JHarfiurg, Sonntag, 12. Februar 1882
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Die Eisenbahnen und der Staat.
Als ein Glied der großen nationalen Wirtschaftspolitik, welche vor etwa drei Jahren mit der Zollreform im Reiche beaann, erscheint der etwa um dieselbe Zeit in Preußen cinfldeitete Uebergang des gemischten Eisenbahnsystems -um Staatsbahnsystem, welcher vor zwei Jahren mit dem Ankauf von acht Privateisenbahnen durch den Staat her- beiaeführt wurde.
Wie in den Maßnahmen auf zoll- und steuerpolitischem Gebiet der in dem deutschen Reichsgebiet verkörperte StaatS- gedanke sich zu energischerer BethLtigung seiner selbst und -ur kräftigeren Entwickelung der wirtschaftlichen Interessen der Nation durch eine größere Fürsorge für die nationalen produktiven Kräfte aufraffte, so hat der preußische Staat, als das wesentlichste Glied der deutschen Staatengemeinschaft, sich auch angelegen sein lassen, diejenige große Verkehrseinrichtung mehr und mehr in seine starke Hand zu nehmen, von welcher die gesunde Entwickelung des wirtschaftlichen Lebens der ganzen Nation in hervorragendem Maße abhängig ist. Indem Preußen bestrebt ist, die großer Verkehrswege in den Besitz des Staates zu bringen, erfüllt es eine nationale Aufgabe, nämlich diejenige, den Erfor- nissen, welche das Reich in wirtschaftlicher Beziehung an seine Glieder zu stellen hat, durch eine zielbewußte, dem großen ganzen dienende Politik gerecht zu werden.
Die Verdienste, welche sich die Privaterwerbsgesellschaften durch Anlegung von Eisenbahnen um das wirtschaftliche Leben erworben haben, werden von Niemandem je in Ab-
AuSbau des vaterländischen Eisenbahnnetzes, sondern vor allem darin, daß die einheitliche Ordnung des Betriebes auf dem gesamten Gebiete der großen Verkehrslinien eine beffcre und wirksamere Pflege des Verkehrs ermöglicht. Schon jetzt ist die Verwaltung einheitlich organisiert. Praktisch hat sich die Organisation unbeschadet ihrer weiteren Ausbildung und Ergänzung für die besonderen Bedürfnisse einzelner Gebiete mit sehr starkem und konzentriertem Verkehr vollkommen bewährt. Sie ermöglicht eine prompte und wohl geregelte Verkehrs- und Betriebsleitung und hat sich sowohl für die Interessen des Verkehrs, wir für die Oekonomie der Verwaltung als zweckmäßig erwiesen. Durch die zum großen Teil durchgeführte Herstellung eines in seiner Anordnung und in seinen Grundlagen einheitlichen Gütertarifs für den gesamten Bereich der Verwaltung wird dem Publikum die Orientierung über die Frachtsätze in den verschiedenen Verkehrsbeziehungen wesentlich erleichtert. Eine große Menge von Ausnahmetarifen ist bei der neuen Gestaltung entbehrlich geworden. Bereits hat die verbesserte Einrichtung über die Grenzen der Staatsbahnverwalkung hinaus in vielen Verkehren Eingang gefunden und berechtigt mit der künftigen Durchführung des Staatsbahnsystems zu der Hoffnung, daß in nicht zu ferner Zeit mit der laby- rintifchen Verwirrung in den Tarifzuständen der Vergangenheit endlich abgeschlossen werde. Auch in der Betriebsleitung ist innerhalb des Bereichs der Staatsbahnverwaltung vieles besser geworden. Die Umgestaltung des Fahrplans der Personenzüge ist wesentlich durch die Rücksicht auf eine bessere Pflege deö Lokalverkehrs und auf verbesserte Verbindungen und Anschlüsse zwischen den früheren Konkurrenzbahnen bestimmt worden. Verkehrserleichterungen aller Art sind im Personen- uno Güterverkehr in großer Zahl zur Einführung gekommen. Die Zahl der Stationen und Haltestellen ist feit der Uebernahme der verstaatlichten Bahnen um 48 vermehrt worden und viele langjährige Wünsche der Interessenten bezüglich verbefferter lokaler Einrichtungen und Anlagen konnten zu Lasten der laufenden Betriebsausgabenfonds befriedigt werden.
Diese Ergebnisse zeigen, daß die Reform in dem Umfange , in welchem sie bis jetzt hat zur Durchführung gelangen können, sich vollkommen bewährt hat, — daß die noch bestehenden, in den TranSportverhältnifsen der letzten Monate zeitweise schärfer hervorgetretenen Mißstände, weit entfernt, die Zweckmäßigkeit der Reform in Frage zu stellen, vielmehr den Beleg für ihre hohe Bedeutung und ihre heil- same Wirkung geben, — daß endlich gerade die aus den Unzuträglichkeiten einer UebergangSperiode, den Unvollkommenbeiten einer nur teilweise und in beschränktem Umfange durchgesührten Umgestaltung erwachsenden Schwierigkeiten auf die Notwendigkeit eines thunlichst baldigen Abschlusses hindeuten, um die volle Wirkung des neuen Systems zur Erscheinung zu bringen.
der äußeren Bedingungen zu beleben suchen.
Die Grundsätze der freien wirtschaftlichen Konkurrenz sührten auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens nicht sowohl bei eer finanziellen Anlage, als bei dem Betriebe und der Ausnutzung der Bahnen zu einer Verschwendung des Nationalvermögens und zu einer Vernachlässigung der Interessen der Allgemeinheit, kurz zu Mißständen, welche daS wirtschaftliche Leben schwer schädigen. Schon im Jahre 1873 betonte die durch den König eingesetzte UntersuchungS- Komimssioil über das EisenbahnkonzesflonSwesen, um den Mißuäneen zu entgehen, die Notwendigkeit, zum StaatS- bahnsystem überzugehen. Diese Notwendigkeit stellte sich
mit dem Augenblick noch deutlicher heraus, als der Gedanke, die Eisenbahnen auf das Reich zu übertragen, in dem politischen Leben hervortrat und als zugleich die Unausführbarkeit desselben, weil eS an vielen Vorbedingungen fehlte, zu Aller Bewußtsein gelangte. Er gab den Anstoß dazu, daß Preußen sich der Reform seines eigenen Eisenbahnsystems zuwandte und auf seinem eigenen Gebiete die Lösung der Aufgaben energischer in die Hand nahm, welche das nationale Interesse an die Glieder deS Reichs stellt, daß sie nämlich dem Organismus deS Reichs Gesundheit, Kraft und Leben auch auf den Gebieten der eigenen wirtschaftlichen Thätigkett zuführen.
Den ersten und entscheidenden Schritt auf dem Wege zum Staatsbahnsystem that Preußen im Herbst 1879 durch Ankauf der Berlin - Stettiner, Magdeburg - Halberstädter, Hannover-Altenbekener, Köln-Mindener, Rheinischen, Berlin- PotSdam-Magdeburger und der Homburger Eisenbahn, sowie des bisher dem hessischen Staate gehörigen Anteils der Main-Weser-Bahn. Durch diesen Kauf wurde der bis dahin 6199 Kilometer betragende Umfang des StaatS- bahngebiets um 5001 Kilometer, also auf 11200 vergrößert. An neuen Anlagen kamen noch bis zum Schluffe deS Betriebsjahres 1880/81 409 Kilometer hinzu, so daß dir Gesamtbetriebslänge ter unter preußischer Staatsverwaltung stehenden, für Rechnung derselben betriebenen Eisenbahnen jetzt 11609 Kilometer beträgt.
Heute, nach zwei Jahren, läßt sich bereits die Wirkung jene« ersten Schrittes übersehen: die Ueberführung der Privatbahnen in den Staatsbesitz hat sich überraschend schnell und glatt vollzogen und ebenso ist der finanzielle und wirtschaftliche Erfolg nach jeder Richtung hin ein über alles Erwarten günstiger.
Der finanzielle Erfolg ergiebt sich daraus, daß die verstaatlichten Bahnen zu einem Durchschnittssatz von etwa 5 pCt. Zinsen erworben worden sind und daß das Jahr 1880 etwa einen Ueberschutz von 71/? pCt. Zinsen gebracht hat. Der Kauf war also nicht schlecht und durch das Zusammenwirken dcr alten und neuen Bahnen ist die Verwaltung billiger und ökonomischer geworden. Weiter aber decken die Ueberschüsie der Eisenbahnverwaltung jetzt nicht nur die Zinsen der gesammten Staatsschuld, sondern sie geben dem Staate noch einen Ueberschutz von 17 Mill. M. Der Ge- samt-Staatöschuldenbetrag beläuft sich au» 2 059 681429 M., darunter sind Eisenbahnschulden 1422796 408 M.; die Verzinsung der Gesamtschuld erfordert 84557 089 M., der Eisenbahnbetriebsüberschuh beläuft sich nun auf 102 463 261 Mark, eö bleiben also 17 906 172 M. aus den Einnahmen der Eisenbahnen für andere Staatszwecke übrig.
Der wirtschaftliche Erfolg der Durchführung deö Staats' bahnsystemS liegt nicht allein in der Möglichkeit einer vernünftigen Verwendung des Nationalkapitals für den weiteren
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kann."
,Aha, daS zielt auf mich?"
.Wenn Du Dich selbst getroffen fühlst. — Die
„Weil Du lieber mit einer anderen Art von Damen verkehrst, nicht war?" Sie steht den Sohn forschend an.
„Ick verkehre, wo der Verkehr mir Freude macht; aber lassen wir das Thema fallen, Mama; wen hast Du denn da? Professor Winter; ich sehe ein Fragezeichen daneben."
„Weil mir seine (SiiVabung noch fraglich ist. Der Name sollte Dir indetz nicht unbekannt sein; Du hättest ihn oft genug hören können, wenn Du für meine Nervenleiden daS sckuttiae Interesse zeigtest. Professor Winter ist übrigens unser vis-ä-vis und ein neu ausgehendes Gestirn in unserer meviztnischen Fakultät"
„Deren Trabanten Mama um sich sammeln liebt," denkt der junge Mann; laut aber sagt er:
„Verzeih wir Gesunden haben wenig Jnteeffe für die Herren Doktoren; jeoenfatt# aber werde ich mich freuen. Deinen neuen Hosarzt kennen zu lernen; in Rücksicht auf die engen Toiletten mancher Damen ist es immerhin beruhigend, einen Jünger AeSculaps in der Nähe zu wiffcn."
„Geh, Arthur, Du bist unerträglich! ES scheint die höchste Z it, datz Du Dick mehr in unseren Kreisen beweg»»; Tu verw ldertst, ohne daß Du es Mber merkst."
„Was Dich wünschen lassen möchte, Mama, auch mich bald in eine andere, bescheidenere Garnison versetzt zu sehen. Wie?"
„Du spielst auf Kurt von Fürstenau an, Anspielungen, die für mich nicht eben erfreulich sind."
„Die Fürstenaus, apropos, ich hatte bestimmt erwartet, sic auf Deiner Liste nicht vergessen zu sehen. Du weißt, daß Anna bei ihrer Uebersiedelung nach hier nicht versäumte, Dir ihren Besuch zu machen."
„Isidoren meinst Du, denn die Mutter hat, taktvoll genug, sich am Besuche nicht beteiligt
bedingt, sind für sie wohl zu berücksichtigen."
„Was das Alter betrifft, so ist Anna wenige Jahre älter, als Isidore, zwei Jahre jünger noch, als ich."
„DaS heißt, zwei- bis dreiundzwanzig Jahre. Für ein Mädchen ist damit die erste Blütezeit vorbei, während ein Mann in diesem Alter oft noch ein halber Knabe
„Mangel an Takt ist Frau von Fürstenau schwerlich vorzuwerfen. ES werden ernstere Gründe sie zurückgehalten haben. — Anna erwähnte sie als augenleidend."
„Nun, ein allzu scharfes Auge hat ste nie gehabt, weder
für sich noch für ihren Sohn."
„Mama, Du bist bitter, so oft auf Fürstenau'S Rede kommt. Der Tochter kannst Du doch nicht leisesten Vorwurf machen?"
„Nun die Anna möchte meinetwegen eine Karte
Unter falschem Kamen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Geh, Arthur, nun bist Du wieder ungalantI"
„Ungalant? und ich wollte so recht galant Dich zum Spaziergänge einladen. DaS Wetter ist herrlich, und daS Eis spiegelglatt. Nimm Deine Schlittschuhe und begleite mich für eine Stunde hinaus; die ganze Welt tummelt sich auf dem Else."
Die junge Dame blickt fragend zur Mutter hin.
„Gch immerhin, Kind; vielleicht folge ich mit dem Vater Euch im Wagen nach. Geh nur und mache Dich fertig. Arthur mag inzwischen einen Einblick in unsere Liste thun. — Du mußt wissen, Arthur, es handelt sich um die all jährlichen Einladungen, die wir noch immer schuldig sind."
Der Offizier übe»fliegt das Blatt, daS ihm die Mutter geieickt bat. Seine Anschauungen gehen mit den ihrigen, wie es auch j tzt den Anschein hat, oft weit auseinander.
„Die alten Fräulein von TAZ! Mama, was sollen denn ei> ?"
„Sich hoffentlich Deiner Aufmerksamkeiten erfreuen, lieber Sohn; sie sind die nächsten Verwandten Seiner Exzellenz des —"
„Ach, ja! Aber ich dachte, wir wollten einmal vergnügt fein l Bei ihrer unerträglichen Schöngeisterei nur kommt wenig Vergnügen heraus, für mich zum wenigsten."
„Du vergißt, daß ein junger Mann, der Karriere machen will und muß, fein Vergnügen anderen Rücksichten unterzuordnen hat. Die Fräulein von Z. sind nicht zu unterschätzen; ihr Einfluß —"
„Mich, beste Mama, lasten sie gänzlich unbeeinflußt."
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Fürst, naus übrigens dürften fchwerlich noch zur Gefell- fchaft zählen. . . .
„Die Fürstenaus, Mama?" — Arthurs Ton klingt unwillig; es ist gut, daß Isidore zum Ausgehen gerüstet, eben eintritt; sie hat die letzten Worte aufgefangen und sich mit schmeichelnder Bitte zur Mutter nlebergebeugt: „Laß uns Anna einladen. Sie ist mir, der so viel Jüngeren, in der Pension stets eine schützende, hilfsbereite Freundin gewesen. Ich möchte ihr wirklich gern gleiche Freundschaft erweisen und ihr jetzt schweres Geschick tragen Helsen."
(Fortsetzung folgt.)
rede gestellt werden können. Aber ebensowenig ist zu verkennen, daß die privatwirtschaftliche Thätigkeit heute nicht mehr im Stande ist, den wirtschaftlichen Interessen der s Nation und den mit Rücksicht hierauf gesteigerten Anfor- fbeiungen des Staates voll und ganz zu entsprechen. Der l Beruf des Staates hat heute in dem allgemeinen Bewußtsein einen anderen Inhalt, als früher; der Staat ist nicht .^mehr der unbeteiligte Wächter und Hüter der durch den ^audw^v Widerstreit der Privatinteresten leicht ins Schwanken geratenden Ordnung, er soll vielmehr die Interessen der Allgemeinheit zu fördern und auszugleichen und sie durch vorbeugende Maßnahmen wie durch wirksame Gestaltung
halten, nur ist sie auS den rechten Tanzjahren heraus, die pecuniären Opfer, die eine elegantere GefellschafStoilette
■Leigennimmt entgegen: ■L ffrpebition b. Blaties, «öwied Annoncen-Dureaux Th. Dietrich u. So. m üaffel und Hannover; Th. Tietri* in Frankfurt a.M.; Neustem u, Vog'-r 'N a. M., '-Berlin, fe g , Köln rc.; Rudolf S i» V^ltn, Frank, furt a. all. »c-
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