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XVII, Jahrgang
Marburg, Mittwoch, 22. Februar 1882
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Justizminister Dr. Friedberg: Den Kommissionsmitgliedern werde es obliegen, die vom Vorredner gegen die Kommission geschleuderten Angriffe zurückzuweisen. Er wolle nur den Vorwurf des Redners zurückweisen, als ob die Regierung mit diesem Gesetz den Versuch gemacht habe, daS HauS zu einem verfassungswidrigen Akt zu verleiten. Die von dem Grafen zur Lippe angeführten Gründe halte er nicht für zutreffend. Selbst in England werde diese Frage als zweifelhaft angesehen. Die Staatsregierung sei weit davon entfernt, einen Konflikt mit dem Abgeordnetenhause zu wollen. Das aber sei nicht der Weg, zu einem friedfertigen und einträchtigen Zusammenwirken zwischen den beiden Häusern des Landtages zu gelangen, wenn man, wie heut hier geschehen, ohne Rot in so scharfer Weise zum Widerspruch anreizt. Die Negierung habe bei Vorlegung deS Gesetzes am allerwenigsten erwartet, dah von hier auS ein derartiger Widerspruch erhoben werden könne.
Graf zur Lippe erklärt, daß er auch turchaus nicht gemeint habe, die Regierung habe das HauS zu einer verfassungswidrigen Handlung verleiten wollen. DaS sei ihm nicht im entferntesten in den Sinn gekommen.
Finanzminister Bitter ist erfreut, daß der Vorredner nicht der Regierung die mala fides imputieren wolle. Die Regierung habe daS Gesetz nicht im finanziellen Sinne dem Hause vorgelegt, sondern nur die Absicht gehabt, die Beamten so zu stellen, daß sie zufrieden sind und infolge der ihnen zu Teil werdenden Fürsorge ,bctn Dienst nach allen Richtungen voller Hingabe nachkommen. Nicht jedes Gesetz, welches zu Ausgaben für den Staat führe, fei ein Finanzgesetz, sonst würde der Kreis der Finanzgesetze ein sehr weiter werden. Es könne hier gar nicht die Rede davon sein, daß die Regierung die Privilegien reS anderen HauseS verletzen wolle, und er lehne namens der Staatsregierung jede Auffassung ab, daß diese Regierung der Meinung gewesen sei, daß durch diese Vorlage irgend dn Konflikt herbcigeführt werden könne
Der Korreferent Herr B r e d t verteidigt den Standpunkt der Kommission, indem er auf die im Bericht angeführten historischen Vorgänge Hinweis!, und außerdem auS der Geschichte des englischen Parlamentarismus das im Artikel 62 der Verfassung ausgesprochene Prinzip entgegen den Auffassungen des Grasen zur Lippe beleuchtet. Er bittet das Haus, gegen den Antrag des Grafen zur Lippe zu stimmen und ersucht besonders die StaatSregierung, daß sie die Rechte des Herrenhauses auch ferner, wie in diesem Falle, in Schutz nehmen möge.
Professor Dr. Dernberg erklärt sich gleichfalls vom juristischen Standpunkt auS für die Anschauung der Kom- misston. Er zollt dem Eifer deS Grafen zur Lippe, das HauS vor etwaigen unkorrekten Handlungen zu wahren, volle Anerkennung, glaubt aber, daß in diesem Falle die Bedenken des Grafen zur Lippe unnötig feien.
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Baron Senfft v. Pilsach erklärt sich gleichfalls dahin, daß daS HauS zur Behandlung deS Gesetzes kompetent sei.
Graf Brühl hat in früherer Sitzung sich der Auf- faffung des Grafen zur Lippe angeschlossen, heute müsse er sich dagegen aussprechen. Denn im anderen Hause habe man schon den Antrag Virchow cingebracht, ehe noch daS Herrenhaus sich in der Frage entschieden habe. Dadurch habe daS Abgeordnetenhaus den Konflikt schon angefangen, und das Herrenhaus könne nun nicht mehr zu- rückgehen. Der StaatSregierung fei er für die heute abgegebene Erklärung sehr dankbar, und dafür, daß sie die Rechte dcö Herrenhauses gewahrt und den Mut gezeigt habe, bett ihr angebvtenen Konflikt nicht zu scheuen! (Oho! links.)
Die Diskussion wirb geschlossen; der Referent Dr. Beseler rekapituliert bie Debatte und spricht sich entschieden für die Auffassung brr Kommission auS. Der gesunde Menschenverstand müsse dem Hause schon daS Recht zugcstchen, in bie Beratung bcs Gesetzes einzutreten. Die Kommission müsse er vor dem Vorwurf der Abhängigkeit von der Regierung verwahren. Sie habe aber auch ebenso wenig die Absicht gehabt, in die Rechte deS anderen Hauses einzugreifen. Ec beantrage die Vorfrage für erledigt zu erachten und in die Beratung deS Gesetzes ein- zutreten.
Dieser Antrag wurde schließlich mit sehr großer Majorität angenommen, und daS HauS trat in die materielle Beratung der Vorlage.
Die Paragraphen 1 und 20 werden hierauf unverändert, die Paragraphen 2 bis 19 en bloc angenommen, ebenso die Paragraphen 21, 22 und 23. Fortsetzung der Beratung morgen.
In der heutigen (15.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurde zunächst die Debatte über den Etat des BureauS des Staatsministeriums, speziell über den Dispositionsfonds für allgemeine politische Zwecke (93000 Mark), fortgesetzt.
Ada. Dirichlet suchte eingehend die Vorwürfe zu- rückeuweisen, welch- von veischieoenen Seiten, namentlich von dem Abg. v. Mey-r-ArnSwalde in der letzten Sitzung gegen ihn als „Bauern" uno gegen die Wahlflugblätter gerichtet waren, an deren Verbreitung und Redaktion er Teil genommen habe, und deren wesentlichen Inhalt er zu vertreten bereit sei. Wohl seien in denselben die „Junker", nickt aber der Adel als solcher angegriffen. Zur Charakteristik der konservativen Wahlagitation verliest der Redner einige Stellen aus Wahlflugdlättern dieser Partei, welche die „Königstreue" für ihre alleinige Domäne betrachte. Der Zweck aller in Rede stehenden Artikel der „Prov.- Corrdp." gehe dahin, eine gefügige Mehrheit zu finden.
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Eine Treppe tiefer wird an die Schlafenszeit lange noch nicht gedacht. Nicht allzugroß ist das Quartier, das Eva Eckard inne hat, aber mit genialer Zierlichkeit ist eö eingerichtet.
Einem Wintergarten gleicht das Vorzimmer mit seinen üppigen hohen Blattpflanzen; zwischen zierlichen Schlingpflanzen in einer der Ecken ein kleiner Springbrunnen von Rohrgeflecht hier und da ein paar Sitzplätze, und zwischen all dem Grün schauen von den Wänden und aus den Nischen hervor leichtgeschürzte mythologische Gestalten in anmutiger doch keuscher Haltung.
Schwere Portieren von dunkelgrünem Seidenstoffe, leicht zurückgeschlagcn, führen in das Wohnzimmer. Eine Ampel im matten lichtgrünen Glase erhellt eS, nur auf dem geöffneten Flügel brennen noch einige Kerzen. In ungezwungenen Gruppen stehen, von gleichem Stoffe wie die Vorhänge überklcidet, die Fauteuils und niedrigeren Sessel; eö ist jene liebenswürdige Unordnung, die zum Plaudern so verlockend cinladet, wie daS steife Arrangement des Mobiliars demselben störend erscheint. Man sühlt eS, hier wird die gemütliche und lebhafte Convcrsatiou nicht erst kurz vor dem Aufbruch die Gesellschaft beleben, wenn der Wein die Zungen beredt gemacht und die ansänglich, ach! so steife Anordnung der Scffel und Tischchen den Bedürfnissen der Plaudernden zum Opfer fiel; hier ist jedem Bedürfnis Rechnung getragen. Kunstvolle Schnitzarbeit ziehrt jedes Gerät, selbst die Mappen mit den wertvollen Kupferstichsammlungen und die Umfassungen der Wandbilder ; Porträts berühmter Künstler meist, die in der Mit- und Nachwelt ein bleibendes Andenken sich bewahrten.
(Fortsetzung folgt.)
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32.
Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
Während die Federn über das Papier fliegen, hat sie sich zu Fräulein Werner gesetzt. „Und Du, Schatz, willst Du nicht auch Deine Botschaft aufsetzen?"
Wieder fliegt ein ernster Zug über daS meist so fröhlich- Gesicht der Angeredeten. „Du weißt, Eva, ich habe niemand, der mir so nahe stände; Bruder und Schwägerin erfahren es brieflich früh genug."
„Aber warum denn fo ernst? Denkst Du an die Abreise?"
„Ich mache kein Hehl daraus. Mir ist« nicht recht, daß die immerhin anregende Studienzeit hier vorüber sein soll. Wie eine Leere überkommt eS mich nun, da die« erste Ziel erreicht ist. Ich habe eben so kecklich noch gesprochen, wie es mich lockte, in die Welt hinauSzuschweifen; und nun, ba ich dies Stücklein Heimat miffen soll, kommt die Wett wir gar so erdrückend groß vor, als müßte ich selber mich darin verlieren. Eva, auch Dich werde ich vermissen, schmerzlicher, als ich mir zugestehen mag; eS war gar so lieb, Dir so nahe zu sein und ungestört mit Dir verkehren zu dürfen —"
„Besonders wo hier niemand an dem Verkehr der ehrsmnen jungen Lehrerin mit der bekannten, lebensfrohen Schauspielerin Anstoß nahm!"
„Geh, Eva, Du spottest! Du weißt, wie alle zu Dir binaufschauen, wie vor allem ich auf Dein schönes Talent stolzer war, als Du selbst." ,
„Hm! Das klingt fast elegisch. Doch durch Sen - Mentalität den letzten schönen Abend uns zu verderben, ist wenig nach meinem Sinn." Sie hat spielend die Epheu-
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nimmt entgegen: »"’Ätion d. Blattes, d>- Änoncen-SBureau? ^Dietrich u. Co. in
$,e‘rlnftein u. Vogler in a. M-. Berlin, fej«Mn Rudolf Suffe in Berlin, Frank- ® ’ furt a. Ak. -c.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureanx von ® 8. Daube u. Ge. in Frankfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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Bom Landtag.
Berlin, 20. Februar.
Das Herrenhaus hielt heute Vormittag nach 11 Uhr (-ne vierte Plenarsitzung. Der Geheime Kommerzienrat Stumm ist in das Haus eingetreten und wird vom Präsidenten begrüßt.
Der Gesetzentwurf, betr. bie Veränderung der Grenzen einiger Kreise in den Provinzen Westpreußen und Brandenburg wird nach kurzer und unwesentlicher Debatte, an der Nch Graf Brühl und der Geh. Rat v. Br sucht tsch be- Macn, aus Antrag des Referenten Herrn v. Klütz ow unverändert in der Fassung bet Regierungsvorlage ange- lUn®a8 Gesetz, betr. bie Verjährungsfristen bei öffentlichen Abgaben in bett Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau, wird demnächst auf Antrag des Referenten Herrn v. Th ad en ohne Debatte in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen.
Der Hauptgegenstand der Tagesordnung ist die Beratung über den Gesetzentwurf, betreffend bie Fürsorge für tie Witwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten, und im Anschluß daran Entscheidung über die dazu ein- i-egangencn Petitionen. Auf Vorschlag des Präsidenten tritt das Haus zunächst in die Generaldiskussion über bie Kompetenz des Herrenhauses zur Beratung deS Gesetzes ein. — Die Kommission, welcher baS Gesetz zur Vorberatung überwiesen war, hat sich bahin geeinigt, das Herrenhaus für kompetent zur Vorentscheidung über daS Gesetz zu erklären.
Graf zur Lippe führt in längerer Rede auS, daß baS Gesetz sowohl ein Finanzgesetz wie auch ein ©teuer» axsitz fei, da es die Staatskasse mit einem Betrage von 8 Millionen Mark belaste und zugleich von allen definitiv angestelltcn Beamten, gleichgültig ob sie verheiratet seien oder nicht, eine Steuer von 3 pCt. des Diensteinkommens erhebe. Es müsse daher zunächst nach Art. 62 Abs. 3 der Verfassungsurkunde das Gesetz dem Abgeordnetenhause vorgelegt werden. Bisher sei noch nicht der Fall vorae- kommen, daß ein dem vorliegenden analoge« Gesetz zunächst dem Herrcnhause zugegangen sei, sämmtliche Pensionsgesetze seien vielmehr stets dem Abgeordnetenhause vorgelegt worden, wie z. B. auch die Gesetze von 1856 und 1865 Bei dieser bisher festgehaltenen Staatspraxis müsse man verbleiben und es vermeiden, mit dem anderen Hause in Kon- flikt zu geraten, wie er jetzt schon drohe. Das Herrenhaus müsse in dieser Frage seine volle Sebststänbigkeit wahren und sich nicht darauf beschränken, einfach immer unter der Flagge der Regierung zu segeln. Wem eS darum zu thun sei, bie Rechte des Herrenhauses zu wahren und seine Kompetenzen nicht zu überschreiten, der müsse gegen daS Gesetz stimmen. Ties hier auszusprechen habe er sich für verpflichtet gehalten.
Galick auber an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (R 0 ch'sche 0" H tNuchdruckerei) bezogen 2>/t Mark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr., — Juserliousgcbühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.
v Für in der Expedition zu crtheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
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ranke auS dem Haar der Freundin gelöst, die mit den feinen Würzelchen sich fest hineingeschmiegt hat. „Dein Kopf ist in der That wie für einen Kranz geschaffen , sagt sie neckend, „und doch schaust Du drein, als hättest Du mit dem heutigen Tage den Schleier genommen! Mache Dich fertig, Clara; ich bin gekommen, Dich mit mir zu nehmen. Der heutige Abend gehört mir. Einen Hausschlüssel brauchst Du nicht mitzunehmen, da ich auS alter Anhänglichkeit für Mama Krafft ja immer noch im gleichen Hause wohne. — Tummle Dick, ich möchte meine Gäste nicht warten lassen I — Fertig, meine Damm? Recht so! Geben Sie her, damit Ihre Stegesbotschast schnell ihre Drahtreise antreten können, und in der Heimat alsbald ihr Lob erschalle."
Mit freundlichem Gruße hat sie in ter Runde allen zuaenickt. .Adieu Mesdames! Adieu, Mama Krafft! Clara Werner nehme mich mit! Ich darf doch — Ob ich allein bin? - Nein, Mamachen ; zu zweien ist ein solch letzter Abend melancholisch! Eine solide kleine Gesellschaft nur, Sie dürfen unbesorgt sein!
„Leichtfüßig wie eine Elfe!" sagt Mama Krafft, als fie zur Thüre hinausgeschlüpft ist. und manches Auge der Zurückbleibenden ihr bewundernd nachschaut. „Aus die Eva kann man stolz sein." Sie ist gern stolz auf ihre einstigen Pfiegebefohlenen, wenn sie sich wacker gehalten haben. „Nun, die andere könnte eö sust so gut haben, wenn sie nur wollte; zu einer vertrockneten Gouvernante ist sie doch nicht gemacht", denkt die gute alte Pensior.s- mama bei sich. „Na, meinetwegen, mich kümmerts nicht , und behaglich macht sie eS sich in ihrem Lehnstuhle bequem, wie allabendlich, nachträglich ein wenig Siesta zu halten.
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