xvii. Jahrgang
t 38
arourg, Dienstag, 14. Februar 1882.
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(Fortsetzung folgt)
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Deutsches Reich.
BerliU, 11. Febr. An den heute Vormittag begonnenen Beratungen der kirchenpolitischen Kommission nahm der Kultusminister v. Goßler mit den Geheimräten LucanuS und vr Bartsch teil. Beim Eingang der Diskussion richtete der'Abg. Dr. Windthorst die Frage an den Minister, ob In Nom Verhandlungen über materielle Revision der Mai- aesehe gepflogen werden und ob, falls dies nicht der Fall i» di- Regierung die Absicht habe, in absehbarer Zeit eine Histon vorzulegen oder eS bei diskretionärer Vollmacht belassen wolle. Der Kultusminister erwiderte, Herr von Scklözer verhandele in Rom über die gegenwärtige Vorlage; er hoffe, daß die Besprechungen guten Fortgang haben. Wenn der Staat auch formell die einseitige Gesetzgebung beanspruche, so schließe das nicht aus, caß er materiell die Ansichten des Papstes und die Bedürfniffe der Katholiken berücksichtige. Der Minister stellte in Abrede, daß die Regierung alles nur diskretionär ordnen wolle und wies auf die organischen Aenderungen in der Vorlage hin. Der Abg. Dr. Windthorst bedauerte, daß auS den Erklärungen nicht erhelle, ob man in Rom über den Umfang der Vorlage in die Diskussion materieller Fragen treten wolle und daß die Erklärung zur Zeit eine organische Revision deS Gesetzes nicht in Aussicht stelle. Demgegenüber erklärte der Minister, daß er bezüglich der Revision keine bestimmte Zusicherung geben könne, daß er aber eine solche nicht für unmöglich und auSgeschloffen halte. Bestimmter präzisierte nun der Abg. Dr. Windthorst die Frage, ob die Regierung noch die Maiaesetze als die unverrückbare Grenze zwischen Staat und Kirche festhalte. Demgegenüber verwies der Minister, ohne nachher auf die Sache einzugehen, auf die 88 4 und 5 der Vorlage, welche Aenderungen der Mai- gesetze enthalten. Er verwahrte sich auch gegen den Abg. Dr Brüel, welcher auS den Erklärungen des Ministers entnahm, daß tß nicht in der Absicht der Regierung liege, eine organische Revision der Gesetze eintreten zu taffen. Damit ist die Generaldiskussion erledigt. Eine bestimmte Erklärung des Ministers über die eventuelle Revision der Maigesetze wurde nickt gegeben. In der Speziackemmisflon wurv.n seitens des Zentrums dre noch weiteren Anträge überieicht. Dm ab erklärten die Abgeordneten Freiherr vo,. Hammersteil, und von Bennigsen, daß ihre Ab- st'M'n ungen in erster Lesung nur provisorisch seien. Der 8 1 fei Vorlage, Weicker die Art. 2, 3 und 4 deS Juli ges.tzeS toierer b Kraft sitzt, wird von dem Abg. v.Cuny bekämpft, dagegen vom Minister mit Hinw-iS auf die Zweckmäßigkeit der Bestimmungen verteidigt. Der Abg Dr. Brüel motiviert den Antrag, statt der im 8 2 deS
suchen geht?"
Unter falschem Ramru
Van Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„WaS tragen helfen?" scherzte der Vater, der seinem Lieblinge ins Zimmer gefolgt ist. „Was hat mein Töck- lercken so schweres tragen zu helfen? Etwa die Dinger da?" — er deutet neckend auf die Schlittschuhe in ihrer Hand.
Jstcore schüttelt lachend den Kopf und beugt sich zu seinem Ohre: „Ich möchte gern, daß Anna von Fürstenau eine Einladung zu unserem Balle erhielte."
„Darfst sie nur selber bestellen, Kind." Er nickt vergnügt den Forteilenden zu. „Isidore hat Recht," wendet er sich zu seiner Frau; „die Leute haben ihr Geschick nicht verschuldet. Muß mich doch einmal selber nach ihnen um« schauen; der Fürstenau war mir einst ein guter Kamerad. Und Annchen, daS fröhliche kleine Ding, sie mag sich jetzt um alle Jugendfreunde betrogen glauben I"
Seine Frau hat keine Erwiderung. Sie weiß au» Erfahrung: was so lange unterblieben, unterbleibt wohl auch ganz; nur muß kein Widerspruch die Erinnerung wach halten.
Die Geschwister sind durch die volksbelebten Straßen schnellen Schrittes neben einander dahingeetlt. Zu ruhigem Gespräch ist solch ein Weg nicht angethan; hier heißt e» ausbiegen, dort mit einem Begegnenden einen Gruß zu tauschen. Erst als sie die Nähe deS Tiergarten» erreicht haben, hemmen sie den schnellen Schritt.
Es ist in der That ein herrlicher Wintertag. Auf den Bäumen und dem geschützten Rasen liegt noch der unbefleckte Schnee; man glaubt die weichen Flocken zu erkennen, in denen er gefallen. Hier und da glänzt ein Tropfen, den die Sonne geschmolzen, in den heimlichen Regenbogenfarben deS winterlichen Sonnenlichtes, und von der weiß- verhüllten Erdfläche heben sich die Stämme der Bäume
? s 11 b. m..! t>? -du. Ich bl e'N großer Sünder in ip -n Augen, w il ick am Veik dr mit ihnen allein mir nickt genüg-n lassen will und ke n Hehl daraus mache, wie Andere, daßj ch gern auch mit Künstlern und Künstlerinnen veikedre; ku z, mir eie Welt nicht allemal von oben herab ansehen mag, rote Mima unv die meiftet ihrer Gäste eß lieben."
„Mama una Du, wie wenig harmoniert ihr doch I"
„Kein Wun er, wo soll da die Ha'monie Herkommen, wenn Der Sohn so frühzeitig den Etnfltiffen der Mutter entzogen wird! Ein schwächliches Kino schon ins Kadettenhaus gebracht und bis zum neunzehnten Jahre jährlich zweimal nur zu kurzen Ferien heimgekommen, habe ich die Mutterliebe früh entbehren lernen. Dem Elternhause sckiet ein Fremder, wird ungeprüft und ungefragt dann über unser Leben entschieden, — was bleibt uns, als der Soldatenstand? Ob wir Neigung haben für einen anderen Beruf, Anlagen und Talente, die der Entwicklung wert gewesen, wer hat's erforscht? Und wir selber waren eben Kinder; zu Jünglingen heranwachsend, sahen und lernten wir nichts, als was die straffe Kadettendißziplin erfordert. Außer dem Kadettenhause gab eß für unß keine Welt; und herausgetreten, blendet anfangs wohl daß bunte, ungebundenere Leben; zaghaft wird hier und da gekostet, in vollen Zügen dann, biß zum Ueberdruffe; und wem eß widersteht, nun, der findet nur, daß ihm bisher die Nahrung nicht geworden, der er bedurfte, um für sein Leben volle Befriedigung zu finden! Ist eß da ein Wunder, wenn er der Kost sich nicht freuen mag, die auch die mütterliche Küche jetzt noch alß die allein geziemende für ihn gut befindet? Wenn er hungrig dabei bleibt und nach eigenem Sinne sich selber Nahrung und volle Befriedigung zu
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hier nimmer rastet, sind tiefer in een Park hinein die Pfade noch wenig betreten und wecken in G'iübl irie-'- licher Waldstille, die, im Gegensatz zu dem Waaenaeraff 1 und Menschengewoge der großen Statt, auch aus die bei« den Wanderer een Eindruck nickt verfehlt.
Arthur ist, von der größeren Vnkebrsstraße abweichend, in einen der stillsten Nedenpfade eingelenkt.
„Immer das Romantischere, Arthur!" neckt die Sckwester, die nach Mädchenart ihre Freude daran hat, die Insassen der eleganten Equipagen und bit Toiletten der Damen zu beobachten, wohl auch errötend mit einem vorübergalop- pierenden Reiter einen Gruß zu tauschen. „Macht Dir denn daß Menschengetreibe so wenig Freude?"
„Ich weiß nicht Mir scheintß oft, die Menschen sähen einander alle so gleich, besonderß in unseren stereotypen Gesellschaftskreisen. Da könnte man fast dem Einen tic Stirn, die Nase, die Augen nehmen und in deß Anderen Gesicht hinein setzen und merkte kaum einen Unterschied; und vor allem, waß der Mund des Einen spricht, könnte ebenfalls auch der Mund des Anderen gesprochen haben."
„Und doch fühlt und denkt Keiner, wie der Andere! Geh', Arthur, Du bist heute wirklich ungalant. Bei Deinen Rekruten möchte solch ein Arrangement thunlich fein, aber--"
„Bel den Gästen, welche die Mama für uns beliebt, etwa nicht? Eß sind wirklich kaum ein halbeß Dutzend Menschen darunter, um derentwillen eß sich der Mühe lohnt, einen vollen Abend zu opfern, nur damit sie hernach gähnend sagen: „Eß war bei den Zollernß ganz passable!" und die alten Damen, gleich der Mama, vielleicht bedauernd hinzufügen: Schade um den Sohn, daß er so wenig noble Passionen hat!"
„Und hast Du denn die, Arthur? Ich denke, man lobt Dich al» einen großen Nimrod und exzellenten Reiter?"
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diskretionärer Befugnisse geschehe. Abg. Zelle erklärt sich als Gegner aller diskretionärer Gesetze im Prinzip. Die Frage des promissorischen EiveS könne nicht in einem einzelnen Falle gelöst werden. Die katholischen Geistlichen nehmen die Stellung unmittelbarer Staatsbeamten ein. Die Aufhebung des promissorischen Eides wäre also hier eine Dispensation. Abg. Graf Limburg erklärt sich namens der Konservativen gegen die Amendements deS Zentrums. Die Kommission tritt in die Debatte Über den weiteren Antrag der Abg. Windthorst und Genossen ein, wonach eine kommissarische Vermögensverwaltung nicht ferner stattfindet. Nachdem der Kultusminister sich gegen diesen Antrag erklärt, fordert Abg. Windthorst, daß die verletzenden Bestimmungen der Maigesetze nach und nach aufzuheben seien. Abg. v. SchoAemer vergleicht diskretionäre Gewalten mit einem fortdauernden Krieg. An der Debatte beteiligten sich noch v. Zedlitz, Windthorst, v. Schorlemer. Letzterer reklamiert gegen Zedlitz die Friedensliebe für das Zentrum. Es wird in die Diskussion über den dritten zum Artikel 1 vom Zentrum gestellten Antrag auf Aufhebung des Sperrgesetzes eingetreten. Windthorst verzweifelt bei Beibehaltung des SperrgesetzeS überhaupt an jeder Friedenshoffnung. Der Kultusminister teilt die Meinung bezüglich der Beseitigung der verletzenden Bestimmungen der Gesetze, meint aber, daß die Antragsteller am unrichtigen Ende anfangen. Organisch revidieren heiße nicht, eine Menge augenblicklich unbequemer Paragraphen mit dem Rotstift einfach zu streichen. Die Abgg. Dr. Franz und Windthorst replizieren. Letzterer bezeichnet daS Sperrgesetz als eine Konfiskation, als eine Waffe in der Hand der Regierung, welche jeder Friedensversicherung widerspreche. Abg. Brüel bezeichnet diesen Punkt alß einen Fleck in der Gesetzgebung. Abg. v. Zedlitz plädiert gegen den Antrag und beruft sich dabei auf eine KablneSordre Friedrich Wilhelms III. Abg. v. Bennigsen flieht die Erfolglosigkeit des Sperrgesetzes zu und anerkennt deffen Härten; eß habe sich herausgestellt, daß die kirchlichen Oberen «egen die Leiden der durch das Gesetz Betroffenen und der opferwilligen Gemeinden hart wie Kieselstein geblieben sind. Er könne abei auch nicht dafür stimmen, daß an dieser Stelle eine Remedur vvige- vmmen werde. Ministerialdirektor Luc muß b-bt hervor, de ß daS aus dem Sperraesetze auigesammelt Be-mö en nicht im Jntereffe
s Staates, so- de n nur für Zwecke der katholischen Ki cke roie--r veiwei d>i ro-ren solle. Windthorst fordert re Reni , ni g aut, D-r Uam-men B-'U leilungdeS Sp rr« . e'-tzes eine piaklsid e Fol e zu geben und bemerkt gegen Ze litz daß jene O dre F rediick Wrloelm III nicht auf H I nov r H.ffen c bn-ia da e. .<iba. Dr R ickens-
?ö«bÄnoncen-Bureauk '"^Dietrich u. 6o. tn ’• und Hannover; Th. Dietrich Frankfurt a.M.; 7 (.„ftein u. Vogler tn fe.fi a- ®t-, ^Berlin, G ftöln k.; Rudolf » Berlin, Frank- furt a. M. K-
JuligesetzeS gegebenen Fakultät zum EideSdiSpense den Eid insofern zu beschränken, als die Klausel der Befolgung der Staatsgesetze aufgehoben wird. Der Abg. v. Bennigsen stimmt dem Artikel 1 zu und will die Verlängerung der Vollmachten deS JuligesetzeS auf kurze Zeil bewilligen. Der Minister legte Gewicht auf die Eidesdispense, weil es, da für die Bischöfe auf dem Wege der Verordnung ein gleicher Eid vorgcschrieben ist, praktisch sei, die Bischöfe und Kapitelsvikare gleichmäßig zu behandeln. An der Diskussion, in welcher der Abg. Dr. Windthorst die Abschaffung deS Eides der Kapitelsvikare überhaupt beantragte, beteiligten sich u. a. noch die Abg. Schmidt (Sagan) und Freiherr v. Hammerstein, welch letzterer in der diskretionären Gewalt das Mittel zur friedlichen Annäherung von Staat und Kirche fah, in der Voraussetzung der baldigen Revision der Gesetze; eine partielle Revision halte er bis dahin nicht für richtig, da doch der Friede damit nicht erreicht werde. Der Abg. Dr. Franz betonte, daß die Eidesforderung um so leichter entbehrt werden könne, als es einmal in den Interessen der Kapitel liege, den Kapitelsvikar in Funktion treten zu sehen, und dann der Regierung noch andere Mittel In den Gesetzen zu Gebote ständen, um genehme Kapitelsvikare zu erhalten. Der Minister glaubte aber trotz der anderen Mittel des Eide» und der Dispense nicht entbehren zu können wegen der Stellung der Kapitelsvikare. Von dem Abg. v. Schorlemer-Alst wurde demgegenüber ausgeführt, daß eß völlig überflüssig sei, mit dem Eide andere Zwecke zuerreichen. Im Anschlüsse an die Ausführungen des Abg. Freiherrn v. Hammerstein erklärte der Abg. v. Bennigfen, daß er jetzt weitergehende RevisionSanträge ablehne, dagegen fei er f. Z. dazu bereit, wenn die Regierung solche Vorlagen stelle mit der in Rom gewonnenen Aussicht, daß der übrige Teil der Gesetze anerkannt werde. Auf weitere Provokation erklärte der Abg. Dr. Windthorst, daß die Zentrumsanträge sich nur im Rahmen der Vorlage halten, ohne Verzicht auf Weiteres, und zwar definitiv festsetzen wollen, woS die Regierung nur detkretionär geben wolle. Der Kultusminister stellte dahin, ob es fick nickt empfehle, andere Sickernnoen über das Gesetz vom 11. Mai 1873 bei Den Kapit- Isvikarcn eintreten zu lassen; das bermfe aber weitere Erwägungen; inzwischen batte er die EieeSdis- pense für angemessen. Nockmais legte er Abg- Dr. W üel dar, daß eS abiolut n oiali'ch unzulässig bi, einen Eid ru fordern, den die Kapitelsvikare > ickt leisten können, faß also nickt eie Dispense, ienretn rie Auch-Huna fo6 R'ck t ue sei. v. Sckoil-mer chiickl '-ine Veiron, d-rung onS, daß die Abgg. v. Hammerbei' , v Z d tz und v. B n- Nlgsen stck nickt zu einer p-rliell m R Vision m G ietz gehung verstehen wollen, odickon i-.s n > B-wi u-'
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