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Berlin, 15. Febr. In einem „Die katholische Kirche und ihre Freunde" betitelten Artikel sagt die „Provinzial- Korrrespoadenz": Die Frage, ob eine grundsätzliche Revision der Gesetzgebung, zumal in naher Zeit, mit Aussicht auf Erfolg in Angriff zu nehmen sei, scheine der Regierung mit Recht noch sehr zweifelhaft; doch halte sie die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, nur sei die Frage ins Auge zu fassen, ob es von irgend welchem dauernden Erfolge sein könne, in der gegenwärtigen Lage, wo die politische» Nebeninteressen eine wesentliche Rolle spielten, auf eine grundsätzliche Revision zu dringen. Die Partei, welche die Verteidigung der Rechte der katholischen Kirche zu ihrem Hauptprogramme gemacht habe, könne im Ernst mit einer Partei, die eine kirchenfeindliche Stellung zur Schau trage, eine Verbindung selbst zu negativen Zwecken nicht cingehen; sie werde zu überlegen haben, ob sie ihren Bedürfnissen auf dem bewährten Wege der von der Regierung erbetenen Vollmachten nicht besser gerecht werde. Die Sachlage sei jetzt günstiger, als bei der Kirchcnvorlage im Jahre 1880; es fänden jetzt freundliche Beziehungen zum Papste statt. Die Verhandlungen seien in hoffnungsvoller Weise wieder angeknüpft; die Ueberzeugung von der Revisionsbedürftigkeit der Maigesetzgebung sei nach dem unzweifelhaften liberalen Zeugnisse jetzt eine allgemeine; das Gesetz von 1880 habe selbst in verstümmelter Gestalt seine Kraft zur Besserung der kirchlichen Verhältnisse bereits bewährt; um so größer und um so begründeter sei die Zuversicht, daß die Vorlage, wenn sie in ihren wesentlichen Teilen zustande komme, nicht bloß in der Gegenwart großen Nutz n bringen, sondern auch die Wege zu einer weiteren Verständigung bahnen würde. Die Hoffnung, daß die wahren Freunde der Kirche die Friedensbemühungen nicht durch ihr Mißtrauen vereitelten, sei nach d>m Verlaufe der Verhandlungen im Hause noch nicht ausgeschlossen. — Die kirchenpolitischc Kommission nahm mit 11 gegen 10 Stimmen den Antrag des Abg. Brüel an, wonach die Befugnis der Präsentationsberechtigten und der Gemeinden zur Wiederbesetzung eines erledigten geistlichen Amtes (sogenannten Staatspfarreien) aufhörcn soll. In der fortgesetzten Diskussion erklärt der Kultusminister, über die Verhandlungen des Herrn von Schlözer weiteres nicht mit eilen zu können; übrigens sei die vorliegende Materie überall zum Gegenstände der staatlichen Gesetzgebung gemacht und auch von der Dolkvertretung so aufgcfaßt worden. Auch die katholische Abteilung des Kultusministeriums habe im Jahre 1846 die Frage, welche geistliche Stellen in bezug auf Besetzung dem Königlichen Placet unterstehen sollten, für einen Ausfluß des staatlichen OberausstchtSrechts erklärt, worin sich die Kirche ebensowenig zu mischen habe, als der Staat in die Angelegenheiten der Kirche. Die Beratung des Paragraphen 4 der Vorlage fortsetzend, lehnte die Kommission mit allen gegen 6 Stimmen ab, wonach
In dem Pensionate der Frau Krafft, jener bekannten und bewährten Verpflegungsanstalt für junge Damen, die ohne eigenes Domizil dennoch zu weiterer Fortbildung einige Jahre in der Hauptstadt sich aufhalten zu müssen vermeinen, herrscht ein regeres Leben denn sonst. •
Als eine Pensionsanstalt im gewöhnlichen Sinne kann man Frau Krafft's Pensionat kaum bezeichnen. Ein „boarding-house for young ladies“, ein „Kost- und
aft, pferdekri Anwendi
Anzeigen nimm! entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Taube u. Co. in Frankfurt a. M.; Iägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
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ist traurige Bestätigung. „Blind und ich wußte eö nicht? Allbarmherziger Gott, sind cs der Prüfungen denn noch nicht genug? — Geh, Arthur, rufe Isidore, mir ist die Lust vergangen, hier weitere Umschau zu halten!"
Bewegt und leise sprechen die Männer im Wagen während des Heimweg mit einander; die Mutter hört denselben schweigend zu; nur Isidore hat sehr vieles zu fragen.
„Gleich morgen gehe ick zu ihnen, Arthur I Nicht wahr, Du begleitest mich? Wo ist ihre Wohnung?"
.Ich habe Sie nicht erfragen können, der Mama Ankunft kam dazwischen."
„Der Mama Ankunft kam dazwischen," der alte Herr denkt rS schweigend nach; auch in seinem Leben trat sic— unbewußt — einmal zwischen ihn und jene Frau, und auch er verlor ihre Spur.
Kaum hcimgckehrt, durchblättern die Geschwister jenes unvermeidliche, umfangreiche Buch, das über alle Berliner Wohnstätten, über Rang und Stand ihrer Bewohner Auskunft gtebt und von vielen selbst die Stunde kuno thut, wann sie am sichersten daheim zu treffen sind; der Name „von Fürstenau" ist noch immer nicht darin zu finden.
die Bestimmung wegfallen soll, daß ein Einspruch zulässig sei, wenn gegen den Anzustellenden Thatsachen vcrlicgen, welche die Annahme seines Entgegenwirkens gegen die Staatsgesetze oder der Störung des öffentlichen Friedens rechtfertigen. Hierauf wurde Paragraph 4 in der Fassung der Regierungsvorlage mit 12 gegen 9 Stimmen, die der konservativen und freikonservativen Partei, abgelehnt. — Die heutige „Berliner Tagespost" bringt eine Mitteilung über die angeblich einem hiesigen Einwohner gelungene Entdeckung eines nihilistischen Attentats, durch welches der Kaiser von Rußland am 17. Februar in seinem Schlafzimmer zu Gatschina mittelst Dynamits ermordet werden solle. Der Inhalt dieser Notiz beruht nach angestellten Ermittelungen lediglich auf Mystifikationen. — In hohem Grade charakteristisch für die sich bekämpfenden Bestrebungen innerhalb der russischen leitenden Kreise sind zwei amtliche Erlasse, welche sich im Regierungsblatt dicht hinter einander befinden. Der erste wendet sich scharf gegen die Meldung, daß die Ernennung Katkows zum Geheim n Nat dessen Berufung in den Reichsrat mit eingeschlossen habe. Der zweite legt neue und ungewohnte Ehren auf General Skobeleiv. Die letztere Verfügung lautet: „Marine. Se. Majestät der Kaiser hat allerhöchst zu befehlen geruht, den für die kaspische Flotille im Bau begriffenen beiden eisernen Dampfern die Namen „Geok-Tepe" und „General Sko- belew" zu geben." Das klingt nicht wie Ungnade; jedenfalls liegt darin eine starke Revanche der pansle.vistischen und Militärpartei gegen Herrn v. Giers, der in den von ihm inspizierten diplomatischen Auslassungen Herrn Sko- belew und seine Rede scharf dementieren ließ. In Petersburg erzählt man sich von heftigen Szenen zwischen dem Grafen Ignatjew und Herrn v. Giers in einem letzten Konseil, so daß der Kaiser intervenieren mußte. Auf der anderen Seite feiert Herr v. Giers seinen Triumph, indem er Herrn Katkow den Eintritt in den Reichsrat verschließt.
— Die Verhandlungen der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses über eie das allgemeine Interesse in so hohem Grade in Anspruch nehmende Reform der Lehrpläne der höheren Unterrichtöanstalten zeigten, daß die Plane der Unterrichtsverwaltung int allgemeinen sich der Zustimmung der Vertreter aller Parteien erfreuen. Die Auffassung, daß eine einheitliche, die Aufgabe des Gymnasiums und der Realschule verschmelzende höhere Schule unter den gegenwärtigen Kulturverhältnissen nicht zweckmäßig wäre, wurde von keiner Seite bestritten; die Beslrebungcn für die neunklassigc lateinische Realschule, wie die Absicht, den einer erhöhten bürgerlichen Bildung dienenden sechsklassigen Schulen einen in sich abgeschlossenen Lehrplan zu geben, fanden ziemlich ungeteilten Beifall. Als ganz besonders wertvoll wurde die Annäherung der Lehrpläne der drei untersten Klassen der Gymnasien und Realschulen 1. Ordnung erkannt. In jenen 3 Jahren können sich Lehrer
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Febr. Der Bundesrat hält heute nieder eine Sitzung. Auf der Tagesordnung standen, die bereits erwähnte Vorlage, betreffend den Entwurf eines Gesetzes über die ReichskriegShäfcn, das Protokoll deö Ausschusses für Zoll- und Steuerwesen vom 28. Januar, der bereits mitgeteilte Antrag deö Ausschusses für Handel und Verkehr, bctr. die Aufnahme von DögraSfabnken in das Verzeichnis der genehmigungspflichtigen Gewerbeanlagen und eine Reihe von mündlichen Ausschußberichten, u. a. in betreff der strafrechtlichen Verfolgung einer Beleidigung dcS Bundesrats, in betreff des Beschlusses des Reichstages wegen Ermäßigung der Gerichtsgebühren und in betreff einer Eingabe bezüglich der Abänderung des Gesetzes über Beurkundung des Personenstandes. — Nachdem durch Beschluß des Bundesrats vom 2. Juli v. I. die Fristen für die Kreditierung der Nübenzuckersteuer abgeändert worden sind, liegt die Aufstellung eines neuen Musters zu den von een Direktivbehörden vierteljährlich an den Ausschuß deö Bundesrats für Rechnungswesen einzusendenden Ucberstchten der Einnahme an Rübenzucker und eine entsprechende Aende- rung der Formulare zu den vierteljährlichen ReichSsteuer- übcrsichten der Haupt- und Unterämter im Bedürfnis. Das neue Muster wird sich in seiner Einrichtung im wesentlichen an das durch Beschluß des Bundesrats vom 9. April v. I. vorgeschriebcne Muster zu den Tabaksteuer-Einnahmeübersichten anzuschließen haben, jedoch mit Spalten zu versehen sein, welche eine den allgemeinen Vorschriften entsprechende Ablieserung der eingezahlten bczw. fällig gewordenen Kredite an die Reichskasse ersichtlich machen. Um sodann den Formularen zu den Reich Sstcuerüberstchten der Haupt- und Unterämter, sowie den übrigen durch die AbrechnungSbe- siimmungen vom 3. April 1878 vorgeschriebenen Formularen eine mit Rücksicht auf den Hii.zutritt der Reichsstempelabgaben wünschenswerte einfachere Einrichtung geben zu können, empfiehlt es sich, auch die Muster zu den Uebersichten der Einnahmen an Zöllen, Tabakssteuer, Salzsteuer, Branntweinsteuer und Spielkartenstempel so weit abzuändern, daß sie in den Spalten für den Nachweis der Kredite mit dem neuen Muster zu den Rübenzuckersteuer- Einnahmeübersichten übcreinstimmen. Ferner erscheint eS angezeigt, den Termin für die Einzahlung kreditierter Reichssteuern allgemein auf den 25. Tag des Monats, in welchem die Kreditfrist abläuft, festzusetzen, damit insbesondere auch diejenigen Kredite, welche bei Unterämtern zur Einzahlung gelangen, der Rcichskasse rechtzeitig ohne Unzuträglichkeiten für die Landeskasse überwiesen werden können. Die Ausschüsse des Bundeöratö für Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen haben jetzt dem Bundesrat anheimgezeben, demgemäß zu beschließen, und entsprechende Entwürfe von Mustern und Formularen vorgelegt.
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Unter falschem Name«.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Und ohne eine bestimmie Zusage wollen Sie mich verabschieden, Fräulein Anna?" wagt zögernd der Offizier einmal noch zu bitten, indem er den Damen zum Wagen das Geleite giebt.
„Mama hat jetzt niemand außer mir, Herr v. Zollern," ist die leise Antwort. „Sie werden meine Weigerung verzeihlich finden."
Stumm verbeugt er fick und hilft sorglich Frau von Fürstemm zu ihrem Sitze. Noch steht er am Schlage, die Angabe der Wohnung zu erwarten, um sie dem Kutscher zu übermitteln, als mit kürzester Wendung ein elegantes offenes Gefährt heranrollt.
„Arthur, Du allein hier?" ruft der graubärtige Herr im Militärmantel aus demselben hinaus. „WaS ist geschehen? Wo hast Du Isidore? In der Droschke hoffentlich nickt?"
„Nicht doch, Papa!" Der Offizier ist zum Vater heran- getreten und biegt sich dicht zu seinem Ohre. _ „Isidore ist wohlauf. Im Wagen dort sind Anna von Fürstenau und ihre Mutter, die völlig erblindet scheint."
„Erblindet?" Mit jugendlicher Rüstigkeit ist der alte Soldat aus seinem Wagen fort zu dem anderen Gefährt geeilt. Ein kräftiger Peitschenschlag aber hat den Gaul in seinen schnellen Trab gesetzt, und die Droschke rollt vorüber, daß dem Oberst eben nur Zeit bleibt, grüßend zur Seite zu treten.
Bestürzt blickt er derselben nach. „Arthur, irrst Du Dich nicht? ES ist unmöglich!" DeS Sohne« Schweigen
tnieiaennimmt entgegen: Kebitwn » Mattes, köwiedAnnoncen-Bureaux » Ib- Dietrich u. Co. m a.i »nd Hannover; Th. Ärich in Frankfurt °.M.; »ein u W *n 4rankfurt a. M., Berlin, Gg, Köln ic.; Rudolf Me9 in Berlin, Frankfurt a. Sl. ic.
Wohnhaus für junge Damen", möchte man cs in England benennen; und weiter ist cs und will cs nichts sein.
Die jungen Damen, wenn sie nur gegen Moral und gute Sitte nicht verstoßen, in erträglichem Frieden mit einander verkehren und die Mittagsstunde pünkllick inue- halten, — denn in diesem Punkte ist Mama Krafft besonders empfindlich, — können thun und treiben, was ihnen beliebt.
Mama Krafft liebt nicht, sich in die persönlichen Interessen ihrer Pflegebefohlenen zu mischen. Es mag Jede nach ihrer Facon selig werden, Jede nach bestem Ermessen ihren Zielen zustreben. Eine Art Interesse trägt sie freilick für die Erfolge Einzelner zur Schau, ein gewisses Wohlwollen für Alle.
Ihrem schwächlichen Gatten die Sorge für den Unterhalt der Familie erleichtern zu helfen, hat sic, ihr bequemeres L>bcn — und an Bequemlichkeit hängt sic sehr, — opfernd, in der Großen Frieerickstraße dies Pensionat mit nur zwei Pensionärinnen begonnen Beide haben sich befriedigt und wohl. gefühlt und voll unparteiischen Lobes ihres Pensionats wiederholt erwähn!; so ist ohne weitere Reklame, ja ohne ein einziges Zeitungs-Inserat die Zahl ihrer Pfleglinge schnell gewachsen, daß ost das große Quartier zu eng erscheint.
Alle Altersstufen vom sechzehnten Leben-ffahre bis zu jenem unliebsamen Alter, in dem nur wenig Damen gern von ihrem Alter reden, hat sie im Laufe ter Jahre um ihren Tisch geschart gesehen. Mannickfach wechselnd, wie die Jahre, die sie durchlebt, ist auch der Zweck gewesen, der ihre Pfleglinge ihr zugesührt.
(Fortsetzung folgt.)
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SouutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2</t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.
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