählen, an welche dasselbe gewiesen werden kann. DaS Haus ist damit einverstanden und setzt die Zahl der Mitglieder auf 15 fest. In die Tagesordnung cintretend, berichtet zunächst Hr. v. W i n t e r- feld über den Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der Verbote gegen daS sogenannte Schäfervorvieh und der be­sonderen Kündigungsfristen und Umzugstermine für Schäfer und deren Gesinde, und beantragte namens der Agrar- kommifsion die unveränderte Annahme der Vorlage. Nach einigen unwesentlichen Bemerkungen der Herren Graf zu Lynar und Fürst Putbus wird der Antrag der Kom­mission angenommen.

Es folgte die einmalige Schlußberatung über den Ge- schentwurf, betreffend die Kosten der Stierhaltung in den Landesteilen des linken RheinuferS. Auf Antrag des Referenten Herrn v. Rath wurde die Vorlage unver­ändert angenommen.

Dritter Gegenstand war der mündliche Bericht der Justizkommission über den Gesetzentwurf, enthaltend Be­stimmungen über die Gerichtskosten und die Gebühren der Gerichtsvollzieher, welcher von Herrn Eggeling er­stattet wurde.

Die Kommission hat an dem Gesetzentwurf nur einige unwesentliche Aenderungen vorgenommen, die nach kurzer Empfehlung durch den Referenten von dem Hause debatte- los genehmigt wurden.

Gleichfalls ohne Debatte wurden die mündlichen Berichte der Eis-nbahnkommission über den Bericht der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Finanzen über die Ver­wendung des Erlöses für verkaufte Berliner Stadtbahn- Parzellen und über die Ergebnisse deS Betriebes der für Recknung des Staats verwalteten Eisenbahnen im Jahre 1880/81 durch Kenntnisnahme erledigt.

Zum Schluß erstattet Herr v. Te t tau Bericht namens

beugungen. Vom Flügel her ist bei seinem Einmarsch ein Trauermarsch intoniert.

„Gilt daö mit?" droht er dem Spieler mit erhobenem Finger.

„Den Vielen nur, die Sie heute vermutlich inö Reich der Schatten befördert haben."

Der Mann der Finanzen ist noch immer ein wenig verstimmt.

„Commerzienrätchenl" droht auch der Komiker und den Professor bei der Hand ergreifend, führt er ihn mit gravi­tätischem Anstande in die Mitte deö Zimmers, genau unter die Ampel, daß ihr Licht voll auf ihn fällt. Mit jeder Hand noch eine der brennenden Kerzen ergreifend, leuchtet er am Boden eifrig suchend um ihn her.

„Schlemihl, edler Ritter, sagt an, wo habt Ihr Euren eigenen Schatten gelassen?"

„Auch er ist verewigt)" lacht der Commerzienrat.

„Meinen Schatten I" geht bereitwilligst der Profeffor auf den Scherz ein. Meinen Schatten I" er schaut mit putgespielter Besorgnis tun sich her. „Wer hat mir meinen Schatten geraubt? Gebt ihn mir wieder I Ich kann ohne meinen Sckattcn nicht leben I"

„Glaub's wohl I" brummt es vom Flügel her.

„Wollt Ihr ihn sehen?" nickte der Recenscnt und hält daS Schattenbildchen vor ihm ins volle Licht. „Verewigt für immer I Schaut her, und erkennt Ihr im Bilde Euch wieder, so werdet Ihr sein Leid verstehen I" — Ich glaube wahrhaftig, der Mephisto ist eifersüchtig?" flüstert er dem jungen Bildhauer zu, der die Silhouette geschnitzt hat.

„Eifersüchtig? Wer ist eifersüchtig?" Die junge Wirtin hat sich der Gruppe genähert und dem Commerzienrat den Arm gereicht, daß er sie zu Tische führe.

Unter falschem Namen.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

Sie hat Anna von Fürstenau in daS nahe Toiletten­zimmer hinetngezogcn, mit schneller Hand zwei Haarwellen gelöst und lockenartig ihr zu beiden Seiten des Gesichts herabrollen lassen, so schiebt sie st« lachend vor den Spiegel.

„Prächtig, Mißchen! Nicht wieder zu kennen I" Clara Werner meinen Sie?" O, die darf nicht plaudern! — So, Mißchen, nun die Schleppe Heruntergelaffen, diesen Spitzenumhang um die Schultern gelegt, die Ellbogen hübsch englisch In die Seiten gedrückt und mit gestrecktem Knie majestätisch einhergeschrittcn. — So, mein Meister­stück ist fertig! I am very glad to see you, Miss Anybody!" Sie zieht lachend die Widerstrebende mit sich ins pflanzen- geschmückte Vorzimmer zurück. „Ah, sie da Clärchen 1 Willkommen! Ich fürchtete schon, sie hätten Dich drunten vor lauter TrennungSfcligkeit gar nimmer fortlassen mögen." ®ie hat sich zum Ohre der Freundin gebeugt: „Fräulein von Fürstenau hat sich für heute in eine richtige Eng­länderin verwandelt! merke Dir'S, Schatz, und üb Dein Englisch, — Willkommen, Herr Professor, Sie lassen -ckhre Freunde lange warten! Herr Profeffor Winter, Miß Anybody, meine liebe englische Lehrerin, die sich heute, zur Belohnung meines Fleißes, hat bewegen lassen, unS den Abend zu schenken; — Fräulein Werner; — seit heute uwhlbsstandene Lehrersaspirantin seit lange mir eine liebe llnge Freundin aus meinem alten Penstonate."

, Sie hat die jungen Damen, die sich vertraulich an Nnander geschlossen, in's Wohnzimmer dirigiert und somit me Vorstellung zu einer allgemeinen gemacht.

Der Professor macht nach allen Richtungen feine Ver-

Jn der heutigen (17.) Plenarsitzung deS Abgeord­netenhaus es wurden zunächst Berichte der Wahl- prüfunpSkommission erledigt.

Die Wahl deS Abg. vr. M e y e r (Breslau) wurde für ungültig erklärt; die Wahlen der Abgg. Rittergntsb sitzer Kleist v. Bornstedt und des Oberlehrers Dr Kr o- patscheck beanstandet. (Seitens der WahlprüsungS- kommisston wurden die Gründe für die unerwünschte Ver zögerung barcekßt.) Die Wahl deS Abg. Schmidt (Sangerhausen) wurde für ungültig erklärt. Materielle Debatten führten diese Wahlen überall nicht herbei.

Zum Mitgliede der StaatSschulden-Kommission wurde der auSscheioende Abg. v. Bock nm-Dolf fs auf Antrag deS Abg. Freiherrn v. M i n n i g e r o d e per Akklamation wiedergewählt. Er nahm die Wahl dankend an.

Abg. Büchtemaun begründet darauf den von ihm in Verbindung mit dem Abg. Richter eiugebrachteu An­trag. Zu demselben liegt von dem Abg. v. TepPer- La S k i (mit Unterstützung der sreikonservotiven Fraktion) folgender Antrag vor: In Erwägung:

1. daß der vorliegende Antrag durch daS bisherige Verfahren der Eisenbahnbehörden bei Zuwendung von In­seraten für Zeitungen oder Beilegung von Fahrplänen in denselben und bezüglich deö AuSlcgens von Zeitungen in den BahnhofSnstaurationen nicht genügend begründet er­scheint;

2. daß seitens der Eisenbahnbehörden eine Verkümme­rung deS den Beamten verfassungsmäßig zustehenden Pc- titionSrechteS bisher nicht stattgefunden hat und nach den Erklärungen des Ministers der öffentlichen Arbeiten auch in Zukunft nicht zu besorgen ist, — über den Antrag der Abg. Richter und Büchtemaun zur Tagesordnung über­zugehen.

Die militärische Disziplin, welche der Minister der öffentlichen Arbeiten für die Eisenbahnbeamten beanspruche — so führt der Antragsteller u. a. zum zweiten Teile seines Antrages anS — entspreche allein dem eigenen bürean- kratischen Geiste deS Ministers, sei weder sachlich berechtigt und notwendig, noch auch irgendwo anders noch außer in

Der Komiker streift ihn im Vorübergehen; „Eifersucht ist eine Leidenschaft —"

„Die Leiden sucht und Liebe schafft," parodiert der Professor eben so leise.

„Bitte, lieber Winter, trennen sie doch die beiden ge­lehrten Damen da und reichen meiner kleinen Engländerin den Arm;" wendet sich die Wirtin zu ihm.

„Ich, mein gnädigstes Fräulein? Ich verstehe kein Wort Englisch. WaS sollte da auS der Unterhaltung werden?"

„Gutes hoffentlich!" Hübsch gehorchen, Profefforchen!

Alle haben sich um den Tisch gruppiert und plaudern harmlos von den Erlebnissen deS Tages. Der Commer­zienrat hat seine gute Laune wieder erlangt; Fräulein Werner sitzt neben Dokter Rosen und blickt ermunternd zu Miß Anybody hinüber, die allmälig erleichterter dreinschaut, da der Platz de« gefürchteten Gastes leer bleibt.

Der Professor allein scheint schweigsam, vielleicht, daß im der zugewiesene Platz nicht gefällt, vielleicht, daß er unlieber noch seinen Platz an der Seite der Wirtin ander­weitig besetzt steht.

Gelegentlich streift er die feinen, ernsten Züge seiner Nachbarin; und in kurzen Sätzen, laut und deutlich, wie man zu jemanden redet, welcher unserer Sprache noch sehr wenig mächtig ist, beginnt er erst spät eine spärliche Unter­haltung.

Seine Nachbarin wehrt errötend seinen Bemühungen, sich verständlich zu machen:

O," ich verstehe daS Deutsche, wie meine Muttersprache." „Und sprechen es genau so," lobt er. „Mir ist damit eine Last vom Herzen." (Fortsetzung folgt.»

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Oberhessische Zeitung

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G. jtöln ic.; Rudolf Uff" in Berlin, Frank- furt a. Ä. -e.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SomttagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker ei) bezogen 2'/t Mark, durch d,e Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr.» — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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