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Marburg, Mittwoch, 8. Februar 1882

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xvii, Jahrgang

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Kosten zur Beobachtung des Vorüberganges der Venus vor der Sonne im Jahre 1882 bewilligt, hat der Stellvertreter des Reichskanzlers jetzt dem BundeSrat der von der Korn- mijsion für die Beobachtung des VenuSdurchgangeS von 1874 vorgclegten Entwurf einer Geschäftsordnung für -die mit der Organisation und oberen Leitung des Unter­nehmens zu betrauende Kommission zur Beschlußnahme vorgelcgt mit dem Bemerken, daß die thunlichste Beschleu­nigung dem Interesse der Sache in hohem Grade ent­sprechen würde. Nach dem Antrag der genannten Kom­mission wird die Kommission durch Hinzufügung zweier neuer Mitglieder, nämlich des Professors an der Universität zu Berlin, designierten Direktors eer Universitäts-Stern­warte zu Leipzig, Dr. Brauns, und deö Direktors der Sternwarte zu Gotha, Dr. Seeliger, wieder aus die Zahl von 8 Mitgliedern gebracht. Die übrigen älteren Mit­glieder der Kommission sind der Astronom der preuß. Akademie der Wissenschaften Prof. Dr. AuwerS in Berlin, der Direktor der königl. Sternwarte in Berlin Professor Dr. Förster, der Direktor der Seewarte in Hamburg, Rümker, der Direktor der Universitäts-Sternwarte in Bonn, Professor Dr. Schönfeld, der Professor der Universität in München, Dr. Seidel, und der Direktor der Universitäts- Sternwarte in Straßburg, Professor Dr. Winnecke. Die Kommission beantragt ferner wesentliche Veränderungen deö Statuts von 1874, die hauptsächlich deshalb nötig er­scheinen, weil dies Statut in einem Zeitpunkte aufgestellt wurde, wo die Kommission mit der Organisation des da­maligen Unternehmens thatsächlich fertig war, während diesmal die ganze Organisation und Vorbereitung wirklich statuarisch vorzuberciten bleibt. Es sei deshalb bei der unverhältnismäßigm Kürze ter für diese umfangreiche und schwierige Arbeit zur V>r'ügung bleibenden Zeit cuf mög­lichste Vereinfachung des Geschäftsganges zu sehen, während einzelne andere Veränderungen der früheren Bestimmungen sich aus den damals im weiteren Verlauf des Unter« nehmens gewonnenen Erfahrungen ergeben. Von den vor­geschlagenen Neuerungen deö Statuts dürfte namentlich hervorzuheben sein, daß die Kommission die offizielle Be­zeichnung . Kommission für die Beobachtung des VennS- durchganges" führen soll und raß die Absicht besteht, dies­mal für jede einzelne Expedition einen Gelehrten aus­schließlich mit den erforderlichen Vollmachten auSzustatten und dementsprechend vorzugsweise für die Durchführung der betreffenden Expedition verantwortlich zu machen, daS übrige Personal aber seinen Anordnungen zu unterstellen; wenigstens hofft die Kommission, daß diesmal der bei der vorigen Veranlassung gewählte Notbehelf einer kollegia-

Deutschfeindliche Jutrigue«.

Die italienische „Opinione" bringt einen sensationellen Artikel über „Gambettas Pläne", in welchem behauptet ^ird, Gambetta wäre deshalb so schnell gefallen, weil Fürst Bismarck nach der Entdeckung der von Gambetta mit dem österreichischen Botschafter Grafen Beust gesponnenen Jn- triguen mit einer sofortigen Kriegserklärung gedroht habe. Durch die nach Rußland gefandte Mme. Adam schürte Gambetta dort den Panslawismus und in Italien den JrredentismuS gegen Oesterreich; ferner sollten in Italien die gekauften italienischen Zeitungen bei den Wahlen zu gunsten einer Alliance mit Frankreich wirken. Als Gam- betta im besten Thun gewesen, habe Bismarck plötzlich seine Stimme erhoben. Der Rücktritt GambettaS sei nur als rorübergehendeS Ereignis aufzufasscn; einstweilen habe Gambetta eine volle Aussöhnung zwischen Frankreich und Italien angcbahnt. Gambettas Rückkehr aus Ruder be­deute den Krieg in kurzer Frist, man halte dazu aber in Paris die italienische Negierung noch nicht genügend gerüstet.

Das „Journal de Rome" bringt ähnliche Mitteilungen über Gambettas Rücktritt. Gambetta habe versucht, Bis­marcks Thätigkeit in Konstantinopel zu Hintertreiben, nament­lich durch den Plan, die tunesische Frage in einer euro­päischen Konferenz zu lösen. Der Sultan habe Gambettas Plan dadurch durchschnitten, daß er als Vorbedingung die Räumung Tunis von Frankreich verlangte. DaS Blatt meint, diese Forderung des Sultans sei von Deutschland inspiriert gewesen. DaS Blatt erfährt ferner, daß in Nom ein arabisches Komitee existiert, welches die Mission eines geheimen Agenten Gambettas Hintertrieb, welcher hier in Rom den freundschaftlichen Ausgleich zwischen Italien nnd Frankreich betreffs Tunis versuchte. Das Komitee veran­laßte sofort eine Adresse der Notabeln von Tunis an den König Humbert, um vor den französischen Verstrickungen zu warnen.

DaS „Journal de Rome" sagt, eine pan - islamitische Bewegung sei in der Vorbereitung, um die Franzosen aus anz Ober-Afrika hinauszuwerfen. Gambetta, seine schwierige Zage erkennend, habe versucht, in Konstantinopel eine Re­vision des Bardo-VertrageS unter Beschränkung der fran­zösischen Okkupation als AuSweg durchzusetzen. Die Pforte habe stolz geantwortet, sie werde die Franzosen mit Flinten­schüssen aus Tunis vertreiben; da aber Gambetta noch nicht schlagfertig, um dieser Einflüsterung des Fürsten Bismarck mit Thaten zu antworten, so habe er den besten Vorwand zum Rücktritt benutzt.

Wie viel an dieser Nachricht richtig ist, daö lassen wir dahingestellt. Daß von Frankreich Agitationen in Oester-

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h meinen nimmt entgegen: Mpebition d. Blattes, »,wied.Annoncen-Bureaux k Th. Dietrich u. Co. in

3g, Köln ic.; Rudolf He m Berlin, Frank- futt a. Ak. tc.

reich und Italien insbesondere durch den Ankauf der Zei­tungen unterhalten wurden, ist mehrfach berichtet worden. Aber daß Gambetta durch die Macht der Stimme Bis­marcks gestürzt sei, ist vielleicht der Sucht der auswärtigen Presse hinter allen auffallenden Ereignissen Bismarcks Einfluß zu finden, entsprungen. Als vor mehreren Wochen von dem Jntriguenspiel berichtet wurde, welches durch den Sarah-Bernhard-Schwindel in Wien angeregt, durch die französischen Gründer (Bontoux und Konsorten) und den Ankauf österreichischer Zeitungen fortgeführt wurde, wurde auch daö Treiben des Grafen Beust in Paris; insbesondere von seinem Verkehr mit dem Redakteur der „Wiener All­gemeinen Zeitung", dem Dr. Herzka, bei dessen Besuch in Paris erwähnt. Bei aller feindlichen Gesinnung BeustS gegen Bismarck und daS deutsche Reich war es doch kaum denkbar, daß der Botschafter Oesterreichs in Paris sich solche Dinge erlauben werde. Jetzt nun werden auch in der „Köln. Ztg." in einem Berliner Briefe ganz ähnliche Schilderungen von dem Gebühren deS Grafen Beust ent­worfen. Es wird in diesem Briefe der „Köln. Ztg." er­zählt, daß Graf Beust neben russischen Großfürsten u. a. auch ein Besucher deS Hauses der Madame Adam ist, welches der Mittelpunkt aller deutschfeindlichen Elemente der höheren Gesellschaft ist. Er habe eö durch sein Ver­halten dahin gebracht, daß in Paris alle deutschfeindlichen Hitzköpfe auf ihn und deshalb auch auf Oesterreich heffen, so unberechtigt daS letztere auch fein möge. Graf Beust habe in einer Versammlung jener Kreise eine Rede ge­halten, welche in den Worten gipfelte: „Meine Seele ist dankbar, mein Herz ist französisch."

Die östernichiscke Negierung hat diese Sachen nun aber doch ernst genommen und wegen dieser und anderer Vorkommnisse den Grafen nach.Wien berufen, um ihn persönlich .über diese Dinge zu hören und sich darüber schlüssig zu machen, ob sic noch ferner durch einen „Bot­schafter mit französischem Herzen" in Paris vertreten sein kann, dem seine privaten Beschäftigungen dazu nicht die Muße lassen, seine Regierung über die französische Auf­fassung der Donaufrage und die Solicität Bontouxscher Unternehmungen zu unterrichten. Daß die Regierung bei der wichtigen Ministerkrisis in Frankreich die Anwesenheit des Botschafters nicht für nötig gehalten hat, wird vielfach dahin gedeutet, daß Graf Beust nicht mehr »ach Paris zu- rückkehrm wird.

Deutsches Reich.

•• Berlin, 6. Febr. Nachdem auch der Reichstag die int Neichshaushalts-Etat für 1882 83 ausgeworfenen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annonccn-Bure«ux von G L. Daube u. Ge. in Frankfui t a. M ; ISgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: G- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae IfluRHrM SnnntnnäMnH- Buchdruckerei) bezogen 8‘/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 60 (e”ct SffiÄtT-flÄ!ie W10 Ä * Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 M. berechnet ' gehaltene Zeile 10 Pf».

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Unter falschem Namen.

Von Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

Die Blätter verschwinden schleunigst in den Tiefen deS Pompadours. „Eine Taffe Thee, Hermännig?" fragt die Tante statt aller Antwort.

„Gewiß! Der Tag hat mich frostig und müde gemacht."

„So? Nun, wer Dir den Thee wohl heiß halten möchte; wenn ich nicht just da wär'? ES ist gleich neun Uhr, und feit zwei Stunden fast hüte ich mit dem Abendbrote."

„Nur gut denn, daß Du hjer bistl" Der Professor hat es sich im Lehnstuhl bequem gemacht und mischt sich behaglich daS Getränk. „ES möchte mir schwer werden, die alte, einsame Junggesellenwirtschaft aufs neue zu be­ginnen."

„Wirst eS dennoch müssen, mein Junge — hat auch sein Gutes! — Kaltes Esten, kalte Stuben haben manchen schon auf gescheidte Gedanken gebracht. Vielleicht bringtS Dich auch einmal zur Einsicht —"

„Daß cS nicht gut ist, wenn der Mensch allein feil Der Gedanke ist mir zu Zeiten schon gekommen! Dm Glauben habe ich wohl, allein mir fehlt —"

„Der Wille! Kenn' den schönen Spruch! Aber sag' mit nur um alles in der Welt, wie ein so resoluter Arzt solch' Hasenfuß fein kann?"

„Hafenfuß? Danke fchön! Ein Hasenfuß und solche Schmarre?" Er zeigt lächelnd aus eine Narbe, die, ein Andenken an die fröhliche Studentenzeit, jetzt vom vollen Barte fast verdeckt wird. „Ich weiß genau, worauf Du zielst; aber der Hieb sitzt nicht. Geheiratet soll werden,— aber die erste beste — ?"

„Die Erste? Nein! Die Beste! Warum nicht? voraus­gesetzt, daß Du sie bekommen kannst!"

„Geschmack und Ansicht gehen in solchem Punkte weit auseinander."

„Hast Recht 1 Des Einen Eule ist des Anderen Nachtigall!"

„Die Frau, die dem Einen begehrenswert erscheint, stößt den Anderen zurück; und nun gar die Rädchen, in denen Ihr werten alten Damen, alle Garantien für eine glückliche Ehe vereinigt seht —"

„Sind wenig verlockend für so alte Junggesellen. Warum aber? Weil ste keine Launen, keine Nerven haben nicht geistreich zu kokettieren verstehen und mit den üblichen Talenten wohl auch nur spärlich bedacht sind, folglich Eure verwöhnten Sinne nicht in s eter Spannung zu halten wissen. Nein, lieber Junge, wer die rechten Heiratsjahre einmal hinter sich hat, wer selbst die rechte Frische und Lust zum Heiraten nicht mehr mitbringt —"

„Der böte feiner Frau immerhin eine geachtete soziale Stellung, die ste an- sich selber nicht erringen könnte, —" er stockt, — „es fei denn, daß sie durch die so geschmähten Talente ste sich selbe schon errungen."

„Und vor einer solchen Frau behüt' Dich Gott! Oder möchtest Du wirklich, wie man wohl sagt, der Mann Deiner Frau sein! Nein, Hermänning, nur das nicht! Eine einfache thätlge Frau wünsche ich Dir, die Dich in Liebe hegt und pflegt; die Talente schenke ich ihr! Hüte Dich vor einer Frau, die gewohnt ist, durch ihre Talente zu glänzen. Wer Vielen gefallen will, ist nicht zufrieden mit de» Einen Beifall, der ihr doch alles fein soll."

„Also nur der unverheirateten Frau möchte eine Ver­wertung ihrer Talente ziemen?"

„Ich versteh' mich nicht darauf; aber ich denk' mir: Zu Hause kann sie'« nicht, also treibt ste's hinaus. Es müßt' ’ne seltne Fran fein, die da vor allen singen und spielen könnt', Bücher schreiben und was sonst noch alle«, und doch zufrieden wär' für ihren Haushalt, für Mann und Kind zu leben."

„Ausnahmen Vorbehalten 1"

„In der Phantasie mag eö solche Ausnahmen geben,

in der Wirklichkeit nicht. Es müßt denn eine sein, die für Mann und Kinder das Brot schaffen müßt'; und selbst dann —"

Lachend unterbricht sie der Neffe: „Sagt bet Dichter, daß die Mühsal deö Erwerbens —

Scl's auch nur mit Stift und Feder Unser Bestes untergräbt!"

„Geh mir mit Deinen Dichtern!" Mir thuts schon weh, wenn ich ein unverheiratet alleinstehend Frauenzimmer fürs liebe Leben sich damit muß plagen sehen."

„Und ste müssen eS! Die statistischen Nachweise be­stätigen, daß es der Frauen so viele mehr flieht, als der Männer, vor allem der unverheirateten, die auf eigenen Erwerb angewiesen sind; da heißt eS, jede Gabe redlich nutzen —"

„Ach, geh mir mit Deinen statistischen Nachweisen WaS weisen sie nach? Daß die meisten Frauen nicht recht­schaffen arbeiten mögen, daß sie lieber sich putzen und um- herlaufen, um nachher sitzen zu bleiben. Na, sie mögen die Ruhe nötig haben. Ich gönn' ste ihnen. Und die Männer, die keine Frau kriegen können, na, die sind erst recht schuld. Wer heißt Euch so ewig matten und wählen, als ob erst expreß für Euch ein Engel vom Himmel kommen müßt! Na, wenn Ihr bis in alle Ewigkeit warten müßt, mir wär es recht! — Ja, Du lachst! — Sag' mir lieber, warum eS in den einfachen Kreisen, bei den Handwerkern und Bauern, so wenig alle Jungfern und Hagestolze flieht ? Ich will DirS sagen, weil sie da nicht so viel Geld, also auch nicht so viel Zerstreuung haben und nicht närrisch sind vor lauter Bildung! —WaS ist denn Bildung? Daß Ihr Euch ein Bild macht von irgend ’nem Ding, und dar­nach sollS nun gehen! Nehmt doch die Menschen und Dinge wie sic sind, Ihr selber seid doch auch nicht solch Urbild aller Vollkommenheit; Eure Frauen brauchen es auch nicht z» sein." (Fortsetzung folgt)