Marburg, Sonntag, 5. Februar 1882
Nr 81
xvii. Jahrgang
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sich auf den Ankauf schlesischen, bezögen.
Abg. Dr. Hammacher erklärte sich durchaus für die Vorlage. Die gegenwärtigen Zustände seien ferner nicht aufrecht zu erhalten; vielmehr ein vollständig durchgeführtes einheitliches System notwendig. -Die Mißstände auf den Staatsbahnen, welche gegenwärtig noch vorhanden, seien
Daß daher der Uebergang der Privatbahnen, und zwar i nicht bloß der preußischen, auf daS Reich vorbereitet, daS > ist für uns rin Gegenstand der Erwägung bei der Vorlage, denn die Majorität des Hauses hat durch ihren damaligen Beschluß die jetzt eingetretene Lage geschaffen. Für die ZentrumSpartet, welche diese ohne ihre Mitwirkung geschaffenen thatsächlichen Verhältnisse nicht ignorieren kann, ergiebt sich daraus die Pflicht, auf Grundlage derselben die jetzige Vortage zu prüfen. Wir werden daher betreffs jeder einzelnen Bahn zu erwägen haben: Ist der Erwerb dieser Bahn eine notwendig unabweiSliche Konsequenz der Verstaatlichung, ist derselbe im unabweisbaren Jntereffe der zu verstaatlichenden Bahn und mit Rücksicht aus die Landesteile oder deren Produktion; ist der Erwerb im militärischen Jntereffe für die Sicherheit und Verteidigung deS Vaterlandes notwendig? (Beifall rechts.) Unsererseits werden wir ferner zu erwägen haben, ob mit der weiteren Verstaatlichung die Schuldenlast in einem Umfange wächst, der in einer möglichen Katastrophe sehr bedenklich werden kann.
aS sind im wesentlichen die Gesichtspunkte, von denen auö ir die Vorlage der Regierung prüfen werden. Nachdem Hann der Redner seine volle Anerkennung für diejenigen energischen und sachlichen Maßregeln ausgesprochen, mit welchen die Regierung die bisherige Verstaatlichung durchgeführt, beantragt er namen» seiner Freunde die Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. (Beifall.)
Abg. v. Tiedemann führte aus (für die Vorlage): Der Hauptwert sei auf die Organisation zu legen. Die Frage, ob daS gesamte Eisenbahnwesen von einer Zentralstelle zu leiten sei, werde durch praktische Erfahrung bejaht. Bei allen Bahuen stehe jetzt dir Erwartung, der Staat werde mit Offerten an sie hrrantreten; darum sei daS Bestreben dieser Bahnen auf hohe Dividenden gerichtet, und
wichtige Nebenlinien kämen nicht zur Ausführung. Die Freikonservativen würden nach Kräften an dem Zustandekommen deS Gesetzes mitzuwirken suchen. Sehr viel hänge von der Durchführung des StaatSbahnsystcmS der weitere Ausbau der Sekundärbahnen ab, der für viele Landesteile von der äußersten Wichtigkeit sei. Redner geht auf die Petitionen der Eisenbahnbeamten ein, die durch die Reden der linken Seite neue Aufmunterung erfahren hätten. Die Klagen über den Wagenmangel bei den Staatsbahnen seien übertrieben; er ist vielmehr der Meinung, daß die Staatsbahnen an Leistungsfähigkeit hinter den Privatbahnen nicht zurückbleiben. Auf die einzelnen Bahnlinien näher eingehend, erklärt er namentlich den Erwerb der Bergisch- Märkischen Bahn im Jntereffe des Staats für notwendig, den Erwerb der übrigen Bahnen aber für dringend wünschenswert.
Abg. B ü ch t e m a n n (gegen): Die linke Seite würde sich der Konsequenz der früheren Beschlüffe des Hauses nicht entziehen, wenn nicht schon damals seitens der Regierung und der Majorität die Erklärung abgegeben worden wäre, man wolle mit der Verstaatlichung der großen noch übrigen Bahnkomplrxe warten, bis größere Erfahrungen über die Resultate der bisher verstaatlichten Bahnen gesammelt worden seien. Motive für die Notwendigkeit der Verstaatlichung seien nicht angegeben. Im ganzen habe sich das Staatsbahnsystcm keineswegs bewährt, und sei der Zeitpunkt für die Fortsetzung der Verstaatlichung nicht günstig gewählt: daS Motiv, daß die Privatbahnen nur noch das Jntereffe hätten, möglichst hohe Renten zu erzielen, wäre durch die Leistungen der Anhaltischen Bahn widerlegt. Die Aufsichtsbehörde müßte doch die Bahn- vrrwaltung speziell bezeichnen, welche ihrer Meinung nach den öffentlichen Verkehr beeinträchtige. Es seien keine Motive vorhanden, welche eine Fortsetzung deS „Sprunges ins Ungewisse* rechtfertigen. Redner führt ferner au?, daß auch die finanziellen und wirtschaftlichen Ergebniffe der Verstaatlichung, nachdem die Legende von den Ueber- schüsien zerflossen, nicht zur Fortsetzung ermutigen. Die erreichte« finanziellen Resultate hingen mit dem Aufschwung deS wirtschaftlichen Verkehrs gar nicht zusammen. Auch sei infolge der Verstaatlichung eine wesentliche Aenderung der Tarife nicht dngetreten. Was die Differentialtarife anlange, die doch gewissermaßen den Ausgangspunkt für das gegenwärtige Eisenbahnsystem bildeten und von deren Beseitigung die Landwirtschaft große Vorteile erhoffte, so sei die Negierung offenbar im Begriffe, andere Wege einzuschlagen, selbstverständlich solche Wege, an welche die Herren von der Landwirtschaft nicht gedacht haben. Wollen wir unsere Finanzen aufrechterhalten, wollen wir unsere Stellung im Weltverkehr einbüßen, so bleibe nichts anderes übrig, als den Konjunkturen im Weltverkehr zu folgen. Es müffe von allen kleinlichen Grundsätzen abgewichen
Anning, na, die thuts für sie alle!" auf die kleine Thüre zurück schleicht
Fräulein Anning I Wa» das ewige Geschreibsel nur soll? DaS ist doch nichts für ein^Frauenzimmer I Du wirst Dich noch krank machen!"
„Eher Du, Dörthe, wenn Du nach solch einem anstrengenden Waschtage nicht schnell zu Bette gehst! Geh, thue mir'« zur Liebe."
Die Alte hört nicht. Sorgsam breitet sie eine Decke über die Kniee der Arbeitenden, schürt die verglimmende Glut im Ofen und stellt eine Taffe wärmenden TheeS, den sie in der Ofenröhre verwahrt gehalten, geräuschlos vor ihr auf den Tisch.
„So, nun gehe ich auch! Kann nun zum Wenigsten doch in Ruhe schlafen. Aber das sage ich Dir, Fräulein Anning: ist morgen die Lampe wieder >o weit leergebrannt, wie gestern und all' die Tage, verrat' ich'S der gnädigen Mama."
„Das thust Du nicht, Dörthe! Ich weiß, Du gönnst mir ein so harmloses Vergnügen."
„Schönes Vergnügen, daS!" brummt die Alte und
ES ist am gleichen Abende, in der gleichen Stadt, und derselbe melancholische Regen schlägt in ermüdender Beharrlichkeit auch an die hohen Fenster eine- der neuerte Häuser der Fried,ichSstadt. (gortfc#u*a folgt)
°nzusjh @runu Haus, -tallu^ id mlffc' ’r U 'ertaub tine: iar m «r I. iar d. i in di? lredig
Unter falschem Namen.
Von Ellen Lucia.
(Fortsetzung.)
„Ein Verleger? Einer Frau von Fürstenau möchte e« kaum geziemen, sich als Schriftstellerin zu versuchen. DaS Feld wird überdies gar zu fleißig kultiviert."
Wenn auch. Hat der Arbeiter nur die rechte Begabung, so schadet eS dem Felde wirklich nicht; die paar Körnlein mehr oder weniger wird eS febon tragen können. Die beste Freude erwächst doch dem Arbeiter selbst; und überdies haben selbst Fürstinnen ihre Memoiren ver- öffcntlichtl Denke nur an die Herzogin von Orleans, die Prinzeß Wilhelmine von Baireuth und manche andere. Du brauchst Deinen eigenen Namen nicht einmal preiSzu- geben, wenn Du nickt willst. Unter einem Dutzend schriftstellernder Damen nennt kaum eine sich bei ihrem wirklichen Namen."
„Unseres Namens haben wir uns sonst nie zu schämen gehabt — freilich —" sie zuckt zusammen; der alte Stolz aber b hält die Oberhand. „Bist Du fertig, Kind?"
„Gewiß!" Die Tochter bat daS Schreibgerät herbeigeholt; einige engbeschriebene Blätter ordnend, liest sie der Mutter zur leichteren Anknüpfung die letzten Sätze vor.
„Wie seltsam es berührt, die dgenen Gedanken und Worte von den Lippen Anderer, gleichsam wie etwa« Fremdes zu hören. ES will geübt sein, wie so Manches." Und in gleichmäßigem Vortrage fährt ste in ihren Erinnerungen fort, und die Tochter eilt, in gewandten, schnellen Schriftzügen die Worte auf dem Papiere festzu- halten. Schnell entfliegt die Zeit. Bisweilen muß wohl hier und da eint Aenderung vorgenommen «erden, aber
Erscheint tSglich außer an den Werktaam nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wSibentliL,« »AXn«. . T~" «— _
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das junge Mädchen weiß sich stet« schnell zu ortenti ren; auch an geeigneten freundlichen Winken läßt sie eS nicht fehlen.
„Genug für heute!" bricht endlich die Mutter ab. „Morgen mehr, wenn Du eS nicht müde bist 1*
„Ich könnte die ganze Nacht Dein Sekretär sein, Mama, ohne müde zu werden. Ich glaube in der Thal, Dein Buch muß gefallen."
Die Mutter lächelt. „Es kommt wohl allein auf den Leser an. Schwerlich haben wir ein unparteiisches Urteil über die Arbeiten Derer, die unü nahe stehen. Mir ist e« genug, daß fein Entstehen mir Freude macht, und sein Fortspinnen in den langen Stunden der Einsamkeit mich munter hält. Es war ein guter Gedanke von Dir, Kind, meine Gedanken also zu besckiftigen."
Da« junge Mävchen küßt liebevoll der Mutter Hand und beeilt sich, sie zu ihrer Ruhestätte zu geleiten.
Frau von Fürstenau mag ihr Schlafzimmer mit Nie- mandem teilen, nur Bello darf auf weicher Decke vor ihrem Bette schlafen; die Nähe ein:« Zweiten, behauptet ste, störe sie in der eigenen Ruhe. Dörthe hat im Nebenkämmerchen ihr Bett aufgestellt, damit die Klingel der Herrin sie jedrrzeit erreichen könne: Fräulein Anna hat im kleinen Giebelstübchen sich eingerichtet und ist glücklich in seinem ungestörten Besitz.
Hierin hat sie sich denn nun für die Nacht zurückgezogen. Den kleinen Tisch an den Ofen gerückt, hat sie auch hier die Schreibgeräte herbeigeholt und ist bald im Durchlesen engbeschriebener Blätter vertieft; ste scheint am Schreiben Gefallen gefunden zu haben.
Leise steckt Dörthe den Kopf durch die Thüre. „Dacht' ich« doch, daß Du noch wieder die halbe Nacht dasäßest,
schleicht auf blauen Socken die Treppe hinab. „Und da« Alle« um den Kurt. Hätt' der Junker nun nicht auch gut thun können? — Nee, schnurrige ~ -
Junker will die gnäd'ge Frau nichts Hunde kann ste sich nicht trennen 1
werden, welche nicht im Stande seien, die Wohlfahrt der Nation zu heben. Redner bestreitet, daß die Zentralisation der Verwaltung sich bewährt hat und ebenso, auf die be- kannten Königsberger Vorfälle übergehend, daß für unsere Eisenbahnbeamten eine militärische Disziplin notwendig sei; nur eine gute Ordnung hält er für notwendig. Wenn wir auf unseren Eisenbahnen nicht Beamte haben, welche auf eigene Verantwortung handeln dürfen, sondern nur auf den Wink von oben warten müssen, dann gehe unser Eisenbahnwesen zu gründe (Widerspruch rechts.) Nach den ihm zugegangenen Mitteilungen aus Beamtenkreisen seien die Entschließungen des Herrn Ministers in bezug auf die Königsberger Angelegenheit überall so aufgefaßt, daß die Ausübung des Petitionsrechts feiten« der Beamten nicht gern gesehen werde. Im übrigen liege alle Veranlassung vor, die Sache noch eine zeitlang gehen zu lassen und abzuwarten, ob sich die Erwartungen erfüllen werden, die der Minister in auSsicht gestellt habe.
Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach erklärte mit Rücksicht auf bezügliche Bemerkungen des Abg. v. Tiedemann zunächst, daß das Einbringen einer Vorlage betreffs der Anhaltischen Bahn, mit welcher noch Verhandlungen schweben, von dem Schlußergebnis der gegenwärtigen Verhandlungen abhängig sein würde. Die einseitige Sachkenntnis des Herrn Büchtemann könnte für ihn nicht maßgebend sein. Nachdem der Herr Minister die neulichen Ausführungen des Abg. Richter unter lebhafter Zustimmung der Rechten in eingehender Weise zurückgewiesen, ging er auch auf den Charakter der Vorlage selbst ein, die er als eine notwendige und sachgemäße K^sequeuz richtiger Eisenbahnpolitik beleuchtete, um demnächst an die einzelnen Bahnlinien selbst kurze Bemerkungen zu knüpfen. Der Herr Minister " " - I'
warnte vor Zeitungsnachrichten, die von Bahnen, beispielsweise der ober« An allem dem sei kein Wort wahr "■ ... ......v Veranlassung genommen worden, die Staatsanwaltschaft auf dieses Treiben aufmerksam zu machen. ES lägen weder wirtschaftliche noch finanzielle Bedenken gegen weitere Verstaatlichungen vor. Hätte die Regierung dieselben indessen noch weiter verzögert, so würde sie eine schwere Verantwortung sich aufgeladen haben. Der Herr Minister schloß mit der Bitte, dieser Vorlage die Genehmigung nicht zu versagen; schon mit dieser Zustimmung zu der Eisenbahnpolitik der Regierung allein würde die gegenwärtige Legislaturperiode des Abgeordnetenhauses sich um das Vaterland dauernd verdient gemacht haben.
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Anzeigen nimmtentgefle«: tzie Expedition d. Blattes, ppwie d.Annoncen-Bureauk |C iij. Dietrich u. Eo. in raffel und Hannover; Th. 'Dietrich in Frankfurt a.M.; haasenstein u. Vogler in irantfurt a. M-, Berlin Leipzig. Köln rc-; Rudolf in Berlin, Frank- furt a. M- re-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureanx von @ L. Daube u. Co. in Frankfurt a. 3R.; JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thiene« in Elberfeld; E- Schlotte in Bremen.
Berlin, 3. Februar.
In der heutigen (7.) Plenarsitzung deS Abgeordnetenhauses trat dasselbe in die erste Beratung de« Gesetzentwurfs betr. den weiteren Erwerb von Privateisenbahnen durch den Staat ein. (Es meldeten sich 6 Redner gegen und ebenso 6 Redner für den Entwurf zum Wort.)
Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst: Meine Herren, Sie wollen nicht au» dem Umstande, daß ich mich gegen den Entwurf zum Wort gemeldet habe, den Schluß ziehen, da« Aw« ' daß ich die Absicht habe, gegen die Vorlage zu sprechen. Ich habe nämlich namens meiner politischen Freunde die Erklärung abzugeben, daß unser prinzipieller Standpunkt bezüglich der Verstaatlichung der Privatbahnen noch heute derselbe ist wie früher. Unser Borau-sehen, daß trotz des Versprechens der Regierung auf die erste Vorlage andere folgen werden, wird durch diese neue Vorlage erfüllt, und ich zweifle auch nicht, daß weitere Vorlagen folgen werden.
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