arburg, Dienstag, 21. Februar 1882
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treten für das Verfahren des „Staatsanzeigers" ein. Abg.
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Richtung eintreten werde. Weitere Debatte veranlaßt dieser
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Richter hat nach den Erklärungen des Herrn Regierung»« kommiffars wenig Hoffnung, daß eine Aenderung in der
die nnangenehme Aufgabe des Dementierens habe. Einzelne Ausfälle der „Provinzialkorresponz" seien der Hitze des Wahlkampfes zuzuschreiben. Es werde darauf gehalten werden, daß beleidigende Ausdrücke unterblieben. Die Fortschrittspartei sehe aber nur den Splitter im Auge des Gegners, den Balken im eigenen nicht. Die Art, wie die- selbe den Wahlkampf geführt habe, verhalte sich zu jener der „Provinzial - Korrespondenz", wie ein Katarakt zum Bachesrieseln. Der Fortschritt habe den Sieg erstrebt zum Teile mit unerlaubten Mitteln. Die Artikel der „Provinzialkorrespondenz" seien im Tone sehr scharf, aber sachlich und in jeder Beziehung zutreffend gewesen. Der Minister geht eine Reche seitens der Liberalen inkriminierter Artikel durch, um die sachliche Berechtigung derselben nachzuweisen. Der Ausdruck in den Artikeln sei zwar scharf, ihm gegenüber stehe aber die Bemühung, die Regierungs- Autorität systematisch herunterzuziehen. Der Minister verspricht, dafür zu sorgen, daß in dem Kampfe gegen den
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„Staats-Anzeigers" nach der fraglichen
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zu sehen; ein weicher, tiefernster Zug läßt eS jetzt fast hübsch erscheinen.
„Frau Doktor," — sie will eben ermutigend ihr zusprechen, aber eine andere Gestalt in eleganter Straßentoilette, die unbemerkt, fast gleichzeitig mit jener eingetreten, ist ihr zuvorgekommen. Leise hat sie der Erregten dir Briefe aus der Hand genommen. „Darf ich?" fragt ihr Blick, und schnell hat sie die Briefe geöffnet.
„Bestanden, meine Damen, „bedingungslos — bestanden," Sie Allel Glück auf!" Ihr schönes Gesicht leuchtet einen Augenblick im herzlichsten Mitgefühl; dann neigt sie mit drolliger Geberde sich vor den Verstummten. „Ich komme nur, geliebte Meer-Göttinnen,*) Euch meine Huldigung zu bringen, mit Lorbeern Euch die Denkerstirn zu kränzen!" Gewandt und unbemerkt hat sie von dem vom Fenstergesims herabhängenden Epheu eine frische Ranke um Fräulein Werners krausen Lockenkopf geschlungen, der eben ihr zunäcbst ist.
Alle lächeln und die Spannung ist gebrochen. Die Eingetrettne ist im Penstonate ein lieber, gern gesehener Gast, und zu freundlicher Begrüßung, zu herzlichem Glückwunschaustausch drängen alle durcheinander. Auch aus den Nebenzimmern, von den Flügeln und Arbeitstischen kommen die Musik-Enthusiastinnen herbei, alle kleinliche Fehde scheint vergessen. „Und nun die unvermeidlichen Telegramme aufgesetzt, daS auch den Ihrigen in der Heimat schnell dir frohe Kunde werde. Ich weiß doch, daß eS Sie dazu drängt. Also schnell, meine Damen. Ich bin noch im Anzuge und empfehle mich als gewissenhaften Boten!"
ö (Fortsetzung folgt.)
*) Die Seminaristinnen wurden allgemein nach ihrem langjährigen Direktor Mergert scherzweise die Meergöttinnen genannt.
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Unter falschem Ramm.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
immerhin, wenn ich selbst nur gnädig von solchen Experimenten verschont bleibe! Ich gönne den unversorgten Fräulein und Frauen alle Ehren und Erfolge, die sie haben, unterschätze gewiß auch nicht dm Wert der neuen Erwerbsquellen, die sich ihnen öffnen mögen, daö, waS allein das Frauenleben zu einem wahrhaft beglückten Md beglückenden machen kann, daS übersehen sie. 3J '« empfunden, wenn auch nur für kurze Jahre. Und was ich auch verloren, w°S immer ich auch entbehren mag und noch lernen muß, ein Ersatz ist mir dafür geblieben: für mein Kind leben, für mein Kind sorgen können ! - Glauben Sie mir, Fräulein Warner, nur als Gattin, nur als Mutter können wir Frauen voll und ganz das Gluck kennen lernen; alle übrigen Erfolge wiegen dieses nimmer auf. Dabei heißt es freilich sich b-fchranken, und beschränken mögen so viele unserer Frauen sich nicht — nicht einmal unsere Lehrerinnen!"
„Zu welchen Ungenügsamen, gestehen Sie 'snur,Sie auck mich nu zählen geruhen! Warum nicht? Ich mache !s kein HÄ daß ich mich freue, weil die Welt nun so weit und offen vor mir liegt. Ich müßte zugrunde gehen müßte ich, wie sie eS im Sinne haben, Jahr aus, Jahr ein die bleichsüchtigen Mädel ehrsamer Spießbürger in die Vorhallen der Wissenschaft einsühren, bis in die Nächte hinein meine ganze Kraft an den geistloseli Korrekluren verschwenden und demütig mich zu beugen, um zum Dank { für all meine Treue einen huldvollen Blick eines gestrengen I Vorgesetzten zu erhaschen. Nein, nein! Mit wahrer Lust
denke ich daran, daß jedes Winkelchen der Erde mir nun offen steht, aber nicht die Winkelstädtchen, die Hauptstädte der Zivilisation will ich sehen, die ganze Welt möchte ich kennen lernen, frei wie der Vogel kommen und gehen dm- . fen, kurz, wenn der englische Nebel mir nicht mehr behagt, mir den russischen Winterwind um die Ohren sausen und meinetwegen gar zur Abwechselung einmal die tropische Sonne mein Haupt bescheinen lassen, wenn irgend ein reicher Brasilianer einer deutschen Lehrerin bedarf. — DaS ist gerade daS Lockendste und Beste an unserem Beruf, daß er die weite Welt unS öffnet, die sich der alleinstehenden, unbemittelten Frau sonst engherzig verschließt!"
Die jüngeren der Damen stimmen ihr jubelnd zu, die bleiche, stille Witwe hat sich kopfschüttelnd hinauSgeschlichen. Dergleichen Anschauungen sind ihr unverständlich, genau wie die Frauenbestrebungen. Sie hat heute nur einen Gedanken, nur eine Befürchtung, die ihr immer wiederkebrt: den einsylbigen Inhalt de« Briefes, den sie erwartet. Im Lichte der Straße glaubt sie den Briefträger erkannt zu haben, und sie ist die Treppen hinunter vor's Haus ihm entgegengeeilt, um nur wenige Sekunden früher den gefürchteten Brief in den Händen zu halten. Ihn zu öffnen, fehlt ihr der Mut; daS Päckchen der Briefschaften in der zitternden Hand, kommt sie atemlos ins Zimmer zurück.
Von allen Betreffenden umdrängt, selbst von den Unbeteiligten erwartungsvoll umstanden, ist sie keines Wortes, kaum einer Bewegung mächtig. Ihre Lippen zittern, als sprächen sie ein leises Gebet, nicht für sich nm, daß sie daS Recht erworben haben möge, in Ehren int mühseligen Lehramte für sich und ihr Kind das Brod zu schaffen.
Fräulein Werner schaut still auf die Gruppe. Von all dem kecken Uebermut ist in ihrem Gesichte nichts mehr
Lnzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bnreanx von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; yncolibenbanl in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
273.
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Berlin, 18. Februar.
Die heutige (14.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses t V. zunächst bin Etat der Gestütverwaltung.
M "X^anbemer sprach den Wunsch au-, daß di- Nerkäufe ber ausrangierten Trakehner-Hengste in Zukunft ® , t ne m Tage stattfinden und die rechtzeitige Publikatton "llbn 7n umsaffender Weise stattfinden möchte. Der Minister Lucius sagte die möglichste Berücksichtigung ■u. ( V Wunsches für die Zukunft zu.
bte'ybf Magd zinSki spricht für die Errichtung eine« Landgestüts in der Provinz Posen, speziell in fien Abg. v. Tiedemann kann nicht zugeben, daß Wunsch nach einem zweiten Landgestüt in der Prov nz allgemein vorhanden fei; die Hauptklagen der Pferbezüchter richten sich vielmehr darauf, daß das Landgestüt in Ztrke nicht das paffende Zuchtmaterial enthalte. Im übrigen Le die Provinz Posen alle die Voraussetzungen einer tüch- tiaen Pferdezucht, ebenso wie Ostpreußen. Minister L u c i u S bewnte, daß der Vorrang der littauischen Pferdezucht auf d« Natur der Verhältniffe und sehr alter Entwickelung beruhe. Für die Provinz Pofen, in welcher die Pferdezucht sich durchaus nicht im Rückgänge befinde, gesch°he, w°s das rum Ankauf sich darbieteude Material irgend möglich mache. Mgen der Errichtung eines zweiten LandgestutS in ber Provinz Pofen schweben Verhanblnngen. Regierungskom- miffar General Lüde ritz weist an den statistischen An- Len über Remonte-Ankäufe die Hebung ber Pferdezucht nach. Abg. D i r i ch l e t sucht den von dem Abg. von Bandemer vorher erhobenen Vorwurf, baß die Linke die EtatSberatung mit unfruchtbaren politischen Debatten vermische, als unberechtigt zuruckzuweisen. Abg. Hahn tritt den Ausführungen des Abg. v. Tiebernann, baß kein zweites Landgestüt in der Provinz Posen vorhanden sei, unter Dar- legung der lokalen und statistischen Verhältniffe entgegen. Da bas bestehende Gestüt sich im Regierungsbezirk Posen befinde, empfehle fick die Berücksichtigung des Brcrnberger Regierungsbezirks. Abg. Frhr. v. Schorlen,er-AIst bält cs für dringend wünschenswert, die sachlichen Debatten über diesen Etat nicht durch politische Erörterungen zu stören. Dm Vorwmf des Abg. v. Tiedemann, daß Ost- breusten zu sehr bei Verteilung ber Hengste berücksichtigt wnde kann er nicht als berechtigt anerkennen. Jedenfalls wäre bie Verteilung in ber Provinz Westfalen eine durchaus angemessene. Abg. v. Kr Scher anerkenntmit Be- ! sriediauna. daß frühere Klagen des brandenburgischen Land- gestüts behoben seien. Im übrigen konstatiert er mit »lutoieun«, t«6 «Ofdtl« ww d.-"bi-b°--Ich-, di! Dib-tt- sachlich JU 1»MN. Ab,. ». Ti Id IM-NN stellt seine ersten Ausführungen gegen mißverständliche Auffassungen der Vorredner richtig. Abg. v. Rauchhau^
interpelliert den Abg. Dirichlet über eine vorgestern von diesem auf ihn bezügliche Aeußerung, wonach er (v. Rauchhaupt) durch einen feiner Freunde habe erklären lassen, daß er seine früheren Angriffe auf die Gestütverwaltung auS „trüben und unzuverlässigen" Quellen geschöpft habe. _
Ab«. Dirichlet verliest zum Belege feiner Behauptung Etat nicht, einen Vortrag des Herrn v. NathusiuS - AlthaldenSleben Beim Etat des Bureaus des Staatsministeriums be- aus den Protokollen der Kommission zur Förderung der kämpft Abg. Richter den Dispositionsfonds für allge-
Pserdezucht im Mai v. I. Abg. v. Rauchhaupt be- meine politische Zwecke (93000 Mk.) und bemerkt, daß die
zweifelt, baß ber genannte Herr jene Erklärung gemacht Fortschrittspartei auf ihrem alten politischen Standpunkte
babe : jedenfalls sei eS eine grobe Unwahrheit, daß man stehe, keiner Regierung solche Fonds zu bewilligen, worüber
ihm, der aus eigener Kenntnis der Verhältnisse sein Urteil nie Rechenschaft gelegt werde. Nach den gemachten Er-
aeschövft habe, seine Quelle als eine trübe und unzuver- fahrungen würden aber auch biejenigen, welche früher für
läsige bezeichnet habe. Minister Luciuö hätte gehofft, bie Bewilligung gestimmt hätten jetzt dagegen stimmen
baß ber Vorrebner sich mehr rücksichtsvoll gegen ben ab- müssen. Richter erinnert an ben bekannten Konfliktsartikel
wesenden Herrn v. NathusiuS geäußert hätte. Die qu. Pro- der „Politischen Korresponbenz" unb fragt die Regierung,
Lolle beruhten zwar nicht auf stenographischen Aufnahmen, ob ber Vorsteher des littet arischen Bureaus ber Vnfasser
würben aber nach sorgfältiger Aufnahme ben einzelnen desselben fei. Ferner citiert Richter verschiedene Artikel der
Herren zur Durchsicht vorgelegt. Abg. v. Rauch Haupt „Provinzialkorrespondenz" und meint, der Ton derselben
bkibt dabei, baß Herr v. NathusiuS, mit bem er persönlich fei ein so unanstanbiger, wie ihn Weites Blatt ange- über biese Angelegenheit gesprochen, bie qu. Aeußerung Klagen habe ; ihr Verhalten bei ber Wahl sei eine politische
Die Etats bes Seehanblungs-JnststutS unb ber Münz- unb ber Regierung abgebrochen zu sehen^ wünsche, möge
zeitungsststnmer." hin, welche wohl nur ben Zweck habe, öffentlichen Blätter mit Informationen, über bie Ansichten
bl? Abreffen an den Herrn Reichskanzler zu veiöffentlichen und Anschauungen der Regierung versehe, schließlich auch
m-Ä« Anhänger zu werben. 1 babe. Ein-
An sich könne man nun wenig dagegen haben, wenn die Sache nur nicht mit so wenig Geschick gemacht würde.
Vizepräsident des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer, glebt zu, daß bei der Einrichtung dieser Rubrik allerdings die Wirtschaftspolitik in betracht komme Im übrigen weist er bie Kritik, welche der Vorrebner an einzelne Artikel jener Rubrik unb ben Börsenkurs des „Staatsanzeigers" geknüpft hatte, als unbegründet zurück.
RegierungSkommiffar Geh. Rat v. KurowSki entgegnet bem Abg. Rickert, baß ber „Staatsanzeiger" gerabe in feiner Objektivität bei Aufnahme ber Börsenpapiere keine Auswahl treffen könne; im Uebrtgen weist er bie Motive für bie Aufnahme der angegriffenen Artikel der Zeitungsstimmen nach. (ES handelt sich u. A. namentlich über die Aufnahme des Briefes eines Japanefe» an einen Freund in Europa über die Wirtschaftspolitik.)
| Abg. v. Ludwig und Abg. Frhr. v. Minnigerode
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