Jftaröucg, Donnerstag, 9. Februar 1882
xvn, Jahrgang
Kr 3'i
ötaljtffifdjt jfitmiii
ütz
meri
len
ru
BH
r
Ibenbi !ö G ersM
8t, erh
Beziehungen der polnischen Bevölkerung zu der katholischen Bewegung habe man demnach nicht außer acht lasten können. Diese Beziehung habe in Westpreußen zu einem leidenschaftlichen Kampfe zwischen den deutschen Katholiken und den polnischen Katholiken geführt. Dazu komme, daß in Posen und Westpreußen die Geistlichkeit an der Spitze der polnischen Bewegung stehe, sogar vielfach im Widerspruch mit den Verordnungen der geistlichen Vorgesetzten. Solchen Zuständen gegenüber, fährt der Minister fort, muß die Regierung um so mehr jeden Schritt hinsichtlich seiner Folgen überlegen. Bezüglich der internationalen Beziehungen ist in letzter Zeit mit steigendem Drängen die Forderung ausgesprochen worden, die Regierung möge im Wege der Vereinbarung mit der Kurie die Angelegenheit zum AuS- trage bringen. Auf diesen Weg kann sich aber der Staat nicht drängen lasten, denn die Konkordate hatten nur Thränen und Sorgen im Gefolge. Sie können wohl augenblicklich wirken, für die Dauer ober haben sie nur Hinder- niste und Verwickelungen erzeugt. Es ist eben zu schwer, zwischen Geber und Nehmer die richtige Grenze zu finden. Die Regierung hält an dem bisherigen Vorgehen fest, das auch in den neuerworbenen LandcSteilen st>lS herrschend war. Die Regierung ist ohne jede« Mißtrauen und lebt der Ueberzeugung, daß der gegenwärtige Leiter der katholischen Kirche den vollen Frieden wünscht und daß er, wenn daS Gesetz angenommen ist, auf diejenigen hören wird, welche Freunde deS Friedens find. Was die diskretionären Vollmachten anlangt, so hat die Negierung zu allen Zeiten gewiste Streitigkeiten durch einfache Dekretur beseitigt, waS in dieser Vorlage aber gar nicht verlangt wird. Dem konstitutionellen Systeme und Prinzipe widerspricht die dis kretionäre Vollmacht durchaus nicht. Dergleichen Befugniste haben die Minister, hat besonders der Kultusminister schon jetzt in verschiedenartigen Angelegenheiten. Im diesem Sinne ist der Artikel 5 der Vorlage gefaßt. Derselbe befreit von der vorherigen Anzeige bei Anstellung von Hilfspredigern. Als Regel wird die Anzeige bestehen bleiben, aber in gewissermaßen dringenden Fällen muß im Verwaltungswege die Anstellung auch ohne Anzeige zustehen; im übrigen bleibt die Einsprache unbenommen. Bedenklich kann eine solche Vollmacht nicht sein, besonders wenn man beachtet, daß die Kontinuität in der Verwaltung in Preußen stets hervorragend vorhanden war und wohl auch bleiben wird. Was das Begnadigungsrecht deS Königs anlangt, so hält die Regierung dafür, daß dasselbe, obgleich eS unbezweifelt ist, doch gesetzlich ausgesprochen werden muß, damit die Regierung die Anschauung aller Konfessionen und Parteien in diesem Falle erfährt. UebrigenS ist die Grundlage des Artikels 5 nicht das kanonische Recht, sondern daS preußische Recht von 1873. Die Regierung wird die gewährten Vollmachten in dem SittNe auSüben, in dem sie erteilt sind. Die Vorlage ist nicht der Grund der gegen-
; für »dem! (Zvii
Bom Landtag.
B erlin, 7. Februar.
Zn der heutigen (9.) Plenarsitzung deS Abgeordnetensitz trat dasselbe in die erste Beratung der kirchenpolitischen Vorlage ein, welche mit einem eingehenden Vortrage einleitele
Kultusminister v. Go ßler: In den Kampf, der auf diescm Gebiete seit zehn Jahren wogt, bin ich in keiner Weise verwickelt; ich bin in diese Gegenstände kritisch einge- drungcn; der Kampf kann nicht leidenschaftlich, sondern nur mit Ernst zu Ende gebracht werden. Da der Kampf nicht künstlich erzeugt worden ist, werde ich niemals versuchen, irgend jemand die Schuld dafür aufzubürden. Diejenigen Staaten, welche rS verstanden haben, von vornherein daS Gebiet des Staates von dem der Kirche scharf zu trennen, haben diese Uebclstände nicht aufzuweisen. Eine solche Grenzregulierung ist nötig und wünschenswert- Die bisherige organische Gesetzgebung darf man nicht mit einem Scbwamme auswischen wollen. Wir können jetzt nicht neue Grundlagen hierfür suchen; wir würden uns entweder isolieren oder direkt schädigen. Der Redner weist auf die Verhältnisse in den Ländern hin, welche Konkordate abgeschlossen haben. Diese Verhältnisse könnten für unS fruchtbar verwandt werden. Die Vorlage von 1880 hat nicht die Schäden herbeigeführt oder die Befürchtungen bestätigt, die man vorausgesagt. Der Minister weist auf die Besetzung der Bischofstühle und auf die Verminderung der verwaisten Pfarreien hin und sagt: Durch die wciterschrei- tcnde Wahrnehmung der fiskalischen PatronatSrcchte wird das in dieser Beziehung Erreichbare erstrebt. Der Minister verweist ferner auf die Vermehrung der Krankenpfleger und Krank»»Pflegerinnen und betont, eS sei entschieden zu vereinen, daß die katholische Kirche verfolgt worden sei. Die Beziehungen zu der katholischen Geistlichkeit seiur die freundlichsten geworden. DaS Gesetz müßte natürlich gehandhabt weiden. Die Negierung habe aber die Absicht, den Schnitt zu heilen, den sie führen mußte, und sie habe die dringende Veranlassung, von den erreichten Resultaten nichts zu verlieren, aber auch keinen Schritt zu thun, den sie vielleicht zurückmachen müßte. Auch die Parteien und die Presse hätten ihre Haltung in dieser Frage geändert; man sei mit einer Fülle von Konzessionen gekommen; greisbares Material aber sei der Regierung nicht geboten worden, sie müsse den von ihr eingeschlagenen Weg zunächst für den heilsamsten erachten. Die Regierung habe sich aber einer Rücksicht nicht entziehen können, nämlich der Rücksicht auf die polnische Sprache. Die polnische Bevölkerung Preußens hoffe immer noch auf die Wiederherstellung eine« polnischen Reiches. Die Abgeordneten aus der Provinz Posen betrachten sich nicht als Vertreter des preußischen Volkes, sondern als Vertreter der polnischen Nation. Die intimen
ungd.
UN Nr
It gern schwer! eriii| 5') u.tit lerin Inhalt
B. Str
wärtigen Zustände, sondern ihr Ausdruck und der Erfolg derselben soll eine Stufe fein, von der aus die Regierung writerschreiten will. Sollte die Vorlage verworfen werden, so wird die Regierung darum nicht aushören, dafür zu wirken, daß der Friede erreicht wird. (Beifall.) — (10 Redner haben sich für, 16 gegen die Vorlage gemeldet.)
Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst konstatiert, daß die ganze Frage sich darum drehe: diskretionäre Befugnisie — oder nicht I Im Jahre 1880 wäre dafür noch eine relative Berechtigung vorhanden gewesen. Aber seitdem wären weder die Verhandlungen mit der Kurie fortgeschritten, noch hätte die Regierung von dem Juligesrtz den vollerwünschten Gebrauch gemacht. Der Redner tadelt die Ausführung des Sperrgesetz S, die Stellung des Ministers der Simultanschulfrage gegenüber und erkennt in der Anstellung des Ministers Falk als OberlandeSgerichtS-Präst- dent in Westfalen eine mangelnde Rücksichtnahme auf die katholische Bevölkerung. DiS diskretionären Gewalten kann er nicht für angezeigt halten, niemand könne den Wunsch haben, daß der Klerus von dem Willen deS Ministers abhängig fei, Artikel 4 enthalte allerdings keine diskretionär« Be'ugniS, aber da der kirchliche Gerichtshof sich schädlich erweise, so beseitige man ihn doch einfach g^nz. Mit der angeblichen agitatorischen Haltung der polnischen Bevölkerung seien unmöglich di? kretionäre Befugnisie der gesamten katholischen Bevölkerung gegenüber zu rechtfertigen. Wie der Artikel 2 der Vorlage ein Hinblick auf den Allerhöchsten Erlaß vom 4. Januar rechtfertigen wolle, verstehe et nicht. Der Artikel sei thatsächlich eine Verkümmerung deS königlichen Begnadigungsrechts. Redner betont schließlich, daß auch die Zentrumspartei von der Sehnsucht zum Frieden vollständig erfüllt, die Hand zum Frieden weit entgegenstrecke und nur durch Pflichtgefühl sich genötigt sehe, den Kampf fortzuführen.
Abg. Graf v. Wintzingerode vermißt zunächst in den Schlußworten des Vorredners und dessen sonstige« Ausführungen die innere Uebereinstimmung, geht kurz auf eine Widerlegung derselben bezüglich deS Ursprungs deS Kulturkampfes ein und giebt mit warmen Worten seiner achtungsvollen Meinung vor dem Minister Falk Ausdruck. — Betreffs der Vorlage selbst stehen die Freikonservativen auf cem Standpunkte, daß der Regierung im Prinzipe unter Festhaltung der gesetzlichen Grundlagen die begehrten Vollmachten zu gewähren seien. Etwa« Anderes sei allerdings, in welcher Begrenzung die Befugnisse zu bewilligen seien. Zunächst hält er eine Zeitbeschränkung für angezeigt. Wie weit man in dem Maß der einzelnen begehrten Vollmachten gehen dürfe, würde wesentlich davon Abhängig sein, welcher Gebrauch von anderer Seite von den Befug- niffen des JuligesetzcS gemacht sei. Von den einzelnen Artikeln der gegenwärtigen Vorlage sei namentlich der Artikel 2 bedenklich, doch würden seine Freunde sich der
'Ehr Einfi
febuidt B°rsh cker,
und § bg-sch, 'n freit
Um e atnj d de» fiNNM
impfe von
:ct
S» I 'bure. . 44.
' in i c
Böh
n in
•an I
101 10G 101 100 lod i<» 101
73 - 93
10» 96, 2?
s
300
101 227
121 10» id id
Unter falschem Name«.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
Der Doktor hat, unbekümmert um den Eifer der alten Dame, sich die Mahlzeit trefflich munden lasien. „Wie nett Du für mich sorgst," sagt er ablenkend. „Ich kann mir gar nicht denken, daß Du mich so bald wieder ver- lassen willst."
„Und doch will ich da«! Ich hab' Dir Alles nun in guten Gang gebracht. Da wirtschaft' getrost nur mit Deinem alten FamuluS weiter, bis — na, bis Du ’ne Frau hast."
„So hilf mir eine finden, Tantchen."
„Will schon die Augen für Dich offen halten, und an ein paar guten Ratschlägen sollS Dir nicht fehlen." Sie hat trotz seines Abwehren« voll Eifer da« Tischgerät bei Seite geräumt. „Nein, Ordnung muß sein! Ja, e« sind so hundert kleine Dinge, an die Ihr Männer nicht denkt, oder an die Ihr doch erst denkt, wennS zu spät ist und sie euch unbequem werden. Ordentlich muß Deine Frau vor Allem sein; für die gute Eigenschaft kam: sie immer ein paar tausend Thaler weniger haben; und geduldig muß sie auch sein, al« Doktorsfrau zehnmal geduldiger noch, als jede andere, — denk nur, wie ich heut wieder hab mit dem Thee warten muffen! — und Eifersucht darf sie, als Doktorsfrau, schon gar nicht kennen, sonst ist deS Elend« kein End bei all Deinen Damenbesuchen."
„Aber, Tantchen, wie soll ich denn vor der Hochzeit das alles wissen? Ein HeiratSattest bringen die Heiratskandidatinnen uns doch nicht mit."
„Und auf den Zensuren, die die Mütter ihnm au«-
«„.eigennimmt entgegen: Ke Spedition d. Blatte«,
ä,Slln «•; Suboli Me Berlin, Frank- 8,10,1 furt
da« Geld allein, ich mein auch so. Je weniger Ehen, je weniger Familien, je mehr Verfall im Land!"
„Aber, Tantchen, Du bist doch selbst eine alte Jungfer!"
„Ach waS! Seh' ich aus, wie ’ne alte Junfer?!„ Sie präsentiert sich drollig genug in ihrer behäbigen Breite. Hab' ich's hindern können? Ein ganzes Nest voll kleiner Kinder, so gut wie mein eigen, und all' auf einmal; und dann noch Zeit zum Heiraten haben? Du red'st —!"
Der Doktor streckt ihr freundlich die Hand hin. „Nicht« für ungut! Wir haben alle Dir viel zu danken! Seit wir so plötzlich die Eltern verloren hast Du —"
„Schnickschnack! Weil Ihr mir aber alle gleich nah' steht, drum just will ich fort. Mit dem Frühling, weißt Du, kommt der Storch in« Land, und auf dem Lande brauchen Sie die alte Tante Line nötiger, al« Du. Im übrigen, nimm mir's nicht übel, ist's mir auch zu einsam und still hier."
„Zu still, Tantchen, inmitten der großen Stadt?"
„Eben deswegen. Hier kennt keiner den andern. Ich komm' mir vor, wie auf ’ner wüsten Insel. Wa« geht mich der Spektakel draußen an? So 'n bischen jung Volk um mich herumtummeln sehen, wenn'S mir wohl sein soll. Wenn ich mal wiederkomme....."
„Machen wir einige Besuche, die wir längst hätten machen sollen."
Die alte Dame schüttelt den Kopf. „Zu Deinen Bekannten paßt die alte Tante Line nicht! Aber meinetwegen, wenn ein Z veck dabei ist; und dann — nur nicht just zur Visttcnzeit Visiten machen!"
(Fortsetzung folgt.)
stellen, ist Alles vortrefflich. Ich kenn' das, mein Junge! Drum müßt Ihr selbst die Augen aufmachen, das heißt vor der Hochzeit und sie Euch ziehen. Du weißt: Vor der Hochzeit mußt sie wend'n nach der Hochzeit hat'S ein End'n. Du, als Doktor, kommst zu allen Tageszeiten in alle möglichen Häuser, Dir kannS so schwer nicht werden."
„So schwer, daß ich schon daran gedacht habe, ein Inserat in die Zeitung rücken zu lassen: Ein Mann in den besten Jahren, Arzt mit guter Praxis u. s. w." Der Doktor bläst schmunzelnd den Rauch seiner Zigarre in die Luft. Die Stricknadeln in den Händen der alten Dame klappern bedenklich.
„Geh, Hermänning, da« ist ein dummer Witz; und zum Scherz ist mir die Sache zu ernst, — Ich sag Dirs nochmal, Du hast mehr Gelegenheit, als jeder Andere—"
„Kränkliche und nervenschwache Damen kennen zu lernen, ja, Tantchen!"
„’n schöner Doktor, der vor der Hochzeit nicht herau«- bringen könnt, ob seine Frau an Leib und Seele gesund ist."
„Geh, Tantchen, an Dir ist ein Advokat verdorben! Du solltest ein HeiratSburcau einrichten."
„Hab Besseres zu thun, mein Junge. Wenns aber nach mir ginge, gäbe wirklich so viel alte Jungfern und Junggesellen nicht; die sind schließlich nur sich und aller Welt im Wege. Die Junggesellensteuer, die sie vorgeschlagen haben, sollt nur eingeführt werden, bann" ....
„Haha! Dann müßte freilich mancher Minister und selbst Abgeordnete, wie Lasker, ^iq bezahlen — der höheren und höchsten Herrn gar nicht zu "beuten. Nein, Tantchen, mit Einführung der Steuer hatS keine Not."
„Möcht'dem Staat aber doch zugut' kommen; nicht
Hnjeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux Den ® 8. Daube u. Ge. in Frankfurt a. M; Jiaerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin: W. Thiene« in Elberfeld: C- Schlotte in
Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Pret« für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage ^Jllnstrirte« SountagSblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 2*A Mnrk, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf-, (excl. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebllhr für die gespaltene Zelle 10 Pf-.
Für in der Expedition zu erthellende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf-, berechnet.