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XVII. Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 11. Februar 1882

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Unter falschem «amen.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

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so bewährt habe, daß man es ohne weiteres auf dir übrigen Provinzen übertragen könne. Die Absicht der StaatS- regierung sei, den Provinziallanktagen, in denen die Selbst­verwaltung eingeführt, bestimmt formulierte Fragen vorzu­legen über die praktische Bewährung und die Mängel der Organisationsgesetze. Demnächst werde die Staatsregierung Vorlagen beim Landtage einbringen, aber ob diese Verhand­lungen bis zum 1. April 1885 zu einem Ergebnis führen werden, sei fraglich. Inzwischen lasse sich die Einführung der Kreisordnung in Hannover weder im staatlichen In­teresse noch im Interesse der Lokalverwaltung der Provinz selbst länger verschieben. Die Unsicherheit über die Dauer dcö gegenwärtigen Zustandes habe bereits eine unverkenn­bare Lähmung in der Lokalverwaltung herbeigeführt. Jeder Gedanke, der Provinz Hannover die obrigkeitliche Selbst­verwaltung überhaupt vorzuenthalten, liege der Staals- regierung durchaus fern. Eine gründliche Erwägung der Uebergangsbestimmungcn seitens der Kommission, werde hoffentlich die geäußerten Bedenken erheblich herabmindern; die Staatsregierung hoffe, daß eine Verständigung über die Vorlage erreicht werde.

Abg. v. Liebermann plädiert für eine kommistarische Beratung, da er und seine Freunde Bedenken gegen die Zweckdienlichkeit des Provisorium« hätten.

Abg. Dirichlet spricht gegen die Vorlage, weil die­selbe eine schädliche Rückwirkung auf die Organisation der östl. Provinzen haben würde.

Der Antrag des Abg. v. Meyer (ArnSwalde) auf Schluß der Diskussion wird abgelehnt.

Abg. W i n d t h o r st führt aus, die Frage, ob auch in Hannover reorganisiert werden solle, sei zu verneinen. Die nstchten des Ministers seien einseitige, die Majorität de« Volkes in Hannover wünsche, daß e« beim Bisherigen bleibe. Ohne das Institut der Amtsvorsteher sei ihm jede Kreisordnung unannehmbar. Die jetzige Provinzialordnung sei die erreichbar beste, Unzuträglichküten derselben seien nicht erwiesen. Ohne eine feste Vertretung der Aristokratie fei keine Selbstverwaltung denkbar.

Minister v. P u l t k a m e r rechtfertigt die Vorlage mit den vielfachen Rücksichten, die auf die historische Enlwicke- lung der Verhältnisse in Hannover genommen werden müßten. Der Behauptung deS Abg. Windthorst, daß man n Hannover eine Aenverung nickt wolle, siebe der ein­stimmige Beschluß deS Provinziallandtages gegenüber. Die Vorlage sei keineswegs erfolgt, um dem Grundsätze: Divide et impera zu folgen, fondern weil die Er- Mbtuuei gezeigt habe, daß ein ganzer Komplex derartiger Vorlagen im Hause nicht zur Erledigung kommen könne.

Abg. v. Wev ell-Pieöd or ff glaubt, daß in dem Organisationsgefetze nicht überall der richtige Weg einge- schlagen fei; die Vorberatung der Vorlage an den Pro­vinziallandtag sei ikShalb gerechtfertigt.

eS aber ganz etwas anderes sei, die Einnahmen des sau­enden Etats im Reiche, als in Preußen zu veranschlagen, ,a eben die Natur dieser Einnahmen verschieden sei. (Wider- pruch links.) Auf die Ausführungen des Abg. Gr um tz- recht wiederholt der F i n a n z m i n i st e r, daß er gern bereit sei, in der Budgetkommifsion Aufklärungen zu geben, daß er aber eben nicht in der Lage sei, Zahlen und Ziffern anzugeben. Abg. Richter wirst den Konservativen einen Wechsel ihrer Meinung je nach dem Standpunkte der Re­gierung vor. Abg. v. Rauchhaupt entgegnet, daß die Konservativen noch vollständig auf dem von ihm bei der ersten Lefung des Etats entwickelten Standpunkte stehen, daß sie sich jetzt aber lediglich dem Versuche widersetzten, den Herr Richter im Reiche mit Erfolg gemacht, die Ueber- schüsse des laufenden Jahres auch in den preußischen Etat von 188283 einzustellen. Abg. Richter bestreitet solche Absichten. Wem solle er denn auch etwas überweisen wollen, oder fürchte man, daß er einen höheren Steuererlaß beantragen werde. Er bezwecke lediglich Auskunft über die Finanzlagei Damit ist der Gegenstand erledigt.

Es folgen zwei Rechnungssachen, die ohne Debatte er­ledigt werden. Der Gesetzentwurf, bett, die Erhebung einer Hundesteuer, wird nach kurzen Bemerkungen der Ab­geordneten Frhrn. v. Schorlemer-Alst, Schreiber, v. Benda und Kropp der Agrarkommission überwiesen.

Der Gesetzentwurf zur Ergänzung de« Gesetzes, betr. die evangelische Kirchenverfassung in den 8 älteren Pro­vinzen, wird in dritter Beratung debattenlos genehmigt; ebenso derjenige, bett, die Ablösung der an die Stadt Berlin für Uebernahme der fiskalifchen Straßen- und Brückenbaulast zu zahlenden Rente.

Den folgenden und letzten Gegenstand der Tagesord­nung bilden der KreiSordnunqs- und der Provinzialver­ordnungs-Entwurf für die Provinz Hannover.

Abg. v. Bennigsen hat gegen die Entwürfe ein­zelne Bedenken, welche indes für ihn weniger in betracht kommen, als die Ueberaangsbestimmungen, da in diesen alle Bestimmungen des OrganisationSgcsttzeö, in welchen daS Prinzip der Selbstverwaltung zum Ausdruck gelangt, bis auf Weiteres noch in kraft treten sollen. Und doch füge man sich den großen Eingriffen, welche mit diesen Gesetzen in daö kommunale Leben Hannovers, gemackt würden, nur deshalb bereitwillig, weil man angenommen habe, daß auck sofort die Verbindung der Lelbstverwal- tung'skörper mit d u StaatSbebörden eintreten würden. Damit alle Hindernisse beseitigt würden, we-cke diesem ge­rechten Verlangen enta>genaest Ut we den könnten, bean­tragt er den EinführungStermin dieser Gesetze auf den 1. April 1885 zu verschieben.

Minister de« Innern v. Putt kam er weist daran' hin, daß daS System unserer Organisationsgesetz- sich in I den Provinzen, in welchen eS eingesübrt sei, kineswegs

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setzt, seinen Osfizieren alljährlich wenigstens einmal Gelegen­heit zu geben, auch im Dienste der Damen sich ritterlich zu tummeln. Sonstige Bekannte, auch einige alte Exzellen­zen werden nicht fehlen, sicher aber wird der bunte Rock vorherrschen. _ ~

Die Artillerie ist keine gar so exklusive Truppe, und in der Haupt- und Universitätsstadt sondern ohnehin Mili­tär und Zivil sich nicht gar zu streng von einander.

ES ist nicht daS gleiche stagnierende Leben, wie in den kleineren Garnisonstädten, wo vor allen anderen Elementen die Militärkreise sich aus« Eng e in sich selber abschließen.

Bei allem konservativem Sinne flutet hier ein ewig wechselnder Verkehr; und mit dem erweiterten Gesichtskreise kommt leicht auch Duldsamkeit gegen andere und Schätzung fremden Wertes.

So ist denn die Liste der Etnzuladenden eine vielfach wechfelnde, und ihre Aufstellung bedarf ernster Beratung. Ueber die meisten der Gäste ist man ohne Debatte einig; über einige schwankt die Entscheidung, nur über einzelne gehen die Meinungen weit genug auseinander. Der Papa überläßt es seinen Damen, den Strauß auszufechten; selten nur wird an seine Autorität appelliert. Er ist ein ehrenfester alter Soldat, bei weitem älter als seine Ge­mahlin, die trotz ihrer imaginären Kränklichkeit in allen häuslichen Dingen energisch daS Scepter führt, und deren Anordnungen willig alle sich fügen. Das Vermögen, welche« da« Leben im Hause zu einem angenehmen macht, stammt von der Frau. Der Obrist hätte, als em unbe­mittelter Offizier, nimmer daran denken dürfen, sich zu verheiraten, ehe er eS nickt wenigstens zum Rittmeister ge­bracht; denn nur nach wirklicher Neigung hatte er wählen wollen. Und als er endlich selbst zum RiUmeister avan­

ciert, da war doch alles anders geworden, wie er geplant. Und wieder waren Jahre stillen Wartens für ihn ver­gangen, bis der Zufall ihm in feiner jetzigen Frau nicht nur eine bemittelte, nein, auch eine stattliche Frau zuge- führt. Daß sie mit allerlei eingebildeter Kränklichkeit sich plagte, waS kümmerte eS ihn, wenn sie in Wahrheit nur gesund war! Daß sie zu stolz fast war, waS that c«? Er hielt durch seine unbegrenzte Gutmütigkeit alle schadlos.

Zwei Kinder hatte seine Gemahlin ihm geschenkt: Arthur, aus Wunsch deS Vaters Soldat gleich ihm, und Jstcore, seinen Liebling, ein frisch ausblühendeS Mädchen, der Mutter Ebenbild in Gestalt und Zügen.

Tie Unterhaltung zwischen Isidoren und der Mutter hat in lebhafter Hin- und Widerrede sich fortgesponnen, hiS ein Klopfen an der Thüre aufstörend hineinklingt.

Der Papa? Nein der darf nicht herein I" Fort mit dem Teppich, der für ihn zum Christgeschenk bestimmt istl Besorgt eilt die Tochter zur Thüre, jedem vorschnellen Eindringen zu wehren.

Ich bin's, Dorchen, ich, Arthur!" und eine schlanke Gestalt wird zwischen den Porstsren sichtbar.Für mich wird der geheimnisvolle Teppich da schwerlich gestickt, oder doch?"

Nein, für ein Junggeselle, quartier, wie daS Deine, Arthur, wäre die Arbeit wirklich zu schade. Warte nur, bis Du eine Braut hast, dann folgt der Teppich schnell genug nach. Die jungen Damen wiffen außer Börse und Schlummerrolle doch nie, waS sie Euch arbeiten sollen.

Ei, meinetwegen dürfen sie alleS mir besticken; unbestickt laßt Ihr doch nichts, und wäre es auch Kehricht­schippe und Stiefelknecht." (Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte«, sowie dAnnoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co- in Frankfurt a. M ; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-

In dem großen Hause, der Wohnung de« Doktor« gegenüber, sitzen, in einem der Erkerzimmer zwei Damen arbeitend und plaudernd beisammen: Mutter und Tochter, znach der Aehnlickkeit ihrer Züge zu schließen. Ein halb- fertiger Teppich liegt zwischen ihnen, und bunte Wollreste sind im Zimmer verstreut.

Die Erlebnisse der letzten Wochen werden besprochen und die Gesellschasten nnd Bälle, an denen sie Teil ge­nommen haben, bald das Arrangement einer Tafel, bald eine Toilette kritisiert, kurz, die üblichen Gesprächsstoffe der Damenwelt werden in der üblichen Werfe behandelt, wie es Sitte bei denen, deren Geist keine ernsteren Sorgen kennt und ein Bedürfnis nach geistiger Nahrung nicht allzu zwingend empfindet. Aber auch für diese hier hat die nächste Zukunft ihre «einen Sorgen; «m den Zeitpunkt und Umfang der alljährlichen größeren Abendgefellschaft dreht sich zumeist das Gespräch.

Die Tochter, eine fröhliche Blondine, stimmt für den Sylvesterabend. In der Festzeit ist gar so vielen eine Ein­ladung willkommen; die neuen Toiletten, die der Chrrst- baum gebracht, finden willkommene Verwendung, die Söhne der bekannten Familien sind auf Urlaub daheim; kurz, alles spricht dafür, für diesen Abend die Einladungen et» & h Als Kommandierender eine- der vielen im Orte garni- souierenden Truppenteile, hält der Papa sich verpflichtet, wie er es auch zuvor in der kleineren Garnison gethan, von der er, vor wenig Jahren erst, in die Hauptstadt ver-

Berlin, 9. Februar.

der heutigen (11.) Plenarsitzung de« Abgeordneten- brachte der Präsident v. Köller ein Schreiben Äerrn Ministers Maybach zur Verlesung, worin der- M das Haus zu einer Fahrt auf der am 7. d. M. er- « ten Stadtbahn einladet. Ueber daS Nähere bleiben ''.L' Verabredungen Vorbehalten.

Verlesung der Interpellation Richter, betreffend Neberschüsse deö laufenden Etatsjahres, erklärt sich der -inan'minister Bitter zur fofortigeu Beantwortung bereit. Ma Richter begründete dieselbe mit dem Hinweise k tu" bisher üblichen Gebrauch, wonach bei Einbringung ncUen Etats eine Auskunft über die Ergebnisse deS Pensen Etats gemacht zu werden pflegte.

Änanzminister Bitter erklärte darauf, daß et bar» if,^ wie hoch der Ueberschuß deS laufenden Etats sich lall'fen würde, eine Antwort nicht eher geben könne, als Jj Je Bücher der GeneralstabSkaffe abeschloffen seien, «orber ließen sich solche Mitteilungen mit einiger Sicherheit (rät machen. Auf Vermutungen aber amtliche Erklärungen iM w r ____mekdYiAm ffRbbprhnft habe

AuSkui st qeben.

Abg. Rickert ergänzt die AuStührungen des Abg. Richter und provoziert den Abg. v. Rauch Haupt zu der Erklärung, daß er an der Forderung, von der Regre- niilg die in bezug auf die Steuerreform rc. nötigen Auf­klärungen zu erhalten, auch heute vollständig fefthalte, daß

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------ tSalicb außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageIllufttlrteS SouutagSblatt- durch die Expedition(Ä o chlcke * ru der ei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr., - FnserNonsgebühr für dre gespaltene Jede 10 Pf«.

Buchdruaerer- °ez°g «/♦ £ ber Edition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

ll-lfiiu ftüfeen, hätte feine großen Bedenken. Wiederholt habe k? sich indes bereit erklärt, über die thatiächllcheu Berhält- ter laufenden Verwaltungen Mitteilungen In der Bud- vkommission zu machen. Zu mehrem sei er weder bercch- : noch verpflichtet. . ,

12 7 ®.|/ Auf Antrag des Abg. Richtet wird ut eine Besprechung 66. b crnterpellativn eingetreten. Der Interpellant betont, daß er nicht über den Abschluß Auskunft begehre, sondern nur über die Veranschlagung des UkberschusseS.

nn dieselbe nicht gegeben würde, bringe daS Unklathelt Tbie ganzen Etatsverhältnisse; beruhe doch der ganze Etat s Wahres 1882 83 ebenfalls nur auf solchen Veran- sigungen. Im Reiche habe zudem der Schatzstkretär ffls am 24 November Auskunft über den lapfenden t gegeben, nnd diese Mitteilungen seien eS gerade ge- e,m, welche dazu geführt hätten, dir Matrikularbeiträge m 10 Millionen zu ermäßigen.

Finanzminister Bitter betont wiederholt, daß eS sich den Abschluß und nicht um den Anschlag handle; über die Höhe aller zu erwartenden Einnahmen de« Staates im laufmoen Etatsjahre, die In seinem Ressort zusammenfließen, könne und werde er heute keine Auskunft geben. Die Siaalsregieruug teile feine Ansicht vollständig. Die Praxis 1 Ml des Reicks könne für Preußen nicht maßgebend sein. In der Budgetkommissioir werde er, wie gesagt, soweit thunllck,

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