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Marburg, Dienstag, 7. Februar 1882
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vom Landtag.
Berlin, 4. Februar.
Unter falschem Ra men.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
Sekundärbahnen betreffe, fo sei allerdings darauf zu sehen, daß die resp. Beiträge nicht über die Leistungsfähigkeit der Beitragspflichtigen hinausgehe. In dieser Beziehung dürfe man allerdings kein allgemeines Prinzip aufstellcn, sondern müsse nach den konkreten Verhältnissen entscheiden. Die
nacher gestern dargelegt habe. Die heute zur Debatte chende Vorlage begrüße er (Redner) mit großer Befriedung. In derselben sei eine der Segnungen zu erkennen, daS Staatsbahnsystem uns gebracht. Nicht aber die Sekundärbahnen allein, deren voraussichtlichen Nutzen er besonders bezüglich der für seine Heimat projektierten hervorhebt, sondern auch die großen Umbauten verschiedener, namentlich rheinischer Bahnhöfe seien durchaus zu billigen. Die Vermehrung der Betriebsmittel sei eine unabwendbare,
finanziellen Befürchtungen, welche vor 2 Jahren die Gegner der Verstaatlichung ausgesprochen, hätten sich in keiner Weise ■ verwirklicht. Wenn der Staat für produktive Zwecke seine Schuld vermehre, verschlechtere er seine finanzielle Lage doch sicherlich nicht. Also auch aus diesem Gesichtspunkte sei die Vorlage nicht zu bekämpfen. Redner schließt mit der Hoffnung auf fortdauernde weitere gedeihliche Entwickelung.
Abg. Dirichlet giebt zu, daß nach Lage der Ver- hältnisie die weitere Ausbildung des SekundärbahnfystemS nur fiaatlicherfcits erfolgen werde, obwohl seiner Meinung nach die Gefahren des Staatsbetriebes bei diesen fast noch größer seien, als bei den Vollbahnen. UcbrigenS feien die Hoffnungen auf den Vorteil der Sekundärbahnen nicht zu hoch zu spannen; tatsächlich hätten die Adjazenten oft recht wenig Vorteile von denselben, ja es träten mitunter Verschlechterungen in den Verkehrsverhältnissen gegenüber den früheren Postverbindungen ein. Der Redner geht des Näheren aus die ostpreußischen Verhältnisse ein und betont, daß von der ganzen Summe der Vorlage nur V» auf den östlichen Teil falle, und versagt sich schließlich nicht, auf die politische Seite der Beamtenfrage in der Eisenbahnver- waltuna eiruuaeben.
Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach, stellt die Erfüllung eines von dem Abg. Dr. Wehr ausgesprochenen Wunsches betreffs einer westpreußischcn Sekun- därbahn, wenn thunlich, in Aussicht. Mit Recht habe schon der Abg. v. Eynern betont, daß die Erweiterung der Bahnhöfe, welche jetzt geplant werde, früher gar nicht möglich gewesen sei. Was die Beihilfe der Kreise und Gemeinden beim Bau der Sekundärbahnen betreffe, so sei zuzugeben, daß in einem so großen Staate wie Preußen ein einheitliches Verfahren nicht möglich sei. Die Behauptung des Abg. Dirichlet, daß die Staatsverwaltung bei den Sekundärbahnen den lokalen Bedürfnissen nicht Rechnung trage, stehe mit der Wirklichkeit im Widerspruch; die Staatsverwaltung mache es sich vielmehr zur hauptsächlichsten Aufgabe, diese Interessen zu berücksichtigen. Daß der Osten des Landes in der Fürsorge der Negierung zurückstehe, sei nicht richtig, wie das ein Rückblick auf di- früheren gleichen Vorlagen auch zur Genüge darthue. Für die Errichtung einer Bahn sei die politische Parteistellung der betreffenden Bevölkerung ohne jeden Einfluß; ausschlaggebend seien allein die wirtschaftlichen Verhältnisse. Daß auf dem Eisenbahngebiet schon manches besser geworden, werde gewiß niemand leugnen; alle Wünsche seien bisher natürlich noch nicht zu erfüllen gewesen; wir ständen aber auch hoch nicht am Ende unserer Aufgaben.
Abg. v. Schwerin erwidert unter lebhafter Zustimmung der Rechten auf die Provokationen des Abg. Dirichlet, der ihn in seiner Eigenschaft als Landrat des SenSburger Kreises in die Debatte gezogen hatte.
Abg. ThokarSki richtet die Aufmerksamkeit des
»uch wohl zu entziffern.
Eine Parterrewohnung hat er sich erwählt, der junge Arzt, der erst kürzlich hierher übergrstrdelt, im freundlichen
hier besondere Rücksicht verdienen und hoffentlich im nächsten Zahre auch Berücksichtigung finden werden.
Abg. von Eynern konstatiert mit Rücksicht auf die
zunächst betont, daß die Entwickelung der Sekundärbahnen ohne die Verstaatlichung der Eisenbahnen jedenfalls eine
Herrn Ministers auf eine für seinen heimatlichen Kreis wünschenswerte Bahnstrecke.
Abg. Frhr. v. Zedlitz-Neukirch widerlegt die Behauptung, daß die in der Vorlage geforderte Summe in den Etat rinzustellen fei. Die Form der Anleihe fei korrekt und verfaffungSmäßig, stehe auch mit früheren Vorgängen im Einklänge und sie empfehle sich überdies auch aus Zweckmäßigkeitsgründen.
Abg. v. Berger nimmt die Privatbahnen gegenüber den Ausführungen deS Abg. v. Eynern in Schutz. In keinem Lande der Welt hätten so anständige Privatbahnen existiert, als in Preußen. WaS die Verteilung der für die Sekundärbahnen geforderten refp. schon beantragten Summen betreffe, so entfallen von denselben in den beiden früheren und der gegenwärtigen Vorlage zusammen auf die 7 östlichen Provinzen 96 Millionen, auf die 5 westlichen dagegen nur 44 Millionen. Der Redner geht dann auf die Details der Vorlage, die einzelnen Sekundärbahnen, ein. Die Beiträge der Kreise und Gemeinden seien nach Maßgabe der Verhältnisse gewiß berechtigt. Aber auch große Privatintereffen müßten billiger Weise herangezogen, andererseits ihnen der Anschluß verweigert werden. Die 16 930 000 M. für verschiedene zweite Geleise seien eine durchaus berechtigte Forderung; dagegen findet er die großen Summen für den Ankauf einzelner Bahnhöfe sehr bedenklich; namentlich sei die Forderung von 22V, Mill, für Köln koloffal. Die 11 Millionen für Vermehrung der Betriebsmittel würde er gern bewilligen, da dieselben notwendig seien; er würde zu diesem Zwecke event. noch eine größere Summe bewilligen, damit nur ja kein Wagen- mangel wieder eintrete.
Abg. Graf v. Wintzingerode fürchtet nicht, daß die beiden für die Provinz Sachsen intendierten Bahnlinien auf Widerstand stoßen werden. Betreffs der BeitragSpflicht teilt er im allgemeinen die Anschauungen des Abgeordneten v. Eynern. Daß mit dem Entwürfe betreffend die Erweiterung rc. des Staatseisenbahnnetzes das Budgetrecht des Abgeordnetenhauses verletzt werde, wie der Abg. Richter behauptet habe, sei durchaus unbegründet. — Der Redner betont ferner, wie die ganze finanzielle Lage in Preußen und im Reiche dahin dränge, die Schulden des StaateS möglichst zu reduzieren, wie aber nach seiner Auffassung dieses Prinzip in verschiedenen näher bezeichneten Punkten nicht zur Anwendung gelange. Die Vorlage selbst erkennt er im übrigen gern als einen Beweis der energischen Thätigkeit deS Herrn Eisenbahnministers an.
Minisier der öffentlichen Arbeiten Mayb ach entgegnet dem Abg. Berger, daß die an sich gewiß unerwünschten hohen Ausgaben für die Bahnhöfe definitiv doch nicht die von dem Herrn Redner angenommene Höhe erreichen würden.
Abg. Kantak konstatiert, daß leider für daS Groß
Menschen auf sein nutzbringendes Dasein aufmerksam zu machen. Er hat genug zu thun, und hätte er eS nicht, er würde schwerlich durch falschen Schein die Verwirklichung seiner Hoffnungen erstreben mögen.
So ist denn auch in seiner Wohnung jeder überflüssige Schein sorglich vermieden. Einfach, aber solid ist die ganze Einrichtung, die trotzdem der üblichen Kennzeichen der Junggesellerwirtschaft nicht ermangelt. Für den Augenblick freilich weniger; denn daS Feuer brennt im Kamin; die nötige Wärme hat der gute alte Ofen freigebig gespendet; der Tisch ist aedeckt und über der BerceliuSlampe summt ungeduldig der Theekess.l. Seine Unpe'ulh scheint er mit dem einzigen lebenden Wesen des Zimmers zu teilen, einer älteren F-au, die, das Strickzeug zur Seite geworfen, über einer Patience brütet, zu der sic die Karten über eine Ecke des Tisches gebreitet hat. Die bunten Bilder wollen ihr den Gefallen nicht thun, sich ihren Wünschen zu fügen; ungeduldig wirft sie dieselben zusammen und horcht auf dir Straße hinaus. Still ist es driniien, wie draußen. Der Schutzmann patrouilliert ver- droffen am Hause vorüber; aus einem der benachbarten Keller kommen einige Mädchen mit den aufschnittbelegten Tellern und gesüllten Bierseideln; rin Gast huscht eilig hinein, dazwischen einige vorüberrvllende Wagen, das ist Alles; von dem regen Leben der Hauptstadt ist wenig zu merken. Auch im Zimmer ist es still I In das Ticken der Wanduhr, in das Plätschern des Regens bringt allein der Theekeffel einige Abwechselung. Gering genug freilich ist sie; doch wer die Geschichte verstände, die er, bald leise summend, bald ärgerlich auszischend, da erzählt, dem möchte die Zeit nicht lang werden. Schade nur, daß 'die wohlbeleibte alte Dame zu solchen reflektierenden Naturen ficht-
den tatsächlichen Verhältnissen rntsprechende Forderung. "^Was die Beitragspflicht der Kreise und Gemeinden zu den
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sann- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen Beilaae initftrirM h..,* u « .. v
Buchdruckerei) bezogen S'/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 60 '°n («achlche
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme ^on Adressen werden 25 Pfg."er°chnet^ 8ef”alten‘ 8eUe 10 Wfr
Uch nicht gehört. Bei ihr ist Alles positives Leben; kräftig gebaut, von untersetzter Gestalt, schaut aus der frauenhaften Haube mit den flatternden bunten Bändern ein lebensfrohes, rotwangiges Gesiebt hervor, daS trotz seines Alters in jedem Zuge von frischer Willenskraft und resoluter Tbätigkeit spricht.
Ungeduldig trippelt die gute Alte umher, und aller sonstigen Sorgsamkeit zum Trotz, steckt sie wieder und wieder die sauber gestäikle Haube zum Fenster hinaus. Es scheint ihr an der Zeit, daß ihre Geduldprobe ndlich ihr Ende erreiche.
„Nein, diese Einsamkeit habe ich satt!" spricht sie für sich. „Mag der Hermann sehen, wie er fertig wird, ich reise I*
Eine Droschke, die vor der Thüre anhält, macht sie zurücktreten und beim Schall der Portierglocke schnell in den Korridor hinauSeilen, einem kräftigen, bärtigen Manne entgegen, der, die naffen Tropfen vom Mantel schüttelnd, ihr behaglich entgegentritt.
„Endlich, Hermänning! Ich dacht' schon, Du kämst heute gar nicht mehr heim!" Ihr behäbiger Tonfall erinnert lebhaft an daS platte Deutsch ihrer ländlichen Heimat.
„Die Patienten, TantchenI Die weiten Entfernungen!" entschuldigt er. „Ein Arzt kann in seiner eigenen Häuslichkeit nicht allzeit pünktlich sein1" Er hat die alte Dame in die Stube zurückgedrängt und mit ihrem unzertrennlichen Strickbeutel in die Sophaecke hinein komplimentiert. „Wieder nach der Zukunft geforscht?" neckt er, die bunten Blätter erblickend. „Was sagt denn da« Kartenorakck über mein Geschick?" (Fortsetzung folgt)
Zeigen nimmt entgegen: Jt Erpedition d. Blatte», Uied.Annoncen-Bureauk ÄTH. Dietrich u- So- in und Hannover; DH.
Mch in Frankfurt °.M.; staasenstein u. Vogler ,n irantfurt a- M-, Berlin, ö, Köln Rudolf Moss, in Berlin, Frank- W furt a. M. rc.
Co.Bifl 'Hü -rn «• '■ Svgz, Knabe $ schon, he dahtz und b.
"Mit«, »schenk' achen. »str. 11. schneid«, ! 1 Mk, eilen ä Zu
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-©d)au Wohlwollen vielleicht für seine treppenscheuen Patienten, in Grai vielleicht auch in Berücksichtigung eigener Bequemlichkeit.
und f weniger begünstigten Jünger AeSculapS, eine nimmer vor- ü handene Praxis zu fingieren, vom eigen« dafür besoldeten Dienstmann allnächtlich seine Glocke läuten oder von der ----- DirtStafel sich abrufen zu lassen, nm nur seine Neben«
Seinem Rufe an die Universität ist ein guter Ruf als __ Arzt voraufgegangen; verschiedene glückliche Kuren haben Stuben« Hu bestätigt, und so ist seine Praxis schneller gewachsen, als er selbst zu hoffen gewagt. DaS Glück ist ihm hold
I Gelangweilt horcht im Souterrain der Portier auf das Zt Läuten der Hausglocke; doch das Wetter ist zu ungast- ra 's °rlich und die Besucher wagen sich ohne Not nicht hinaus. Einladend genug sonst ist der hellerleuchtete Korridor und
Behaglich und einladend schimmert auch auSdenherab- gelassenen Vorhängen der Parterrefenster der Lichtschein e _ auf die Straße hinab. Nachbarlich vermischt er sicb mit
" dem schwachen Schein der Straßenlaterne, al« muffe er lSbess» ihm helfen, die Inschrift auS dem weißen Porzellanschilde [ neben der Thüre erkennbar zu machen; läßt dasfelbe, im Verein mit bet naben Nachtglccke, doch vermuten, daß für )4, 1 Tl dringende Not hier ärztliche Hülse zu holen sei. „Professor —---Dr. Winter, praktischer Arzt rc." ist bei näherem Hinschauen
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u. So. in Frankfurt a.M.;J«aerschr Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
als damaligem Mitgliede der nationalliberalen Fraktion . auch füglich gar nicht hätte unbekannt sein können. Der )atten. i ^hlgcn Vorlage, betreffend die weitere Verstaatlichung, stehe der Abg. Miquel, der leider behindert sei, diesen Verhand- hingen beizuwohnen, ganz so gegenüber, wie der größte meister. GTnl der nationalliberalen Partei, und wie eS Abg. Ham«
Auf der Tagesordnung der heutigen (8.) Sitzung deS AbgeordnetenhaufeS steht zunächst der Gesetz - Entwurf betreffend die Erweiterung, Vervollständigung und beffere Ausrüstung deS Staatseisenbahnnetzes. Es sollen zum Bau von 16 Sekundärbahnen und einer kleinen Vollbahn von Eichicht nach der bayerisch - meiningischen Grenze 51814000 M. verwendet werden, zur Anlage zweiter Geleise 16930000 M. (darunter für Bingerbrück-Neunkirchen 3750 000 M), zu Bauausführungen 48 450 000 M. tdarunter für die Umgestaltung der Bahnhofsanlagen in Mn und Düsseldorf 22V» resp. 14 Millionen) zur Vermehrung der Betriebsmittel und zwar für ca. 3000 Wagen cbautes § und 100 Lokomotiven 11000000 M.
" ' Der erste Redner ist der Abg. Dr. Wehr, welcher
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?irtant gestrigen Ausführungen deS Abg. Meyer (Breslau), daß '«itb ttr Abg. Miquel f. Z. nicht im Namen der nationallibe- , ralen Partei gesprochen habe, wie die« dem Abg. Meyer
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■ß Spec . weniger günstige gewesen sein würde, als c« heute der Fall sehr g> hi. Er anerkennt auch vollständig die Verdienste deS ie Gär« Herrn Ministers auf diesem Gebiete, hätte aber gewünscht, ) f daß auch die Provinz Westpreußen ebenso wie Ostpreußen mmissidW bedacht wäre, und bezeichnet einige spezielle Linien, welche