Marburg, Freitag, 10. Februar 1882.
xvii. Jahrgang
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Kxsctzgebung erkannt und überdies auch ihrerseits durch ä» tkriabruna aelernt. Viele Unruträalickkeiten.
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letzten Zeit des Jahres.
(Fortsetzung folgt)
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Dauer die Regelung dieser hochwichtigen Fragen nicht dem Wege diskretionärer Gewalt erfolgen; und wenn wirklich dem Ende deS Kulturkampfes nahe wäre ■>,
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denkt an Tante Line, und ob die junge Dame, die jenen Namen trägt, wohl ihren Beifall hätte? Zaeifelbaft erscheint es ihm, und doch l — einen schwarzen Schimmer am Vorderglicd deS Mittelfingers hat sie sicher nicht!
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Bom Landtag.
Berlin, 8. Februar.
Dauer der fitzt begehrten diskretionären Vollmachten höchstens ein Jahr festzusctzcn. Der Redner bezeichnete demnächst die Richtung, in welcher die einzelnen Teile der Maigefctzqcbung zu revidieren. Ferner rckl >miert er für die evangelische Kirche, was der St rat der kacho vcbm
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schränken.
Abg. v. Meyer (Arnswalde) weist darauf hin, daß er bereits im Jahre 1877 ren Kulturkampf für einen überwundenen Standpunkt erklärt. Er hätte auch damals zum Grieben gemahnt und namentlich an das Zentrum die Aufforderung gerichtet, den ersten Schritt zum Frieden zu thun. Inzwischen habe aber die Regierung mit dem Juligesetz vom Jahre 1880 den ersten Schritt getban, und das
crn der heutigen (10.) Plenarsitzung des Abgeordnetensitz crbielt bei Fortsetzung der ersten Beratung der kiichenpolitischm Vorlage zuerst das Wort
Abg. vr. Virchow. Er betonte zunächst, wie man unmöglich von seiner Partei erwarten werde, daß sie der Regi rung irgendeiner Rcligionsgesellschaft gegenüber die verlangten diskretionären Vollmachten gewähren werde. Auf die Vorlage, deren Ablehnung als zweifellos anzusehen, verlohne cs auch gar nicht näher einzugehen. Inzwischen habe er zu erklären, daß seine Freunde bereit sein würden, en der positiven Revision der Maigesetze in der Kommission «itzuwirken; hätten sie doch von jeher die Mängel dieser
-ehnjähnge Erfahrung gelernt. Viele Unzuträglichkeiten, die sich bezüglich der Maigesetze herauSgestellt, wären allerdings nickt der Gesetzgebung als solcher zuzuschreiben, andern auf die harte Handhabung derselben zurückzuführen. Als die Maigesetze geschaffen, hätten wir noch vor der
irgend kann!"
Der Doktor beschaut lächelnd seine wohlgepflegten Hände.
„Ja, Hermänning, nach den Händen und Füßen kannst Du auch schauen! Ihr thut'S wohl, aber ganz verkehrt; wenn die Händchen nur hübsch rund und klein sind, da seit Jhr'S schon zufrieden und vergeßt, daß eS just dir Hand ist, die die Frau für'S Leben Euch gebm soll! Wie sie sich handtteren, das tst'Sl Ob sie die Händ' in den Schooß legen, wenn sie mit Euch plaudern, oder dabei die Nadeln rühren, — egal ist das nicht! — Und die langen
Zentrum habe, trotz seiner Ablehnung dieses Gesetzes, die Vorteile desselben gehabt. Gegenwärtig wolle nun wiederum daS Zentrum die Vorlage nicht annehmcn und die diskretionären Vollmachten ablehnen. Aber als ehrlicher Freund fordere er das Zentrum auch heute auf, die Vorlage nicht abzulehnen. Die Ablehnung würde gerade die wohlwollendsten Protestanten, die stets gegen den Kulturkampf gewesen, tief verletzen. Das Zentrum sollte auch seinen Einfluß aufbieten, um die Kurie zum Entgegenkommen zu bewegen. Wenn das Zentrum jetzt der Regierung auf dem vorgeschlagenen Wege folge, so würde man jedenfalls zu einem annehmbaren Waffenstillstände gelangen. Etwaigen sachlich zulässigen Modifikationen der Vorlage würde auch die Rechte nicht abgeneigt sein.
Abg. Dr. Gneist betont zunächst, daß, während Regierung und Parteien wetteiferten, dem Kulturkämpfe ein Ende zu machen, das Zentrum sich noch nicht einmal darüber ausgelassen habe, was eS von den Maigesetzen als zu Recht bestehend oder auch nur als tolerabel anerkenne — und was nicht! Jede Bemühung seitens der Regierung und der anderen Parteien, die Schroffheiten auszugleichen, ermutige daS Zentrum, an der Forderung nach gänzlicher Beseitigung der Maigesetze, nach Unterwerfung des Staates, festzuhaltcn. Dieser Haltung deS Zentrums gegenüber, das so sehr Herr der Situation sei, wie keine Partei je zuvor, dürften die Liberalen nichts übereilen. Der Kulturkampf sei keineswegs von den Liberalen geschaffen; dieselben seien weit davon entfernt, der Kirche einen Zwang auferlegen zu wollen. Die Maigesetze seien ein Kompromiß zwischen völlig entgegengesetzten Anschauungen, zwischen hierarchischen Ansprüchen und den Ansprüchen eines Staats mit zwei gleichberechtigten Kirchen. Diese Gesetze seien zu respektieren und nicht der Diskretion eines Ministers zu überlassen. Die Gesetze seien auch wohl ausführbar, vaS beweisen die Erfahrungen in anderen Ländern. Der Redner schließt mit dem Wunsche, daß ein endliches Entgegenkommen des Zentrums einen Ausgleich doch noch ermöglichen möchte.
Abg. Strosser wendet sich zunächst in eingehender Widerlegung gegen die Ausführungen der Abgg. Gneist und Virchow. Was die Vorlage betreffe, so könne auf
Die trüben, nebligen Tage des Novembers sind vorüber. Der Dezember hat seine Herrschaft angetreten; klare Frosttage hat er gebracht, wie er eß liebt; über die melancholisch graue Erdrinde ist eine weiße Decke gebreitet, und an den nackten Zweigen der Bäume glitzern blitzende Krystalle.
Er ist ein Freund der Menschen, der letzte liebe Monat des JahrcS; nicht nur, daß er daS schönste aller Feste uns aufbewahrt; damit es, wie ein scheidender Freund vor der Trennung allen Zurückbleibenden eine Gabe reichen. — Auch Liebe und Geselligkeit versteht er zu wecken, um die trauliche Lampe und das knisternde Hccrdfeuer schart er Freunde und Nachbarn; am Tage lockt er die Jugend hinaus auf des Eises spiegelglatte Fläche und zur Nacht in des Ballsa,.ls hellglänzende Räume.
Ein rechter Geheimniskrämer aber ist er auch. Welcher Monat des Jahres brächte der Heimlichkeiten so viele, wie der Dezember? Kein Haus, in dem es nicht ein Eckchen gäbe, in dem, gleich in einem Schmollwinkelchen, Einer vor dem Anderen sich zurückzöge, in dem nicht eine sonst meist vergessene Kammer von auflcuchtendcn Kinderaugen bewacht würde, wenn die Mutter schwer beladen sich heimlich ihr naht? Und doch ist keine Zeit an Liebe reicher, keiner die Phantasie geschäftiger, auf Zeichen der Liebe zu sinnen, nie sind die Hände weniger müßig, als in dieser
rot mbere finden in btt rdtß tfalen). hdertz Presst versaht, itnt.
E m|[ h gern, Mett Stotte, und fii e von
Unter falschem Name«.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
Der Doktor sieht fragend auf: „Ich versteh' nicht —" „Ja, sichst Du, so um Mittag herum, wenn sie Besuch vermuten, oder abends, wenn's in Gesellschaft geht, da sind die jungen Damen all' gebügelt und geschniegelt; aber morgens, da müßt einer sie überrumpeln. Und wenn dann solch' alt’ Mütterchen oder so 'ne alte Tante, wie ich, int Haus ist, 'mal zusehe ob die nicht gar den Kaffee besorgen und die Stuben in Ordnung bringen muß, weil daS Frän-
Kirche schon im Jahre 1821 durch die Bulle de Salute animarum gewährt und was jener seit nunmehr 72 Jahren entzogen, damit endlich den berechtigten Bedürfnissen innerhalb der evangelischen Kirche genügt werden könne. Die Verbindung der Vorlage mit der polnischen Agitation ist ihm unverständlich.
Abg. Richter kann die Geldforderung für die evangelische Kirche nicht als ein Zeichen der Vollständigkeit der Kirche erachten. Der Kulturkampf habe seinen eigenartigen Charakter durch die Art empfangen, mit welcher der Fürst Bismarck denselben geführt. In dieser Methode wollten seine Freunde dem Reichskanzler eben nicht weiter folgen. Was den fortschrittlichen Grundsätzen positiv entspreche, das wollten seine Freunde auch ferner von den Maigesetzen aufrechterhalten. Was Herr Strosser gegen die Liberalen auSgeführt, könne derselbe mit vollem Rechte gegen den größten Teil seiner eigenen Partei, vor Allem aber gegen den Reichskanzler richten. Der Abg. Virchow habe vorhin lediglich die Hierarchie im Gegensatz zur Autonomie im Sinne gehabt. Uebrigenö seien solche allgemein phisophische und retrospektive Betrachtungen niemals weniger an der Zeit gewesen als heute. Der Kernpunkt der Vorlage sei, daß der Reichskanzler mit Hülfe dieser Vollmachten sich die Majorität in der Volksvertretung aus katholischen Kreisen schaffen wolle, die er ans evangelischen nicht erlangen könne. DaS Interesse der „politischen Freiheit" sei es darum auch wesentlich allein, welches den Widerstand der Fortschrittspartei Hervorrufe. Namentlich aber würde sie sich dem Bischofsartikel widersetzen. Die materielle Reform der Maigefitzgebung müsse lediglich von der staatlichen Autonomie abhängig sein und für die Reform eine bestimmte Begrenzung, ein festes Programm festgesetzt werden. Er und seine Freunde verträten den amerikanischen Stand der Verhältnisse: freie Kirche im freien Staate. Wir verlangen gleiche Gesetzgebung für alle Bekenntnisse, welche die Grenze für Staat und Kirche zieht, die innere, dogmatische Seite der Bekenntnisse aber unberücksichtigt läßt. Fürst Bismarck braucht eine gefügige Mehrheit für alle seine Projekte, er brsudd daS Zentrum und diese Vorlage ist nur ein Stück aus der Reihe der Mittel, die er anwcndet, um auch in dem katholischen Lager Heerfolge zu gewinnen. D'S ist der ganze Zweck dieser Vorlage. (Zustimmung links und im Zentrum.) DaS bringt auch uns in die Opposition zu der Vorlage; wir wollen die Vorlage nicht, wir wollen Revision der Maigesetze.
Abg. Liebermann erklärt, daß die Ausführungen Stroffers nicht von der Mehrzahl der konservativen Fraktion unterstützt murren und placiert im Sinne deS Abg. Ho tz für die Vorlage.
Abg. Kantak nimmt die polnischen Untertanen in Sckutz gegen die Unterstellungen, wie sie in den Motiven
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Schleppen jetzt, ich sag' Dir, sie decken viel Elend zu, gar die Löcher im Strumpf I Die gute Alte hat sich in Eifer geredet. „Und der babylonische Turmbau auf dem Kopf, glaub’ mir, der hat auch viel Schuld an der babylonischen V rroitrung da drunter! Wenn Du aber am rechten Mittelfinger solchen verdächtigen schwarzen Schimmer sichst, Hermänning, dann — laß daS Mädchen laufen, die — schreibt!"
Der Doktor lacht herzlich ob der langen Rede.
„Vorn Kochrezept und der Wirtschaftsrechnung wird der Finger wohl nicht schwarz? Das Schreiben ist doch sonst keine Sünde!"
„Viel Unheil ist aber davon gekommen! Es giebt so schon Bücher genug, mehr, als Ihr selbst bei Methusalem'S Alter lesen könnt'; die Frauen sollen daS Scheiben bübsch bleiben lassen! Die glücklich und beschäftigt sind, thuen's von selber nicht, und die andern werden dadurch auch nicht glücklicher! Das viele Geschichten lesen taucht den Frauen schon nicht; sie auszudenken, behüt' uns Gott, da sollen die eigenen Gatten noch zu Romanhelden werden! — Du bist keiner, Hermänning! Gute Nacht, mein Junge!" Herzlich lachend ist sie zur Thür hinauSgetrippelt.
Der Doktor schaut ihr nach: „Gute alte Tante Line!" sagt et an'S Fenster tretend um auf die dunkle, regenfeuchte Straße hinauszuschauen. „Hu, bei solchem Wetter Heimzukommen inS leere Nest! Sie hat Recht, ich hätte längst ein Ende machen sollen; wir werden schwieriger und zaghafter, je älter wir werden!" Er wirft daS Ende seiner Zigarre fort und setzt sich an den Schreibtisch um vor dem Schlafengehen, wie et’ß gewohnt, die nötigen Notizen in sein Krankenjournal einzutragen. Bei einem der Namen schleicht e» sich wie ein leises Lächeln über seine Züge; er
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der Herr Minister gestern versichert, so werde auch organische Revision der Maigesetzgebung unschwer zu erreichen fein. Deshalb wünsche er peritzulich für die
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«einen nimmt entgegen : ®.tion b.BlatteS, ied Annoncen-Bureauk b. Di-trich u. Co. m el und Hannover; Th. l1ietrid) in Frankfurt a.M.; ple (.nftein u. Vogler in a Berlin, L z. Mn -c.! Rudolf S'r w*
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Illustriere- Sonntag-blatt" durch die Grpebition («o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2 /« wtarl, burd) bie Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejc(. Bestellgebühr., — InfcrtionSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Psa.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
>ahre Gewissensfreiheit und den unberechtigten Druck jeden i 0 -Kirchenbannes Ausdruck. Das Ideal des Redners ist, wie T- »aus früheren Vorgängen bekannt, die Religion lediglich als - keine Angelegenheit des JndividiumS, resp. der Gemeinde Galzu eia' lieren. (Diese Ausführungen stoßen wiederholt auf ^Widerspruch und Heitei keit im Hause.) An einen dauernden Frieden glaubt der fortschrittliche Führer bei der Natur der bestehenden Gegensätze nicht; es käme jetzt nur darauf an, die lltzleren nicht zu vertuschen, sondern die Grenzen der klar erkannten Differenzen nach Thunlichkeit einzu
- angczeigt, um zur Verständigung zu gelangen, eine Scheidung p des äußeren und innern kirchlichen Amts überhaupt vorzu- „ ' nehmen. Außerhalb des Rahmens der regelmäßigen Recht- enllich« sprechung dürfte auch die positive Revision dieser Materie -Hemani nicht gestellt werden. Dabei sei nicht gesagt, daß der gegenwärtige Gerichtshof bestehen bleibe, eS käme nur daraus an, daß der ministeriellen Willkür vorgebeugt werde. Im Ucbrigcn hebt er hervor, daß die Fortschrittspartei an etha den prinzivicllen Punkten der Gesetzgebung, welche die ---------^Rechte des Staates der katholischen, wie jeder Kirche gegen« kbruaMber feststellen, nach wie vor festhalten würde, und dann 3(Ließt cr des Weiteren seiner Ansicht über die angeblich
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie b.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung ' daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld' C- Schlotte in Bremen.
lein nicht ans dem Belte finden kann, ober sich vom neuesten Roman nicht trennen mag? — Und wenn da im 2 Hause nun gar noch kleinere Geschwister sind oder sonst wer, mal hier horchen, ob......" »ob sie unter vier
Augen just so freundlich zu ihnen thut?" fällt der Doktor lachend ein. „Ja! und wenn'S heimlich angehen will, und ihr unbemerkt 'mal irgend ’n Stück Ding in den Weg werfen könnt, dann hübsch acht geben, ob sie sich bückt und es an seine Stelle rückt? Glaub' mir, die daS.thut, die räumt ihrem Manne auch einst aus dem Weg, was sie
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