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Warfmrg, Freitag, 3. Februar 18H2

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Missachtung Königlicher Rechte.

Die Beratung des königlichen Erlasses vom 4. Januar Bat manche Mißdeutung zerstört, welcher derselbe unterlag, und die Ueberzeugung alö Gemeingut fast aller Parteien in Preußen hervortreten lassen, daß unser Königtum ge­schichtlich und verfassungsmäßig eine andere Stellung etn- nehme, als demselben in anderen Ländern nach der dort geltenden parlamentarischen Auffasiung zukommt. Das ist das Bezeichnende und Erfreuliche dieser Verhandlung, daß bi« in die Reihen der Fortschrittspartei hinein feierlich da­gegen Verwahrung eingelegt wurde, „daß die konstitutionellen Körperschaften in Deutschland oder in Preußen darauf aus» gehen können, die Rechte der Monarchie in Deutschland (die im Erlaß völlig zutreffend bezeichnet seien), zu leugnen «der zu schmälern". Schon vorher hatte der Liberalismus in der Presse die Stellung zum Erlaß genommen, daß der die Krone betreffende (mehr theoretische) Teil für völlig unverfänglich, aber auch für ganz selbstverständlich erklärt wurde, um desto mehr gegen den zweiten (praktischen) Teil in bezug auf die Beamten zu Felde zu ziehen. Durch die öffentliche Verhandlung sind nun auch in dieser Beziehung die Besorgniffe als gründ- und gegenstandlos erwiesen, vor alleut aber ist das unumwundenste ausdrückliche Bekenntnis auch dieses Reichstages zu den alten preußischen Grund­sätzen über das Königtum erreicht worden. Selbst der fortschrittliche Antragsteller führte von vornherein aus, daß alle die Sätze, die in jenem Teil des ErlaffeS enthalten seien, „ganz und unzweifelhaft richtig" seien, u. a. auch der Satz, „daß die monarchischen Ueberliesrrungen deS Landes die lebendigen Beziehungen des Volkes zur Person deS Königs und nicht zu den wechselnden Ministern darstelle". Alle Redner nach ihm schlugen denselben Ton an.

Insofern schon hat die königliche Kundgebung und die Besprechung, die sie hervorgerufen, auch abgesehen von der begeisterten, vom tiefsten monarchischen Sinn getragenen Rebe deS Fürsten Bismarck, die größte und erwünschteste Wirkung auf unsere gesamte augenblickliche Lage geübt.

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Gebratene« vollauf I Man immer stößt sie die junge Herrin leise in röthend und beschämt davoneilt, länger allein zu lasten.

Zutraulich hat sie sich zu ihr

wa» sie — ohne mit der Wahrheit allzu sehr in Konflikt zu gerathen — ihr von den heutigen kleinen Erlebnissen erzählen darf. Die Mutter kommt ihr zuvor:

„Du wirst bei Obrist von ZollernS gewesen sein; wie hast Du die kamen getroffen?"

„Im Begriffe auSzufahren; der Wagen stand vor der Thüre."

„Und Arthur? Hast Du auch von ihm nicht- ge­hört? Ihr wäret einst so gute Freunde."

„AlS Kinder, Mama l"

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„Auch mir ists rin Trost, daß wir ihm so nahe sind; es ist ein großer Vorzug bei den manchen Mängeln der Wohnung. Ich fühle mich immer noch fremd darin; viel­leicht entbehre ichS, daß ich sie nie habe sehen können, und es geht mir mit ihr, wie früher mit mancher Erzählung: konnte ich beim Lesen kein klares Bild über die örtlichen Verhältnisse gewinnen, so ließ sie mich kalt, so spannend sie sonst sein möchte. Auch hier ergeht mirS so; meine Phantasie läßt mich im Stiche. — Ich möchte ungern, daß bei etwaigen Besuchen gleich Jeder einen Einblick in unsere veränderte Lage gewänne; denn Wenige sind Freunde unserer Person, die Meisten beurteilen unS nach unseren GlückSzuständen."

„Tie alten Freunde nicht! Aber mit einer einzigen Ausnahme sind sie uns ja alle fern!"

„Mit dem Wohnorte wechselt auch der Bekanntenkreis, und das hat für jetzt sein Gutes. Nur einigen standes­gemäßen Umgang möchte ich doch für Dich haben; ich weiß Dich ungern so viel allein." (Fortsetzung fcht.)

DM» Für die Monate Februar und März werden noch Bestellungen auf die

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gute Papa I" Anna ist sichtlich bemüht, daß in andere Bahnen zu lenken. „Ich habe sein Grab heute besucht, ehe das Wetter gar so arg ward, und mit den hohen Lebensbäumen und dem frischen Immergrün darauf, sah eS gar friedlich aus."

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bAnnoncen-Bureaux von ® 8. Daube u. 6». in Frankfurt a. M.; Jäaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: 6. Schlotte in

Bremen.

Unter falschem Rame«.

Bon Ellen Lucia.

(Fortsetzung.)

Dörthe stutzt. Auf einen bittenden Blick der jungen Herrin aber schweigt sie. Sichtlich ist sie vom Waschfaß herdeigeellt, die kräftigen Arme prä entieren sich von der Luft scharf gerötet, und die feuchte grobe Schürze zeigt Spuren intimster Berührung mit dem Spülwaffer. Die einzige Veränderung, die sie bei ihrem schnellen Eintritte mit ihrer wenig salonmäßigen Toilete vorgenommen besteht darin, daß sie vor der Thür die schweren Holzpantoffeln jurückgelaffen, nun geräuschlos auf blaubestrümpften Füßen einher schreitet.

Gelaffen wendet sie sich zum Tische, dem Befehle zu gehorchen und der jungen Herrin daS Gerät abzuuehmen.

„Bitte, laß, Dörthe," wehrt diese,; „ein klein wenig Mehr Bewegung thut mir not! Du," setzt sie freundlich hinzu, als sich die Thüre hinter Beiden geschloffen, „hast Mehr denn, zuviel. Heute hast Du Dich wieder den gan­zen Tag für unS alle geplagt."

„Und Du, Fräulein Anning, etwa nicht?" entgegnet die Alte, den liebevollen Btick erwidernd, — wenn sie allein sind, sagt sie stets „Du," ihr gnädiges Fräulein leidet eS nicht ander», — „Du hast wohl nicht» gethan?

Waren die Schülerinnen hübsch artig heute, oder hat nicht» in die hatten Köpfe hineingewollt?"

St, Dörthe! Richt so laut! Wenn Mama Dich Hörtel Ich bin ja nur bei alten Pensionsfreundinnen gewesen, gemeinsam etwa» Musik und Englisch mit ihnen zu treiben, Du werft ja — und hernach habe ich noch einige Besuche gemacht." Sie blickt mit vorwurfsvoller Bitte auf die Atte.

1VVE,, Expedition d. Hat e« ^/b.flnrwm-en 'Fureaux i Tb Dietti» **■ «o. n> und Hannover; Tb DttM» in Frantiutt a M ; ^aikn'tein Vogte, in »-ÄrtHiirt a IN , Berlin. ?%»i8< K6,n Rudolf Be m «crlin, Frank- fort a. 1U. »c

Jener Redner fügte jedoch hinzu: „aber ich frage, wer hat die Sätze über die Stellung des Königtums denn jemals bezweifelt?" Diese Zeilen sind dazu bestimmt, auch diesen Zweifel zu widerlegen, den Zweifel, ob anderswo, al» in Berliner Zeitungen ober in einer Wahlrede, ob namentlich im Parlament und von einer großen Partei „die altüberlieferte und heilige Stellung deö Königtum» nicht mehr in der Weise wie bieher anerkannt werde", — ob daher „eine so dringende Veranlassung, eine Notwendig­keit vorlag, die Stellung des Königs auf gründ der Ver­fassung gegen Angriffe oder nur gegen Mißdeutungen zu verwahren".

Nur dieser Zweifel hat die Vermutung Hervorrufen können, der Erlaß habe als Einleitung und Androhung eines „Konflikts" und zur Schmälerung der Rechte der Landesvertretung dienen sollen.

Ein Rückblick auf Vorgänge, die nur wenige Wochen zurückliegen, wird zeigen, daß auch im Reichstage und scheinbar unter Zustimmung großer Parteien jene lebendigen Beziehungen des Königs zum Volke nicht bloS bezweifelt, sondern geradezu bestritten worden sind, daß daher der Monarch sich zu jener feierlichen RcchtSverwahrung aller­dings auch durch die parlamentarischen Vorgänge veranlaßt finden konnte. Diese Darlegung wird dazu dienen, vollends alle Beunruhigungen über vermeintliche Hintergedanken des königlichen ErlaffeS zu beseitigen.

Als durch die Wahlen ein entschiedenes Widerstreben deS Volkes gegen die BiSmarckschen Pläne erwiesen zu sein schien, alö andererseits ein Zurückdrängen der Hohenzollern- schen Fürsten durch ein übermächtiges HauSmaiertum oder durch eine tyrannische Ministerherrschaft behauptet wurde, hieß eS zuerst, der Kaiser werde den neuen Reichstag schwerlich in Person eröffnen. Bald jedoch wurde bekannt, daß bet Monarch gerade jetzt bcn größten Wert darauf legte, diesen Akt selbst zu vollziehen, um auch dadurch sein fortdauerndes Vertrauen zum Kanzler zu bezeugen; und als er sein Vorhaben aus Gesundheitsrücksichten nicht auS- führen konnte, wählte er doch eine Form der Eröffnung, durch welche das, was er dem neuen Reichstage sagen wollte, den denkbar persönlichsten Charakter erhielt, die Form einer kaiserlichen Botschaft. Und damit hierüber vollends ein Irrtum nicht möglich sei, brauchte er Aus­drücke, die eben nur für den Fürsten persönlich einen Sinn haben, er sprach von „Seiner Kaiserlichen Pflicht" u. s. w., von den „Erfolgen, mit denen Gott Seine Regierung sichtlich gesegnet" habe; er sagte ferner: „er wolle dereinst das Bewußtsein mitnehmen, den Hilfsbedürftigen größere Sicherheit ic. zu hinterlassen", — er erklärte endlich, er wisse sich für die bezeichnete Politik „vor Gott und den Menschen verpflichtet". Also darüber konnte kein Zweifel bestehen: der Kaiser wollte in der Botschaft, — abgesehen von der Frage der staatsrechtlichen Verantwortlichkeit, die

„Weiß schon, weiß Bescheid! Nette Besuche daS! Just immer 'ne Stunde lang! Müsien recht piaisierlich sein?„

„Aber sie bringen hernach klingenden Dank, Dörthe! Ich bin froh, daß ich sie machen darf. — Da, Dörthe," und sie zieht eine dünne kleine Börse aus der Tasche, „da ist daS Wirtschaftsgeld für morgen. Es reicht doch?"

„Soll schon reichen! Wir strecken uns nach der Decke!"

„Für Mama einen Teller Brühe und ein Hühnchen, wenn eS sein kann. Wir Beide haben wohl noch genug an den gestrigen Resten?"

Dörthe nickte. „Für mich ist'S schon gut, wenn Du, Fräulein Anning, Dich nur besser pflegen wolltest. So geht'« nicht auf die Dauer."

„Ich sage wie Du: eS soll schon gehen. Ich bin gesund und kräftig. — Aber, Dörthe, daß Mama nicht merkt, daß für sie etwas Besonderes auf den Tisch kommt."

„I bewahre, Kind. Wir haben alle Bouillon und

Srschemt täglich außer an den Werktaara na» Sann- und Feiertagen. Preis für ba« Quartal mit bet wöchentlichen Beilage „Klluftrirte« S»m»taa«blatt" burck hi, ffrWhifi„« Buckdruckerei) bezogen 8'/. Mark, durch die üoftämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfa. iexcl Bestell.eblchr , -^nserlio^^r wr die aelvalten, N in« ( . <tz'«tze Für in der Expedition ,u ertheilenbe Auskunft unb Annahme von «bressen werben 85 Psg. berechnet ** 10

vollständig gewahrt blieb, — auf gründ seiner lebendigen Beziehungen zu seinem Volke sprechen, wie e- sein alte», durch keine Bestimmung unserer Verfaffung veränderte» Recht ist. -

Im Reichstage nun brachte einer der (preußischen) Führer der Fortschrittspartei bei der erften Lesung de» ReichShauShalt« unerwartet die Botschaft zur Sprache. Er sagte: „im Volk werde die Meinung zu verbreiten gesucht, als ob die Botschaft in besonderer Form den Willen und die Absichten deS Monarchen, losgelöst von denen des Kanzler, feierlicher und selbstständiger zum Aus­druck brächte." („Losgelöst" war ein falscher, sehr miß­verständlicher Ausdruck, — e» ist nur behauptet worden, daß die Meinung des Monarchen neben und mit den Ab­sichten oe» Kanzlers zum .'luSdruck komme, und e- wird im Gegenteil gerade darauf Gewicht gelegt, daß der Kaiser nicht „losgelöst" werde von seinem Kanzler.) „Die Er­öffnungsrede, in welcher Form sie auch auftrete, fei Immer nur die Darlegung des Regierungsprogramms unter Ver­antwortlichkeit des Reichskanzlers. Willkürlich sei e», zwischen solchen Formen zu unterscheiden und ebenso will­kürlich, in einzelnen Wendungen die persönliche Ansicht de« Kaisers erkennen zu wollen. In der Botschaft spreche die Krone, beraten vom Kanzler; Aufgabe deS Reichstages sei e- nun, diesen Rat nach der anderen Seite zu ergänzen."

Unb nun folgte bie heftigste, bitterste Kritik der Bot­schaft unb zum Schluß nahm ber Redner die Worte des Königs, daß er zu seiner Politik sich „vor Gott und den Menschen verpflichtet halte", vielmehr für seinen Stand­punkt in Anspruch.

Man konnte dies für eine ungehörige Rede eines Ein­zelnen halten. Als aber die Rede aus zufälligen Gründen im Augenblick ohne Antwort blieb, da entstand in ber gesamten liberalen Presse die unwidersprochene, wenn auch unhaltbare Auslegung, daß jene Rede die wirkliche Ant­wort de« Reichstages auf die Kaiserliche Botschaft sei.

Kein Wunder, daß der Redner selbst im augenblicklichen Siegestaumel (in einem Berliner Bezirksvereine) ausrjef:

„Der deutsche Reichstag hat auf diese Botschaft keine andere Antwort erteilen können, als durch meine Rede, unb wir können mit diesem Anfang im Reichstage ganz beson­ders zufrieden fein."

Kein Wunder, baß die Fortschrittsblätter elnmüti sich etwa also vernehmen ließen:

„Die Antwort der Liberalen ist gestern gegeben worden. Sie erfolgte unter der lauten Zustimmung aller Liberalen nicht minder wirksam, als es durch eine Adreffe geschehen konnte. Wenn die preußische Regierung die Eröffnung«- boischaft jetzt In jedem Dorfe anschlagen läßt, so wird man auch die Antwort der Liberalen im Lande lesen, und der ungeteilte Beifall, den diese Antwort gestern im Reichstage fand, wird laut aus dem Lande zurückhallen."

„Auch später noch! So lange der Papa lebte, ver­ging kaum je ein Fest, wo Ihr nicht zusammentrafet. Und während Deiner Pensionszelt, — Ich sehe ben Papa vor mir, wie er so herzlich über Deine Briefe lachte, well mehr von den jugendlichen Kadetten drin davon die Rede

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