Marburg, Sonnabend, 4. Februar 1882
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Unter falschem Name».
Von Ellen 8ucia. (Fortsetzung.)
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1881. .
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Buchhandlung daselbst; Hcrmansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte iw Bremen.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 2. Febr. Der Bundesrat hält heute wieder eine Sitzung, auf deren Tagesordnung außer einer Reihe von Mitteilungen über Beschlüsse des Reichstag- der Bericht der Ausschüsse über den Antrag Oldenburg-, betreffend die Anerkenntnisse über Zoll- und Steuervergütungen für ausgeführten Zucker und der Bericht über eine Eingabe, betreffend die Ermäßigung der Stempelabgabe für auszugebende Obligationen der Chicago-Grand- Trounk-Eisenbahn stehen. — Vor Kurzem ist in mehreren Zeitungen die Notiz enthalten gewesen, daß einige Hausbesitzer in Berlin, welche sich für ihren eigenen Gebrauch innerhalb ihrer Häuser Fernsprech-Anlagen hatten herstellen lasien, von dem königl. Polizei-Präsidium zur Beseitigung jener Anlagen aufgefordert worden seien, well der Tele- graphenbetrieb zu den Monopolen des Reichs gehöre. Wie von unterrichteter Seite mitgetetlt wird, ist eine solche Anordnung — wenn dieselbe überhaupt ergangen sein sollte — nicht auf Veranlassung der ReichS-Telegraphen- verwaltung erfolgt. Die Letztere ist vielmehr der Ansicht und hat dieselbe auch schon wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß eS Privatpersonen nicht verwehrt werden könne, innerhalb ihrer eigenen Gebäude Telegraphm- Anlagen einzurichten. Derartige Anlagen sind nicht al« Verkehrs-Anstalten, sondern als ein Teil der häuslichen Einrichtung deö Eigentümers anzusehen, ähnlich wie eine elektrische Klingel in den Wohnräumen eine- Privaten.
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„Ein Fräulein Eckard, Mama, Eva Eckard." Dir Antwort kommt zögernd über die Lippen.
„Eckard? Den Namen sollte ich gehört haben. — ES wird irgend einer deS Namens beim Regiment gestanden haben, freilich, mit den bürgerlichen Familien kamen wir sonst nie in Berührung. Die junge Dame gefällt Dir ?"
„Gewiß, Mama, sie erschien mir schon beim ersten Sehen wie eine alte Bekannte", und sie sinnt, warum Fräulein Eckards Züge sie wohl an de- BaterS Bild erinnern mögen, eine fremdartige Aehnlichkrit, für dir sie keine Deutung weiß. —
„So geh — immer hin, wenn Dir der Umgang sonst zusagt, und wenn nicht, läßt er sich leicht abbrechen ist Frau von F.'S Entscheidung." — „Apropos, eS wundert mich doch, daß ZollcrnS noch immer Deinen Besuch nicht erwidert haben; freilich, die jungen Offiziere haben an tausenderlei andere Dinge zu denken und Arthur wird schnell Carrivre machen sollen."
„Gewiß! — Aber, Mama, wolltest Du nicht heute dir hübschen Skizzen weiterführen, die Du gestern begännest?" Die Tochter ist wiederum sichtlich bemüht das Gespräch abzulenken. „Sicherlich hast Du, während ich fort war, den Faden weiter gesponnen; eS wäre schade, wenn wir ihn verlieren wollten.
„Die Erinnerungen einer alten Dame meinst Du. Nun, eS würde mich vielleicht zerstreuen; nur die Mühe, daS alle- niederzuschreiben, lohnt es nicht."
„Doch, Mama, e« würde ein hübsche- Buch sogar, und sorglich zu Ende geführt und überarbeitet, fände fich wohl gar ein Verleger dafür."
(Fortsetzung felgt)
allem interessiert und beteiligt; was daneben noch auftrat — r« spielte für die große Menge der französischen kleinen Rentiers und Spekulanten keine Rolle.
In dieser Beziehung aber hat sich nun ein folgenschwerer Umschwung vollzogen; ein Umschwung, der in seiner Tiefe vielleicht sogar überschätzt wird, der aber, nachdem er einmal begonnen hat, einen rapiden Gang annehmen wird. Dieser Umschwung hängt unbedingt mit dem übermächtig gewordenen Einfluß der Alliance-israelite auch in Frankreich zusammen. Denn erst mit dem Ueberhandnehmen dieser beginnen die Versuche, daS Börsenspiel auch in den „Nebenwerten" und in jenen „Effekten", welche man in Paris gar mit dem ominösen Namen „Non-valeurs", in Deutschland vielleicht als „Kellerwerte" bezeichnet, in tiefere Schichten der Bevölkerung hineinzutragen. Noch Perreire stieg auf dem spekulativen Wege, den man in Frankreich immerhin als legitim bezeichnen könnte; aber schon MireS wurde wenigstens persönlich nicht arm, indem er versuchte Spanier mit Franzosen in Konkurrenz zu bringen. Auch Erlanger ging mindestens zeitweise auf den Wegen MiröS; aber erst aus jenem Schwarm, der, vielleicht Rußland oder Galizien entstammend, über Wien, Berlin oder Frankfurt feinen Heuschreckenflug genommen, um nun die Pariser Börse und mehr noch die Boulevards durch sein Geschrei zu erfüllen, ist jene, auch den ärgsten Schmutz nicht scheuende Gesellschaft der Tripotage, die leider nicht nur Frankreich überschwemmt, hervorgegangen. Sie beherrscht die kleine Preffe, nun Haufen ihrer Agenten durchziehen das Land.
So schildert kürzlich, gelegentlich des Prozesses gegen die Präsidenten und AufstchtSräte der „Banque depar« tementale“, „Stöcke": „Die Betrügerei durch finanzielle Winkelanstalten hat feit Wochen beunruhigende Verhältnisse angenommen. Diese Offizinen besitzen Blätter, welche wegen ihres Spottpreises eine Kundschaft anlocken; sie unterhalten Agenten, welche die Provinz bereisen und die Ersparnis in ihrer Wohnung aussuchen; sie verbreiten mit vollen Händen Straßen-Anschläge, Reklamen, Annoncen und bringen auf diese Weise bedeutende Kapitalien auf; und einen besonderen Zauber üben diese Schwindelgeschäfte auf den ungebildeten Teil der Bevölkerung, welcher sich durch ihre Verheißungen blenden läßt und immer geneigt ist, die ihm vorgespiegelten Vorteile für ernst zu nehmen
War daher vordem die Menge der französischen Bevölkerung, deren Tendenz auf die Erwerbung und Ansammlung von Rente ging, unberührt durch die Börsen- Fluktuationencn, durch welche ihre Eintragungen In das große Buch von Frankreich beeinflußt wurden, so haben gegenwärtig andere spekulative Tendenzen zwar die Grundtendenz noch nicht völlig verschoben, aber doch schon jetzt — binnen eines überaus kurzen Zeitraumes — so große Bedeutung erlangt, daß die Befürchtung, sie würden zu einem gewaltsamen Umsturz führen, nur allzusehr begründet ist.
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„Und doch ist er schön, Mama, mit seinen Früchten." Ja, „wenn Sturm und Unwetter die Bäume nicht schon Avor in die Blüte geknickt haben."
„Laß den Vergleich, Mama; er ist nicht neu und nicht ^nmal gut. Denke lieber an Luther-Wort, e- paßt besser
Erscheint täglich außer an den Werktagm nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wSchentlieben »eiLaae aZZZZTZZZ . . .. _ ... ,
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Diese Befürchtung ergiebt sich gewiffermaßen au- de« Gange der französischen Finanzgeschäfte, die seit der Befestigung des bourbonischen Königtums immer eine höchst bedeutsame Stelle in der allgemeinen Geschichte Frank -ich» eingenommen hat. Zuerst bedingte, wie gesagt, die eigentümliche Verknüpfung deS „kleinen Rentier-" mit den Staatsfinanzen eine konservative Richtung MfeL.n, die, als sie aufgehört hatte, dynastisch zu fein, wenigsten- am Bestand des Staats, wie er eben war, wenn er die Rente zahlte, ein höchst persönliches Interesse hatte — ein Interesse, das wichtiger und stärker war im Kampfe gegen die Kommune, als irgend ein Machtmittel, da- sonst die politische Gewalt aufzutreiben vermochte, und da- seit 1830 von allen Regierungen bis auf Mac-Mahon, der daran scheiterte, oft mit äußerstem Geschick in Bewegung gesetzt worden ist. ES war für die Regierung einzig nötig, die Festigkeit und Sicherheit der Rente über allen Zweifel zn stellen und sie versicherte sich eines Anhanges, dessen Stärke allerdings nur in seiner Trägheit liegt. Aber der Trägheitsmoment ist ja bekanntlich auch im Staat-lebeu so mächtig, daß man sicher geht, mit ihm zu agieren, als sich vielleicht in raschem Anlauf an ihm vergeblich zu erschöpfen. (R.-B.)
.Die finn«rpolittsche Situation.
Es ist eigentlich kaum noch zulässig, von einer „finanz"- volitischcn Situation zu reden — wenigsten- nicht im gewöhnlichen begrenzten Sinne. Durch den Kampf Gam- bettaS mit Rothschild, der mit der Niederlage de- ersteren endete (mag man dies auch der „guten Freundschaft" wegen verhüllen), hat die Lage einen hochpolitischen Charakter angenommen und zwar nicht nur für Frankreich. Die Haute-Finance, mit anderen Worten die Alliance-israelite, nmt es zum erstenmal, einer Regierungsgewalt offen und mit der unverhüllten Tendenz, ihre persönlichen Absichten sogar als einzig giltige durchzubringen; und sie dokumentiert damit, daß sie ferner die Staatsgewalt ausschließlich nach spekulativen Grundsätzen auSgeübt wissen und daß sie ihre Kraft In solchem Sinne unverkürzt einsetzen will.
Die Bedeutung dieser Thatsache wird wenig beeinträchtigt dadurch, daß die gegenwärtige Regierung Frankreichs einen lediglich spekulativen Charakter trägt und daß Gambetta rlbst ein ebenso selbstsüchtiger Spekulant auf finanziellem wie auf politischem Gebiete ist. Dieser Umstand erleichtert lediglich den ersten geschlossenen Angriff und den ersten Sieg der Haute-Finance. Ist aber dieser erste Sieg erachten, dann wird die Alliance nach ihrer Art „schnell chrciten"; die Vorgänge in Pari- werden ihre Nachspiele taben und diese Nachspiele werden je nach dem Charakter der ins Spiel Genommenen zu Ergebnissen eigentümlicher Art führen.
Diese Ergebnisse, soweit sie auch uns unmittelbar betreffen werden, mögen indes einstweilen dahingestellt bleiben; sie liegen noch im Schoße der Zukunft, während auch da«, was von den Gaben der Gegenwart für uns abfallen wird, uns Kopfweh genug verursachen dürfte.
In der That bietet uns Frankreich in finanzpolitischer Beziehung ein ebenso merkwürdige- als ungewohntes Schauspiel; jedoch nicht etwa bloß wegen deS spekulativen ZugeS, dem es in stürmischem Laufe folgt; denn in dieser Beziehung hat eö schon manchen Sturm erlebt; aber wegen des revolutionären Charakters, den dieser Zug trägt und der seit Laws Zeiten niemals so tief gegangen ist, wie in diesen Tagen.
Die französische Spekulation, so sehr sie auch stets aus der Oberfläche schäumt, hat eine tief-konservative Grundlage. Von hauö ist eigentlich jeder Franzose Spekulant; seit Jahrhunderten ist er vom Staat dazu erzogen; Rentier zu werten, wenn auch nur kleiner Rentier, steht er an als die eigentliche 8-bensaufgabe. Dahin richtet sich daher auch die französische Spekulation „en mässe" und daraus ergiebt sich ihr konservativer Gruudzug. Die spekulative Absicht der großen Menge der 'ranzöstscheu kleinen Speku- lantcn ging bis vor kurzem noch ausschließlich auf die „Rente"; an deren KurSgang war jene Sp.kulation vor
auf uns: Wenn Gott einen Baum umbrechen läßt, sorgt er wohl auch dafür, daß seine Vögel auf einem anderen nisten können. Auch wir haben ein anderes Nest gefunden. Laß DirS nur wohl darin fein! Ich habe eS mit allerlei Hoffnunzm und Plänen mir schon weich und warm darinnen gemacht."
Die Mutter streichelt leise über da- volle Haar der Tochter. „Und ich will sie Dir nicht stören l — Aber Du solltest mir von Deinen kleinen Erlebnissen erzählen. Du hast heute wieder mit Fräulein Werner Englisch gelesen?"
„Ganz recht, Mama, sie steht vor ihrem Lehrerinnen- Examen, und da fördert'- uns gegenseitig."
„Wenn Du nicht mit Deinem trefflichen Englisch dennoch die Gebende bist. Aber will daS Mädchen hernach wirklich eine Stelle annehmen? Ich denke mir, eS muß eine schwere Aufgabe sein, sich mit Anderer Unwissenheit zu plagen."
„O nein, der Lehrberuf ist für uns Frauen der schönste von allen."
„Ich denke, der als Frau und Mutter ist doch schöner. Aber lassen wir daS! Ich kann nur von letzterem reden und Du wirst hoffentlich nie Gelegenheit haben, die Bitterkeiten de» ersteren zu schmecken. — Und Fräulein Werners sonstige Bekannten?"
„Eine derselben — sie wohnt mit einer älteren Gesellschafterin im gleichen Hause — hat mich gebeten, bisweilen einige Abendstunden mit Fräulein Werner vereint mit ihr zu verleben. Ich denke, um Englisch zu lesen."
„So gehst Du, Kind, — ohne Rücksicht auf mich, — vorausgesetzt, daß der Umgang nicht allzu sehr unter unserem Stande ist. Wer ist die Dame? Kenne ich sie wenigsten- dem Namen nach?"
H „O, Mama, Du bist viel trauriger daran, al- ich." Zn 'M „Nein Kind, verarmt wohl mag ich mich fühlen, doch - p nicht so, daß ich nicht allein sein, nicht anderer gern ent- 1891 i besten könnte. Arm nur ist, wer ein trauriges Denken " in der Einsamkeit nicht zu überwinden vermag, wer in anderer Gesellschaft Zerstreuung suchen muß."
„So laß unS doch allein bleiben. Ich habe ja Dich und Du hast mich; und damit mußt Du jetzt schon fürlieb nehmen!" Der Ton klingt traurig; fröhlich aber fährt sie fort: „Wenn Tu meiner Gesellsäaft einmal müde bist, Nun, so laben wir un» unsere Dichter und Musiker zu Gaste, oder wir wandern hinan» ins Freie. Und wenn Riemaud kommt, uns zu besuchen, der Sonnenschein kommt boch und schaut in alle Fenster hinein; Du sollst eS schon fühlen, wenn der Frühling kommt."
— -I. »Frühling und Sonnenschein? Mir ist- oft, als kehrten - JP gar nimmer wieder!"
„Nach jedem Sturme kommt stille Zeit. Und dem Dintrr muß der Frühling folgen. Sollte e- im Leben nicht auch so fein?"
„Für den, der noch Int Frühling des Lebens steht, wie Du, gewiß. Mir kommt ter Herbst und der — weckt knistere Gedanken —*
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